Nachhaltiger und digitaler: Vorsorge vor zentralen Herausforderungen

Bericht zu den Anlegerversammlungen 2018 der Swisscanto Anlagestiftungen

St. Galler Spitze: Nicht nur die Location der 45. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung und der 12. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung Avant im St. Galler Hotel Einstein war treffend gewählt. Auch die Veranstaltung selbst wurde sehr positiv aufgenommen. Dafür sorgten spannende Fachvorträge mit anschliessender Podiumsdiskussion, die gleichzeitig visuell zusammengefasst wurden, und – nicht zuletzt – drei Karikaturisten, von denen sich viele Gäste ein ganz spezielles Andenken anfertigen liessen.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

Dr. Thomas Vock, Stiftungsratspräsident und Leiter Asset Management der Berner Kantonalbank, hiess die Gäste willkommen und übergab das Wort an Roland Ledergerber, CEO der St. Galler Kantonalbank. Diese feierte 2018 ihr 150-jähriges Bestehen, worüber Ledergerber in seinem Grusswort berichtete.

Dr. Thomas Vock, Stiftungsratspräsident und Leiter Asset Management, Berner Kantonalbank

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, gab einen Überblick über das vergangene Geschäftsjahr. Die Swisscanto Anlagestiftungen verwalteten per 30. Juni 2018 ein Anlagevermögen in der Höhe von 17.5 Mrd. CHF und sind mit einem Marktanteil von 13.8% auf Basis des Nettovermögens die viertgrösste unter den KGAST Anlagestiftungen.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin Swisscanto Anlagestiftungen

Die Traktanden wurden durchweg nahezu einstimmig angenommen. Die wichtigste Änderung bei der Revision des Stiftungsreglements war die Einführung eines unabhängigen Stimmrechtvertreters. Nach nur rund 45 Minuten beendete der Stiftungsratspräsident die beiden Anlegerversammlungen mit einem herzlichen Dank an alle Anwesenden.

Es folgte der Market Outlook, vorgetragen von Stefano Zoffoli, Anlagestratege der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank

Er blickte auf ein, wie er sagte, wildes Geschäftsjahr zurück. Auch wenn die Konjunktureinschätzungen weniger rosig sind wie noch vor einem Jahr, rechnet Zoffoli nicht mit einer Rezession, sondern einem moderaten Wachstum zwischen einem und drei Prozent. Der Grund liegt in einer gut abgestützten Konjunktur. "Der private Konsum ist nachhaltig", so der Anlagestratege. "Das liegt einerseits an der steigenden Beschäftigung und andererseits an den relativ unverschuldeten Konsumenten."

Ein positives Bild zeichnete auch Dr. René Nicolodi, Leiter Equities & Themes bei Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank, der über Nachhaltigkeitsansätze in den Anlagegruppen der Swisscanto Anlagestiftungen sprach.

Dr. René Nicolodi, Leiter Equities & Themes, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank

Er ist sich sicher, nachhaltige Anlagen sind kein Hype, sondern ein Megatrend. Das belegen auch die Zahlen: "400 Milliarden werden in der Schweiz gemäss nachhaltigen Anlagekriterien verwaltet", so Nicolodi. "Das ist ein Anstieg von 82% zum Vorjahr." Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen haben sich dem Thema in den vergangenen Jahren zunehmend zugewandt. Genauso wie der Gesetzgeber. Die Minder Initiative, die Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundesrats oder der aktuelle EU Action Plan on Sustainable Finance sind Beispiele, die Nachhaltigkeitsaspekte stärker in den Anlagebereich gebracht haben und bringen werden. Swisscanto Invest übernimmt bei dieser Entwicklung eine Vorreiterrolle. "Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unseres Anlageprozesses", erklärt Nicolodi. "Vor der Investition sorgen Black Lists dafür, dass Titel von kontroversen Waffenproduzenten oder Unternehmen mit umstrittenen Geschäftsaktivitäten gar nicht erst im Portfolio landen. Wichtige Investitionsbereiche wie Energie, Mobilität, Ressourcen und Wissen hingegen werden unterstützt."

