"Ich arbeite gerne auf der grünen Wiese"

Bis er vor knapp sechs Jahren die Seiten wechselte und die Geschäftsführung der Pensionskasse Schaffhausen übernahm, war Oliver Diethelm als Wirtschaftsprüfer im Bereich Vorsorge und Versicherungen tätig. Seinen analytischen Blick hat er sich bewahrt. Wie er diesen nutzt und warum man ihn in seiner Freizeit entweder auf dem Fussballplatz oder in der Beiz antrifft, erzählt er uns im Gespräch.

Herr Diethelm, gibt es einen Unterschied zwischen einer öffentlich-rechtlichen Pensionskasse und der Pensionskasse eines privaten Unternehmens?

Bevor ich zur Pensionskasse Schaffhausen kam, hätte ich gedacht, der Job wäre politischer. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Organisatorisch unterscheidet uns eigentlich nichts von privatrechtlichen Pensionskassen. Eine Besonderheit ist vielleicht, dass die Arbeitgebervertreter vom Regierungsrat und die Arbeitnehmervertreter von Delegierten gewählt werden. Aber auf unsere tägliche Arbeit hat das keinen Einfluss.

Ihre Versicherten sind die Angestellten der Gemeinden im Kanton Schaffhausen. Ist das richtig?

Unserer Pensionskasse sind 63 Arbeitgeber angeschlossen. Zu ihnen gehören der Kanton selbst, die Stadt, Gemeinden, Schulen und Spitäler sowie das Elektrizitätswerk, aber auch die Kantonalbank und verschiedene Stiftungen. Die Vorgabe lautet: Die Unternehmen müssen einen öffentlich-rechtlichen Bezug haben, also eine öffentliche Dienstleistung erbringen, gemeinnützig oder im Besitz des Kantons sein. Dann können sie sich unserer Kasse anschliessen. Wir sind also eine "Gemeinschaftsstiftung", nicht zu verwechseln mit einer Sammelstiftung.

Die Pensionskasse Schaffhausen gehört zu den grösseren Kassen schweizweit. Ist Ihre Arbeit dadurch komplexer?

Nein. Von der Organisation her sind wir eher ein KMU. Und zwar ein schlank aufgestelltes – mit neun Mitarbeitenden. Obwohl es natürlich um grosse Zahlen geht. Unsere Bilanzsumme liegt bei gut 2.9 Milliarden Franken.

Oliver Diethelm spricht mit Sonja Spichtig über die Schweizer Vorsorge, aber auch über Fussball.

Sie sind Geschäftsführer dieses "KMUs". Wie sind Sie zu dieser Position gekommen?

Durch meine Frau! Sie hat das Inserat zufällig gesehen und mich gefragt: Wäre das nicht was für dich? (lacht) Bis dahin war ich als Wirtschaftsprüfer bei KPMG und Ernst & Young ebenfalls im Bereich Vorsorge unterwegs. Und mit unterwegs meine ich tatsächlich, mal hier mal da. Für mich war es an der Zeit, die Seiten zu wechseln in einen Job, der mehr Gestaltungsmöglichkeiten zulässt und auch näher bei meiner Familie ist.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meistens bin ich zwischen sieben und halb acht da. Dann checke ich meine Mails und die anstehenden Termine für den Tag. Meine Aufgaben als Geschäftsführer sind naturgemäss sehr breit gefächert. So kümmere ich mich um Anlagen genauso wie um die Versicherungsadministration, Personalfragen und Themen rund um unsere IT oder die Erstellung unseres Geschäftsberichts. Dieser ist ein zentraler Bestandteil unserer Kommunikation nach aussen, welche mir sehr wichtig ist.

Das sieht man, auch die Website der Pensionskasse Schaffhausen kommt sehr frisch und modern daher!

Vor meinem Stellenantritt hat die Organisation ganz anders ausgesehen. Mit der Teilrevision des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge 2014 sind die öffentlich-rechtlichen Kassen den privatrechtlichen gleichgestellt worden. Mit der Verselbständigung der PKSH wurde die Position des Geschäftsführers geschaffen. Da hatte ich zu meinem Start also sozusagen eine grüne Wiese, was definitiv seinen Reiz hatte für mich. Ich konnte hier viel bewegen – angefangen vom Auftritt über den Service bis hin zur IT.

Oliver Diethelm konnte seit seinem Stellenantritt bei der Pensionskasse Schaffhausen viel bewegen – Stillstand ist deshalb aber noch lange nicht angesagt.

Kein Wunder, als Wirtschaftsprüfer haben Sie über Jahre Firmen beraten.

Das stimmt. Der analytische Blick hat mir auch hier geholfen. Als Erstes habe ich eine Mitarbeiterin für die Finanzen eingestellt. Dann kam unser Auftritt dran. Dieser wurde überarbeitet und modernisiert – von der Website über den Geschäftsbericht bis zu den einzelnen Merkblättern. Parallel haben wir auch unser Archiv digitalisiert. Und seit Kurzem können unsere Versicherten auch wieder Hypotheken direkt bei uns abschliessen.

Da haben Sie eine Menge erreicht. Wird Ihnen jetzt schon langsam langweilig?

Ganz und gar nicht. Gerade in der IT gibt es noch viel zu tun. Schon bald wollen wir online Simulationslösungen für unsere Versicherten anbieten. Sie sollen von extern auf ihre Daten zugreifen und beispielsweise einen Planwechsel, eine Frühpensionierung oder einen Einkauf simulieren können. Auch an einer Arbeitgeberanbindung arbeiten wir. Zudem können Mutationen bald online gemeldet werden.

