Schweizer Pensionskassenstudie 2021: Pensionskassen legen nachhaltiger an, doch punkto Klima besteht Nachholbedarf

Die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen Studie:

  • Der weltweite Trend zu nachhaltigem Anlegen hat die Pensionskassen definitiv erfasst, aber ausgerechnet beim Megathema Klima besteht noch erheblicher Nachholbedarf. Ein Viertel der Kassen haben bereits ESG-Kriterien in ihrem Anlagereglement eingeführt, 2015 waren es nur 8%. Weitere 9% der Kassen werden diese im Verlauf der nächsten drei Jahre einführen. Hier hinken kleine Kassen stark hinterher. Ausgerechnet bei Klimamassnahmen und CO2-Reduktionszielen haben aber alle Vorsorgewerke Nachholbedarf: So setzen im Schnitt nur 17% auf die Messung von CO2 in ihrem Portfolio, lediglich 4% haben bereits konkrete Reduktionsziele eingeführt.
  • Die Pandemie hat 2020 zunächst Spuren hinterlassen, aber die rasche Erholung nach dem Börsentaucher im Frühjahr hat doch noch für eine solide Anlageperformance gesorgt: Die durchschnittliche Rendite liegt bei 3,97% (2019: 10,85%). Es zeigen sich allerdings enorme Unterschiede zwischen der besten Kasse mit 12,30% und der schlechtesten mit –6,50%. Über die letzten zehn Jahre gesehen, zeigt sich, dass Kassen mit über CHF 500 Mio. verwalteten Vermögen mit durchschnittlich 4,57% pro Jahr besser performten als kleinere Kassen mit 4,27%.
  • Insgesamt gesehen sind Schweizer Pensionskassen so gesund wie lange nicht mehr. Dank den guten Renditen können sie ihre finanzielle Stabilität verbessern und die Reserven erhöhen. Folglich ist der Deckungsgrad der Kassen auf den höchsten Stand der letzten zehn Jahre gestiegen. Auch die Wertschwankungsreserven verbessern sich dank der guten Performance: So haben bereits 69% aller Kassen ihre Ziel-Wertschwankungsreserven zu mindestens drei Viertel geäufnet (gegenüber 63% im Vorjahr). Dies ist erfreulich, weil es den Spielraum für eine bessere Verzinsung für die Versicherten erhöht.
  • Die Umverteilung von Aktiven zu Rentnern hat sich reduziert, weil sich die Verzinsungsdifferenz zugunsten der Aktiven entwickelt hat. Im Durchschnitt liegt die Verzinsung der Guthaben der Aktivversicherten bei 2,03% – und somit erneut klar über der Zinsgutschrift auf dem Rentnerkapital.
  • Die schlechte Nachricht für die Versicherten ist, dass sie mit tieferen Umwandlungssätzen rechnen müssen. Diese sind auch 2021 weiter gesunken. So beträgt der durchschnittliche Umwandlungssatz bei Frauen beim Rentenantritt mit 64 Jahren 5,46% und bei Männern mit 65 Jahren 5,52%. Für das Jahr 2025 rechnen die Vorsorgewerke noch mit einem durchschnittlichen Umwandlungssatz von rund 5,3%.
  • Sammelstiftungen nehmen weiterhin eine tendenziell höhere Umverteilung in Kauf: Sie weisen gegenüber privatrechtlichen Kassen tendenziell höhere technische Zins- und Umwandlungssätze aus. Zudem schreiben sie auf Altersguthaben weniger Zinsen gut. Sie befinden sich in einem Dilemma zwischen der Anpassung der technischen Parameter und ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Die Schweizer Pensionskassenstudie 2021 inklusive Mehrjahresvergleich der Kennzahlen finden Sie hier.

"Investment is my life" – das ist kein Beruf, sondern eine Passion

Dr. Thomas Vock hat in diesem Sommer das Pensionsalter erreicht und gibt sein Amt als Präsident des Stiftungsrats der Swisscanto Anlagestiftungen ab. Er blickt zurück auf ein erfülltes Leben als Anlageexperte, zuletzt als Leiter Anlagenmanagement der Berner Kantonalbank. Im Gespräch wird deutlich, dass dieser Vollblutinvestor auch im Ruhestand noch einiges gestalten will. Nicht zuletzt mit der Kettensäge.

Herr Dr. Vock, wenn man Sie kennenlernen möchte, muss man Sie persönlich treffen. Im Internet findet sich so gut wie gar nichts über Sie.

Das stimmt – und ist gewollt. Das kostete mich ein gutes Abendessen mit einem befreundeten IT-Spezialisten, der Unwichtiges über mich im Internet löschte. Diese Form der digitalen Privatsphäre ist mir wichtig.

Was dürfen wir denn wissen über die Privatperson Thomas Vock?

Ich stamme aus dem Aargau, ging in Zofingen zur Schule, wohne heute in Seengen. Ich bin verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Ihr LinkedIn-Profil verrät immerhin, dass Sie seit 2011 Leiter Anlagenmanagement der Berner Kantonalbank sind. Und davor?

Mein ganzes Berufsleben lang war ich im Investmentbereich tätig. Meine Sporen habe ich mir bei Hayek senior abverdient, genau in der aufregenden Zeit, als die erste Swatch auf den Markt kam. Die voll automatisierte Produktionsweise, die am Ende nur noch zwei Handgriffe erforderte, war damals revolutionär. Meine Aufgabe war es unter anderem, Führungen durch die Fabrik zu machen – und vorher allen Teilnehmern die Kameras abzunehmen.

Thomas Vock und Sonja Spichtig blicken auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurück.

Seit 2013 waren Sie Stiftungsrat, seit 2017 Präsident der Stiftungen. Worauf haben Sie Ihren Fokus gelegt?

Auf den Anlagebereich, was ja meiner beruflichen Kompetenz entspricht. Vorher hatten mir die Themen Legal und Compliance ein zu starkes Gewicht. Ich machte Druck, dass neue Produkte, vor allem illiquide Anlagen, stärker angepackt wurden.

Was bleibt in guter Erinnerung?

