Neu aufgestellt weiter auf Erfolgskurs

Thomas Schärer ist seit diesem September Geschäftsführer der Swisscanto Anlagestiftungen. Er erzählt Stiftungsratspräsident Davide Pezzetta, wie er als Teenager zum Fondsgeschäft kam, was wir von der Altersvorsorge in Indien lernen können und für welchen Sport er brennt.
Swisscanto Interview Thomas Schärer und Davide Pezzetta

Thomas Schärer, wir stehen hier am Dych in Münchenstein, auf dem Gelände des ehemaligen Läckerli-Huus-Areals. Warum treffen wir uns hier? 

Die Wohnsiedlung am Dych ist ganz neu, sie wurde erst im Frühling dieses Jahres eröffnet. Ich bin besonders stolz darauf, weil das Asset Management der Zürcher Kantonalbank dieses Immobilienprojekt für die Swisscanto Anlagestiftung selbst entwickelt hat. Es steht für mich auch für die Zukunft der Swisscanto. Wir sehen hier, wie Vorsorgegelder sinnvoll und sorgfältig eingesetzt werden: Über 170 Mietparteien sind eingezogen, und die Vorsorgegelder von noch mehr Menschen wurden in diesem Projekt verantwortungsvoll angelegt. 

Der Immobiliensektor wird in der 2. Säule also in Zukunft noch wichtiger? 

Der Immobiliensektor ist ein wichtiger Teil der Asset Allokation in der 2. Säule. Dies wird auch künftig so sein und allenfalls werden wir im Sinne der Diversifikation auch gewisse Immobilienanlagen im Ausland sehen. Immobilien sind für die Swisscanto Anlagestiftungen ein sehr bedeutendes Anlagesegment, denn mittlerweile machen Immobilien und Hypotheken knapp 50% der verwalteten Vermögen von über 20 Milliarden Franken aus.

Du beschäftigst dich schon seit über 35 Jahren mit kollektiven Anlagen, jedoch im Fondsgeschäft. Was hat dich zur Swisscanto geführt? 

(Lacht) Ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Ich hatte schon als Geschäftsführer einer grossen Schweizer Fondsleitung die Möglichkeit, mit Pensionskassen Einanlegerfonds aufzusetzen. Ich kannte bereits einige Vertreter der PK-Seite, wusste, wie sie ticken, und war auch neugierig, noch stärker ins Vorsorgethema einzutauchen und im Bereich der Anlagestiftungen und Vorsorgeinstitutionen der 2. und 3. Säule meine Erfahrung einzubringen.

Swisscanto Interview Thomas Schärer und Davide Pezzetta
Im Dialog: Davide Pezzetta und Thomas Schärer vor der neuen Wohnsiedlung am Dych

So gross war der Wechsel für dich also gar nicht … 

Nein. Ich sehe es so: Sowohl als Geschäftsführer im Fondsgeschäft wie auch mit den Swisscanto Anlagestiftungen setzen wir uns für unsere Anleger ein. Wir verwalten ihr Geld treuhänderisch im Kleid von kollektiven Kapitalanlagen. Das heisst: Wir ermöglichen unseren Kunden auch kleinere, diversifizierte Investments in verschiedenen Anlagekategorien, lassen sie am Expertenwissen ausgewiesener Asset Manager teilhaben und schaffen so eine Win-Win-Situation für alle. Bei der Fondsleitung hatte ich ein breites Spektrum an unterschiedlichen Kunden, hier sind es ausschliesslich Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrichtungen der 2. und 3. Säule.

Du hattest schon als Teenager ein Flair für kollektive Anlagen – das ist doch eher ungewöhnlich! 

Ja, tatsächlich! Nach der Matura machte ich ein Praktikum bei der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt SKA und hatte da schon mit Anlagefonds zu tun. Da hat es mir, wie man so schön sagt, den Ärmel reingenommen. Nach meinem Studium an der Uni Zürich arbeitete ich weiterhin bei der SKA und das Thema Anlagefonds liess mich nie mehr richtig los. Das breite Themenspektrum im Kontext eines Fonds einerseits und die Schnittstellen mit den unterschiedlichsten internen und externen Dienstleistungserbringern, das faszinierte mich. Zusammen mit der Verantwortung natürlich, die man trägt.  

Das mit der Verantwortung ist so eine Sache: Wenn es gut läuft, dankt einem keiner, aber wenn es schlecht läuft … 

(Lacht) Ja, man muss schon eine dicke Haut haben und auch mal Stürme durchstehen können. Wir bereiten uns auf diese Stürme vor, überlegen uns, was passieren könnte und wenn es dann so weit ist, kann man auf jeden Fall Massnahmenoptionen aus der Schublade nehmen. Diese sind dann ein solides Fundament – trotzdem braucht es oft auch ein gewisses Mass an Improvisation und eine enge Abstimmung mit anderen Marktteilnehmern, Revisionsstelle und Aufsichtsbehörde. Eines steht dabei immer im Zentrum: Wir agieren als Treuhänder der Kunden. Dieses Mindset ist nach vielen Jahren fest verankert.

Ein Austausch über die Chancen und Herausforderungen der Swisscanto Anlagestiftungen und die Zukunft der Vorsorge.

Die zweite Säule ist in der Politik schon länger ein heisses Eisen – sind wir Schweizer zu wenig reformfreudig? 

Das ist eine komplexe Frage! In der Politik läuft nicht alles immer rational – es geht um den Generationenvertrag, Eigeninteressen und Emotionen. Der Generationenvertrag muss immer wieder neu verhandelt werden. Dabei braucht es Kompromisse, und diese führen nicht immer so schnell zu Fortschritten, wie wir uns das wünschen würden. Gleichzeitig sind wir Schweizer manchmal auch etwas zu selbstkritisch. Unser System beruht auf Solidarität, steht aber gleichzeitig im Spannungsfeld zwischen kollektiver Verantwortung und individuellen Interessen. Dieses Gleichgewicht immer wieder neu zu finden, ist eine herausfordernde Daueraufgabe.

Kannst du das etwas ausführen? 

Meine Frau stammt aus Indien, und ich habe deshalb einen persönlichen Einblick, wie die Altersvorsorge in diesem Land funktioniert. In Indien haben vier von fünf Menschen keine Altersvorsorge, wie wir sie kennen. Viele können am Monatsende kaum die Grundbedürfnisse decken, geschweige denn sparen. Die Absicherung im Alter übernehmen meist die Kinder. Auch für meine Frau und mich ist es ganz normal, dass wir jeden Monat Geld an ihre Eltern überweisen, obwohl diese zur oberen Mittelschicht gehören. Das relativiert vieles und erinnert daran, wie privilegiert wir hier in der Schweiz leben.

Also alles in Ordnung mit unserem System?

Natürlich gibt es Reformbedarf. Die steigende Lebenserwartung, flexible Arbeitsmodelle und veränderte Familienformen stellen die Vorsorgewerke vor grosse Herausforderungen, auf die sie sich einstellen müssen. Doch im internationalen Vergleich stehen wir in der Schweiz ganz gut da.

Thomas Schärer, Geschäftsführer Swisscanto Anlagestiftungen im Interview mit Davide Davide Pezzetta
Nachhaltig vorsorgen: Wie Vorsorgegelder sinnvoll für kommende Generationen eingesetzt werden können.

Betrachten wir einmal nur die Swisscanto Anlagestiftungen. Was möchtest du da bewegen? 

Ich denke, wir haben ein sehr solides Fundament und eine gute Angebotspalette, auf die wir aufbauen können. Ich möchte nun bei den Stakeholdern, insbesondere bei unseren Kunden, abholen, welche Wünsche noch da sind. Beispielsweise wird evaluiert, ob weitere Partizipationsmöglichkeiten im Bereich der Schweizer Immobilienanlagen angeboten werden können. Ausserdem können wir die Verbindungsstelle zwischen Produzent und Vertrieb optimieren. Dann gibt es Herausforderungen in der Asset-Allokation, wo wir bei grösseren Kunden und neueren Anbietern im Bereich der Säule 3a tendenziell einen höheren Anteil alternativer Anlagen beobachten, eine Entwicklung, die in der Breite bei unseren Kunden erst teilweise angekommen ist. Generell sehe ich, dass wir bei den Swisscanto Anlagestiftungen sehr persönlich mit unseren Kunden umgehen, dass sie ihre Anliegen äussern und auch gehört werden. Dieses gute Verhältnis müssen wir beibehalten. 

Apropos Gespräch, eine etwas persönlichere Frage: Wie würden dich enge Freunde beschreiben? 

Ich bin jemand, der nicht lange stillsitzen kann! Ich bin zwar nicht unbedingt extrovertiert, habe aber diesen inneren Drang, ständig in Bewegung zu sein. Ich bin ein Frühaufsteher. Ich reise gerne, bewege mich viel und vergesse manchmal, Pausen einzulegen. Früher habe ich Fussball gespielt und war Turniertänzer, heute spiele ich leidenschaftlich Golf. Ich mag es gerne, Neues zu lernen. Kürzlich habe ich mich im Bereich Corporate Governance weitergebildet, und aktuell beschäftige ich mich mit KI und Leadership.

Swisscanto Interview Thomas Schärer
Thomas Schärer teilt persönliche Einblicke und erklärt, warum wir in der Schweiz manchmal vergessen, wie gut es uns geht.

Mit dir kann man also nicht nur über Assets reden? 

Definitiv! Ich lerne auch deshalb gerne Neues, weil mir das ganz verschiedene Anknüpfungspunkte gibt, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. So spannend die kollektiven Anlagen sind – auch andere Themen und Kulturen sind interessant! Zudem gebe ich gerne mein Wissen weiter und unterstütze junge Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung.

Thomas Schärer, besten Dank für das persönliche Gespräch und viel Erfolg in deiner neuen Funktion!

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