Die Digitalisierung sorgt also auch bei Ihnen für Veränderungen. Ihre Geschäftsbeziehung zu den Swisscanto Anlagestiftungen besteht jedoch schon seit vielen Jahren.

Ja, die Zusammenarbeit ist historisch gewachsen und hat sich bewährt. Wir sind mit den Swisscanto Produkten sehr zufrieden – auch mit der Betreuung.

Handeln statt politisieren – das ist Olivers Wunsch für die Zukunft der Schweizer Vorsorge.

Und welchen Herausforderungen stellen Sie sich in der Freizeit?

Ich bin oft auf dem Fussballplatz anzutreffen.

Spielen Sie aktiv?

Ja, bei den Senioren. Ausserdem bin ich gemeinsam mit meiner Frau im Vorstand des FC Ellikon/Marthalen und kümmere mich da um die Finanzen, suche Trainer oder stelle Spielpläne zusammen. Zweimal pro Woche trainiere ich die E-Junioren. Und auch unsere beiden Söhne sind begeisterte Fussballspieler.

Eine Fussballerfamilie also!

Und eine Beizerfamilie! Einen weiteren Teil meiner Freizeit investiere ich in unser Dorfleben. Vor einiger Zeit habe ich zusammen mit weiteren Genossenschaftern eine geschichtsträchtige, aber brachliegende Liegenschaft in Marthalen gekauft und umgebaut. Seit diesem März ist das Restaurant Stube nun wieder in Betrieb. Das freut mich sehr, wir haben dort schon viele gemütliche Stunden mit Familie und Freunden verbracht.

Ein toller Einsatz für die Gemeinschaft! Finden Sie bei dem Programm überhaupt noch Zeit für Erholung? Fürs Reisen oder Lesen?

Für Familienreisen nehmen wir uns immer Zeit. In Kürze planen wir eine Woche im Welschland. Und im Juli geht es nach New York und Florida. Vielleicht komme ich da auch mal ein wenig zum Lesen. Allerdings nehme ich mir dann lieber einige Personalvorsorge-Hefte mit als einen Roman. (lacht)

Womit wir wieder beim fachlichen Teil unseres Gesprächs wären. Wo sehen Sie die Herausforderungen in der Vorsorgelandschaft Schweiz?

Mein Wunsch wäre es, die Ideologie ein Stück weit aus dem Thema zu nehmen und das Ganze zu entpolitisieren. Es ist doch so: Die Parameter sind bekannt. Jetzt gilt es, auch danach zu handeln. Unter anderem den Umwandlungssatz dahin zu kriegen, wo er realistischerweise auch sein muss. Es müssen dringend Reformen durchgebracht und umgesetzt werden. Ich finde es schade, dass der solidarische Gedanke der Altersvorsorge immer mehr in den Hintergrund rückt – zugunsten der Individualisierung.

Ein Thema, über das wir noch stundenlang diskutieren könnten. Doch jetzt bedanken wir uns erst einmal für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Klimarisiken bei Schweizer Pensionskassen?

Das Klima wird wärmer und unser Planet verändert sich dadurch. Hauptverursacher ist der Mensch, Zweifler gibt es heute kaum noch. Klar ist mittlerweile: Durch unsere CO2-Emissionen destabilisieren wir das Klimasystem, was zu zunehmenden Risiken und Gefahren führt. Wenn wir unseren Ausstoss von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen nicht sofort reduzieren und bis Mitte des Jahrhunderts beenden, rücken die sogenannten "Kipp-Punkte" (tipping points) näher. Ein Kipp-Punkt ist z. B. das Auftauen grosser Permafrostgebiete in Sibirien. Dadurch würden enorme Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre gelangen, was wiederum die Erderwärmung beschleunigen und praktisch unumkehrbar machen würde.

Finanzinvestoren haben Erfahrung mit Systemen, die abrupt gestört werden. Das Kippen eines Elements kann fatale Kettenreaktionen an den globalen Finanzmärkten auslösen. Ein Beispiel, dessen Folgen noch heute spürbar sind, ist die US-Immobilienkreise, die zum Kollaps des Bankhauses Lehman führte. Es liegt in unserem ureigenen Interesse, das Finanzsystem und das Klimasystem nicht nachhaltig zu destabilisieren. Für die Stabilisierung des Finanzsystems sind global die Zentralbanken, die Finanzminister, der internationale Währungsfonds und Investoren verantwortlich. Damit das Klimasystem stabilisiert werden kann, braucht es einen Umbau der Wirtschaft. Eine entscheidende Rolle spielen dabei wiederum die internationale Politik und die Investoren.

Zwei-Grad-Ziel von Paris und klimaverträgliche Finanzflüsse

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel of Climate Change) kommt zu einem eindeutigen Schluss: Ohne zusätzliche Massnahmen zur Verminderung der Treibhausgasemissionen wird die globale Erwärmung vier Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau bis im Jahr 2100 überschreiten. Damit sind verschiedene Risiken verbunden, wie beispielsweise ein beträchtliches Artensterben oder die Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion und daraus folgende Migrationsströme. Die Wirtschaft ist bedroht, da Produktionsstandorte und ganze Wertschöpfungsketten gefährdet sind. Das genaue Ausmass ist jedoch noch unklar.

Um den Temperaturanstieg zu minimieren, hat die Staatengemeinschaft 2015 in Paris das Ziel verabschiedet, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius (2°C Klimaziel) begrenzen zu wollen. Dabei wurde explizit festgehalten, dass die Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten sind. Folgerichtig hat die Europäische Union am 8. März 2018 den EU-Aktionsplan "Finanzierung nachhaltigen Wachstums", der zehn konkrete Massnahme umfasst, publiziert. Dabei werden drei Ziele verfolgt: 1) Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umlenken; 2) Finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigen; 3) Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit fördern.