Es war eine spannende, schöne und intensive Zeit. Zu Beginn der Übernahme der Swisscanto Fondsleitung AG durch die Zürcher Kantonalbank knirschte manchmal der Sand im Getriebe. Da muss man sich austauschen, die Dinge auf den Tisch legen und darüber reden. Das haben wir gemacht und ich finde: ziemlich gut gemacht. Die Stiftungen sind gut unterwegs in einer schwierigen Zeit.

Was hilft Ihnen, wenn der Sand im Getriebe knirscht?

Meine Philosophie, die mir auch bei der Führung von Mitarbeitenden geholfen hat. Erstens begegne ich Menschen grundsätzlich positiv und werde erst misstrauisch, wenn ich enttäuscht wurde. Zweitens fördere ich Stärken, statt auf Schwächen herumzuhacken. Ich glaube, ein Unternehmen kann nicht mit Tempo 100 durch die Welt zuckeln, sondern muss 120 oder sogar hin und wieder 150 Sachen draufhaben. Und damit die Portfoliomanager Gas geben können, darf ich sie nicht gängeln, sondern muss ihr Coach sein und sie unterstützen. Asset Manager beispielsweise sind topqualifizierte Berufsfachleute. Man darf ihnen lediglich das Ziel erklären, aber nicht haarklein vorschreiben, wie sie es zu erreichen haben. Und man muss verstehen, in welchem Dilemma sie als Teil der Organisation stehen: Einerseits treffen sie Entscheidungen wie "ich kaufe morgen Nestlé-Aktien für 15 Millionen" oder "ich verkaufe für 5 Millionen", sind aber gezwungen, einen Kugelschreiber im internen Materialbüro zu bestellen. Wenn man sie zu stark ausbremst, fahren sie nicht 130. Und wenn die ganze Organisation bloss mit 80 unterwegs ist, wird sie von links und von rechts überholt.

Was muss passieren, damit die Vorsorge wieder in Fahrt kommt?

Die Umverteilung von den Jungen auf die Alten muss aufhören. Dafür muss der Umwandlungssatz weiter sinken. Ich bin durchaus liberal und für die Demokratie. Aber dass ich als Stimmbürger darüber entscheiden darf oder muss, welche Zinssätze beim Umwandlungssatz angewendet werden, ist doch verrückt. Vor zwanzig Jahren stand das Schweizer Vorsorgesystem in internationalen Ratings noch mit Holland auf Platz eins. Durch die unselige Politisierung sind wir auf den 12. Rang hinuntergefallen. Wir müssen einsehen: die Besitzstandswahrung der Alten geht nicht. Aber es fällt schwer, das Gewohnte aufzugeben.

Thomas Vock war seit 2013 im Stiftungsrat und seit 2017 Präsident der Stiftungen.

Befürworten Sie die Sanierung um jeden Preis?

Selbstverständlich muss dafür gesorgt werden, dass Menschen im Tieflohnsegment aufgefangen werden. Aber die Selbstverantwortung wegnehmen und nur umverteilen? Das kann nicht die Lösung sein. Es ist hart, aber wir werden nicht ewig auf der Insel der Glückseligkeit wohnen. Es wäre gut, sich ab und zu in Erinnerung zu rufen, dass die Schweiz vor 100 Jahren noch ein armes Land war. Mein Vater ging abends als Kind oft hungrig zu Bett. Ein paar Generationen haben vieles richtig gemacht – und das steht jetzt auf dem Spiel.

Wie erreichen Sie die Jungen mit dieser Botschaft?

Viele junge Schweizer kennen die Welt leider nicht – und entsprechend erkennen sie auch nicht, was die Schweiz ist und wie gut unser Staat letztlich funktioniert. Mir gefällt, dass die Swisscanto Anlagestiftungen nicht nur über dieses Thema reden, sondern auch liefern. Letztes Jahr an der Anlegerversammlung in Zug wurde darüber gesprochen, wie man das Thema Vorsorge der Jugend näherbringen könnte, und inzwischen wurden Videos produziert, die diese komplexe Materie einfach erklären. So, dass Junge das sehen wollen.

Wenn Sie jetzt in diese Welt hinausblicken, was sehen Sie?

Der aufkommende Nationalismus macht mir Sorgen. Und die Gelddruckerei, die in der Finanzkrise 2008/09 begonnen hat und im Moment gerade schier unfassbare Ausmasse annimmt. Hinter diesem neuen Geld steht keinerlei Leistung, keinerlei echte Produktion. Die Kollateralschäden werden gewaltig sein.

Sonja Spichtig im Gespräch mit Thomas Vock über seine Passion und herausfordernde Zukunftspläne.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin mitgeben?

Ich gebe sehr ungern Ratschläge. Aber ich hoffe, dass diese Person alles unternimmt, damit sich dieses Werk gut weiterentwickelt. Und mit gut meine ich: dass neue Produkte entwickelt werden und dass weiterhin Wachstum generiert wird.

Planen Sie den Ruhe- oder eher einen Unruhestand?

"Investment is my life" – das ist kein Beruf, den man tagsüber ein paar Stunden ausübt, sondern eine 24/7-Passion. Ich bleibe aktiv im Business, bekleide unter anderem weiterhin mein spannendes Amt als Vorsitzender des Anlagenausschusses des Staates Liechtenstein. Aber es gibt auch Neues: Erstens habe ich schon über 30 Kubikmeter Holz aus meinem Wald geholt. Sie glauben gar nicht, was für ein unglaubliches Erfolgserlebnis einem so eine Kettensäge bringen kann. Ein Portfolio konstruiert man, und wenn man es gut konstruiert, geht man mit gutem Gewissen schlafen, doch am Morgen wacht man auf und steht vielleicht vor einem Trümmerfeld, weil über Nacht Flugzeuge in Hochhäuser geflogen sind. Wenn das Portfolio gut war, weiss man immerhin, wie seine Trümmerteile aussehen. Wenn ich mit Holz arbeite, sehe ich am Abend, was ich gemacht habe, und am nächsten Morgen ist es immer noch da. Ausserdem will ich an der Uni Zürich den Kurs «Angewandte Geschichte» belegen. Geschichte fasziniert mich sehr. "Life is easy" – und eben auch nicht. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte zeigt genau dies.

