Grosse Unter­schiede bei der Verzinsung sorgen für Gesprächsstoff

Die 26. Ausgabe der Schweizer Pensionskassenstudie beleuchtet den Zusammenhang zwischen zwei zentralen Grössen in der 2. Säule: Rendite und Verzinsung.

Die Schweizer Pensionskassenstudie brachte 2026 verschiedenste neue Bestmarken. Neben Höchstwerten bei den Deckungsgraden, der Verzinsung und der Aktienquote, verzeichnete die 26. Ausgabe auch einen Teilnehmerrekord: Mit 528 Pensionskassen nahmen so viele Vorsorgewerke teil wie noch nie.

«Die rekordhohe Beteiligung mit Kassen aus allen Landesteilen zeigt die hohe Relevanz unserer Studie in der Schweiz», hielt Iwan Deplazes bei der Begrüssung der 200 Gäste fest. Unter dem Titel «Die Macht der Verzinsung – die Kraft der Performance» führte der Leiter Asset Management der Zürcher Kantonalbank am 2. Juni im AURA in Zürich durch die Präsentation der Studienergebnisse.

Der dritte Beitragszahler übernimmt zunehmend die Hauptrolle

Mit einer Nettorendite von durchschnittlich 6 Prozent blicken die Pensionskassen auf ein erfolgreiches Börsenjahr zurück. Die Anlagerendite leistete 2025 mit 52 Prozent den höchsten Beitrag zum Wachstum des Vorsorgekapitals, während die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden zusammen weniger als die Hälfte ausmachten. «Der dritte Beitragszahler wird immer mehr zum ersten», stellte Iwan Deplazes einleitend fest.

Iwan Deplazes, Leiter Asset Management der Zürcher Kantonalbank, zeigte die grossen Unterschiede zwischen den Kassen bei Perfomance und Verzinsung auf.

Nicht alle Versicherten profitieren in gleichem Mass von den hohen Renditen, wie Iwan Deplazes mit einem eindrücklichen Vergleich aufzeigte: Während die besten 10 Prozent der Kassen 2025 im Schnitt 9,25 Prozent verzinsten, gaben die schwächsten 10 Prozent nur 2 Prozent an die Versicherten weiter. Über fünf Jahre betrachtet beträgt der Unterschied zwischen den beiden Gruppen – mit je rund 50 Kassen – ganze 26 Prozentpunkte.

Performance macht den Zinsunterschied

Iwan Deplazes beobachtet eine hohe Korrelation zwischen Rendite und Verzinsung: «Top-Performer verzinsen deutlich besser. Deshalb liegt es im Interesse der Versicherten, dass die Kassen ihre Risikofähigkeit so weit wie möglich ausschöpfen.» Die Performance-Unterschiede wiederum hängen stark mit der Asset Allocation zusammen, wie Deplazes ausführte. Die besten Kassen halten nur halb so viele Obligationen wie die Bottom-Performer – dafür mehr Aktien und alternative Anlagen. Im Schnitt setzen die Kassen mehr denn je auf Aktien: Mit 34,5 Prozent ist der Aktienanteil in den Portfolios im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen.

Erstmals untersuchte die Studie auch die Rolle von Investment Consultants. Schliesslich lassen sich über zwei Drittel der Kassen bei der Entwicklung der Anlagestrategie beraten. «Unser Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, um das System besser zu machen», erklärte Iwan Deplazes die Motivation dahinter. Beim Vergleich der Kassen, die von den rund 20 Anbietern betreut werden, zeigen sich sowohl bei der Asset Allocation als auch bei den Vermögensverwaltungskosten signifikante Unterschiede – nicht aber bei der Rendite.

Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen der Zürcher Kantonalbank, gab Einblicke in den Verzinsungsentscheid der Pensionskassen.

Deckungsgrade zeugen von hoher Leistungsfähigkeit

Heini Dändliker beleuchtete in seinem Referat die Leistungsseite. Der Leiter Grossfirmen der Zürcher Kantonalbank brachte gute Neuigkeiten mit: Der Deckungsgrad der privatrechtlichen Kassen erreichte kurz vor der Veranstaltung einen neuen Rekord – mit 122,7 Prozent übertrafen die Kassen per 31. Mai 2026 die Bestmarke von 2021.

Damit sind die Kassen so gut aufgestellt wie lange nicht mehr. Auch die stabile Entwicklung bei den Umwandlungssätzen und beim technischen Zins zeugt von der hohen Leistungsfähigkeit. «Die Kassen sind fit, sie haben ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Verpflichtungen im Schnitt richtig kalkuliert», fasste Heini Dändliker zusammen.

Neue Einsichten zum Verzinsungsentscheid

Da Erhöhungen der Umwandlungssätze weiterhin die Ausnahme bleiben, bestätigt sich der Befund der letzten Studien: Leistungsverbesserungen werden primär über die Verzinsung weitergeben. Damit kommt dem Verzinsungsentscheid eine zentrale Rolle zu. Dieser wurde im Rahmen der diesjährigen Studie erstmals genauer untersucht. 86 Prozent der Kassen fällen den Entscheid retrospektiv mit Blick auf die Jahresperformance. Dabei sind die Zinssätze, aber auch die jährlichen Schwankungen, deutlich grösser als bei den wenigen Kassen, die ihre Verzinsung bereits Anfang Jahr festlegen.

Im Schnitt erhielten die Versicherten 2025 eine Verzinsung von 4,7 Prozent. Nach Abzug der Inflation erreichten die Kassen mit 4,6 Prozent die höchste Realverzinsung seit 25 Jahren. «Das ist erfreulich, aber leider nimmt diese hohen Leistungen kaum jemand zur Kenntnis», gab Heini Dändliker zu bedenken. 70 Prozent kennen die aktuelle Verzinsung ihres Altersguthabens nicht, wie die Versichertenbefragung im Rahmen der diesjährigen Studie zeigt. Fast genauso viele kennen auch den eigenen Umwandlungssatz nicht.

Martin Spieler moderierte die Podiumsdiskussion mit Doris Bianchi, Direktorin des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV; Reto Portmann, Geschäftsführer der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank; und Stephan Wyss, Gründungspartner der Prevanto AG.

Angeregte Diskussion über die Risikofähigkeit

Die von den beiden Referenten aufgeworfenen Fragen wurden zum Abschluss der Veranstaltung auf dem Podium angeregt diskutiert. Doris Bianchi, Direktorin des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV, gab Iwan Deplazes recht, dass manche Pensionskassen ihre Risikofähigkeit noch stärker ausschöpfen sollten. Dies könnte dazu beitragen, die Unterschiede bei der Verzinsung zu verringern.

Stephan Wyss von Prevanto hielt dagegen, dass die Minimierung der Risiken für den Stiftungsrat stets im Vordergrund stehen müsse. Nach einem guten Börsenjahr sei es leicht, Forderungen nach höheren Aktienquoten zu stellen, doch laut Gesetz gelte «Safety first». Der Experte für berufliche Vorsorge erinnerte an die Finanzkrise von 2008, als gut die Hälfte der Kassen von heute auf morgen in Unterdeckung geraten war.

Aufklärungsbedarf bleibt hoch

Reto Portmann von der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank merkte an, dass Vorsorgewerke gegenüber den Versicherten vor allem transparent kommunizieren müssen, wie der Verzinsungsentscheid zustande kommt – etwa durch ein Beteiligungsmodell. Allerdings sei es eine Herausforderung, die berufliche Vorsorge verständlich zu erklären.

Einigkeit herrschte auf dem Podium am Ende in zwei Punkten: Zum einen muss die Wissensvermittlung zur beruflichen Vorsorge besser im Bildungssystem verankert werden. Zum anderen sind die Pensionskassen angehalten, ihre Kommunikation weiter zu verbessern. Wie die Studie zeigt, beherzigen viele Pensionskassen dies bereits: Mehr als die Hälfte der Kassen verfügt über eine digitale Plattform für die Versicherten.

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