Die sogenannte Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD), die vom Finanzstabilitätsrat gegründet wurde, fordert (bisher freiwillig) ganz konkret mehr Transparenz in der Klimaberichterstattung von Unternehmen. Diese sind aufgefordert, die Chancen und Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, zu analysieren und zu bewerten.

Finanzmärkte und Klimawandel

Finanzmärkte verarbeiten Informationen und bewerten Chancen und Risiken. Daher gehört es auch zu den Aufgaben der Finanzmarktteilnehmer, dass sie die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen berücksichtigen.

Zu den physischen Risiken des Klimawandels gehören die direkten Einflüsse auf die Wertschöpfungskette wie z. B. Schäden an Produktionsanlagen infolge von Extremwetterereignissen. Zu den Transitionsrisiken gehören Risiken, die durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen und zu einer Neubewertung von Vermögenswerten und Unternehmen führen. Ausgelöst werden solche Neubewertungen z. B. durch politische Massnahmen wie eine CO2-Steuer oder die Förderung CO2-armer Technologien. Als "Stranded Assets" werden Anlagen bezeichnet, die aufgrund der Änderung von Regulierungen, der physischen Umwelt oder neuen Technologien eine vom Finanzmarkt nicht erwartete Abwertung erfahren haben. Ein Beispiel dafür wäre ein Kohlekraftwerk, das infolge des Klimaschutzes nicht mehr betrieben werden darf.

Schweizer Pensionskassen unterstützen gegenwärtig eine Erwärmung von 4 bis 6 Grad Celsius

Soll das Zwei-Grad-Celsius-Klimaziel von Paris erreicht werden, müssen die CO2-Emissionen alle zehn Jahre halbiert werden – pro Jahr entspricht das einer Senkung um ca. 7 Prozent (Rockström et al., Science 2017; siehe Grafik 1). So liessen sich die schlimmsten Klimafolgen verhindern. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen unter anderem die folgenden Veränderungen geschehen: Subventionen für fossile Brennstoffe müssen eingestellt werden; das Emittieren von CO2 muss einen Preis bekommen; die Stromversorgung und der Verkehrssektor müssen dekarbonisiert werden (d.h. ohne fossile Energieträger auskommen); die erneuerbaren Energien müssen rasant ausgebaut werden.

Unsere heutigen Investitionsentscheide bestimmen mit, wie viel Treibhausgas in Zukunft emittiert wird, und spielen somit eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zu einer klimaverträglichen Wirtschaft. 2017 hat aber eine Analyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) gezeigt, dass das heutige Investitionsverhalten von Schweizer Pensionskassen und Versicherungen eine globale Erwärmung von vier bis sechs Grad Celsius unterstützt und damit im Widerspruch zum Klimaabkommen von Paris steht, welches die Schweiz unterzeichnet hat.

Klimaneutral bis 2050

Umfassender Klimaschutz, wenn er denn kommt, kann Unternehmen, die von CO2-intensiven Technologien abhängig sind, zu Verlierern machen. Profitieren werden hingegen Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu einer Verminderung des CO2-Ausstosses beitragen. Die Chancen oder Risiken für Unternehmen durch beispielsweise höhere CO2-Preise oder Regulierungen werden gegenwärtig von den Marktteilnehmern noch zu wenig berücksichtigt. Bei drastisch und abrupt eingeführten CO2-Preisen drohen Finanzmarktinstabilitäten.

Der Carbon Footprint geht nicht weit genug

Als Unterzeichnerin des UN Montreal Carbon Pledge berechnet Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank für ihre nachhaltigen Fonds den Carbon Footprint relativ zur Benchmark. Der Carbon Footprint macht aber nur eine Aussage darüber, ob die Unternehmen im Portfolio bei der Herstellung ihrer Produkte (Scope 1 Emissionen) und beim Einkauf von Strom und Wärme (Scope 2 Emissionen) weniger oder mehr CO2 emittieren als die Firmen in der Vergleichsbenchmark. Der Carbon Footprint eines Fonds – so wie er heute meist berechnet wird – ist somit eine Kennzahl, die aussagt, ob die Unternehmen im Fonds bei steigenden CO2-Preisen mehr oder weniger zusätzliche Kosten haben als jene in der Benchmark. Damit ist er ein Indikator für das relative Risiko, macht aber keine Aussage darüber, ob z. B. die Unternehmen im Fonds in der Lage sind, die potenziell steigenden CO2-Kosten an die Kunden weiterzugeben oder ob CO2-intensive Produkte substituiert werden können. Dies ist aber entscheidend, um den Einfluss des CO2-Preises oder anderer Klimaschutzmassnahmen auf die künftige Gewinnentwicklung abschätzen zu können. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den CO2-intensiven Sektoren Energie, Transport, Industriegüter, Informationstechnologie, Immobilien und Landwirtschaft.

Swisscanto AST Avant Responsible Invest: Die Berücksichtigung von Klimarisiken bringt Alpha

Im Rahmen der ESG Integration – E für Environment (Umwelt), S für Social (Soziales), G für Governance (Unternehmensführung) – im fundamentalen Anlageprozess wird analysiert, wie gross die CO2-Emissionen im Vergleich zur Wertschöpfung bei den Unternehmen sind. Der Carbon Footprint des Swisscanto AST Avant Responsible Invest ist rund 30 Prozent tiefer als jener des Vergleichsindex. Dies liegt daran, dass in jedem Sektor Unternehmen mit relativ tiefen CO2-Emissionen bevorzugt werden. Zusätzlich sind die Unternehmen im Fonds aufgrund ihrer hohen Eintrittsbarrieren mehrheitlich in der Lage, höhere CO2-Preise an die Kunden weitergeben zu können. Über die letzten drei Jahre konnte der Vergleichsindex geschlagen werden. Klimaverträgliche Unternehmen wie der Eisenbahnbetreiber Canadian National Railway, der Windparkbetreiber Orsted oder das Unternehmen Ecolab, das hilft, Ressourcen einzusparen, trugen positiv zur Performance des Swisscanto AST Avant Responsible Invest bei.

