SNB wagt sich aus der Deckung

Schweizerische Nationalbank erhöht den Leitzins

Nachdem die US-Notenbank (Fed) bei ihrer Sitzung vom 15. Juni den Leitzins um 0.75% angehoben hat und die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte bereits vorher auf baldige Zinsschritte vorbereitet hatte, wagte sich nun auc​​h die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus der Deckung. Sie erhöhte per 17. Juni überraschend den SNB-Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben um einen halben Prozentpunkt auf -0.25%. Die steigende Inflation bereitet der SNB Sorgen. Zwar sind die Preissteigerungen in der Schweiz im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ausgefallen, dennoch sah sich die SNB gezwungen, bereits zeitlich vor der EZB zu handeln, denn das Mandat der Preisstabilität hat oberste Priorität. Die SNB behält sich zwar vor, weiterhin am Devisenmarkt aktiv zu bleiben, der Schweizer Franken wird nun hingegen nicht mehr als hoch bewertet taxiert.

Diesjährige Inflation in der Schweiz klar über dem Zielband

In ihrer neuen bedingten Inflationsprognose geht die SNB davon aus, dass die Inflation in der Schweiz in diesem Jahr mit 2.8% klar über dem Notenbankziel von 0 bis 2% zu liegen kommt. Für nächstes Jahr rechnet sie dank der aktuellen Zinsanhebung mit einer Inflationsrate innerhalb des Zielbandes, namentlich mit 1.9%. Wie die SNB schreibt, ist es nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden. Unserer Ansicht nach ist es sehr wahrscheinlich, dass die SNB die Inflation aggressiver bekämpfen wird und bereits bei ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung den Leitzins nochmals um 0.5% anhebt. Damit könnte die Negativzinspolitik im September dieses Jahres beendet werden. Den Referenzsatz der SNB sehen wir neu per Ende 2022 bei 0.5%.

Neubewertungen an den Obligationen- und Aktienmärkten

Die Schweizer Zinsen haben bereits im Nachgang der letzten EZB-Sitzungen über sämtliche Laufzeiten deutlich angezogen. Innerhalb einer Woche sind die Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen markant angestiegen. In Anbetracht der anhaltenden Inflationsüberraschungen agieren die bedeutenden Notenbanken deutlich restriktiver und die Finanzmärkte wie auch wir rechnen nun mit höheren Leitzinsniveaus in Europa. Das hat wiederum zu Neubewertungen an den Obligationenmärkten geführt und rechtfertigt am langen Ende der Zinskurve höhere Realrenditen. Die Markterwartungen an eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken sind nun in den Obligationenkursen reflektiert, weshalb wir beim Renditeanstieg mit einer zwischenzeitlichen Verschnaufpause rechnen. Als initiale Reaktion auf die SNB-Kommunikation hat auch der Schweizer Franken an Stärke gewonnen. Da sich die Zinsdifferenz zu anderen Währungsregionen nicht einengen wird, rechnen wir nicht mit einer nachhaltigen Aufwertung des Schweizer Frankens. Als Reaktion auf die Zinsentscheidung der SNB baute der Schweizer Aktienmarkt seine Verluste weiter aus. Dabei verloren die zinssensitiven Finanzdienstleister sowie die zyklischen Sektoren überdurchschnittlich, während sich die defensiven Branchen etwas besser entwickelten, aber ebenfalls weit im Minus lagen.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

 

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