Bild Marc-Spring Swisscanto Anlagestiftungen

"Wir setzen auf Langfristigkeit und Solidität"

Wer sich der Zuckerfabrik in Aarberg zum ersten Mal nähert, weiss irgendwie nicht genau, wie er das weitläufige Industriegelände nahe des Bahnhofs einordnen soll. Man sieht Kräne, riesige Tanks, Förderbänder und Türme. Vieles erinnert an ein Bergwerk. Ob Zucker wirklich aus dem Stollen kommt, wieso der Schweizer Zucker heute sogar als "vegan" zertifiziert ist und welche Herausforderungen sich der Pensionskasse des Traditionsunternehmens stellen, erzählt Marc Spring, Geschäftsführer der Pensionskasse der Schweizer Zucker AG, im Interview.

Herr Spring, bis man bei Ihnen im Sitzungszimmer ist, wähnt man sich in einem sehr grossen Industriebetrieb. Was stellen Sie hier alles her?

Zucker. Vor allem Zucker, Schweizer Zucker. Dafür aber in riesigen Mengen. Wir sind mit unseren Standorten hier in Aarberg und in Frauenfeld die einzigen Verarbeiter der etwa 1,8 Millionen Tonnen Zuckerrüben in der Schweiz.

Dafür ist es aber recht ruhig in dieser riesigen Fabrik.

Jetzt im Frühling ist auf den ersten Blick nicht viel zu sehen. Trotzdem arbeiten gerade 150 Mitarbeitende im Werk. In der Hochsaison, von September bis Weihnachten, wenn täglich bis zu 10 000 Tonnen Rüben im Dreischichtbetrieb verarbeitet werden, ist natürlich mehr los. Dann sind wir in Aarberg auch bis zu 180 Angestellte. Von den Hilfsarbeitern bis hin zu den Lebensmitteltechnologen sind dann alle im Dauereinsatz.

Wie viel Technologie steckt in der Produktion?

Eigentlich ist es ein uraltes Handwerk. Hier begann die Produktion Ende des 19. Jahrhunderts. An diesem Standort sind wir seit 1898, die Firma wurde in der heutigen Form 1912 gegründet. Heute sind wir ein Lebensmittelbetrieb mit allen Auflagen. Auch wenn Zucker in Bezug auf die Lebensmittel-Sicherheit eher ein unproblematisches Produkt ist, werden wir durch die Organe der Qualitätskontrolle nicht viel anders behandelt als ein fleischverarbeitender Betrieb oder eine Käserei.

Ein Produkt und ein Markt ohne Innovationen?

Nur auf den ersten Blick. Obwohl der eigentliche Rübenzucker ein sehr standardisiertes Produkt ist, passiert darum herum seit einiger Zeit eine ganze Menge. Essen ist heutzutage nicht mehr einfach nur Nahrung. Alles wird zur Philosophiefrage, zur Lebenseinstellung. Das macht auch vor einem scheinbar einfachen Naturprodukt wie Zucker nicht halt. Vielen ist es wichtig, dass ihr Zucker aus der Schweiz kommt. Lokal, regional, nachhaltig. Hinzu kommen die vielen anderen Zertifizierungen, nach denen Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Handel immer mehr verlangen. Die Leute möchten Zertifikate für bio, Demeter, sogar koscher. Neuerdings ist sogar "vegan" auf Zuckerverpackungen als Deklaration erwünscht.

Sie haben also die Bedürfnisse der Kunden stets im Blick. Stimmt das auch für die Pensionskasse, deren Geschäftsführer Sie neben Ihrer Funktion als Leiter HR auch sind?

Ja, glücklicherweise sind wir auch in diesem Bereich sicher und gut unterwegs. Wir haben einen guten Deckungsgrad. Allerdings sind wir mittlerweile auf dem Weg zu einer Rentnerkasse, aktuell stehen 300 Versicherte 300 Pensionären gegenüber. Ein Schicksal vieler Industriebetriebe und im aktuellen Umfeld eine grosse Herausforderung.

Was tun Sie konkret?

Vor allem kommunizieren wir viel mit den Versicherten. Zweimal im Jahr ist an den Mitarbeitendenversammlungen auch die Pensionskasse ein Thema. Als Leiter HR habe ich ja einen guten Zugang zu diesen Gremien, ein weiterer Vorteil dieses Milizsystems. Wir mussten den technischen Zinssatz in vier Schritten von 4% auf 2% Prozent senken. Das ging ohne grossen Unmut. Erstens mussten das die meisten anderen auch tun, zweitens kennt man sich hier und weiss, mit wem man es zu tun hat.

Wie meinen Sie das?

Ich arbeite zum Beispiel schon seit 1997 hier. Mein Vater machte die Lehre in der Zuckerfabrik, schon meine Grosseltern und Urgrosseltern waren hier angestellt. Wir sind einer der grössten Arbeitgeber der Region und gehen dementsprechend respektvoll miteinander um. So glaubt man der Geschäftsführung auch eher als irgendeinem anonymen Management, zu dem man keinen direkten Kontakt hat.

Eine spezielle Konstellation.

Ja, schon. Wie viele Pensionskassenleiter gibt es wohl, die den eigenen Grosseltern jeden Monat die Pension auf ihr Konto überweisen? Und natürlich auch eine grosse Verantwortung.

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Was sind die aktuellen Herausforderungen für Ihre Pensionskasse?

Traditionell haben wir schon immer stark in eigene Immobilien investiert, ergänzt durch Obligationen und Aktien. Mit dem langsamen Wandel zu einer Pensionärslastigkeit brauchen wir auch mehr Flexibilität und suchen Anlagemöglichkeiten in Immobilien, die uns mehr Handlungsspielraum bei kurzfristigerem Liquiditätsbedarf ermöglichen. In diesem Bereich arbeiten wir gerne mit den Swisscanto Anlagestiftungen zusammen.

Was bringt Ihnen die Zusammenarbeit?

Ich glaube, dass die Swisscanto Anlagestiftungen perfekt zu unserem langfristigen und auf Solidität ausgerichteten Ansatz passen. Die Produkte erlauben uns, weiterhin in Immobilien zu investieren, jedoch mit anderen Fristigkeiten. Manche nennen das vielleicht "Papierli-Immobilien" – für uns ist es eine zeitgemässe und sinnvolle Anlagemöglichkeit.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft? Süsse Aussichten?

Es kommt einiges auf uns zu. Die europäischen Märkte werden dereguliert und jedes Land wird so viel Zucker produzieren können, wie es will. Das wird Schwung in den Markt bringen, auch in der Schweiz. Und schon bald beginnen wieder die Vorbereitungen für die jährliche Produktion … Da bin ich froh, dass wir es wenigstens aufseiten der Pensionskasse etwas weniger stürmisch haben!

Danke für das Gespräch, Herr Spring.

 

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