Performance Swisscanto AST Avant Responsible Invest

Performance und Volatilität Swisscanto AST Avant Responsible Invest

 

Dr. Gerhard Wagner, Portfoliomanager, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank

Strukturelle Verschiebungen schaffen eine neue Normalität

Der Zinsnormalisierung geht bereits wieder die Luft aus

Seit drei Jahrzehnten befindet sich das globale Zinsgefüge in einem Abwärtstrend und dem zweijährigen zyklischen Zinsanstieg geht bereits wieder die Luft aus. Getragen wurde dieser Zinsanstiegszyklus einzig von den USA, doch die US-Notenbank hat wegen der sich abkühlenden Konjunktur nun eine längere Pause signalisiert. Die anderen grossen Notenbanken konnten mit der Zinsnormalisierung gar nicht erst beginnen und verharren auf ihren Tiefst- oder gar Negativzinsen. Eine substanzielle Wachstumsbeschleunigung sowie inflationäre Impulse sind gegenwärtig kaum in Sicht, weshalb die Notenbanken nicht handeln müssen. Es sieht ganz danach aus, als würde sich der Trend der letzten drei Dekaden vorerst fortsetzen. Das liegt allerdings nicht nur an der Geldpolitik der Notenbanken, sondern auch daran, dass die für das Zinsniveau bestimmenden Parameter auf einem strukturell tiefen Niveau liegen.

Das Gravitationszentrum für das Zinsniveau liegt tiefer

In einer Volkswirtschaft ist das Spar- und Investitionsverhalten ausgeglichen und es herrscht Preisstabilität, wenn der Marktzins dem natürlichen Zins entspricht. Dieser lässt sich zwar nicht beobachten, kann aber mithilfe des Potenzialwachstums, welches eine optimale Auslastung der wirtschaftlichen Inputfaktoren beschreibt, eruiert werden. Zu diesen Faktoren zählen die Arbeit und das Kapital sowie die Effizienz der eingesetzten Faktoren, sprich die Produktivität. Zwischen der Entwicklung dieser Inputfaktoren und dem natürlichen Zinssatz besteht also ein Zusammenhang. Es zeigt sich, dass der abnehmende Trend im Zinsniveau mit dem rückläufigen Potenzialwachstum, dem wirtschaftlichen Gravitationszentrum, einhergeht.

Säkulare Kräfte drücken das Niveau

Da die Erwerbsbevölkerung demografisch bedingt schrumpft und der Aufbau von Sachkapital zyklisch ist, kann der natürliche Zinssatz nur über einen Produktivitätsanstieg erreicht werden. Die Anstrengungen sind da, aber strukturelle Verschiebungen neutralisieren den Effekt auf die Zinsen.

Sparen und Investieren im demografischen Spannungsfeld

Die Balance zwischen Sparen und Investieren ist ein wichtiger Aspekt für das Produktivitätswachstum. Wegen der alternden Gesellschaft hat sich die Priorität für die Verwendung der Ersparnisse jedoch verschoben. Die Sparneigung steigt – tendenziell aber für die Altersvorsorge.

Sparquote der Haushalte zum BIP

Dort wo die Altersvorsorge vom Staat getragen wird, ist der private Sparzwang zwar kleiner, dafür steigt die Belastung der Staatshaushalte. Wegen der fehlenden Inflation und des tieferen Potenzialwachstums sind die offerierten Zinserträge auf Staatsschulden tief. Der Erwerbsbevölkerung bleibt nichts anderes übrig, als noch mehr zu sparen oder höhere Abgaben zu leisten. In den Industriestaaten wird diese Entwicklung über die nächste Dekade anhalten und stellt die Notenbanken vor ein Dilemma. Bremst die Nullzinspolitik wegen der höheren Spareneigung letztendlich das Produktivitätswachstum? Die Diskussion ist kontrovers, denn die Sparneigung ist nicht nur eine Funktion des Zinsniveaus und auch die Investitionspräferenzen haben sich verändert. In der Zwischenzeit und auch weil die Inflation tief bleibt, schaffen die Kräfte des demografischen Wandels sowie deren Begleiterscheinungen eine neue Normalität mit einem tieferen Zinsniveau.

 

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

Wachstumsverlangsamung stellt Normalisierung der Zinsen in Frage

Am 20. März 2019 lud die Zürcher Kantonalbank, gemeinsam mit den Swisscanto Anlagestiftungen und Prevanto, einmal mehr zum Frühjahres-Breakfast-Meeting in den Berner Kursaal ein. Zum reichhaltigen Frühstück wurden spannende aktuelle Brancheninformationen geboten und Fragen wie "Wohin entwickeln sich die Zinsen?" oder "Wie umgehen mit der zunehmenden Diskrepanz zwischen Realität und Gesetzgebung beim Umwandlungssatz?" thematisiert.

Die Bilder des Anlasses sehen Sie hier.

