Seit der letzten Anlegerversammlung war viel passiert: Der Liberation Day, die KI-Rally und nicht zuletzt ein Wechsel auf der Führungsetage der Swisscanto Anlagestiftungen. Davide Pezzetta versprach nicht zu viel, als er den rund 50 Anwesenden am 31. Oktober im Hotel Einstein in St. Gallen ein «spannendes Programm» ankündigte. Hanspeter Wohlwend, Mitglied der Geschäftsleitung der St. Galler Kantonalbank, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grusswort und betonte: «Vertrauen ist die Grundlage des Anlagegeschäfts – und das entsteht zwischen Menschen.»
Drei bisherige und ein neu gewählter Stiftungsrat
Im offiziellen Teil der Versammlung gab es gleich mehrere wichtige Personalien zu vermelden. Davide Pezzetta dankte der langjährigen Geschäftsführerin Sonja Spichtig für ihren Einsatz und begrüsste den neuen Geschäftsführer Thomas Schärer. Zudem verabschiedete er den Stiftungsrat Thomas Hug mit einem herzlichen Dank. Dieser trat aufgrund neuer beruflicher Verpflichtungen aus dem Stiftungsrat zurück. Davide Pezzetta erläuterte den intensiven Findungsprozess, um eine Nachfolge zu nominieren. Vorgeschlagen und einstimmig in den Stiftungsrat gewählt wurde schliesslich Roger Mohr. Er ist Geschäftsführer der Personalstiftung sowie des Wohlfahrtsfonds der Schweizerischen Rettungsflugwacht und nahm die Wahl unter Applaus an. Ebenfalls mit grosser Mehrheit wiedergewählt wurden die bestehenden Stiftungsräte Davide Pezzetta, Stephanino Isele und Thomas Keller. Auch alle weiteren Traktanden wurden diskussionslos genehmigt.
Erfolgreiches Geschäftsjahr 2024/2025
In seinem ersten offiziellen Auftritt vor den Anlegern präsentierte Thomas Schärer einen Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr: «Wir dürfen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken», bilanzierte er. Die 41 Anlagegruppen verfügen über ein Anlagevermögen von 22.7 Milliarden Franken. «Damit gehören wir zu den grössten KGAST-Anlagestiftungen», so Schärer. «Highlights habe es im vergangenen Geschäftsjahr einige gegeben», sagte er. So wird bei den Swisscanto AST Hypotheken neu der Responsible-Ansatz der Zürcher Kantonalbank eingesetzt, womit nun alle aktiv verwalteten Produkte der Swisscanto Anlagestiftung den Responsible oder Sustainable Ansatz verfolgen. Mit der Lancierung der neuen Anlagegruppe «Swisscanto AST Avant BVG Sustainable Portfolio 15» wurde das Angebot an aktiv verwalteten und nachhaltigen Mischvermögen komplettiert. Ein Highlight war die Kapitalerhöhung in der Anlagegruppe «Swisscanto AST Immobilien Responsible Schweiz» im Umfang von CHF 200 Mio., welche mehrfach überzeichnet wurde.
Zölle, Zinsen und Dollar: Ein Blick in die Zukunft
Einen spannenden Blick in die Zukunft bot Stefano Zoffoli, Chefstratege des Asset Management der Zürcher Kantonalbank. «Hoch hinaus dank Tiefzinsumfeld» war seine Headline – und recht vielversprechend der Ausblick des Experten. «Unser Mischvermögen mit 45% Aktienzielquote hat in den letzten 5 Jahren durchschnittlich einen Ertrag von 4% nach Kosten erzielt», so Zoffoli. «In diesem Jahr dürfte es sogar noch leicht höher liegen.» Zoffoli ging auf die hot topics der Finanzbranche ein: US-Zölle, Zinssenkungen, Aktien, Gold, KI und der US-Dollar. Sein Fazit: Die US-Zölle schaden der Wirtschaft bisher viel weniger als erwartet, und das dürfte auch so bleiben: «Den grössten BIP-Rückgang prognostizieren wir für die USA – andernorts halten sich die Auswirkungen der Zölle in Grenzen.»
Zum Thema Zinssenkungen ist Zoffolis Prognose klar: sie werden in den USA weitergehen und Dollaranlagen damit nach wie vor an Attraktivität einbüssen. «Wenn es einen Aspekt gibt, über den sich Experten einig sind, dann die Abschwächung des Dollars», so Zoffoli.
KI: Stabile Aussichten
Die Kurse der KI-Unternehmen bewertet der Experte als stabil. «Die entsprechenden Firmen haben genügend Cashflow, um Investitionen in grosse Datencenter zu tätigen.» Allerdings hänge nicht alles im KI-Bereich von den grossen US-Firmen ab, so Zoffoli. «Es gibt durchaus Alternativen in den Schwellenländern». So bleibt Asien der Vorreiter im Bereich Automatisierung.
Zwei Professoren über Private Markets
Als Gäste referierten Roland Füss, Professor für Real Estate Finance und Stefan Morkötter, Professor für Finance, beide von der Universität St. Gallen. Das Thema: Pensionskassen und Private Markets. «Private-Market-Investitionen sind ein attraktives Segment für Pensionskassen, aber nicht ohne Herausforderungen», sagte Morkötter. Es gäbe durchaus Aspekte bei Private Markets, die den Pensionskassen entgegenkämen: «Aktienmärkte sind wie Speeddating, Private Equity eher auf längere Dauer angelegt.» Eine kurze Umfrage im Saal ergab: die meisten Pensionskassen-Vertreter haben ihre Investments in Private Equity in den letzten Jahren erhöht oder unverändert gelassen; nur ein kleiner Teil hat sie verringert.
Infrastruktur und Immobilien
Roland Füss ging auf die Themen Private Credit, Infrastruktur und Immobilien ein. Insbesondere der Bereich Private Debt sei in den letzten Jahren, auch als Reaktion auf die erhöhten Kapitalvorschriften der Banken, stark gewachsen. Bei Immobilien und Infrastruktur, zwei Anlageklassen die personalintensiv sind und spezialisiertes Know-how benötigen, wird es für viele Pensionskassen effizienter sein, indirekt als direkt zu investieren.
Start-Ups: Mikro-Investitionen und KI
Zum Abschluss gaben zwei Gründer Einblicke, mit welchen Herausforderungen Jungunternehmer konfrontiert sind. Matthias Falk stellte mit «AssetOS» eine Softwarelösung vor, die das Screening und die Due Diligence für Immobilientransaktionen automatisiert, während Jan-Philip Schade mit «Kaspar&» eine App präsentierte, die Mikro-Investitionen für Jedermann durch das Aufrunden von Alltagsausgaben ermöglicht. «Viele Menschen investieren nicht – wir möchten es ihnen ermöglichen», sagt Jan-Philip Schade. Die App rundet bezahlte Beträge auf, die investiert werden. «Kaufe ich einen Kaffee für 4.20 Franken, werden mir 5.- Franken abgebucht. 80 Rappen werden automatisch für mich investiert.» An frischen Ideen und Inputs zum Thema Finanzen fehlte es also nicht. Anschliessend präsentierten sich die Gründer an einem Info-Stand. Beim anschliessenden Stehlunch konnten die Teilnehmenden die Themen vertiefen, neue Kontakte knüpfen und die Veranstaltung in entspannter Atmosphäre ausklingen lassen.