 

Anlegerversammlungen einmal anders und "Deal" erfüllt

Was aus dem "Deal" vom letzten Jahr geworden ist, hätten Hanspeter Konrad, Yannick Blättler und Sonja Spichtig gerne vor Ort präsentiert. Doch die Anlegerversammlungen der Swisscanto Anlagestiftungen 2020 konnten aus bekannten Gründen nicht im gewohnten Umfeld stattfinden. Der Stiftungsrat, designierte Stiftungsräte, die Geschäftsführung, Vertreter von Revision und Rechtsabteilung sowie die unabhängige Stimmrechtsvertreterin trafen sich am 23. Oktober 2020 zur "physischen Restversammlung" in Zürich.

Bericht zu den physischen Restversammlungen der Swisscanto Anlagestiftungen

Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Vock begrüsst die Anwesenden zur 47. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung und zur 14. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung Avant. Alle Anwesenden finden es sehr schade, dass die Anlegerinnen und Anleger, die Stiftervertreter und die Gäste nicht vor Ort sein können, und hoffen, dass die Versammlung am 22. Oktober 2021 in Luzern wieder normal stattfinden kann.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, informiert die Versammlung über den Geschäftsgang und die Performance der verschiedenen Anlagekategorien. Das verwaltete Vermögen beider Stiftungen beläuft sich per 30. Juni 2020 auf CHF 17.7 Mia. Mit einem Marktanteil von 13% sind die Swisscanto Anlagestiftungen ein führender Anbieter unter den KGAST-Anlagestiftungen.

"The new normal …"

Von links nach rechts: Daniel Stürzinger, Martina Müller-Kamp, Davide Pezzetta, Thomas Keller, Pia Burch, Thomas Hug, Stephanino Isele, Sonja Spichtig, Thomas Vock, Luca Fischler

Die Anlegerinnen und Anleger konnten ihre Rechte ausschliesslich durch die unabhängige Stimmrechtsvertreterin schriftlich ausüben. Alle Traktanden wurden nahezu einstimmig angenommen. Thomas Hug wurde als Stiftungsrat wiedergewählt. Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Vock und Stiftungsrat Patrice Vernier (leider abwesend) traten zurück. Vizepräsident Dr. Stephanino Isele verabschiedete den Präsidenten mit viel Schalk und Zahlenkombinationen, welche den Präsidenten sein Berufsleben hindurch begleitet hatten. Mit Dr. Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung Graubündner Kantonalbank, konnte eine ausgewiesene Asset Management Expertin als neue Stiftungsrätin gewonnen werden. Daniel Stürzinger wurde als versierter Pensionskassenleiter, Jurist und Vertreter der Romandie ebenfalls neu in den Stiftungsrat beider Stiftungen gewählt. Des Weiteren folgten die Anlegerinnen und Anleger den Anträgen des Stiftungsrats zur Revision der Statuten und des Stiftungsreglements.

Daniel Stürzinger und Martina Müller-Kamp

Nach 45 Minuten beendete der Stiftungsratspräsident die beiden Anlegerversammlungen und verabschiedete sich mit einem herzlichen Dank an alle Anwesenden für die gute Zusammenarbeit.

Im Anschluss an die Anlegerversammlungen wurden die Anlegerinnen und Anleger elektronisch über die Resultate informiert, zusammen mit einem kurzen Video von Stefano Zoffoli, Stratege und Leiter Multi Asset Portfolio bei Swisscanto Invest, damit sie auf den traditionellen Marktausblick nicht verzichten mussten.

Zudem wandten sich Hanspeter Konrad, Yannick Blättler und Sonja Spichtig via Webcast an die Anlegerinnen und Anleger, um das Resultat ihres "Deals" vorzustellen. Der "Deal" bestand darin, gemeinsam einen Beitrag zur Erhöhung der Vorsorgekompetenz bei jungen Erwachsenen zu leisten.

Entstanden sind drei Videos, in denen Carmen und Jonas auf frische Art und Weise die drei Säulen der Vorsorge erklären (1. Säule / 2. Säule / 3. Säule). Verlinken und teilen erwünscht!

US-Wahlen: Was bringt die neue US-Administration?

Wahl auf Messers Schneide

Nach einem überraschend engen Rennen und einer sich wie befürchtet lange hinziehenden Auszählung haben die USA am 3. November 2020 mit Joe Biden einen neuen Präsidenten gewählt. Entscheidend war, dass Biden die drei Staaten des nördlichen Rostgürtels (Pennsylvania, Michigan, Wisconsin), die 2016 an Trump verloren gegangen waren, zurückerobert hat.

Präsidentschaftswahl 2020: Joe Biden vs. Donald Trump, Sieger in den Bundesstaaten 

Mit über 80 Millionen Stimmen hat Biden nicht nur das Volksmehr klar gewonnen, sondern auch den Rekord von Barack Obama von 2008 übertroffen. Der von den Demokraten unter dem Eindruck starker Umfragewerte erhoffte Erdrutschsieg ist jedoch ausgeblieben. Zur Ernüchterung kommt hinzu, dass auch die Mehrheit im Senat verfehlt wurde. Wie erwartet kündigte Donald Trump an, die sich abzeichnende Niederlage auf juristischem Weg zu bekämpfen. Bei dem aktuell klaren Wahlresultat sind Trumps Erfolgsaussichten jedoch gering, die Wahl durch juristische Winkelzüge noch entscheidend zu beeinflussen. Dennoch dürfte er noch für Wochen Unruhe stiften.

Zweite Chance für eine Senatsmehrheit

Nach aktuellem Auszählungsstand kommen die Republikaner im Senat auf 50 Sitze, während die Demokraten 48 Sitze halten. Die verbleibenden zwei Senatssitze werden am 5. Januar 2021 in einem zweiten Wahlgang vergeben. Würden die Demokraten bei dieser Nachwahl beide Sitze gewinnen, könnten sie im Senat mit den Republikanern gleichziehen und hätten damit eine De-facto-Mehrheit. Bei einem Gleichstand läge nämlich der Stichentscheid bei der zukünftigen Vizepräsidentin Kamala Harris. Allerdings erachten wir es als wenig wahrscheinlich, dass die Demokraten die beiden Sitze in der Nachwahl gewinnen werden. Die Machtverteilung im US-Kongress ist deshalb von Bedeutung, weil sie die Durchschlagskraft des neuen demokratischen Kabinetts bestimmt.