"Wohin jetzt?" Laut Dr. David Marmet, Chefökonom Schweiz der Zürcher Kantonalbank, sei dies die brennende Frage, die sich Ökonomen wie Anleger gegenwärtig stellten. Trotz dem guten Start ins 2019 sei fraglich, ob die Wachstumsverlangsamung nachhaltig oder ein Ansteigen der Zinsen in Sicht sei. Marmet überraschte mit einem Blick auf die Zinsen der vergangenen 180 Jahre. In diesem Zeitraum – genauer seit 1830 – hatten sich diese auf Spareinlagen lange Zeit eher gemächlich bewegt. Seit 40 Jahren jedoch geht es turbulenter zu und her. Über den gesamten langen Zeitraum hinweg waren die Zinsen 1992 am höchsten, 2018 waren sie am tiefsten. Tiefgreifende historische Ereignisse wie die Gründung des Bundesstaates, der Sonderbundkrieg oder auch zwei Weltkriege hatten nicht zu solchen Verwerfungen geführt. "Darüber werden unsere Kinder einst ihren Enkeln berichten können", prophezeite Marmet.

Dr. David Marmet referiert über die Entwicklung der Zinsen in den vergangenen 180 Jahren.

Der globale Abwärtstrend bestehe jedoch nicht erst seit der Finanzkrise. So sei etwa sichtbar, dass seit 30 Jahren die globale Sparneigung gestiegen sei, die Nachfrage nach Investitionskapital zurückginge, die Inflationsrate weltweit sinke und die Volatilität der Finanzmärkte abnehme. Alles in allem, meinte Marmet, sehe die Welt nicht so schlecht aus, "aber es ist nicht mehr alles so rosig wie Ende 2018 noch erhofft". Die Zürcher Kantonalbank gehe von einer Wachstumsverlangsamung in China aus. Die "Konjunkturlokomotive" USA sei zwar schlecht ins erste Quartal dieses Jahres gestartet – der Shutdown und schlechtes Wetter zeigten Folgen –, sie werde jedoch von einem sehr starken Arbeitsmarkt gestützt. "7,5 Millionen freie Stellen, das sind historische Höchstwerte." Für Europa allerdings bestehe weniger Grund für Zuversicht, trotz ebenfalls solidem Arbeitsmarkt samt kräftigem Lohnwachstum. "Gut für den Binnenhandel, doch der Aussenhandel ist von der Wachstumsverlangsamung stark betroffen." Die Ökonomen der Zürcher Kantonalbank halten einen Zinsschritt in den USA  im Bereich von 2,5 bis 2,75 Prozent in den nächsten zwölf Monaten für möglich – nicht jedoch für Europa oder die mit ihren europäischen Partnern stark verbundene Schweiz. Marmets Fazit: "Es gibt kein Anzeichen für steigende Zinsen im Jahr 2019."

Martin Siegrist bringt das brennende Thema "Umwandlungssatz" auf den Tisch.

"Warum schon wieder Umwandlungssatz?" Diese Frage mögen sich die Eingeladenen mit Blick ins Programm insgeheim gestellt haben, vermutete Prevanto-Vorsorge-Experte Martin Siegrist und versicherte, es lohne sich, das Thema noch einmal auf den Tisch zu bringen. Über die besorgniserregenden Entwicklungen werde zu wenig gesprochen. Das heutige Umfeld – mit Zinsstagnation und gesetzlich festgeschriebenem Vorsorgeniveau – habe Auswirkungen auf die Pensionskassen. Im Markt sehe man heute puncto Umwandlungssatz eine enorme Bandbreite zwischen 4,1 und 7 Prozent – und "wer ausserhalb des Vorsorgebereichs könnte für die nächsten 26 Jahre überhaupt eine Zinsgarantie geben, geschweige denn eine von 4,8 Prozent?"

Aufgrund der Macht des Zinseszinses und der Tatsache, dass rund 50 Prozent des Kapitals der Pensionskassen im überobligatorischen Bereich liegen, ergeben sich für die Kassen zwar noch gewisse Gestaltungsspielräume, doch auch hier führe die Kluft zwischen Realität und Gesetzgebung zunehmend zu falschen Anreizen. "Das Nutzen von Schlupflöchern ist aus der Sicht der Einzelperson nachvollziehbar, aus gesamtpolitischer Sicht aber zu verhindern", betonte Siegrist. Jetzt sei die Politik dringend gefordert.

Die Präsentationen können über anlagestiftung@swisscanto.ch angefragt werden.

Bilder vom Breakfast Meeting in Bern finden Sie hier.
Bilder vom Lunch Meeting in Lausanne finden Sie hier.

"Ich bin der Hüter des Grals!"

Für Marcel Rumo, Geschäftsführer der Vorsorgestiftung Sparen 3 und der Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank, ist Vorsorge ein Kernthema. So will er junge Schweizer für das Thema interessieren und politische Veränderungen anstossen. Ausserdem reden wir über kreative Bezugsgründe, Wein aus dem Aargau und die korrekte Aussprache seines Nachnamens.

Herr Rumo, sind die Schweizer gute Vorsorger?

Die Schweiz hat heute eines der besten Vorsorgesysteme weltweit. Schaut man sich aber die Sparquote der Schweizer an, dann liegt diese im Schnitt bei 10%. Es gibt also durchaus noch Potenzial nach oben.

Woran liegt das?

Das hat unterschiedliche Gründe. Aber eine Erklärung ist sicher, dass Erwerbstätige in der Tendenz erst dann anfangen in die 3. Säule einzuzahlen, wenn sie gut verdienen und nachdem sie sich die ersten persönlichen Wünsche erfüllt haben. Und das beginnt meist erst mit Mitte 30. Die Lücke aus den beruflichen Anfangsjahren, bei Teilzeitarbeit oder Familienzeit lässt sich nur schwer schliessen.

Mit den beiden Stiftungen, die Sie führen, sind Sie auch im Verein Vorsorge Schweiz vertreten. Was sind Ihre Anliegen?

