Vom Windelhöschen zum Tunnelbau

Um Sika kommt in der Schweiz niemand herum. Produkte des Technologieunternehmens stecken in fast jedem Gebäude und jedem Auto. Wir sind mit der Pensionskassenleiterin Pia Burch zu einem Rundgang durch die Produktion verabredet. Hier verrät sie uns, woher die Kernkompetenz zum Abdichten grosser Bauvorhaben kommt und wie solide ihre Kasse dasteht.

Frau Burch, warum treffen wir uns heute in Sarnen und nicht in Baar, dem Hauptsitz von Sika?

Die Pensionskasse befindet sich – untypischerweise – nicht am Hauptsitz. Das hat hauptsächlich mit mir zu tun. Vor der Zeit bei Sika war ich für die Pensionskasse der Sarna Kunststoff Holding AG in Sarnen zuständig. 2006 wurde die Sarna Gruppe von Sika übernommen. Vier Jahre später fragte mich der Geschäftsführer der Sika Pensionskasse, ob ich nicht als Pensionskassenleiterin zu ihm kommen will.

Und Sie haben Ja gesagt?

Nein, ich habe gesagt, dass ich mir nicht vorstellen könnte, in Zürich oder Baar zu arbeiten. (lacht) Erst als er mir zugesichert hat, ich könne die Pensionskasse von Sarnen aus führen, habe ich zugesagt.

SIKA Pia BurchIst seit 1987 für denselben Arbeitgeber tätig: Pia Burch.

Sie sind also sehr heimatverbunden.

Absolut. Und meinem Unternehmen gegenüber bin ich sehr loyal. Ich bin seit 1987 für den gleichen Arbeitgeber tätig.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?

Ich bin ein totaler Zahlenmensch. Das muss ich auch sein, schliesslich habe ich jeden Tag mit Zahlen zu tun. Zum einen bei den klassischen Geschäftsführungsaufgaben für die Sika Pensionskasse. Da erstelle ich zum Beispiel Performance-Reportings, bereite Sitzungen vor und führe Protokoll, erstelle den Jahresabschluss und koordiniere das Reglementwesen. Darüber hinaus bin ich für die Zusatzvorsorge und für weitere Stiftungen des Konzerns tätig. Doch nicht nur die Zahlen, auch der menschliche Aspekt meiner Arbeit bereitet mir grosse Freude. So gehe ich regelmässig zu den verschiedenen Standorten und berate die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei ihrer individuellen Vorsorge.

Ein Service, den nicht jede Pensionskasse bietet. Welche Fragen werden Ihnen da so gestellt?

Vom Gespräch mit werdenden Eltern über die Absicherung der Familie bis zu Gesprächen mit Angehörigen von Verstorbenen über Hinterlassenenleistungen gibt es vielfältige Fragestellungen. Eine konkrete Frage von älteren Mitarbeitern ist zum Beispiel, wie sich eine frühere Pensionierung oder die Reduzierung der Arbeitsstunden auf die Pension auswirkt. Hier zeigt sich, dass Sika ein sehr soziales Unternehmen ist, da wir äusserst attraktive Übergangsbedingungen anbieten.

Wir stehen in der Produktionshalle. Junge und ältere Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand. Sie programmieren Maschinen und füllen das Rohmaterial zur Beschichtung der Planen in grosse Behälter.

SIKASonja Spichtig und Pia Burch im Austausch mit einem Produktionsmitarbeiter.

Sika stellt längst nicht mehr nur Betonzusatzmittel her, sondern auch Bodenbeläge, Abdichtungen und Klebstoffe. Kann man eigentlich ein Haus ohne Sika bauen?

Man kann es versuchen, aber es wird schwierig. (lacht) Sika steckt im Übrigen nicht nur in Gebäuden, sondern auch in fast jedem Auto – zum Beispiel als Kleber für die Windschutzscheibe.

Jetzt stehen wir gerade in der Produktionshalle für Abdichtungsplanen. Ein Kernprodukt von Sika, oder?

Absolut. Und wissen Sie, wo die Kompetenz dazu herkommt?

Von der Sarna Kunststoff Holding, die damals übernommen wurde?

Genau. Nach ihrer Gründung 1958 hat Sarna Windelhöschen hergestellt. Das sind Höschen, die über die Stoffwindel gezogen werden und besonders dichthalten müssen. Aus dieser Expertise heraus erweiterte man dann das Geschäftsfeld Richtung Abdichtungen im Bau und in der Industrie.

Vom Windelhöschen zum Tunnelbau. Damit hätten wir auch schon den Titel unseres Beitrags. (lacht) Welche Fachleute kommen bei einem Grossprojekt wie dem Gotthardtunnel zum Einsatz?

Wir haben zwei verschiedene Arten von Beratern. Einmal den Bauherrenberater, der sämtliche Produkte kennt, also den breiten Blick hat und umfassend beraten kann. Und dann den Produktberater, der Spezialist für ein bestimmtes Produkt ist. Er wird auch darin geschult, wie unsere Planen korrekt verlegt werden.

Sika ist 1910 aus dem Härten von Beton hervorgegangen. Stehen Ihre Vorsorgezahlen auch auf solidem Fundament?

Das kann man bei einem Deckungsgrad von 127 Prozent und einem technischen Zinssatz von 1,5 Prozent sicher so sagen. Hinzu kommt ein gesundes Verhältnis von 1900 aktiv Versicherten zu 600 Rentnern.

Zahlen, um die Sie manch andere Kasse beneidet. Was heisst das für Ihre Anlagestrategie? Ist diese eher progressiv oder zurückhaltend?

Wir setzen auf Risikostreuung. Mischmandate und indexierte Passivmandate sowie Immobilien verschiedener Anbieter sind unsere hauptsächlichen Anlageinstrumente. Die Fonds, in die wir investieren, werden professionell verwaltet.

Sie arbeiten mit den Swisscanto Anlagestiftungen zusammen. Seit wann?

Schon ewig! (lacht) Nein wirklich: Schon bei der Pensionskasse von Sarna habe ich mit Swisscanto gearbeitet. Die Partnerschaft besteht also schon seit Jahrzehnten.

SIKA Pia Burch_Sonja SpichtigSonja Spichtig und Pia Burch in der Produktionshalle von Sika in Sarnen.

Dann zeigt sich auch hier Ihre Verbundenheit und Treue.

Das stimmt. Wenn ich mich mit etwas sehr wohl fühle, warum soll ich es dann ändern?

Weil es irgendwann vielleicht langweilig wird?

Oh, nein, meine Arbeit ist sehr vielseitig und wird nicht langweilig. Und den Nervenkitzel suche ich mir lieber woanders.

Wo denn?

In Südamerika zum Beispiel. Da habe ich kürzlich fünf Wochen verbracht und unter anderem in einer Lodge im Regenwald übernachtet.

Hatten Sie keine Angst vor giftigen Spinnen?

Doch, aber da haben mir meine Zahlen geholfen. Denn die Wahrscheinlichkeit, in Brasilien von einer giftigen Spinne gebissen zu werden, ist ungleich geringer, als in der Schweiz einen Verkehrsunfall zu haben. Und Velo fahre ich ja trotzdem oft und gern.

Sie lieben die Natur …

Sehr.

Wie sieht es da bei Sika aus? Was tut das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit?

Sika verpflichtet sich zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dies stellt das Leitprinzip des Unternehmens dar. Wir versuchen natürlich, so nachhaltig wie möglich zu produzieren. So wird beispielsweise die Energie aus der Produktion im Gebäude genutzt und Abfall wiederverwertet. Ausserdem gibt es einen Sika-Shop in Sarnen mit Ausschuss-Ware. Da können sich Privatpersonen Planen kaufen, zum Beispiel zum Abdecken von Holz, das im Freien gelagert wird.

Eine gute Sache. Auch für Sika, deren Produkte ja eher versteckt wirken. So lernt der Endkunde Ihr Unternehmen direkt kennen.

Das stimmt. Das ist ein schöner Gedanke.

Ein schöner Gedanke zum Abschluss eines interessanten Gesprächs. Vielen Dank dafür!

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