Zu erwartende Politik unter Präsident Biden

Die US-Wähler haben sich nach vier Jahren Trump-Präsidentschaft für eine grundlegende politische Richtungsänderung entschieden. Doch was beinhaltet die politische Marschrichtung des neuen US-Präsidenten Biden konkret?

  • Bewältigung der Pandemie hat Vorrang: Biden wird den Kampf gegen das Coronavirus deutlich entschiedener angehen und auch vor einschneidenden Massnahmen nicht zurückschrecken. Im Gegenzug dürfen betroffene Sektoren und Personen auf stärkere staatliche Unterstützung hoffen.
  • Höhere Steuern und mehr Regulierung: Die Agenda der Demokraten enthält eine Umsetzung von Steuererhöhungs- und Ausgabeplänen sowie eine härtere Gangart in Regulierungsthemen. Bei einer republikanischen Mehrheit im Senat wird die Erreichung dieser Ziele jedoch schwierig.
  • Weniger konfrontative Aussenpolitik: Diesbezüglich ist von einer Mässigung unter Biden auszugehen. Die Weltmacht dürfte sich wieder vermehrt in den internationalen Institutionen wie dem Pariser Klimaabkommen einbinden lassen. Die kritische Haltung der USA gegenüber China wird aber unter Biden beibehalten, wobei sich der Dialog weniger feindselig gestalten wird.

Gelingt es den Demokraten nicht, eine Mehrheit im Senat zu erlangen, dürften spätestens in der kleinen Kammer viele politische Ziele der neuen demokratischen Administration scheitern oder zumindest erheblich verwässert werden.

Geteilte Machtverhältnisse gut für Finanzmärkte

Für die Finanzmärkte ist das Ausbleiben einer blauen Welle eine positive Nachricht. Dadurch sind in der Wirtschaftspolitik sowie in anderen zentralen Politikfeldern Kompromisse gefragt, was nicht unbedingt schlecht ist, wie die Geschichte zeigt. Unmittelbar belasten wird der geringere Umfang des erwarteten Fiskalstimulus. Mittelfristig wichtiger ist jedoch die Geldpolitik, die bekanntlich längere Zeit ultraexpansiv bleiben wird. Ein erhebliches Risiko stellt nach wie vor die Coronapandemie dar – unter Präsident Biden sind griffigere Massnahmen zur Eindämmung wahrscheinlich, was für die Finanzmärkte ein Risiko birgt. Mehr Zuversicht verspricht die baldige Verfügbarkeit eines Covid-19-Impfstoffes. Obwohl die Hoffnung auf ein zeitnahes Ausrollen des Impfstoffes berechtigter denn je ist, können der wirtschaftliche Schaden sowie die angehäuften Schulden nicht ungeschehen gemacht werden.

US-Staatsverschuldung in % des BIP

Aus ökonomischer Sicht interessiert daher nicht nur, wann der Impfstoff eine normale Mobilität zulassen wird, sondern welche strukturellen Veränderungen die Pandemie bewirkt oder beschleunigt hat. Die Frage der Verfügbarkeit wird die Pharmaindustrie in absehbarer Zeit beantworten. Hinsichtlich Strukturwandel ist es noch zu früh für eine abschliessende Beurteilung. Feststellen lässt sich allerdings jetzt schon: Auf jede Krise folgt ein Neuanfang mit Anpassungen – politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Natur.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

Lancierung aktive Anlagelösung "Swisscanto AST Avant BVG Responsible Portfolio 95"

Die Swisscanto Anlagestiftung Avant lanciert per 30. November 2020 eine neue Anlagegruppe mit hoher Aktienquote. Diese Lösung vervollständigt die breite Auswahl an Anlagelösungen für Anlegerinnen und Anleger mit einer wachstumsorientierten Anlagestrategie.

Neuer Responsible-Standard in unseren aktiven, traditionellen Anlagegruppen

Die Swisscanto Anlagestiftungen können mit Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank als Vermögensverwalterin auf mehr als 30 Jahre Erfahrung bei der Investition von Vorsorgeguthaben bauen. Als Pionierin im Bereich Nachhaltigkeit baut sie ihre Vorreiterrolle weiter aus. Als erste Anbieterin setzt sie das Pariser Klimaziel in der Produktpalette aller aktiven, traditionellen Anlagefonds und Anlagegruppen um. Der Responsible-Standard umfasst die Einhaltung des CO2Reduktionsziels von 4% sowie die systematische Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) in allen aktiven Anlageentscheidungen.

Ihre verwalteten Mischvermögen im Vorsorgebereich betragen über CHF 4 Mrd. Die aktiv verwalteten, über verschiedene Anlagekategorien, Sektoren und Regionen investierten Portfolios decken Risikoprofile für jeden Vorsorgedbedarf ab. Die Anlagegruppen der Swisscanto Anlagestiftung Avant geniessen zudem steuerliche Vorteile, da auf Dividendenzahlungen amerikanischer und japanischer Gesellschaften keine Quellensteuern in der Höhe von 30% bzw. 15,3% anfallen. Somit bleiben sie mit amerikanischen Titeln (ca. 60% des globalen Aktienuniversums) stets voll investiert.

Neue Lösung der Swisscanto Anlagestiftung Avant mit 95% Aktienanteil

Die anhaltend negativen Leitzinsen in der Schweiz sowie die tiefen Zinsen im internationalen Umfeld machen Aktien als Anlageklasse nach wie vor attraktiv. Nachdem die Swisscanto Anlagestiftung Avant im Januar 2019 bereits eine Lösung mit 75% Aktienanteil lanciert hat, bietet sie ab Ende November 2020 zusätzlich einen aktiv verwalteten Baustein mit 95% Aktien an. Diese Lösung vervollständigt die breite Auswahl an Anlagelösungen für Versicherte mit einer wachstumsorientierten Anlagestrategie. Die restlichen 5% des Anlagevolumens sind in Obligationen investiert. Der Anteil von Fremdwährungen wird auf maximal 30% begrenzt und teilweise abgesichert.

Strategische Vermögensaufteilung

Aktive Portfoliobewirtschaftung als Renditechance

Mit der aktiven Verwaltung des Anlageportfolios können die Opportunitäten eines zunehmend volatileren Marktumfelds wahrgenommen werden, was langfristig zu höheren Renditechancen führt. Die verantwortlichen Portfolio Manager nutzen für professionelle taktische Anlageentscheidungen die Expertise und langjährige Finanzmarkterfahrung von zahlreichen Spezialisten. So entwickeln sich die aktiv verwalteten Portfolios der Swisscanto Anlagestiftungen seit Jahren mit Erfolg.

Für Fragen zur neuen Anlagegruppe "Swisscanto AST Avant BVG Portfolio 95" oder unseren anderen Anlagegruppen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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Tayfun Gürbostan, Produktmanagement Vorsorgestiftungen, Zürcher Kantonalbank

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"Bei der Vorsorge zählt der Solidaritätsgedanke."

Stephan Wyss ist Gründungspartner der Prevanto AG. Die Entscheidung, das Unternehmen 2015 aus einem Management Buyout zu übernehmen, hat er bis heute nie bereut. Das rund 40-köpfige Team betreut zahlreiche Pensionskassen von Unternehmungen und der öffentlichen Hand. Wir haben mit Stephan Wyss über seine Erfahrungen als Unternehmer und den Bundesratsvorschlag für die Reform der beruflichen Vorsorge gesprochen.

Herr Wyss, Sie verfügen über eine langjährige Erfahrung im Schweizer Vorsorgemarkt. Wie sind Sie in die Vorsorgebranche gekommen?

Ich wollte ursprünglich Finanzchef eines KMU werden. Nach meinem Wirtschaftsstudium war ich zwei Jahre lang für die Kreditvergabe an grosse Schweizer Versicherungen bei einer Grossbank zuständig. Ich stellte fest, dass mir das Wissen der Passivseite für eine ganzheitliche Beratung fehlte. Um diese Lücke zu schliessen, entschloss ich mich, die Ausbildung zum Pensionsversicherungsexperten zu absolvieren. Der Wechsel in die Vorsorgebranche war deshalb ein logischer Schritt.

Und heute betreuen Sie als unabhängiger Unternehmer Vorsorgeeinrichtungen jeder Grösse. Eine grosse Verantwortung, die Sie tragen …

Auch wenn man mir das kaum glaubt: Ich habe persönlich keinen grossen Unterschied gespürt, als ich auf die Arbeitgeberseite wechselte. Klar, die finanzielle Verantwortung ist viel grösser. Aber ob als Angestellter oder als Partner, meine Arbeitsmotivation und mein Verantwortungsbewusstsein waren schon immer sehr hoch. Mit zwölf Jahren habe ich meinen Vater verloren und musste früh lernen, Verantwortung zu übernehmen. So habe ich mit 13 Jahren zum ersten Mal die Steuererklärung für meine Familie ausgefüllt.

Ein solches Erlebnis prägt das ganze Leben. Wie überträgt sich das in Ihren Berufsalltag?

Ich fühle mich in hohem Masse für meine Kunden verantwortlich und ihre Sicherheit liegt mir am Herzen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spass?

Ganz klar: Eine gute und überzeugende Präsentation für Kunden und Partner zu liefern. Im "People’s Business" zählt die Kraft der Argumente. Ebenso erfüllt es mich, meine Kunden bei wichtigen Entscheidungen zu unterstützen und die Umsetzung samt allfälligen Korrekturmassnahmen zu begleiten. Schliesslich bereitet mir der Umgang mit den Mitarbeitenden grosse Freude, denn ich lerne gerne von ihnen.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen an der Unternehmerarbeit weniger gefallen?

Alles, wofür intern niemand explizit zuständig ist, landet heute auf meinem Tisch. Wie zum Beispiel heute, als die Klingel zu unseren Büroräumlichkeiten nicht funktionierte. (lacht) Scherz, das gehört natürlich auch dazu. Was mir eher Sorgen macht, ist einerseits der teilweise künstliche Zeitdruck, die Jahresabschlüsse der Vorsorgeunternehmen immer früher zu erstellen, fast wie bei einem börsenkotierten Unternehmen. Das führt zu einer hohen saisonalen Arbeitsauslastung. Und andererseits der starke Fokus auf die Verwaltungskosten, den ich nicht immer nachvollziehen kann. Schlussendlich zählen geldmässig für eine Vorsorgeeinrichtung die Netto-Performance auf dem Vermögen sowie die richtigen technischen Parameter.

Kommen wir auf die Reform der beruflichen Vorsorge zu sprechen: Hat die Vorlage Chancen durchzukommen?

Nein, meines Erachtens ist sie so, wie sie vorgesehen ist, bereits vom Tisch. Das Parlament wird die Vorlage kritisch beäugen. Es ist wichtig, dass wir nicht wieder von vorne beginnen müssen. Aber eine Umverteilung à la "Junge finanzieren Reich und Alt", das kann nicht sein.

Welche Vorschläge finden Sie besser?

Es gibt realistische Alternativen wie diejenige vom Schweizerischen Pensionskassenverband ASIP oder der "Allianz für eine mehrheitsfähige Rentenreform" – ein Zusammenschluss des schweizerischen Baumeisterverbandes, der Swiss Retail Federation und Arbeitgeber Banken. Die darin vorgestellten Lösungsansätze richten sich nicht an den Staat, sondern sind auf die Pensionskassen ausgerichtet. Das finde ich besser.

Nach Pensionsversicherungsexperte Stephan Wyss sollten die Pensionskassen dezentrale Lösungen finden.

Also lieber keine Reform als dieser Vorschlag?

Vielleicht ist die "Second best"-Lösung – nämlich alles so zu belassen – besser. Ich vertrete die Ansicht, dass die Pensionskassen das Problem dezentral lösen sollen und nicht via zentrales Umlageverfahren. Es kann nicht sein, dass die Versicherten von Pensionskassen, welche die Hausaufgaben gemacht haben, nun für die Versicherten von Pensionskassen bezahlen müssen, welche die Hausaufgaben nicht erledigt haben.

Welche Parameter würden Sie ändern?

Ich finde es richtig, den Umwandlungssatz und den Koordinationsabzug zu reduzieren. Zudem würde ich die Spargutschriften erhöhen. Alle Änderungen würde ich im Wissen vornehmen, dass sie eine Zwischenlösung darstellen. Wichtig sind auch verkraftbare kompensierende Massnahmen für die betroffene Übergangsgeneration, um die Renteneinbussen zu mildern.

Wie sieht für Sie eine Ideallösung der beruflichen Vorsorge aus?

Eine Vorsorge ohne Koordinationsabzug und mit defensiven Parametern, die nicht zu hohe Versprechungen macht, also Generationengerechtigkeit auch in der Regenzeit gewährleisten kann. Der Sparprozess müsste wie in der AHV bereits mit 18 Jahren beginnen. Selbstverständlich müsste auch das Rücktrittsalter an die Lebenserwartung gebunden werden. Generell würde eine Entpolitisierung der beruflichen Vorsorge guttun. Dadurch würde die Eigenverantwortung der Menschen gestärkt. Damit dies gelingen kann, wäre aber unbedingt bereits während der obligatorischen Schulzeit eine Grundausbildung in finanziellen Angelegenheiten einzubauen. Dieses Grundwissen sollte dann während der Berufsausbildung vertieft werden.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?

Ein seit 35 Jahren geltendes durch und durch politisches System kann man nicht so einfach umstellen. Es ist schwierig, vom kritisierten Zustand A zum besseren Zustand B zu kommen, ohne dass wir zu viele Verlierer auf der Leistungs- oder auf der Finanzierungsseite haben. Eine wie oben angetönte Kompromisslösung (Optimierung mehrerer Parameter) kann natürlich von allen Seiten kritisiert werden. Aber nur wenn der Stimmbürger einfach und transparent informiert wird, kann die überfällige Korrektur auch demokratiepolitisch gelingen. Als Optimist glaube ich fest daran, dass eine austarierte Kompromisslösung von einer Mehrheit getragen wird.

Stephan Wyss bespricht mit Sonja Spichtig den Bundesratsvorschlag für die Reform der beruflichen Vorsorge.

Was halten Sie übrigens von der freien Wahl der Pensionskasse?

Das wurde schon oft untersucht und das Fazit war immer wieder, dass es keine gute Lösung ist. Die Arbeitgeber würden das Interesse an einer guten Vorsorge verlieren. Und was noch wichtiger ist: Der grösste Teil des Vorsorgevermögens einer Privatperson wird bei der Pensionskasse angespart. Die Auswahl der falschen Pensionskasse hätte verheerende Konsequenzen für den Einzelnen. Aus meiner Sicht wirken beispielsweise die neuen 1e-Pläne mit den wählbaren Anlagestrategien entsolidarisierend. Überspitzt gesagt verabschiedet sich das Management mit den höheren Löhnen von der "normalen" Pensionskasse und entzieht damit "Haftungssubstrat", das solidarisch wichtig wäre für die Finanzierung der laufenden Rentenverpflichtungen.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft?

Bei der Vorsorge zählt für mich nach wie vor der Solidaritätsgedanke. Man sollte im Kollektiv denken. Ich sehe einen Trend in Richtung Entsolidarisierung und Individualisierung und bin sehr skeptisch, ob dies gut ist. Der Sinn unseres Schweizer Vorsorgesystems besteht in erster Linie darin, eine genügende Rente zu entrichten und dass die Starken solidarisch für die Schwachen da sind.

Eine gute Botschaft. Es ist sehr spannend, mit Ihnen über die Vorsorge zu diskutieren. Engagieren Sie sich auch in Fachgremien?

(lacht) Heute wäre eine Sitzung vom Vorsorgeforum, die ich für dieses Interview abgesagt habe. Ich bin zudem Beirat der Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto und verfasse regelmässig Beiträge für Zeitschriften im Namen der Prevanto AG. Ich wirke in der Prüfungskommission für Pensionsversicherungsexperten und bin Mitglied der Arbeitsgruppe IFRS der Schweizerischen Kammer der PK-Experten, in welcher ich acht Jahre lang im Vorstand tätig war. Als Unternehmer tausche ich mich täglich mit unterschiedlichsten Personen und Stiftungsräten aus und versuche natürlich auch so, etwas zu bewegen.

Stephan Wyss war acht Jahre lang im Vorstand der Arbeitsgruppe IFRS der Schweizerischen Kammer der PK-Experten.

Sie sind eine vielbeschäftigte Person! Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?

In meiner Freizeit geniesse ich die gemeinsamen Momente mit meiner Familie und treibe Sport. Früher bin ich Bergmarathon gelaufen wie z.B. den Jungfrau-Marathon. Letztes Jahr habe ich seit Langem wieder einmal einen Halbmarathon absolviert und merken müssen, dass auch bei mir der Alterungsprozess eingesetzt hat (lacht). Sonst fahre ich gerne Tandem mit meiner Frau und versuche viel Zeit mit unseren zwei Söhnen zu verbringen. Der jüngere Sohn bedarf einer ständigen intensiven Pflege. Zum Glück hat meine Frau unsere Familienagenda hervorragend organisiert. Wann immer es die Zeit erlaubt, üben wir sportliche Aktivitäten gemeinsam aus, wie z.B. Skifahren im Winter, Velofahren und Segeln im Sommer. Daraus schöpfe ich die Energie für meine Arbeit.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Wyss.

Swisscanto Invest verpflichtet sich dem Klima

Swisscanto Invest baut ihre Stellung als Vorreiterin im Bereich Nachhaltigkeit weiter aus. Als erste Fondsanbieterin setzt das Asset Management der Zürcher Kantonalbank das Pariser Klimaziel in der aktiven Produktpalette um. Somit richten sich alle aktiv verwalteten Anlagefonds auf eine Reduktion der CO2-Emissionen von mindestens 4% pro Jahr aus.

Neue Klimastrategie setzt auf Dialog und Kapitalallokation

Als erste Fondsanbieterin setzt Swisscanto Invest bei Investitionsentscheidungen in aktiven Fonds ein jährliches CO2-Reduktionsziel von 4% um. Sie investiert in Firmen und Staaten, die ihre CO2-Emissionen mindestens mit 4% pro Jahr senken. Sie leistet damit als Pionierin der Schweizer Finanzbranche einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Als Aktionärin und Kreditgeberin wirkt Swisscanto Invest über den aktiven Dialog darauf hin, dass die Unternehmen ehrgeizige CO2-Reduktionsziele von mind. 4% pro Jahr formulieren und diese konsequent umsetzen. Über die Kapitalallokation wird sichergestellt, dass alle aktiven, traditionellen Anlagefonds eine sinkende Kohlenstoffintensität aufweisen. Dazu werden CO2-intensive Unternehmen und Staaten reduziert, die über keine Strategie zur Senkung ihrer CO2-Emissionen verfügen. CO2-effiziente Unternehmen und Staaten, die entsprechende Reduktionsziele verfolgen, werden hingegen übergewichtet.

Mit Dialog und Kapitalallokation zum Klimaziel

Pariser Klimaziel soll globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius begrenzen

An der UN-Klimakonferenz in Paris wurde 2015 das Ziel verabschiedet, die menschengemachte globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius, wenn möglich auf unter 1.5 Grad Celsius, zu begrenzen. Dies bedeutet, dass bis ca. Mitte des Jahrhunderts die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas nahezu vollständig substituiert werden müssen und die Netto-CO2-Emissionen auf null sinken. Um das Pariser Klimaziel zu erreichen, müssen die globalen CO2-Emissionen ab 2020 jährlich um mindestens 4% sinken. Die Schweiz hat das Pariser Klimaabkommen 2017 ratifiziert und sich damit u.a. verpflichtet, ihre Kapitalflüsse klimaverträglich auszurichten.

Systematische Integration von ESG-Kriterien in aktiven Anlageentscheidungen

Die systematische Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial-, und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) in den aktiven Anlageprozessen wird weiterentwickelt. Die vertiefte Analyse der einzelnen ESG-Dimensionen liefert den Portfoliomanagern zusätzliche Informationen und lässt bessere Anlageentscheide zu. Unternehmen und Staaten mit den höchsten ESG-Risiken bedürfen einer separaten Begründung und Dokumentation, sollte sie der Portfoliomanager im Fonds behalten wollen. Konsequent verzichtet wird auf Unternehmen, die mehr als 10% ihres Umsatzes mit Kohlenförderung generieren. Die Investitionsrisiken werden damit reduziert.

Nachhaltigkeits-Reporting bietet Transparenz

Mithilfe des detaillierteren Nachhaltigkeits-Reportings können die Kunden regelmässig transparent nachvollziehen, wie sich der Markt und ihre Vermögenswerte in Swisscanto Invest Anlageprodukten hinsichtlich des CO2-Reduktionsziels tatsächlich entwickeln. Die bisherigen Engagement-Bestrebungen werden auf internationale Titel ausgeweitet. Dabei berücksichtigte Nachhaltigkeitskennzahlen bzw. -dimensionen sind zum Beispiel:

  • ESG-Ratings (eigene und dritte)
  • CO2-Intensitäten inklusive 2-Grad-Klimaziel Kompatibilitätsmessung
  • ausgeschlossene Unternehmen

Konkret wird u.a. der Carbon-Footprint pro Sektor und Anlageklasse angegeben und mit dem entsprechenden Benchmark verglichen.

Die menschengemachte globale Erwärmung soll auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden

Blacklist wird auch auf Index-Produkte ausgeweitet

Seit Anfang 2020 wird die Blacklist auf die gesamte Fondspalette angewendet, d.h. auch auf der passiven Produktseite. Ausgeschlossen werden vor allem Hersteller von geächteten Waffen (Antipersonen- und Landminen, Streubomben und Streumunition, biologische und chemische Waffen sowie Kernwaffen). Zur Einschätzung stützt sich Swisscanto Invest primär auf die Schweizer Gesetzgebung sowie auf von der Schweiz ratifizierte und anerkannte internationale Abkommen. Generell deckt sich die Einschätzung mit den Ausschlussempfehlungen von SVVK-ASIR, dem Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen. Sie behält sich aber vor, nach eigenem Ermessen zusätzliche Unternehmen auszuschliessen oder auf einen Ausschluss zu verzichten.

Eine Auswahl wichtiger Partnerschaften von Swisscanto Invest

  • Eurosif (Europäischer Transparenz-Kodex für Nachhaltigkeitsfonds): Mit dem Unterzeichnen des Europäischen Transparenz-Kodex für Nachhaltigkeitsfonds bestätigt Swisscanto Invest als Schweizer Fondsmanagerin ihr Engagement für Transparenz gegenüber dem Anleger. Eurosif ist ein Zusammenschluss der nationalen Fachverbände für nachhaltige Geldanlagen auf europäischer Ebene.
  • PRI (Principles for Responsible Investment): Die sechs Principles for Responsible Investment der Vereinten Nationen sind finanzmarktrelevante Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien. 2009 hat die Zürcher Kantonalbank als eine der ersten Universalbanken in Europa die PRI unterzeichnet.
  • CDP (Carbon Disclosure Project): Seit 2005 ist die Zürcher Kantonalbank Unterzeichnerin des Carbon Disclosure Projects (CDP), eine Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Transparenz hinsichtlich der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen zu schaffen.
  • SSF (Swiss Sustainable Finance): SSF wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, die Schweiz zu einem führenden Zentrum für nachhaltige Finanzen zu machen. Seit 2015 ist die Zürcher Kantonalbank Mitglied von Swiss Sustainable Finance.

Weitere Partnerschaften finden Sie hier.

Eine Auswahl der unterzeichneten Investoren-Initiativen

  • Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD): Entwicklung konsistenter Angaben zu klimabezogenen Finanzrisiken, die von Unternehmen zur Information von Investoren, Kreditgebern, Versicherern und anderen Interessengruppen verwendet werden können.
  • UNEP Finance Initiative (UNEP FI): Mobilisierung von Finanzmitteln des Privatsektors für eine nachhaltige Entwicklung bezüglich Lebensqualität der Menschen.
  • Climate Bonds Initiative: Schaffung eines grossen und liquiden Markts für Grün- und Klimaanleihen.
  • PRI – Investor statement on deforestation and forest fires in the Amazon: Sensibilisierung der Unternehmen für den besorgniserregenden Abholzungstrend des Regenwalds und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und den Klimawandel.
  • UN Women’s Empowerment Principles: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Rolle der Frau in den Unternehmungen.

Der neue Nachhaltigkeitsstandard auf einen Blick

  • Swisscanto Invest verpflichtet sich dem Pariser Klimaziel und richtet die Investitionstätigkeiten in den traditionellen, aktiv verwalteten Anlagefonds auf eine Reduktion der CO2-Emissionen von mindestens 4% pro Jahr aus.
  • Verbindliche ESG-Kriterien finden Anwendung in allen aktiv verwalteten Anlagefonds.
  • Konsequenter Verzicht auf Unternehmen, die mehr als 10% ihres Umsatzes mit Kohleförderung generieren.
  • Es werden für 100% der Aktienbestände die Stimmrechte wahrgenommen und entlang der ESG-Prinzipien ein aktiver Dialog mit den Unternehmen geführt. Das Abstimmungsverhalten wird transparent publiziert.
  • Blacklist auch im Indexgeschäft: Unternehmen, die geächtete Waffen produzieren, werden zu 100% aus dem Vermögen von Swisscanto Invest ausgeschlossen.
  • Nachhaltigkeit braucht Transparenz: Die Kunden erhalten ein regelmässiges Reporting zur CO2-Intensität, zu globalen Risiken und den Ratings ihrer Anlage.

Mit dieser Ausrichtung positioniert sich Swisscanto Invest einmal mehr als Vorreiterin in puncto Nachhaltigkeit. Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre Nachhaltigkeit ist unsere Überzeugung.

Deflation heute, Inflation morgen – oder übermorgen

Mittelfristig überwiegen deflationäre Tendenzen

Die Massnahmen zur Eindämmung des Wirtschaftseinbruchs infolge der Covid-19-Pandemie liefern zusammen mit den Eigenschaften der gegenwärtigen Rezession den Plot für ein inflationäres Szenario. Notwendige Ingredienzen wie ein Angebotsschock, eine stark expansive Geld- und Fiskalpolitik, eine tiefe Produktivität und Tendenzen in Richtung Wiederaufbau von Handelsbarrieren wären vorhanden. Folgt nun die grosse Trendwende in der Inflationsentwicklung? Viele Marktakteure sehen Parallelen zur Stagflation der 1970er-Jahre, als die Inflation während der Rezession anstieg. Die Voraussetzungen für ein Inflationsszenario wären gegeben, die Produktionslücke hat sich aber in einem Umfeld mit bereits tiefer Inflation geöffnet und wird sich so schnell nicht schliessen. Mittelfristig überwiegen unserer Meinung nach deshalb die deflationären Tendenzen am Güter- und Dienstleistungsmarkt. Und wie Japan zeigt, ist selbst eine Staatsfinanzierung der Notenbank durch die Hintertür mittel- und langfristig nicht zwingend inflationär. Anders sieht es bei der Vermögensinflation aus.

Inflation im Dornröschenschlaf – oder doch tot?

Nachdem die Inflation Ende der 1970er-Jahre auf zweistellige Prozentniveaus angestiegen war, folgte eine Periode mit hohen Zinsen, welche die Inflation wieder unter Kontrolle brachte. Seither zeigen sowohl der Inflations- wie auch der Zinstrend nach unten. Bei jedem Wirtschaftsaufschwung stiegen Inflation und Zinsen zwar an, pendelten sich aber nach jedem Konjunkturzyklus auf einem noch tieferen Niveau ein.

Inflation und Leitzins in den USA
(10-Jahres-Durchschnitt in %)

Seit der Finanzkrise 2008/09 haben Notenbanken die Geldmenge und Regierungen die Staatsverschuldung immer weiter ausgedehnt. In der aktuellen Pandemie haben diese Interventionen ein gewaltiges Ausmass erreicht. Notenbanken stossen in Richtung Monetisierung von Schulden vor, und zeitgeistige Konstrukte wie die "Modern Monetary Theory" sind längst keine Utopie mehr. Und war die Globalisierung der wichtigste deflatorische Treiber der letzten drei Dekaden, so sollten die gegenwärtigen Deglobalisierungstendenzen inflationär sein.

Implikationen für Anleger

Auch wenn die Grundzutaten für ein inflationäres Szenario langfristig vorhanden sind, schätzen wir das mittelfristige Potenzial für eine substanziell steigende Inflation als sehr beschränkt ein. Weder gehen wir von Güterknappheit noch von einem überdurchschnittlichen Nachfrageanstieg aus. Zudem dienen die Fiskalpakete lediglich dem Erhalt der Wirtschaftsstrukturen und nicht deren Ausweitung. Weil die Entflechtung der globalen Wertschöpfungsketten mit hohen Kosten und Verzicht verbunden ist, bleibt der aus den Deglobalisierungstendenzen ausgehende Preisdruck überschaubar. Entscheidend ist, dass die Weltwirtschaft mittelfristig eher mit Über- als mit Unterkapazitäten beschäftigt sein wird. Über die nächsten 12 Monate sind Basiseffekte im Preisniveau insbesondere infolge einer Stabilisierung der Ölpreise denkbar. Dies wird aber lediglich zu einer Normalisierung der Inflationserwartungen führen. Da sich die abnehmende Produktivität zu Beginn einer Rezession vorwiegend in den tiefen bis negativen Realrenditen und nicht in steigenden Lohnstückkosten widerspiegelt, wird die Liquiditätsschwemme vor allem die Vermögensinflation vorantreiben.

Vermögensinflation: Aktien entkoppeln sich vom Welt-BIP
(indexiert: 31.12.2008 = 100)

Die Pandemie sorgte zwar für eine Vollbremsung der Wirtschaft mit einem unmittelbaren deflatorischen Effekt auf Aktien. Die in der Folge noch expansivere Geldpolitik hat jedoch die globalen Finanzierungsbedingungen wieder stark vergünstigt und somit die Volatilität an den Finanzmärkten beruhigt. Kurzfristig sind die Märkte noch in der Adjustierungsphase. An der mittel- bis langfristigen relativen Attraktivität von Aktien gegenüber Obligationen hat sich trotz der tieferen Gewinnerwartungen der Unternehmen jedoch nichts geändert. Inflation bleibt vorerst eine latente Gefahr, die sich langfristig entfalten könnte – wie schon in der letzten Dekade.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

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