Der Verein gibt den Stiftungen der Säule 3a und der Freizügigkeit, welche inzwischen über CHF 130 Mrd. Kapital vereinen, eine eigene Stimme. Eines unserer Ziele ist es, bei Behördenvertretern und in der Politik Verständnis für Nachzahlungsmöglichkeiten zu schaffen, damit Arbeitnehmende ihre Vorsorgesituation nachträglich verbessern können. Der Verein pflegt auch den fachlichen Austausch mit anderen Vorsorgeverbänden, der Wirtschaft und den Medien.

Marcel Rumo im Gespräch mit Sonja Spichtig.

Wie arbeiten Sie und Ihre Stiftungen mit den Swisscanto Anlagestiftungen zusammen?

Die Swisscanto Anlagestiftung ist für uns ein wichtiger Partner für Anlageprodukte. Der ausgewiesene langjährige Erfolg der verschiedenen Anlagegruppen schafft Vertrauen und ist letztlich die Grundlage für eine positive Vermögensentwicklung unserer Kundinnen und Kunden, besonders im heutigen Umfeld, wo die Zinsen sehr tief sind. Gerade in der Vorsorge darf der dritte Beitragszahler, der Finanzmarkt, nicht unterschätzt werden. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, nicht nur privat die Vorsorge zu stärken, sondern auch die bis zur Pensionierung gebundenen Vermögen in Wertschriften zu investieren.

Mit Ihren Stiftungen sind Sie nah beim Kunden. Was bieten diese genau?

Mit der Vorsorgestiftung Sparen 3 können erwerbstätige Personen ab 18 Jahren steuerbegünstigt sparen. Die Freizügigkeitsstiftung ist ein Auffanggefäss für Personen, die für eine gewisse Zeit aus dem Berufsleben aussteigen. Für beide Stiftungen arbeite ich seit zehn Jahren. Die ersten sechs war ich Stiftungsrat. Seit 2015 bin ich deren Geschäftsführer.

Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin der Hüter des Grals! (lacht) Nein, im Ernst, meine Hauptaufgabe ist die Verwaltung der beiden Stiftungen. Das mag vielleicht etwas langweilig tönen, ist aber äusserst vielseitig. So kümmere ich mich nicht nur um die fachlichen Vorgaben und das Reporting, sondern pflege den Kontakt mit verschiedenen Anspruchsgruppen, bin strategisch wie operativ tätig und führe zwei Teams.

Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Einen typischen Tag gibt es nicht. Zum Glück. Ich folge auch keinem festen Plan, sondern gestalte jeden Tag neu. Mein erster Gang führt mich jedoch fast immer zu meinen Mitarbeitenden. Wir sind ein gutes Team und es macht Spass, mit motivierten Menschen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Oft gibt es den einen oder anderen Spezialfall zu besprechen. Dann tausche ich mich mit dem Vertrieb aus. Hin und wieder kommt es auch vor, dass ein Kundenbetreuer vom Schalter direkt zu mir durchgestellt wird, wenn alle anderen Leitungen besetzt sind. Dann beantworte ich seine Frage sehr gern. Ich habe also durchaus noch einen Draht zum Kunden. Und das finde ich sehr bereichernd.

Ist es diese Vielseitigkeit, die Ihren Beruf so spannend macht?

Auf jeden Fall. Auch die Spezialfälle reizen mich. So müssen wir oft von Fall zu Fall entscheiden, ob ein Unternehmer Geld aus seinem Freizügigkeitsvermögen für eine betriebliche Investition beziehen kann. Seit das Bundesgericht ein Raufuttersilo für einen Bauern als Bezugsgrund genehmigt hat, existiert ein Graubereich. Einige Kunden haben seither das Gefühl, sie könnten schnell und einfach Geld aus ihrer Vorsorge für Investitionen beziehen.

Welche "Bezugsgründe" sind Ihnen da schon so untergekommen?

Auf diese Frage kann ich Ihnen aus Vertraulichkeit keine konkrete Antwort geben. Aber so viel möchte ich verraten: Die Fantasie darf hier in allen Farben blühen, wie ein bunter Frühlingsstrauss. Letztendlich muss die Investition buchhalterisch zum Anlagevermögen zählen. Dann gehen wir in den meisten Fällen mit.

Eine grosse Kunst in der Vorsorge besteht darin, junge Menschen für das Thema zu gewinnen.

Wie sind Sie eigentlich zur Zürcher Kantonalbank gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde (lacht). Ich stamme aus der Region Baden. Da war ABB der grösste Arbeitgeber. Jeder, der dort arbeiten durfte, tat es mit Stolz. Eine Ausbildung zum Elektromechaniker lag also nahe. In dieser Zeit habe ich sogar an der Lokomotive der Bahn 2000 eigenhändig mitgeschraubt. Danach war eigentlich der Bachelor in Ingenieurswesen geplant. Ich habe mich aber umentschieden und Wirtschaft an der damaligen HWV studiert. Meine Diplomarbeit schrieb ich dann bei der Zürcher Kantonalbank.

Und da sind Sie noch heute!

Genau. Ich mag die Art der Projektarbeit bei der Zürcher Kantonalbank. Damals habe ich im Accounting angefangen und daran mitgewirkt, ein System aus den 70er Jahren abzulösen und in eine moderne IT-Plattform für die Kundenkontoführung zu überführen. Ich habe zehn Jahre an diesem Projekt mitgearbeitet, 2007 habe ich in diesem Zusammenhang eine operative Bereichsleitung übernommen.

Seit vier Jahren sind Sie Geschäftsführer der Vorsorgestiftung Sparen 3 und der Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank. Was wollen Sie in den nächsten vier Jahren erreichen?

