«Unser Immobilienportfolio hat einen starken Lokalbezug»

Daniel Stürzinger ist Direktor der Pensionskasse des Kantons Wallis und Stiftungsrat der Swisscanto Anlagestiftungen. Im Gespräch mit Thomas Schärer, dem Geschäftsführer der Swisscanto Anlagestiftungen, spricht er über seinen Werdegang, die Eigenheiten der Romandie im Pensionskassen-Markt und darüber, was ihn als Wahl-Romand manchmal in seine Luzerner Heimat zurücklockt.

Daniel Stürzinger, Sie kommen aus Luzern, leben aber seit 30 Jahren in der Roman­die. Wann hatten Sie das Gefühl, dass Sie so richtig angekommen sind?

Eigentlich schon sehr früh. Ich machte die RS in der Westschweiz und war bereits fast perfekt bilingue, als ich mein Studium in Lausanne begann. Ich suchte immer den Kontakt mit den welschen Mitstudenten und blieb dann ganz selbstverständlich in der Westschweiz. Nur einmal im Jahr werde ich zum Heimweh-Luzerner – natür­lich an der Fasnacht! In die Deutschschweiz komme ich sonst eigentlich nur, wenn ich meine Familie besuche.

Für einen Deutschschweizer ist das eher ungewöhnlich …

… ja, und für viele unerwartet, denn Französisch war meine schlechteste Matu­ranote! Allerdings war ich schon immer fasziniert von Sprachen und Kulturen. Nach dem Studium und einigen Jahren Berufserfahrung packte ich deshalb meinen Rucksack, kaufte ein One-Way-Ticket nach Mauretanien und reiste über ein Jahr lang durch Afrika. Jetzt arbeite ich in Sitten, wohne am Genfersee und fühle mich hier sehr wohl mit meiner Familie. Die Gegend ist traumhaft und ich bin gern unterwegs, zurzeit vorwiegend zu Fuss beim Wandern, mit dem Wunsch, wieder ab und zu das Mountainbike oder das Rennvelo aus der Garage zu bringen.

Im Alltag leiten Sie die Pensionskasse des Kantons Wallis PKWAL. Welche Unter­schiede sehen Sie hier zwischen der Deutschschweiz und der Romandie?

Es gibt schon kleine, feine Unterschiede. Für mich sind die Strukturen in der West­schweiz teilweise weniger stark formalisiert. ESG-Kriterien scheinen in der Romandie im Vergleich zur Deutschschweiz weniger stark im Fokus zu stehen. Gleichzeitig spürt man in der Roman­die oft ein grösseres Vertrauen in den Markt.

Wie zeigt sich das?

Etwa darin, dass technische Zinssätze bei den Pensionskassen tendenziell leicht höher angesetzt werden. Das könnte auf ein Grundvertrauen zurückzuführen sein, das in der Deutschschweiz möglicherweise anders ausgeprägt ist. Bei den Produkten und den grundsätzlichen Herausforderungen hingegen sehe ich kaum Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Ro­mandie.

Thomas Schärer (links) und Daniel Stürzinger im Innenhof einer Generationen-Siedlung, einem zukunftsweisenden Immobilienprojekt der PKWAL in Sitten.

Was faszinierte Sie an der Stelle bei der PKWAL?

Die unglaubliche Vielfalt! Die PKWAL ist eine Pensionskasse, die prak­tisch alles selbst macht: Sie hält direkte Immobilien, kümmert sich selbst um ihre Anlagen und hat keinen Rückversicherer für die Vorsorgeleistungen. Wir decken die ge­samte Wertschöpfung intern ab. Das macht die Aufgabe enorm vielfältig und ab­wechslungsreich.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie einen so grossen Gestaltungsspielraum ha­ben würden?

Ja, das war klar. Genau das hat mich an der Aufgabe gereizt. Als ich bei der PKWAL startete, waren wir im Immobilienbe­reich noch nicht so stark aufgestellt. Wir standen vor der Frage, wie wir diesen Be­reich in Zukunft organisieren und weiterentwickeln wollen. Wir evaluierten diese Frage eingehend, unter anderem auch zusammen mit den Swisscanto Anlagestiftungen als Sparring­spartner. Trotz interessanten Ansätzen hat sich die PKWAL dann für den Weg entschieden, Immobilienkompetenz intern aufzubauen, denn lokale Liegenschaften und der lokale Bezug im Immobilienportfolio geniessen einen hohen Stellenwert bei den Versicherten. Obwohl es damals im Wallis kaum die Fachleute gab, die wir dafür brauchten, gelang es uns, Experten aus Lausanne oder Genf mit Walliser Wurzeln wieder zurück ins Wallis zu holen. So haben wir den Bereich Immobilien Schritt für Schritt aufgebaut und professionalisiert.

Welche Rolle spielen Immobilien heute für die PKWAL?

Immobilien sind für unsere Pensionskasse ein zentraler Pfeiler. Sie bieten Stabilität und langfristige Erträge. Ausserdem wollen wir im Wallis ein wichtiger Akteur sein. Unsere Versicherten sollen sehen, dass wir Wert darauf legen, einen Teil des Vorsorgekapitals in der Region zu investieren, um lokale Projekte zu fördern. So können wir den Menschen etwas zurückgeben, und das, bevor sie die zweite Säule beziehen.

Daniel Stürzinger, Stiftungsrat der Swisscanto Anlagestiftungen (rechts) im Gespräch mit Thomas Schärer, Geschäftsführer der Swisscanto Anlagestiftungen.

Das ist ein gutes Stichwort: Die PKWAL verwaltet ein Vermögen von 7,7 Milliarden Franken, mit 15’000 aktiven Versicherten und 7’500 Rentnerinnen und Rentnern.
Ein anspruchsvolles Setting.

Ja, das stimmt. Rund ein Drittel unserer Versicherten sind Rentnerinnen und Rent­ner. Das verändert die Ausgangslage gegenüber anderen Kassen. Das besondere bei uns ist, dass wir eine offene und eine geschlossene Kasse führen. In der ge­schlossenen Kasse kommen keine neuen Versicherten mehr hinzu, dort befinden sich vor allem Rentnerinnen und Rentner. Daneben gibt es die offene Kasse mit deutlich mehr aktiven Versicherten. Die Anlagestrategie ist jedoch bei beiden Kassen dieselbe. Wir investieren langfristig und achten darauf, Risiken breit zu diversifizieren.

Gerade in den letzten Jahren ist die weltpolitische Lage immer instabiler geworden. Wie beeinflusst das Ihre Strategie?

Erstaunlicherweise weniger stark, als man erwarten würde. 2025 war ein extrem gu­tes Börsenjahr, trotz aller Wirren. Der Ukraine-Krieg, die US-Zölle oder der Angriff auf den Iran haben an den Märkten letztlich weniger starke Spuren hinterlassen, als man annehmen konnte. Die Börsen zeigen sich derzeit selbst bei geopolitischen Krisen recht ro­bust. Für uns ist entscheidend, langfristig zu denken und nicht auf jede kurzfristige Bewegung zu reagieren.

Als Direktor einer Pensionskasse befassen Sie sich viel mit Strategien, Zahlen und Strukturen. Gibt es überhaupt noch Kontakt mit den Versicherten?

Ja, den gibt es, und das ist mir sehr wichtig. Wir versichern nicht nur die Angestellten des Kantons, sondern auch Mitarbeitende verschiedener angeschlossener Betriebe. Beim Kanton und bei diesen Betrieben führen wir direkt vor Ort Weiterbildungen zur zweiten Säule durch, um die Mitarbeitenden für Vorsorgethemen zu sensibilisie­ren.

Als Direktor der PKWAL beschäftigte sich Daniel Stürzinger intensiv mit dem Thema Immobilien im Portfolio.

Wie machen Sie Menschen, die noch mitten im Berufsleben stehen, das Thema zweite Säule schmackhaft?

Es tönt vielleicht etwas überraschend, aber: mithilfe unseres Versichertenportals! Man kann noch so viel erklären, aber solange die Leute nicht konkret sehen, was Vorsorge bedeutet und wie viel Geld ihnen im Alter tatsächlich zur Verfügung steht, bleibt vieles abstrakt. Mit dem Versichertenportal können die Versicherten einfach ihre Altersleistungen berechnen. Sie sehen, wie hoch ihre Rente ausfallen wird und welchen Unterschied es macht, wenn man beispielsweise 10 Prozent mehr oder weniger arbeitet. Das für die eigene Person berechnet zu sehen, hat viel mehr Impact als alle Appelle zur beruflichen Vorsorge.

Was bringt dieses Wissen den Versicherten konkret?

Diese Weiterbildungen helfen den Menschen, bewusstere Entscheidungen zu tref­fen. Und vielleicht auch, sich in die Pensionskasse einzukaufen. Das wiederum bringt zusätzliche Mittel, die wir im Interesse unserer Versicherten investieren können. Zu­dem stärkt es das Vertrauen in die zweite Säule.

Nebst Ihrer Tätigkeit als Direktor sind Sie auch Stiftungsrat bei den Swisscanto Anla­gestiftungen. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Ich komme ursprünglich nicht direkt aus dem Anlagebereich und absolvierte später eine Weiterbildung zum Pensionskassenleiter. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, die Anlage- und Produktseite vertieft kennenzulernen. Mich interessierte: Wie funktio­niert eine Anlagestiftung? Wie investiert sie? Welche Überlegungen stecken hinter den Produkten? Diese Perspektive fand ich spannend.

Thomas Schärer und Daniel Stürzinger in der Altstadt von Sitten – einem der Lieblingsorte des PKWAL-Direktors.

Die Swisscanto Anlagestiftungen suchten explizit einen Vertreter aus der Romandie. Sehr schnell wurde da ihr Name genannt.

Als Wahl-Romand ehrt es mich natürlich sehr. Es zeigt, dass ich in der Westschweiz angekommen bin und als Romand wahrgenommen werde. Ich möchte diese Region in den Swisscanto Anlagestiftungen vertreten und die Bedürfnisse und Rahmenbedin­gungen der Vorsorgewerke hier in der Romandie einbringen.

Wie ist Ihr Eindruck von der Governance bei den Swisscanto Anlagestiftungen?

Sehr professionell. Die Sitzungen sind hervorragend vorbereitet. Ich steige in den Zug, lese in den drei Stunden die Unterlagen, und bin danach bestens informiert. Das erleichtert die Arbeit im Stiftungsrat enorm. Man merkt, dass die Organisation strukturiert arbeitet und grossen Wert auf Transparenz legt. Das gibt mir Sicherheit für meine Aufgabe, wenn es darum geht, die strategische Richtung festzulegen und die Interessen der Anleger zu vertreten.

Zum Schluss nochmals zurück nach Sitten: Gibt es einen Ort in der Stadt, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja, sehr sogar. Ich mag die verwinkelten Gassen der Altstadt und die Aussicht von der Basilique de Valère! Das ist nicht weit von unseren Büros entfernt. Hier spüre ich die Geschichte der Stadt. Es ist ein Ort, an dem ich kurz abschalten und durchatmen kann – und an dem mir immer wieder bewusst wird, warum ich Wahl-Romand geworden bin!

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