"Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen."

Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das so sehr für die Schweiz steht und einen so guten Ruf innehat wie die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega. Die gemeinnützige, private Stiftung ist damit ein beliebter Arbeitgeber. Roger Mohr ist Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds sowie als Betriebswirtschafter für die Rega tätig. Wir sprechen mit ihm über die Besonderheiten der Rega-Pensionskasse und deren Anlagestrategie sowie über seine private Freizeitgestaltung.

Herr Mohr, sind Sie schon einmal mit zu einem Einsatz geflogen? Oder ziehen Sie als Pensionskassenleiter festen Boden unter den Füssen vor?

Als ich vor zehn Jahren bei der Rega angefangen habe, durfte ich 24 Stunden auf der Rega-Basis in Basel verbringen und drei Einsätze hautnah miterleben. Der eindrücklichste war jener am Titisee, bei dem wir unter schwierigen Wetterverhältnissen fliegen mussten. Besonders fasziniert hat mich die Zusammenarbeit der Crew.

Was haben Sie von diesem Einsatz mit ins Büro genommen?

Dieses Erlebnis hat meine Identifikation mit dem Unternehmen gesteigert und mein Verständnis für die Aufgaben der Crew-Mitglieder erhöht. Das kommt mir in meiner täglichen Arbeit zugute.

Sonja Spichtig im Gespräch mit Roger Mohr. Beim Kauf der neuen Ambulanz-Jets leitete er die Preisverhandlungen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Pensionskasse gegenüber der eines industriellen Unternehmens?

Beispielsweise durch das frühere Rücktrittsalter unserer Crew-Mitglieder: Bei Piloten liegt dieses bei 60 Jahren. Unser Durchschnittsalter im Rentnerbestand ist dadurch mit 68 Jahren relativ niedrig. Teilzeitbeschäftigte sind bei uns voll versichert. Die gute Pensionskasse ist ein wesentlicher Bestandteil des Lohnpakets, denn es gibt keine variablen Vergütungen. Alle haben den gleichen Sparbeitragssatz – über alle Altersgruppen hinweg. Wir sind ein soziales Unternehmen und bieten vorbildliche Sozialleistungen.

Was bedeutet das frühe Rentenalter für die Struktur Ihrer Pensionskasse?

Mit 400 Aktiven zu 105 Rentnern haben wir ein sehr gesundes Verhältnis. Darüber bin ich auch sehr froh.

Wie sind Sie eigentlich zur Rega gekommen?

Das Inserat war im "Alpha"- Stellenanzeiger ausgeschrieben und ich habe mich spontan beworben. Nach meinem Masterstudium in Finance & Accounting habe ich bei der Sparkasse Schwyz als Leiter Marketing und Kommunikation gearbeitet und war für Spezialprojekte zuständig. Unter anderem durfte ich eine unabhängige Vermögensverwaltung akquirieren und integrieren. Dank dieser Erfahrungen konnte ich mich gegen über 200 Bewerber für die Stelle als Geschäftsführer durchsetzen.

Jetzt sind Sie seit zehn Jahren da. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Meine Hauptaufgabe liegt im Investment Controlling der verschiedenen Portfolios sowie in der Erarbeitung und der Überprüfung der Anlagestrategien, abgestimmt auf deren Anlageziel und Verpflichtungen. Das heisst, ich kontrolliere die Börsentransaktionen der Vermögensanlagen, prüfe die Liquidität und analysiere die Marktsituation (taktische Entscheide, Rebalancing). Wir bewirtschaften die Vermögensanlagen aktiv und sind stark in der Auswahl der Produkte im Bereich Immobilien und alternative Anlagen involviert. Dafür stehe ich in regelmässigem Austausch mit unseren Asset-Managern. Ich bringe auch gerne neue Ideen in die Anlagekommission ein. Zudem bin ich durchschnittlich einmal pro Woche an Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen oder besuche Vermögensverwalter.

Analysieren und entscheiden gehören bei der Rega zu den Hauptaufgaben – in der Einsatzzentrale genauso wie beim Führen der Pensionskasse.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?

Das breite Aufgabengebiet. So war ich zum Beispiel auch in den Kauf unserer drei neuen Ambulanzjets bei der Rega involviert: Ich habe Preisverhandlungen geführt, Zahlungspläne erstellt und die Fremdwährungsbeschaffung organisiert. Zudem berate ich unsere Mitarbeitenden zu ihren persönlichen Finanz- und Vorsorgethemen. Sie wissen, wenn sie Fragen zu einer Hypothek oder ihrer (Teil-)Pensionierung haben, erhalten sie von mir unabhängigen Rat. Das Soziale ist mir wichtig.

Dann sind Sie bei der Personalvorsorgestiftung der Rega ja genau richtig. Wie wichtig ist es Ihnen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das Gutes tut?

Sehr wichtig. Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen. Und das Gefühl teile ich mit vielen Mitarbeitenden hier. Die Piloten, Rettungssanitäter, Flugärzte und das Bodenpersonal leisten gemeinsam einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft. Mein Job ist es, diesen Leuten eine gute Altersvorsorge zu sichern.

Die Swisscanto Anlagestiftungen unterstützen Sie dabei. Seit wann arbeiten Sie zusammen?

Die Partnerschaft besteht seit Jahrzehnten. Wir setzen verschiedene Produkte von Swisscanto ein.

Was hat sich in den letzten Jahren anlagetechnisch bei der Personalvorsorgestiftung der Rega verändert?

Wir haben in den letzten Jahren deutliche Verschiebungen vorgenommen und unsere Anlagestrategie aufgrund des sich verändernden Zinsumfeldes frühzeitig und laufend angepasst. Unter anderem haben wir unsere CHF-Obligationen-Quote auf unter 10 Prozent gesetzt und die alternativen Anlagen auf 20 Prozent erhöht. Alle Veränderungen müssen zum Gesamtkonzept passen und auf die Renditeerwartungen abgestimmt sein. Das ist ein wichtiges Anliegen des Stiftungsrates.

Wie setzt sich der Stiftungsrat der Personalvorsorgestiftung zusammen?

Paritätisch aus vier Personen: zwei Arbeitnehmer- und zwei Arbeitgebervertretern. Die Arbeitnehmer sind mit je einem Vertreter des Bodenpersonals und des fliegenden Personals vertreten. Die Stiftungsräte werden alternierend für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt.

Roger Mohr, Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds der Rega.

Wohin bewegt sich die Rega-Pensionskasse in den nächsten Jahren?