Ich will die Vorsorge zum Kernthema machen. Denn letztendlich ist alles Vorsorge. Ausserdem will ich vor allem junge Menschen dazu bewegen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und in die 3. Säule einzuzahlen. Den Dialog haben wir gestartet. Mit einer persönlichen Beratung durch junge Berater, die die Zielgruppe in ihrer Sprache und mit den richtigen Argumenten ansprechen. Der Erfolg ist überdurchschnittlich hoch. Das stimmt mich optimistisch.

"Letztendlich ist alles Vorsorge", meint Marcel Rumo. Er möchte das Thema noch zentraler positionieren.

Und privat?

Auch da habe ich viele Pläne und möchte etwas bewegen. Ich bin zum Beispiel Stiftungsrat in einem Kinderheim und im Vorstand einer Musikschule. Da gibt es immer viel zu tun. Und ein grosses privates Ziel ist ein erster Auslandsflug als Privatpilot. Die Lizenz hätte ich, aber im Ausland ist das Fliegen wegen des Funkverkehrs und der Navigation anspruchsvoller, daher habe ich es mir bislang noch nicht zugetraut.

Nach Frankreich zu fliegen wäre ja ein Anfang.

Ja, Frankreich wäre naheliegend. Nicht nur geografisch, auch persönlich. Mein Vater stammt aus Fribourg. Deshalb spreche ich meinen Nachnamen auch französisch aus. Meine Eltern haben darauf immer sehr viel Wert gelegt, obwohl ich deutschsprachig aufgewachsen bin. Ich liebe die französische Sprache, auch wenn ich sie gern noch besser beherrschen würde.

Dann sind Sie sicher auch ein Weinliebhaber?

Genau. Ich trinke aber nicht nur gern Wein, sondern stelle ihn auch selbst her. Meine Familie besitzt einen Rebberg mit 450 Stöcken. Allerdings nicht in Frankreich, sondern im Aargau. Hier verbringen wir viel Zeit im Frühjahr und im Herbst.

Das tönt auch nach viel Arbeit.

Durchaus, aber es ist eine sehr schöne Arbeit, die ich mir mit meiner Familie teile, und ein toller Ausgleich zum Alltag im Büro. Im Winter trifft man mich dann beim Ski- und Snowboardfahren. Sie sehen, ich mag die Abwechslung – im Job genauso wie in meiner Freizeit.

Das perfekte Fazit für dieses interessante Gespräch. Vielen Dank dafür.

Zusätzliche aktive Anlagelösung: Swisscanto AST Avant BVG Portfolio 75

Mit den sogenannten "1e-Plänen" haben Einrichtungen der beruflichen Vorsorge die Möglichkeit, dem zunehmenden Bedürfnis der Versicherten nach Eigenbestimmung und Individualität Rechnung zu tragen. Destinatäre mit Lohnbestandteilen von über CHF 127’980 können die Anlagestrategie ihres überobligatorischen Vorsorgeguthabens selber bestimmen und gemäss ihrer Risikofähigkeit beziehungsweise ihren Bedürfnissen anlegen. Mit der grösseren Freiheit und Flexibilität gehen neben den möglichen höheren Renditen aber erstmalig auch Verlustrisiken auf individueller Stufe einher, da der Versicherte das Anlagerisiko selbst trägt.

Welche Anlagelösungen empfehlen sich für 1e-Guthaben?

Die Auswahl der Anlagelösungen innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen obliegt der Vorsorgeeinrichtung. Sie kann bei der Zusammenstellung einer bedürfnisgerechten Angebotspalette verschiedene Anbieter berücksichtigen. Die Swisscanto Anlagestiftungen können mit Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank als Vermögensverwalterin auf mehr als 30 Jahre Erfahrung bei der Investition von Vorsorgeguthaben bauen. Ihre verwalteten Mischvermögen im Vorsorgebereich betragen über CHF 4.5 Mrd. Die aktiv verwalteten, über verschiedene Anlagekategorien, Sektoren und Regionen investierten Portfolios decken Risikoprofile für jeden Vorsorgebedarf ab. Die Swisscanto Anlagestiftung Avant Anlagegruppen geniessen zudem steuerliche Vorteile, da auf Dividendenzahlungen amerikanischer Gesellschaften keine Quellensteuer in der Höhe von 30% anfällt. Somit bleiben sie mit amerikanischen Titeln (ca. 60% des globalen Aktienuniversums) stets voll investiert.

Neue Swisscanto Anlagestiftung Avant Lösung mit 75% Aktienanteil

Die anhaltend negativen Leitzinsen in der Schweiz sowie die tiefen Zinsen im internationalen Umfeld machen Aktien als Anlageklasse nach wie vor attraktiv. Nachdem die Swisscanto Anlagestiftung im Juni 2018 bereits eine Lösung mit 75% Aktienanteil lanciert hat, bietet die Swisscanto Anlagestiftung Avant seit Januar 2019 ebenfalls einen aktiv verwalteten Baustein mit 75% Aktien an. Diese Lösung vervollständigt die breite Auswahl an Anlagelösungen für 1e-Stiftungen und deren Versicherte mit einer wachstumsorientierten Anlagestrategie. Die restlichen 25% des Anlagevolumens sind in Obligationen und Schweizer Immobilien investiert, letztere via die breit in direkte Immobilienanlagen investierte Anlagegruppe "Swisscanto AST Immobilien Schweiz". Direkte Schweizer Immobilienanlagen bieten hervorragende Rendite-Risiko-Eigenschaften in einem diversifizierten Vorsorgeportfolio. Der Anteil von Fremdwährungen wird auf maximal 30% begrenzt und teilweise abgesichert.