Das spannende Gastreferat zum Thema "Digitale Transformation gestalten" legte den Grundstein für die anschliessende Podiumsdiskussion. Prof. Dr. Oliver Gassmann, Professor für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen, identifizierte vier Haupttreiber der Digitalisierung: sinkende Transaktionskosten, steigende Mobilität, exponentielles Datenwachstum und verbesserte Algorithmen. Doch über 30% der Digitalisierungsinitiativen in Unternehmen scheitern – hauptsächlich am Widerstand der Mitarbeitenden und dem Verhalten des Managements. Ein Mangel an Ressourcen ist eher selten ein Hindernis. "Die grösste Herausforderung liegt darin, den Mitarbeitenden die Angst davor zu nehmen, ersetzt zu werden", so Gassmann. "Man muss Verständnis fördern, Fähigkeiten ausbauen und Strukturen schaffen." Gross denken, aber klein anfangen, das ist sein Rat an die Versammelten.

 

Prof. Dr. Oliver Gassmann, Professor für Technologiemanagement, Universität St. Gallen

Karin Frei, Redaktorin beim SRF, eröffnete die Podiumsdiskussion mit einer spontanen Umfrage unter den versammelten Pensionskassen, Anlegern und Stiftungsräten: "Wer hier im Saal würde sich als innovativ bezeichnen?" Keiner hob die Hand. Warum eigentlich? Denn ganz so konservativ, wie es scheint, sind die Vorsorgeeinrichtungen gleichwohl nicht. So weist Christoph Ryter, Geschäftsleiter der Migros-Pensionskasse, darauf hin, dass die Kunden ihre Vorsorgefälle online simulieren können und auch die Versichertenadministration immer mehr digitalisiert wird. Ein entscheidendes Thema bei all dem ist die Datensicherheit, gerade weil es sich bei den Pensionskassen um besonders sensible Informationen handelt.

Das weiss auch Markus Naef, CEO von SwissSign, einem Joint Venture, das Unternehmen mit Identitäts-Services einen sicheren Zugang zur Online-Welt ermöglicht: "Bei uns werden Identitäts- und Nutzerdaten konsequent getrennt. Ausserdem bleiben alle Daten bei der Pensionskasse." Auch Davide Pezzetta, Stiftungsrat der Swisscanto Anlagestiftungen, sieht in der Datensicherheit eine grosse Herausforderung: "Dafür haben wir in letzter Zeit viele Ressourcen investiert." Doch in welchem Bereich bringt die Digitalisierung überhaupt einen Mehrwert? "Transaktionen zwischen Pensionskasse und Kunde finden nicht allzu häufig statt", erklärt Ryter. "Wichtiger wäre es, digitale Angebote für die Beratung zu etablieren. Die Versicherten müssen sich mehr Fragen selbst beantworten können." Da könnte auch die Schulbildung etwas bewirken. Hier sollte die Vorsorge mehr Raum einnehmen, darüber sind sich die Diskussionsteilnehmer einig.

Podiumsdiskussion mit Markus Naef, Christoph Ryter, Prof. Dr. Oliver Gassmann, Davide Pezzetta und Karin Frei (v.l.n.r.)

Nach einer spannenden Debatte bedankte sich Sonja Spichtig bei den Referenten sowie dem Publikum und liess Christian Eggenberger, der alle Beiträge in Echtzeit auf Flip-Charts veranschaulicht hatte, die Vorträge aus seiner Sicht zusammenfassen. Danach schloss sie die Veranstaltung mit ihren Worten ab: "Die Digitalisierung bietet eine grosse Chance, mehr junge Leute zu erreichen. Ihre Stimme ist wichtig. Es darf nicht sein, dass sich nur die Über-50-Jährigen für das Thema interessieren. Deshalb bin auch ich dafür, das Thema Vorsorge noch besser in die Schulbildung zu integrieren."

Es gibt viel zu tun für die Pensionskassen und die Anlagestiftungen. Der Termin für die nächste Zwischenbilanz steht bereits fest: Die Anlegerversammlungen 2019 finden am 25. Oktober in Zug statt.

Bilder zu den Anlegerversammlungen 2018 finden Sie hier. 

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