Das Ziel ist es, wenig zwischen Aktiven und Rentnern umzuverteilen. Aus unserer finanziellen Stärke heraus war das bisher auch nicht nötig. Zurzeit prüfen wir, ob wir von Perioden- auf Generationen­tafeln wechseln, um unsere Kasse auf die Langlebigkeit einzustellen und den technischen Zinssatz bei 2 Prozent beibehalten zu können. Die grössten Herausforderungen liegen in den rekordtiefen Aussichten hinsichtlich der künftigen Renditeerwartungen und darin, den Deckungsgrad langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von 120 Prozent halten zu können.

Gestatten Sie uns zum Schluss eine private Frage: Was tun Sie, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?

Ich treffe Freunde und koche gern für sie und meine Familie. Dabei achte ich auf eine gesunde Ernährung und kaufe regionale Bio-Produkte. Ausserdem bin ich oft in der Natur unterwegs, am Biken, Joggen und im Winter beim Langlauf und Skifahren.

Beim Skifahren? Ist Ihnen das nicht zu gefährlich, nach allem, was Sie hier mitbekommen?

Ich fahre bewusster als früher. Da hat mich meine Tätigkeit bei der Rega schon sensibilisiert. Gerade an Winterwochenenden, an denen die Pisten (über)voll sind, bleibe ich lieber im Tal. Oder ich gehe Langlaufen.

Sicher ein guter Entscheid. Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Mohr.

Hypotheken als attraktive Alternative zu Obligationen

Hypothekarforderungen entwickeln sich in der Schweiz zu einer immer populäreren Anlagekategorie unter den institutionellen Investoren. Nicht zuletzt da diverse Trends die Investition in Hypothekarforderungen begünstigen. Mit der "Swisscanto AST Hypotheken Schweiz" bieten wir institutionellen Anlegern eine Alternative mit attraktiven Renditechancen gegenüber klassischen Obligationen.

Das anhaltende Tiefzinsumfeld am Schweizer Kapitalmarkt zwingt institutionelle Anleger weiterhin zu Alternativen für Schweizerfrankenanleihen. Eine sich seit mehreren Jahren immer mehr etablierende Alternative sind inländische Hypothekarforderungen. Diese Anlagekategorie erfreut sich zunehmender Popularität. Zurückzuführen ist dieser Umstand auf im Wesentlichen vier Trends, die seit Jahren zu beobachten sind und die auch heute noch aktuell sind.

  • Tiefe Renditeaussichten für Schweizerfrankenanleihen: Im Vergleich zum Ertrag klassischer Obligationen bieten Hypothekarforderungen eine vielversprechende Anlagealternative mit positiver Rendite bei vergleichsweise konservativem Risikoprofil.
  • Mehrrendite für Hypothekarforderungen Dank zwei Zinswelten: Die Hypotheken werden heutzutage nicht mehr mit einem Aufschlag zu den Swap-Sätzen vergeben ("Institutionelle" Kurve), da die Swap-Sätze in den meisten Laufzeiten negative Renditen aufweisen. Denn Hypotheken werden auf der Basis der "privaten" Zinskurve berechnet, welche mit einem minimalen Referenzsatz von 0% startet (vgl. Abbildung 1).
  • Bankenregulierung: Viele Finanzinstitute vergeben zwar Hypotheken, können oder wollen diese aber nicht vollumfänglich in den eigenen Büchern halten. Zudem bewirkt die regulatorisch vorgeschriebene Eigenmittelunterlegung eine Verteuerung der Kosten für die Banken.
  • Disintermediation: Zunehmend werden Hypotheken ausserhalb des Bankensektors vergeben. Diese Nicht-Banken-Anbieter benötigen Investoren, welche die Hypotheken übernehmen.

Abbildung 1: "Private" und "institutionelle" Zinswelten erstmals getrennt

Effiziente Anlagegefässe nötig

Direktanlagen in Hypothekarforderungen sind mit einem erheblichen operationellen Aufwand verbunden. Gefragt sind daher Anlagegefässe, welche ein effizientes indirektes Engagement in diese Anlagekategorie ermöglichen. Die Kollektivanlage bietet gegenüber einer Direktanlage in Hypotheken den Vorteil einer optimalen Diversifikation (bezüglich Regionen, Nutzungsarten, Einzelschuldnern usw.), einer verbesserten Liquidität, eines deutlich tieferen Minimalanlagebetrags und eines minimierten administrativem Aufwands. Im Vergleich zu Kollektivanlagegefässen für Aktien oder Obligationen gibt es für Investitionen in Schweizer Hypothekarforderungen bisher nur wenige etablierte Anlagelösungen.

Swisscanto AST Hypotheken Schweiz

Die Anlagegruppe Swisscanto AST Hypotheken Schweiz investiert in Schweizer Hypotheken, die durch Liegenschaften in der Schweiz besichert sind. Die Hypotheken werden durch die Anlagestiftung selbst oder indirekt durch Dritte (z.B. Banken, Broker, Versicherungen) vergeben. Dabei kann die Anlagestiftung sowohl neu vergebene Hypotheken übernehmen als auch bestehende Hypotheken erwerben. Die Verwaltung der Hypotheken ("Servicing") erfolgt durch erfahrene und spezialisierte externe Partner.

Strenge Anlagekriterien (z.B. eine durchschnittliche Belehnung von max. 67%) sorgen dafür, dass nur Hypotheken mit hoher Qualität in das Portfolio aufgenommen werden. Ausserdem wird eine ausreichende Verteilung bezüglich Marktregionen und Nutzungsarten angestrebt, wobei der Wohnanteil des Gesamtportfolios mindestens 50% betragen muss (vgl. Abbildung 2). Im Rahmen des Risikomanagements wird eine laufende Qualitätssicherung des Portfolios sichergestellt. Die flexible Architektur des Anlagekonzeptes ermöglicht die Nutzung verschiedener Hypothekenzulieferer, was die Wachstums-, Rendite- und Diversifikationschancen erhöhen kann.

Abbildung 2: Hypothekenportfolio nach Regionen

Tiefe Belehnung und Wohnliegenschaften im Fokus

Bezüglich der Nutzungsarten standen seit Lancierung insbesondere die selbstgenutzten Wohnliegenschaften im Zentrum. Der bisher aufgebaute Bestand an Hypotheken bildet eine solide Portfoliobasis mit durchschnittlich tiefer Objektbelehnung. In Ergänzung dazu wurden selektiv Transaktionen im Bereich Geschäftsliegenschaften getätigt (vgl. Abbildung 3). Ziel dieser Geschäftsfälle ist eine verbesserte Diversifikation und Renditeoptimierung über das Gesamtportfolio. Bezüglich der regionalen Verteilung weist das Hypothekenportfolio per Ende August 2019 eine Diversifikation im Rahmen der Zielparameter auf, wobei der Wirtschaftsraum Zürich die grösste Region darstellt.

Abbildung 3: Hypothekenportfolio nach Nutzungsarten

Vielversprechende Rendite des Hypothekenportfolios

Per Ende August 2019 liegt die Rendite des Hypothekenportfolios bei 0.65% und somit 117 Basispunkten über dem Vergleichsindex (SBI Swiss Bond Index). Damit bietet diese attraktive Anlagegruppe vielversprechende Renditechancen für institutionelle Anleger.

Erfolgsrezept Multichannel Sourcing

Die Hypotheken werden aktuell via HypothekenZentrum, Vaudoise, MoneyPark, HypoPlus, UBS Atrium, Avobis Credit Services und einige kleinere spezialisierte Vermittler bezogen, wodurch ein gut diversifiziertes Volumen an Hypothekentransaktionen generiert wird. Diese flexible Architektur bezüglich Hypotheken-Sourcing von diversen Quellen (statt von der Bilanz einer einzelnen Bank) hat sich sehr bewährt und trägt wesentlich zur Renditeoptimierung und zur Diversifikation des Portfolios bei. Zudem wird die Abhängigkeit vom einzelnen Kanal reduziert. In den kommenden 12 Monaten ist eine Anbindung zusätzlicher Partner geplant.

Abbildung 4: Hypothekenportfolio nach Laufzeitenstruktur

Konzept zur Verbesserung der Liquidität

Um der vergleichsweise geringen Liquidität der einzelnen Hypotheken Rechnung zu tragen, musste ein passender Zeichnungs- und insbesondere Rücknahmeprozess definiert werden. Zeichnungen können monatlich ohne Ausgabekommissionen zum NAV getätigt werden. Bei Überzeichnungen erfolgt eine proportionale Kürzung aller Zeichnungsaufträge. Rücknahmen können quartalsweise mit zwei Monaten Voranmeldung angemeldet werden. Die eingegangenen Rücknahmen werden nach dem Best-Effort-Prinzip bedient. Bei der Bereitstellung von Liquidität wird darauf geachtet, dass keine nachteiligen Auswirkungen auf die Struktur und/oder die Performance des Anlageportfolios erfolgen.

Marktumfeld weiterhin günstig

Die vier Trends, welche die neue Anlagegruppe fundamental unterstützen, sind weiterhin intakt. Seit der Lancierung Ende September 2016 ist die Anlagegruppe auf knapp CHF 800 Mio. angewachsen. Zeichnungen können laufend entgegengenommen werden (monatliche Abrechnung).

Eckdaten Swisscanto AST Hypotheken

Valor: 33752692
Währung: CHF
Referenzindex: Swiss Bond Index
Thesaurierend: ja
Zeichnungen: monatlich
Rücknahmen: vierteljährlich mit zweimonatiger Voranmeldung zum Quartalsende
Portfoliomanager: ZKB Asset Management

Vorteile

  • Attraktive Rendite im Vergleich zu CHF-Anleihen
  • Erschliessung einer Zusatzrendite durch Schweizer Hypotheken mit hoher Qualität
  • Gute Diversifikation über kommerzielle und private Nutzung mit mindestens 50% Wohnanteil
  • Professionelles, aktives Portfoliomanagement und starke Partner – alle mit grosser Erfahrung und hoher Expertise

Risiken

  • Sehr stark rückläufiger Immobilienmarkt und schwieriges Konjunkturumfeld könnten Ausfälle ansteigen lassen
  • Massiver Zinsanstieg würde deutliches Absinken der Bewertung der Hypothekarforderungen bewirken
  • Eingeschränkte Liquidität: Gleichzeitiger Ausstiegswunsch vieler Investoren könnte nicht unmittelbar bedient werden
Bild Manuel Ferreira

Demografie: Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Wachstum abhängig von demografischem Wandel

Ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft, wie sich die Altersstruktur verändert, wie hoch das Bildungsniveau ist – all das bestimmt den Wohlstand eines Landes. Obwohl der demografische Wandel ein sehr langsamer Prozess ist, lässt sich diese Entwicklung nicht mit einer Momentaufnahme analysieren. Langfristig dominiert die Demografie das wirtschaftliche Wachstum eines Landes, kurzfristig ist ihre Wirkung jedoch kaum messbar. Gemäss der UNO wird die Weltbevölkerung von derzeit 7.7 Mrd. bis 2050 auf 9.7 Mrd. Menschen anwachsen.

Während sich in den afrikanischen Ländern die Bevölkerung verdoppeln wird, wird sie in vielen Industrieländern schrumpfen. Die Geburtenrate insgesamt bleibt rückläufig und das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt rasant an. Für die Schweiz rechnet das Bundesamt für Statistik mit einem Anstieg der Wohnbevölkerung auf 10.2 Mio. Personen im Jahr 2045. Die Geburtenhäufigkeit wird auf tiefem Niveau stagnieren, während sich die Lebenserwartung laufend erhöht.

Lebenszyklushypothese kurz erklärt

Ein Ansatz, der sich zur Analyse der Alterungseffekte grosser Beliebtheit erfreut, basiert auf der sogenannte Lebenszyklushypothese.

Im Zuge eines Menschenlebens ergeben sich unterschiedliche Phasen des Sparverhaltens. In jungen Jahren ist das Einkommen meistens gering und der Mensch ist gewöhnlich auf Zuwendungen der Eltern angewiesen. Im Laufe des Lebens steigt das Einkommen stetig und erreicht zwischen 45 und 55 Jahren ein Maximum. Die Sparquote steigt ebenfalls an und erreicht noch vor 60 Jahren ihren Höchstwert. Mit dem Rentenalter fällt das Einkommen und es findet ein Entsparen statt. Die Hypothese unterstreicht zudem, dass die Konsumausgaben während des gesamten Lebens relativ konstant bleiben.

