Bild Thomas Piller-Fenaco

"Veränderungen gehen nie mit der Brechstange"

Als sich Thomas Piller 1996 für eine Stelle in der Finanzabteilung der fenaco Genossenschaft beworben hatte, gab es das Unternehmen gerade einmal seit drei Jahren und war in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Heute, gut 20 Jahre später, hat sich die fenaco zu einer führenden Agrargenossenschaft entwickelt und gehört mit einem Nettoerlös von knapp 6 Mrd. Franken und rund 10’000 Mitarbeitern zu den 40 grössten Unternehmen der Schweiz. Thomas Piller ist heute Leiter der Pensionskassen und der Anlagestiftung der fenaco und der LANDI. Was ihn seit 20 Jahren beschäftigt und weshalb es in seiner Position immer wieder Fingerspitzengefühl und Geduld braucht, erzählt der 41-jährige Freiburger im Interview.


Herr Piller, Sie sind über 20 Jahre bei der fenaco Genossenschaft. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Sehr vieles. Dazu muss man wissen, dass die fenaco erst 1993 gegründet worden ist. Sie ist ein Zusammenschluss von sechs Genossenschaftsverbänden mit teilweise über 100-jährigen Vorgeschichten. Zu den bekanntesten Unternehmen und Marken der fenaco gehören heute Getränkehersteller RAMSEIER Suisse, der Fleischverarbeiter Ernst Sutter, die Detailhändler Volg und LANDI, Futtermittelherstellerin UFA sowie die Energieanbieterin AGROLA. Dieser Genossenschaftsverband gehört den rund 200 LANDI Genossenschaften. Waren diese Unternehmen in den Gründungsjahren noch weitgehend auf sich allein gestellt, haben sich mittlerweile zentrale Dienstleistungseinheiten gebildet – wie zum Beispiel Finanzen und Vorsorge.

Ein Leitspruch der fenaco lautet: "So dezentral wie möglich, so zentral wie nötig". Das ist sicher nicht immer einfach zu bewerkstelligen als Leiter der nationalen Vorsorgeeinrichtung.

Für uns ist die Mischung aus dezentraler Organisation mit zentralisierten Elementen ein Segen. Wir sind ausschliesslich langfristig orientiert, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Integrität sind unsere wichtigsten Werte. Manchmal geht dann halt alles nicht so schnell, doch gerade in der Vorsorgewelt geht das Durchsetzen von Veränderungen nie mit der Brechstange.

Was bedeuteten die vergangenen 20 Jahre für Ihre Pensionskasse?

Anfänglich hatten wir ein Firmenkonglomerat und über 600 lokale LANDI Genossenschaften, mit zum Teil eigenständigen Vorsorgelösungen. Heute besteht die fenaco aus rund 50 Geschäfts- und Dienstleistungseinheiten, rund 200 LANDI und noch drei Vorsorgeeinrichtungen.

Wieso drei?

Die fenaco Genossenschaft hat mittlerweile ihre eigene Kasse. Die LANDI hat noch zwei verschiedene Einrichtungen. Eine einzige Pensionskasse für fenaco und die LANDI zusammen ist aus juristischen Gründen nicht möglich. Denn bei den 200 LANDI handelt es sich um von der fenaco rechtlich unabhängige Unternehmen mit einer eigenen Vorsorgelösung und eigener Personalpolitik.

Wie können wir uns Ihre Vorsorgeeinrichtungen vorstellen?

Mit etwas über sechs Vollzeitstellen managen wir die drei Kassen. Bei der Pensionskasse (PK) fenaco sind 6‘800 Aktive und 1‘800 Pensionierte versichert. Bei der PK LANDI sind es in zwei Kassen 4‘000 Aktive und 350 Rentner. PK und Anlagestiftung investieren zusammen etwas über 2 Milliarden CHF Kapital.

Der vergleichsweise tiefe Anteil von Pensionierten fällt auf. Was sind die Gründe dafür?

Dieser Effekt ist den Fusionen geschuldet. Wir haben 1998 im Rahmen der Fusion zur PK fenaco mehrheitlich aktive Versicherte übernommen. Die Pensionierten konnten teilweise in den vorherigen Versicherungslösungen belassen werden. Das verzerrt das Bild natürlich auf den ersten Blick.

Fragt man Ihre Kollegen in der PK-Welt, kommen immer wieder die Negativzinsen zur Sprache. Wie stark sind Sie vom Anlagenotstand betroffen?

Selbstverständlich sind auch wir davon betroffen, aber angesichts der seit längerer Zeit andauernden guten Stimmungen an den Kapitalmärkten sind wir komfortabel unterwegs.

Wie werden Sie von den Swisscanto Anlagestiftungen unterstützt?

Die Swisscanto Anlagestiftungen sind einer unserer wichtigsten Partner. Nicht nur dass wir einen grossen Teil unseres Kapitals bei den Swisscanto Anlagestiftungen investiert haben, sie unterstützen uns auch in strategischen und operativen Fragen, und dies seit vielen Jahren. Wir pflegen eine langfristig ausgerichtete, vertrauensvolle Partnerschaft.

Seit 21 Jahren beraten Sie Destinatäre und legen die Vorsorgegelder von fenaco und LANDI erfolgreich an. Woher kommt Ihre Ausdauer?

Wahrscheinlich aus dem Sport. Ich bin im Winter wirklich jede freie Minute auf der Piste. Und auch von Frühling bis Herbst bin ich in den Bergen unterwegs. Das gibt schon ein bisschen Kondition. Dann gibt es noch meine Familie mit zwei Buben. Auch das gibt mir jeden Tag wieder den nötigen Ausgleich.

Sie sind bodenständig?

Ich bin zwar kein Bauer, aber ein bekennender Landmensch. Ich wohne in Plaffeien, im Freiburgischen, wo ich mein Elternhaus übernehmen konnte. Ich könnte mir nicht vorstellen, in die Stadt zu ziehen.

Eine Frage zum Schluss: Stimmt es wirklich, dass Landwirte "bauernschlau" sind?

In meinen 20 Jahren bei der fenaco-LANDI Gruppe habe ich so einiges von den Landwirten gelernt: Wie man mit instinktreicher Cleverness und vor allem mit guten Argumenten erfolgreich Entscheidungen trifft. Wenn Sie dies mit "bauernschlau" meinen, kann ich Ihnen beipflichten.

Besten Dank für das Gespräch.

 

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