Strategische Vermögensaufteilung

 

Aktive Portfoliobewirtschaftung als Renditechance

Mit der aktiven Verwaltung des Anlageportfolios können die Opportunitäten eines zunehmend volatileren Marktumfelds wahrgenommen werden, was langfristig zu höheren Renditechancen führt. Die verantwortlichen Portfolio Manager nutzen für professionelle taktische Anlageentscheidungen die Expertise und langjährige Finanzmarkterfahrung von zahlreichen Spezialisten. So entwickeln sich die aktiv verwalteten Portfolios der Swisscanto Anlagestiftungen seit Jahren mit Erfolg.

Für Fragen zur neuen Anlagegruppe "Swisscanto AST Avant BVG Portfolio 75" oder unseren anderen Anlagegruppen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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Manuel Banz, Produktmanagement Vorsorgestiftungen, Zürcher Kantonalbank

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Wirtschaftliche Auswirkungen des Rahmenabkommens mit der EU

Ein Nein zum Rahmenabkommen als Inflationsquelle?

In den letzten Monaten ist die Inflation in der Schweiz überraschend stark gesunken. Haupttreiber für den Rückgang war der Erdölpreis.

 Inflationsentwicklung (in %, Beiträge in Prozentpunkten)

Aktuell zeigen sich keine Hinweise auf eine bald merklich anziehende Inflation. Somit ist die Preisstabilität gewährleistet, und die Schweizerische Nationalbank hat keinen Anlass, ihre Geldpolitik zu ändern. Erhöht die SNB die Zinsen vor der Europäischen Zentralbank, würde dies die Zinsdifferenz gegenüber dem wichtigsten Handelspartner schmälern. Das gäbe dem Schweizer Franken Auftrieb und würde Konjunktur und Inflation unnötig dämpfen. Ein Vorpreschen der SNB ist nur dann denkbar, wenn die Inflationserwartungen in der Schweiz markant steigen. Eine höhere Inflation ist indes trotz Vollbeschäftigung und einer soliden Wirtschaftslage nicht in Sicht. Da die Lohnpreisspirale nur sehr langsam dreht, kann eine mittelbar höhere Inflation nur durch eine strukturelle Veränderung der Rahmenbedingungen herbeigeführt werden – wie zum Beispiel höhere Handelshemmnisse. Würde ein Scheitern des aktuell intensiv diskutierten institutionellen Rahmenabkommens (IRA) mit der EU ein solches Inflationspotenzial mit sich bringen?

Grundzüge des Rahmenabkommens

Der Anwendungsbereich des IRA umfasst die bestehenden Abkommen Personenfreizügigkeit, Abbau technischer Handelshemmnisse, Landverkehr, Luftverkehr, Landwirtschaft sowie alle zukünftigen Abkommen. Die Schweiz würde sich im Grundsatz zur dynamischen Rechtsübernahme verpflichten, hätte aber bei der Weiterentwicklung des EU-Rechts Mitspracherecht. Die Anpassung des Schweizer Rechts würde nach direktdemokratischem Verfahren erfolgen. Würde ein Recht per Volksreferendum abgelehnt werden, könnte die EU im Rahmen der Verhältnismässigkeit Retorsionsmassnahmen ergreifen.

Wirtschaftliche Folgen bei einer Ablehnung

Bei einem Nein zum Rahmenabkommen fällt Mitte 2019 die Äquivalenz der Schweizer Börsenregulierung weg. Gleichzeitig träte die Schweizer Verordnung über die Anerkennung ausländischer Handelsplätze in Kraft, was den negativen Effekt auf die Schweizer Wirtschaft stark dämpfen würde. Wie wichtig die EU als Handelspartnerin ist, sieht man bei den Warenexporten deutlich. 2018 gingen 52% davon in die EU.

Schweizer Warenexporte nach Ländergruppen

Auch die Weiterentwicklung des Abkommens über technische Handelshemmnisse (MRA) wäre in der Schwebe. Verschärft die EU ihre Normierungsregeln, müssen alle in den EU-Raum exportierenden Unternehmen diese Verordnung umsetzen. Solange das Schweizer Parlament die autonome Umsetzung solcher Regelungen gewährleistet, dürften die unmittelbaren Kosten für die Wirtschaft überschaubar bleiben. Letztlich werden 92% aller Schweizer Warenexporte von Unternehmen abgewickelt, die Teil einer Gruppe sind, deren Vertrautheit mit EU-Regelungen relevant ist. Mit einem "Swiss Finish" wären jedoch unterschiedliche Zulassungen für die Schweiz und die EU notwendig, was die Produktkosten in die Höhe treiben würde. Beim noch ausstehenden Stromabkommen, der Teilnahme an den EU-Forschungsprogrammen oder beim Kabotage-Recht im Luftverkehr würden sich zudem weitere Problemfelder öffnen. Wirtschaftlich hätte eine Ablehnung des IRA keine unmittelbar spürbaren negativen Folgen. Diese würden sich erst schleichend zeigen. Mit einer Zustimmung ohne besonderen Swiss Finish wären negative Auswirkungen wohl kaum messbar. Am Ende ist es eine politische Frage, ob negative wirtschaftliche Folgen stärker zu gewichten sind als politische Souveränitätsverluste.

Effekt auf die Aktien- und Anleihenmärkte

Mit mehr technischen Handelshemmnissen würden einzelne Schweizer Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen und der Effekt auf die Aktienkurse wäre negativ. Handelshemmnisse führen zudem typischerweise zu einer höheren Inflation. Während das strukturell niedrige Schweizer Zinsniveau bei einem Nein zum IRA kleiner wird, bremst das Ausbleiben neuer Abkommen das Aussenhandelswachstum ab und neutralisiert den Inflationseffekt. Behält der Schweizer Franken seine Funktion als sicherer Hafen, wird das Zinsniveau in der Schweiz durch diesen politischen Entscheid nicht spürbar tangiert.

 

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank