KI: Stehen wir am Ende oder am Beginn der Reise?
Sind die Aktienmärkte überhitzt und haben sie sich von der Realwirtschaft entkoppelt? Diese Frage stellt sich vor allem im Zusammenhang mit den erhöhten Bewertungen von Tech-Aktien – insbesondere bei den US-amerikanischen Tech-Titeln, den sogenannten «Mag Seven», welche die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) vorantreiben. Aus fundamentaler Sicht stellt sich somit die Frage: Wie nützlich sind die Entwicklungen im Bereich KI für die Wirtschaft? Es ist nicht unüblich, dass neue Technologien in der ersten Entwicklungsphase viel Investitionskapital anziehen. Doch schafft der Infrastrukturaufbau in diesem Bereich einen wirtschaftlichen, ja vielleicht sogar einen gesellschaftlichen Mehrwert. Allerdings werden wir diese Frage erst in den nächsten Jahren beantworten können. Ähnlich wie die Eisenbahn, Elektrizität oder das Internet wird es auch bei der Entwicklung von KI Momente der Hoffnung und Ernüchterung geben. Was aber bleibt, ist eine neue Technologie und Infrastruktur mit einer breiten Anwendung, deren Produktivitätsgewinne wir wirtschaftlich und gesellschaftlich erst in der laufenden Dekade realisieren werden. Das ist bestimmt keine Blase.
Grafik 1: Bewertung erhöht, aber nicht auf Blasen-Niveaus
Forward Kurs-Gewinn-Verhältnis
Nervöse Anleger sollten Relationen nicht aus den Augen lassen
Tatsächlich liegen die Aktienbewertungen des Technologiesektors über dem Durchschnitt des gesamten Aktienmarktes. Doch auch die Gewinne sind deutlich höher als der Marktdurchschnitt. Die Bewertungen sind historisch betrachtet zweifelsohne erhöht, aber in den USA sinken aktuell die Zinsen. Im Frühjahr 2000 platzte die Dotcom- oder Internetblase wegen der übertriebenen Bewertungen, aber auch weil die Zinsen in den USA auf 6,5% angehoben wurden. Ein weiterer Unterschied zu damals ist, dass die Unternehmen heute ihre Investitionen überwiegend aus den generierten Erträgen und nicht über Schulden finanzieren. Die Kreditentwicklung in den USA muss sicher gut begleitet werden, denn die Staatsschulden sind tatsächlich hoch. Sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum BIP. Eine Volkswirtschaft besteht jedoch auch aus einem Privatsektor, und hier ist die Verschuldung nur als absolute Zahl exorbitant hoch. Im Verhältnis zum BIP oder zum Vermögen sind die US-Haushalte sehr tief verschuldet (Grafik 2). Die hohe Marktkonzentration der dominierenden KI-Firmen gibt zu denken und die hohen Zinsen der vergangenen Quartale in den USA sind für fremdfinanzierte Projekte eine Herausforderung, doch der Vermögenspuffer des Privatsektors ist recht gross. Zudem konzentriert sich die Diskussion der hohen Bewertung auf den Technologiesektor. Anleger können durch eine breite Diversifikation im Portfolio die Klumpenrisiken aus dem US-amerikanischen Technologiesektor reduzieren.
Grafik 2: Verschuldung der US-Haushalte im Verhältnis zum BIP