Tieferes Wachstum, höhere Inflation

Das Trendwachstum einer Volkswirtschaft leidet unter der schrumpfenden Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Berechnungen für die Schweiz zeigen, dass das BIP-Trendwachstum aufgrund der Alterung heute um knapp 0.8 Prozentpunkte niedriger liegt als noch vor einem Jahrzehnt. Vermag die Zuwanderung diesen Rückgang nicht auszugleichen, werden die Fachkräfte rarer. Bei Unternehmen fallen somit höhere Kosten an, um eine freie Stelle zu besetzen. Die Löhne steigen dadurch, was sich positiv in der Inflationsrate niederschlägt. Eine sinkende Produktion bei gleichbleibendem Konsum spricht ebenfalls für steigende Inflationsraten. Jedoch sind nicht alle Branchen gleich von der alternden Gesellschaft betroffen. So dürften bei Rentnern die Ausgaben für Gesundheitspflege, Tourismus und Freizeit zunehmen, die Nachfrage nach Verkehr, Kommunikation und Bildung hingegen eher schrumpfen.

Auswirkungen auf Sparen und Zinsen

Der Anteil des Dienstleistungssektors an der gesamten Wirtschaftsaktivität nimmt stetig zu, was zu weniger Kapitalbedarf und somit zu rückläufigen Investitionen führt. Das hohe Angebot an Geld in Form von Sparguthaben trifft so auf eine niedrigere Geldnachfrage – der Preis für Kapital, sprich der Zins, sinkt folglich. Vor allem deshalb haben sich die Realzinsen in den letzten Jahrzehnten nur nach unten bewegt. Es ist anzunehmen, dass in den Wachstumsländern mit noch hohem Bevölkerungswachstum die erwerbstätige Mittelschicht in nächster Zeit einen deutlichen Sparüberhang generieren wird. Dieser dürfte vorerst den Entsparungsprozess in den Industrieländern bremsen. Auch der Trend hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft wird wohl anhalten. Es spricht folglich wenig für höhere Realzinsen, denn erst bei einer stagnierenden Weltbevölkerung dürften diese wieder merklich ansteigen. Natürlich ist aber ein Inflationsanstieg in den nächsten Jahren denkbar – das nominale Zinsniveau würde sich dann vom realen unterscheiden.

 

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

ASV-Teilrevision

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 21. Juni 2019 das Vernehmlassungsergebnis zur Revision der Verordnung über die Anlagestiftung (ASV) zur Kenntnis genommen und beschlossen, die Änderungen auf den 1. August 2019 in Kraft zu setzen.

Welche Auswirkungen haben diese Änderungen auf die Anlagestiftungen?

Die Verordnungsänderung stärkt die Anlegerversammlung als oberstes Organ der Anlagestiftung, welche neu allein für die Wahl des Stiftungsrates zuständig ist. Die Stifterin hat nur noch ein Vorschlagsrecht, kein Ernennungsrecht mehr. Die Einflussmöglichkeiten der Stifter werden sogar noch weiter beschränkt: Neu darf nur noch maximal ein Drittel der Mitglieder des Stiftungsrats auf Personen entfallen, welche die Stifter vertreten oder wirtschaftlich mit einem Stifter verbunden sind. Der Stiftungsrat ist nun als reines Aufsichtsgremium ausgestaltet.

Die weiteren wesentlichen Anpassungen sind die Folgenden:

  1. Ermöglichung und Regelung von nicht kotierten Sacheinlagen.
    Es wird dem Bedürfnis entsprochen, auch nicht kotierte Anlagen einzubringen. Für die Bewertung des fairen Werts von Sacheinlagen gilt neu die gleiche Regelung von Swiss GAAP FER 26 betreffend Bewertung von Aktiven. Ferner muss eine Verifizierung durch mindestens einen unabhängigen und qualifizierten Schätzer vorgenommen werden.
  2. Neuregelung der Diversifikation und Gewährleistung einer entsprechenden Transparenz der Anlagen. Das Gegenparteirisiko wird auf 20% erhöht. Das zentrale Prinzip der Diversifikation bleibt jedoch bestehen. Die Fokussierung muss für den Anleger klar ersichtlich sein. Diese Erweiterung ermöglicht den Anlagestiftungen, vermehrt fokussierte Strategien anzubieten, wie es die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) bereits heute für übrige Fonds für traditionelle Anlagen für qualifizierte Anleger (institutionelle Fonds) bewilligt.
  3. Die bisherige Kompetenz der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV), Vorgaben betreffend Art. 26a Abs. 3 ASV zu machen, entfällt. Neu umschreibt das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) die Anforderungen näher zu den Bedingungen für die Überschreitung der Begrenzungen einzelner Schuldner und einzelner Gesellschaftsbeteiligungen bei Anlagegruppen. Dazu hat das EDI eine Verordnung erlassen.
  4. Gemischte Anlagegruppen mit einem höheren Anteil an Aktien und alternativen Anlagen sind neu erlaubt, sofern explizit im Namen der Anlagegruppe darauf hingewiesen wird. Dies erlaubt es den Anlagestiftungen, gemischte Anlagegruppen anzubieten, welche die klassischen Kategorienbegrenzungen von Art. 55 BVV 2 überschreiten. Dies ist im aktuellen Tiefzinsumfeld, insbesondere im Bereich des Wertschriftensparens der Säule 3a und der Freizügigkeitsstiftungen, von Relevanz.
  5. Investitionen in Infrastruktur und in "alternative Forderungen" gemäss Art. 53 Abs. 3 BVV 2 (z.B. Senior Secured Loans oder verbriefte Forderungen wie Asset-Backed Securities) müssen nicht mehr zwingend mittels Kollektivanlagen erfolgen.
  6. Der Anteil einer ausländischen kollektiven Anlage kann neu mehr als 20% des Vermögens der Anlagegruppe betragen, unter der Bedingung, dass diese Anlage bei einer ausländischen Aufsichtsbehörde zugelassen ist. Diese ausländische Aufsichtsbehörde muss wiederum eine Vereinbarung nach Art. 120 Abs. 2 Bst. e des Kollektivanlagesetzes abgeschlossen haben.

Die neuen Artikel gelten ab 1. August 2019. Bestehende Anlagestiftungen müssen ihre Stiftungssatzungen innerhalb von zwei Jahren ab Inkrafttreten, d.h. bis 1. August 2021, anpassen.

Pensionskassenstudie 2019: So kann die 2. Säule gestärkt werden

Auch die 19. Ausgabe der Schweizer Pensionskassenstudie stiess auf grosse Resonanz: rund 170 Interessierte folgten am 6. Juni der Einladung der Swisscanto Vorsorge AG ins Hotel Park Hyatt Zürich, um die wichtigsten Erkenntnisse der Studie 2019 aus erster Hand zu erfahren.

Die Bilder des Anlasses sehen Sie hier.

Stephanino Isele, Leiter Institutionals and Multinationals der Zürcher Kantonalbank, eröffnete als Schirmherr den Anlass und dankte allen, die Zeit, Energie und ihre Daten in die aktuelle Studie einfliessen liessen – die grösste und längste Datenreihe dieser Art. Man wolle allerdings nicht nur nackte Resultate präsentieren, betonte er, sondern "praktikable Lösungsvorschläge, die wir in die öffentliche Debatte einbringen möchten – mit Ihnen gemeinsam".

Stephanino Isele, Leiter Institutionals and Multinationals der Zürcher Kantonalbank, begrüsst die Gäste.

Die gute Nachricht der diesjährigen Resultate nahm Isele vorweg: Insgesamt bestehe bei den Leistungen aus 1. und 2. Säule nach wie vor ein Polster von knapp 10 Prozent im Vergleich zum Leistungsziel. Der Trend jedoch zeige: "Ohne neue Massnahmen schmilzt das Polster bis zur nächsten Fussball-WM – im Herbst 2022 – weg wie gegenwärtig der Schnee in den Bergen." Dies sei mehr als unerfreulich: "Es sollte uns massiv zum Denken – oder vielmehr zum Handeln anregen."

Moderator Martin Spieler nannte diesen Trend provokativ "staatlich bewilligte Ausbeutung der jungen Generation" und wollte wissen, ob der Tiefpunkt jetzt erreicht sei. Reto Siegrist, Geschäftsführer der Swisscanto Vorsorge AG, beruhigte – zumindest zum Teil: "Die Vorsorgeeinrichtungen sind in Bewegung, viele haben die Sparbeiträge und die Beitragsdauer und damit die Sparziele erhöht – und das ist gut so. Leider folgt die Politik diesem positiven Tun und Handeln nicht nach. Das politische BVG Mikado ist endlich auf die Seite zu legen." Bei einer Rentenreduktion von 15,2 Prozent sei Handeln aber bitter nötig. Siegrist präsentierte drei von fünf aus der Studie abgeleitete Massnahmen, die – jede für sich genommen – die Leistungslücke ausgleichen könnten, und stellte klar: "Die Fragen lauten: An welchem Zipfel wollen wir ziehen – und wie weit können wir ziehen?"

Reto Siegrist, Geschäftsführer der Swisscanto Vorsorge AG, fordert die Politik zum Handeln auf.

Deutlich weiter als bisher möchte Iwan Deplazes, Leiter Asset Management, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank, an zwei der "Zipfel" ziehen, die noch zu wenig Beachtung fänden: der 3. Beitragszahler und die Selbstvorsorge. Dass Politik und Verbände fast ausschliesslich über Leistungsreduktion und Erhöhung der Beitragsdauer sprechen, ärgerte ihn: "Schliesslich schieben wir miteinander rund 1000 Milliarden Franken vor uns her." Es sei erfreulich, dass die grossen Kassen 2018 vermehrt unrentable Obligationen abgestossen und Indexanlagen zugunsten alternativer Anlagen reduziert hätten, betonte Deplazes, doch insgesamt zeigten sich die Kassen noch zu träge. Seine Empfehlungen lauteten denn auch: "Risikofähigkeit gut ausnutzen, Agilität erhöhen, Branchenbias hinterfragen und Diversifikation maximieren."

Iwan Deplazes, Leiter Asset Management, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank, wünscht sich mehr Agilität.

Hier geht es zu den Studienresultaten und einzelnen Statements.

Beurteilung der versicherungstechnischen Ergebnisse durch Reto Siegrist, Geschäftsführer Swisscanto Vorsorge AG und die Beurteilung der anlagetechnischen Ergebnisse durch Iwan Deplazes, Leiter Asset Management, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

Einen eigentlichen Systemwechsel hielt im anschliessenden Podiumsgespräch niemand für nötig – wohl aber eine grössere Flexibilität des Systems. Christoph Plüss, Partner bei Allvisa AG, erklärte: "1985 lagen andere sozialpolitische Parameter vor. Wir müssen heutige Lebens- und Arbeitsmodelle einbeziehen." Ein tieferes Eintrittsalter stiess allgemein auf Zustimmung, besonders mit dem Blick auf den 3. Beitragszahler, wie Mirjam Staub-Bisang, Länderchefin BlackRock Schweiz, betonte: "Je länger die Beitragsdauer, desto risikoreicher kann angelegt werden. Weder die Zinsentwicklung noch die Obligationen werden uns retten."

Christoph Plüss, Mirjam Staub-Bisang, Martin Spieler, Sonja Spichtig, Martin Kaiser (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin Swisscanto Anlagestiftungen, schlug eine Flatrate von Alter 18 bis 65 vor und empfahl den Kassen zudem, ihre eigene Digitalisierung voranzutreiben. "Wir alle haben lange weggeschaut", mahnte Martin Kaiser vom Schweizerischen Arbeitgeberverband, "jetzt müssen wir die Hausaufgaben machen." Dazu gehöre seiner Meinung nach die Auseinandersetzung mit der Risikofähigkeit sowie ein genauer Blick auf die Kosten. Auch im letzten Punkt war sich das Podium einig: Man dürfe nicht auf die Politik warten, sondern müsse im Interesse der Versicherten das Heft in die Hand nehmen, Spielräume ausnützen und so zur Sicherung der Vorsorgesysteme beitragen. Passend schloss Gastgeber Isele die Veranstaltung mit der Einladung: "Entdecken Sie die Magie der Stellschrauben!"

Zur Medienmitteilung

Zu den Studienresultaten und einzelnen Statements

Zu den Bildern der Ergebnispräsentation der PK-Studie in Zürich

Zu den Bildern von der Ergebnispräsentation der PK-Studie in Lausanne

"Ich arbeite gerne auf der grünen Wiese"

Bis er vor knapp sechs Jahren die Seiten wechselte und die Geschäftsführung der Pensionskasse Schaffhausen übernahm, war Oliver Diethelm als Wirtschaftsprüfer im Bereich Vorsorge und Versicherungen tätig. Seinen analytischen Blick hat er sich bewahrt. Wie er diesen nutzt und warum man ihn in seiner Freizeit entweder auf dem Fussballplatz oder in der Beiz antrifft, erzählt er uns im Gespräch.

Herr Diethelm, gibt es einen Unterschied zwischen einer öffentlich-rechtlichen Pensionskasse und der Pensionskasse eines privaten Unternehmens?

Bevor ich zur Pensionskasse Schaffhausen kam, hätte ich gedacht, der Job wäre politischer. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Organisatorisch unterscheidet uns eigentlich nichts von privatrechtlichen Pensionskassen. Eine Besonderheit ist vielleicht, dass die Arbeitgebervertreter vom Regierungsrat und die Arbeitnehmervertreter von Delegierten gewählt werden. Aber auf unsere tägliche Arbeit hat das keinen Einfluss.

Ihre Versicherten sind die Angestellten der Gemeinden im Kanton Schaffhausen. Ist das richtig?

Unserer Pensionskasse sind 63 Arbeitgeber angeschlossen. Zu ihnen gehören der Kanton selbst, die Stadt, Gemeinden, Schulen und Spitäler sowie das Elektrizitätswerk, aber auch die Kantonalbank und verschiedene Stiftungen. Die Vorgabe lautet: Die Unternehmen müssen einen öffentlich-rechtlichen Bezug haben, also eine öffentliche Dienstleistung erbringen, gemeinnützig oder im Besitz des Kantons sein. Dann können sie sich unserer Kasse anschliessen. Wir sind also eine "Gemeinschaftsstiftung", nicht zu verwechseln mit einer Sammelstiftung.

Die Pensionskasse Schaffhausen gehört zu den grösseren Kassen schweizweit. Ist Ihre Arbeit dadurch komplexer?

Nein. Von der Organisation her sind wir eher ein KMU. Und zwar ein schlank aufgestelltes – mit neun Mitarbeitenden. Obwohl es natürlich um grosse Zahlen geht. Unsere Bilanzsumme liegt bei gut 2.9 Milliarden Franken.

Oliver Diethelm spricht mit Sonja Spichtig über die Schweizer Vorsorge, aber auch über Fussball.

Sie sind Geschäftsführer dieses "KMUs". Wie sind Sie zu dieser Position gekommen?

Durch meine Frau! Sie hat das Inserat zufällig gesehen und mich gefragt: Wäre das nicht was für dich? (lacht) Bis dahin war ich als Wirtschaftsprüfer bei KPMG und Ernst & Young ebenfalls im Bereich Vorsorge unterwegs. Und mit unterwegs meine ich tatsächlich, mal hier mal da. Für mich war es an der Zeit, die Seiten zu wechseln in einen Job, der mehr Gestaltungsmöglichkeiten zulässt und auch näher bei meiner Familie ist.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meistens bin ich zwischen sieben und halb acht da. Dann checke ich meine Mails und die anstehenden Termine für den Tag. Meine Aufgaben als Geschäftsführer sind naturgemäss sehr breit gefächert. So kümmere ich mich um Anlagen genauso wie um die Versicherungsadministration, Personalfragen und Themen rund um unsere IT oder die Erstellung unseres Geschäftsberichts. Dieser ist ein zentraler Bestandteil unserer Kommunikation nach aussen, welche mir sehr wichtig ist.

Das sieht man, auch die Website der Pensionskasse Schaffhausen kommt sehr frisch und modern daher!

Vor meinem Stellenantritt hat die Organisation ganz anders ausgesehen. Mit der Teilrevision des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge 2014 sind die öffentlich-rechtlichen Kassen den privatrechtlichen gleichgestellt worden. Mit der Verselbständigung der PKSH wurde die Position des Geschäftsführers geschaffen. Da hatte ich zu meinem Start also sozusagen eine grüne Wiese, was definitiv seinen Reiz hatte für mich. Ich konnte hier viel bewegen – angefangen vom Auftritt über den Service bis hin zur IT.

Oliver Diethelm konnte seit seinem Stellenantritt bei der Pensionskasse Schaffhausen viel bewegen – Stillstand ist deshalb aber noch lange nicht angesagt.

Kein Wunder, als Wirtschaftsprüfer haben Sie über Jahre Firmen beraten.

Das stimmt. Der analytische Blick hat mir auch hier geholfen. Als Erstes habe ich eine Mitarbeiterin für die Finanzen eingestellt. Dann kam unser Auftritt dran. Dieser wurde überarbeitet und modernisiert – von der Website über den Geschäftsbericht bis zu den einzelnen Merkblättern. Parallel haben wir auch unser Archiv digitalisiert. Und seit Kurzem können unsere Versicherten auch wieder Hypotheken direkt bei uns abschliessen.

Da haben Sie eine Menge erreicht. Wird Ihnen jetzt schon langsam langweilig?

Ganz und gar nicht. Gerade in der IT gibt es noch viel zu tun. Schon bald wollen wir online Simulationslösungen für unsere Versicherten anbieten. Sie sollen von extern auf ihre Daten zugreifen und beispielsweise einen Planwechsel, eine Frühpensionierung oder einen Einkauf simulieren können. Auch an einer Arbeitgeberanbindung arbeiten wir. Zudem können Mutationen bald online gemeldet werden.

Die Digitalisierung sorgt also auch bei Ihnen für Veränderungen. Ihre Geschäftsbeziehung zu den Swisscanto Anlagestiftungen besteht jedoch schon seit vielen Jahren.

Ja, die Zusammenarbeit ist historisch gewachsen und hat sich bewährt. Wir sind mit den Swisscanto Produkten sehr zufrieden – auch mit der Betreuung.

Handeln statt politisieren – das ist Olivers Wunsch für die Zukunft der Schweizer Vorsorge.

Und welchen Herausforderungen stellen Sie sich in der Freizeit?

Ich bin oft auf dem Fussballplatz anzutreffen.

Spielen Sie aktiv?

Ja, bei den Senioren. Ausserdem bin ich gemeinsam mit meiner Frau im Vorstand des FC Ellikon/Marthalen und kümmere mich da um die Finanzen, suche Trainer oder stelle Spielpläne zusammen. Zweimal pro Woche trainiere ich die E-Junioren. Und auch unsere beiden Söhne sind begeisterte Fussballspieler.

Eine Fussballerfamilie also!

Und eine Beizerfamilie! Einen weiteren Teil meiner Freizeit investiere ich in unser Dorfleben. Vor einiger Zeit habe ich zusammen mit weiteren Genossenschaftern eine geschichtsträchtige, aber brachliegende Liegenschaft in Marthalen gekauft und umgebaut. Seit diesem März ist das Restaurant Stube nun wieder in Betrieb. Das freut mich sehr, wir haben dort schon viele gemütliche Stunden mit Familie und Freunden verbracht.

Ein toller Einsatz für die Gemeinschaft! Finden Sie bei dem Programm überhaupt noch Zeit für Erholung? Fürs Reisen oder Lesen?

Für Familienreisen nehmen wir uns immer Zeit. In Kürze planen wir eine Woche im Welschland. Und im Juli geht es nach New York und Florida. Vielleicht komme ich da auch mal ein wenig zum Lesen. Allerdings nehme ich mir dann lieber einige Personalvorsorge-Hefte mit als einen Roman. (lacht)

Womit wir wieder beim fachlichen Teil unseres Gesprächs wären. Wo sehen Sie die Herausforderungen in der Vorsorgelandschaft Schweiz?

Mein Wunsch wäre es, die Ideologie ein Stück weit aus dem Thema zu nehmen und das Ganze zu entpolitisieren. Es ist doch so: Die Parameter sind bekannt. Jetzt gilt es, auch danach zu handeln. Unter anderem den Umwandlungssatz dahin zu kriegen, wo er realistischerweise auch sein muss. Es müssen dringend Reformen durchgebracht und umgesetzt werden. Ich finde es schade, dass der solidarische Gedanke der Altersvorsorge immer mehr in den Hintergrund rückt – zugunsten der Individualisierung.

Ein Thema, über das wir noch stundenlang diskutieren könnten. Doch jetzt bedanken wir uns erst einmal für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Klimarisiken bei Schweizer Pensionskassen?

Das Klima wird wärmer und unser Planet verändert sich dadurch. Hauptverursacher ist der Mensch, Zweifler gibt es heute kaum noch. Klar ist mittlerweile: Durch unsere CO2-Emissionen destabilisieren wir das Klimasystem, was zu zunehmenden Risiken und Gefahren führt. Wenn wir unseren Ausstoss von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen nicht sofort reduzieren und bis Mitte des Jahrhunderts beenden, rücken die sogenannten "Kipp-Punkte" (tipping points) näher. Ein Kipp-Punkt ist z. B. das Auftauen grosser Permafrostgebiete in Sibirien. Dadurch würden enorme Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre gelangen, was wiederum die Erderwärmung beschleunigen und praktisch unumkehrbar machen würde.

Finanzinvestoren haben Erfahrung mit Systemen, die abrupt gestört werden. Das Kippen eines Elements kann fatale Kettenreaktionen an den globalen Finanzmärkten auslösen. Ein Beispiel, dessen Folgen noch heute spürbar sind, ist die US-Immobilienkreise, die zum Kollaps des Bankhauses Lehman führte. Es liegt in unserem ureigenen Interesse, das Finanzsystem und das Klimasystem nicht nachhaltig zu destabilisieren. Für die Stabilisierung des Finanzsystems sind global die Zentralbanken, die Finanzminister, der internationale Währungsfonds und Investoren verantwortlich. Damit das Klimasystem stabilisiert werden kann, braucht es einen Umbau der Wirtschaft. Eine entscheidende Rolle spielen dabei wiederum die internationale Politik und die Investoren.

Zwei-Grad-Ziel von Paris und klimaverträgliche Finanzflüsse

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel of Climate Change) kommt zu einem eindeutigen Schluss: Ohne zusätzliche Massnahmen zur Verminderung der Treibhausgasemissionen wird die globale Erwärmung vier Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau bis im Jahr 2100 überschreiten. Damit sind verschiedene Risiken verbunden, wie beispielsweise ein beträchtliches Artensterben oder die Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion und daraus folgende Migrationsströme. Die Wirtschaft ist bedroht, da Produktionsstandorte und ganze Wertschöpfungsketten gefährdet sind. Das genaue Ausmass ist jedoch noch unklar.

Um den Temperaturanstieg zu minimieren, hat die Staatengemeinschaft 2015 in Paris das Ziel verabschiedet, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius (2°C Klimaziel) begrenzen zu wollen. Dabei wurde explizit festgehalten, dass die Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten sind. Folgerichtig hat die Europäische Union am 8. März 2018 den EU-Aktionsplan "Finanzierung nachhaltigen Wachstums", der zehn konkrete Massnahme umfasst, publiziert. Dabei werden drei Ziele verfolgt: 1) Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umlenken; 2) Finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigen; 3) Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit fördern.

Die sogenannte Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD), die vom Finanzstabilitätsrat gegründet wurde, fordert (bisher freiwillig) ganz konkret mehr Transparenz in der Klimaberichterstattung von Unternehmen. Diese sind aufgefordert, die Chancen und Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, zu analysieren und zu bewerten.

Finanzmärkte und Klimawandel

Finanzmärkte verarbeiten Informationen und bewerten Chancen und Risiken. Daher gehört es auch zu den Aufgaben der Finanzmarktteilnehmer, dass sie die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen berücksichtigen.

Zu den physischen Risiken des Klimawandels gehören die direkten Einflüsse auf die Wertschöpfungskette wie z. B. Schäden an Produktionsanlagen infolge von Extremwetterereignissen. Zu den Transitionsrisiken gehören Risiken, die durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen und zu einer Neubewertung von Vermögenswerten und Unternehmen führen. Ausgelöst werden solche Neubewertungen z. B. durch politische Massnahmen wie eine CO2-Steuer oder die Förderung CO2-armer Technologien. Als "Stranded Assets" werden Anlagen bezeichnet, die aufgrund der Änderung von Regulierungen, der physischen Umwelt oder neuen Technologien eine vom Finanzmarkt nicht erwartete Abwertung erfahren haben. Ein Beispiel dafür wäre ein Kohlekraftwerk, das infolge des Klimaschutzes nicht mehr betrieben werden darf.

Schweizer Pensionskassen unterstützen gegenwärtig eine Erwärmung von 4 bis 6 Grad Celsius

Soll das Zwei-Grad-Celsius-Klimaziel von Paris erreicht werden, müssen die CO2-Emissionen alle zehn Jahre halbiert werden – pro Jahr entspricht das einer Senkung um ca. 7 Prozent (Rockström et al., Science 2017; siehe Grafik 1). So liessen sich die schlimmsten Klimafolgen verhindern. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen unter anderem die folgenden Veränderungen geschehen: Subventionen für fossile Brennstoffe müssen eingestellt werden; das Emittieren von CO2 muss einen Preis bekommen; die Stromversorgung und der Verkehrssektor müssen dekarbonisiert werden (d.h. ohne fossile Energieträger auskommen); die erneuerbaren Energien müssen rasant ausgebaut werden.

Unsere heutigen Investitionsentscheide bestimmen mit, wie viel Treibhausgas in Zukunft emittiert wird, und spielen somit eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zu einer klimaverträglichen Wirtschaft. 2017 hat aber eine Analyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) gezeigt, dass das heutige Investitionsverhalten von Schweizer Pensionskassen und Versicherungen eine globale Erwärmung von vier bis sechs Grad Celsius unterstützt und damit im Widerspruch zum Klimaabkommen von Paris steht, welches die Schweiz unterzeichnet hat.

Klimaneutral bis 2050

Umfassender Klimaschutz, wenn er denn kommt, kann Unternehmen, die von CO2-intensiven Technologien abhängig sind, zu Verlierern machen. Profitieren werden hingegen Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu einer Verminderung des CO2-Ausstosses beitragen. Die Chancen oder Risiken für Unternehmen durch beispielsweise höhere CO2-Preise oder Regulierungen werden gegenwärtig von den Marktteilnehmern noch zu wenig berücksichtigt. Bei drastisch und abrupt eingeführten CO2-Preisen drohen Finanzmarktinstabilitäten.

Der Carbon Footprint geht nicht weit genug

Als Unterzeichnerin des UN Montreal Carbon Pledge berechnet Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank für ihre nachhaltigen Fonds den Carbon Footprint relativ zur Benchmark. Der Carbon Footprint macht aber nur eine Aussage darüber, ob die Unternehmen im Portfolio bei der Herstellung ihrer Produkte (Scope 1 Emissionen) und beim Einkauf von Strom und Wärme (Scope 2 Emissionen) weniger oder mehr CO2 emittieren als die Firmen in der Vergleichsbenchmark. Der Carbon Footprint eines Fonds – so wie er heute meist berechnet wird – ist somit eine Kennzahl, die aussagt, ob die Unternehmen im Fonds bei steigenden CO2-Preisen mehr oder weniger zusätzliche Kosten haben als jene in der Benchmark. Damit ist er ein Indikator für das relative Risiko, macht aber keine Aussage darüber, ob z. B. die Unternehmen im Fonds in der Lage sind, die potenziell steigenden CO2-Kosten an die Kunden weiterzugeben oder ob CO2-intensive Produkte substituiert werden können. Dies ist aber entscheidend, um den Einfluss des CO2-Preises oder anderer Klimaschutzmassnahmen auf die künftige Gewinnentwicklung abschätzen zu können. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den CO2-intensiven Sektoren Energie, Transport, Industriegüter, Informationstechnologie, Immobilien und Landwirtschaft.

Swisscanto AST Avant Responsible Invest: Die Berücksichtigung von Klimarisiken bringt Alpha

Im Rahmen der ESG Integration – E für Environment (Umwelt), S für Social (Soziales), G für Governance (Unternehmensführung) – im fundamentalen Anlageprozess wird analysiert, wie gross die CO2-Emissionen im Vergleich zur Wertschöpfung bei den Unternehmen sind. Der Carbon Footprint des Swisscanto AST Avant Responsible Invest ist rund 30 Prozent tiefer als jener des Vergleichsindex. Dies liegt daran, dass in jedem Sektor Unternehmen mit relativ tiefen CO2-Emissionen bevorzugt werden. Zusätzlich sind die Unternehmen im Fonds aufgrund ihrer hohen Eintrittsbarrieren mehrheitlich in der Lage, höhere CO2-Preise an die Kunden weitergeben zu können. Über die letzten drei Jahre konnte der Vergleichsindex geschlagen werden. Klimaverträgliche Unternehmen wie der Eisenbahnbetreiber Canadian National Railway, der Windparkbetreiber Orsted oder das Unternehmen Ecolab, das hilft, Ressourcen einzusparen, trugen positiv zur Performance des Swisscanto AST Avant Responsible Invest bei.

Performance Swisscanto AST Avant Responsible Invest

Performance und Volatilität Swisscanto AST Avant Responsible Invest

 

Dr. Gerhard Wagner, Portfoliomanager, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank

Bild Manuel Ferreira

Strukturelle Verschiebungen schaffen eine neue Normalität

Der Zinsnormalisierung geht bereits wieder die Luft aus

Seit drei Jahrzehnten befindet sich das globale Zinsgefüge in einem Abwärtstrend und dem zweijährigen zyklischen Zinsanstieg geht bereits wieder die Luft aus. Getragen wurde dieser Zinsanstiegszyklus einzig von den USA, doch die US-Notenbank hat wegen der sich abkühlenden Konjunktur nun eine längere Pause signalisiert. Die anderen grossen Notenbanken konnten mit der Zinsnormalisierung gar nicht erst beginnen und verharren auf ihren Tiefst- oder gar Negativzinsen. Eine substanzielle Wachstumsbeschleunigung sowie inflationäre Impulse sind gegenwärtig kaum in Sicht, weshalb die Notenbanken nicht handeln müssen. Es sieht ganz danach aus, als würde sich der Trend der letzten drei Dekaden vorerst fortsetzen. Das liegt allerdings nicht nur an der Geldpolitik der Notenbanken, sondern auch daran, dass die für das Zinsniveau bestimmenden Parameter auf einem strukturell tiefen Niveau liegen.

Das Gravitationszentrum für das Zinsniveau liegt tiefer

In einer Volkswirtschaft ist das Spar- und Investitionsverhalten ausgeglichen und es herrscht Preisstabilität, wenn der Marktzins dem natürlichen Zins entspricht. Dieser lässt sich zwar nicht beobachten, kann aber mithilfe des Potenzialwachstums, welches eine optimale Auslastung der wirtschaftlichen Inputfaktoren beschreibt, eruiert werden. Zu diesen Faktoren zählen die Arbeit und das Kapital sowie die Effizienz der eingesetzten Faktoren, sprich die Produktivität. Zwischen der Entwicklung dieser Inputfaktoren und dem natürlichen Zinssatz besteht also ein Zusammenhang. Es zeigt sich, dass der abnehmende Trend im Zinsniveau mit dem rückläufigen Potenzialwachstum, dem wirtschaftlichen Gravitationszentrum, einhergeht.

Säkulare Kräfte drücken das Niveau

Da die Erwerbsbevölkerung demografisch bedingt schrumpft und der Aufbau von Sachkapital zyklisch ist, kann der natürliche Zinssatz nur über einen Produktivitätsanstieg erreicht werden. Die Anstrengungen sind da, aber strukturelle Verschiebungen neutralisieren den Effekt auf die Zinsen.

Sparen und Investieren im demografischen Spannungsfeld

Die Balance zwischen Sparen und Investieren ist ein wichtiger Aspekt für das Produktivitätswachstum. Wegen der alternden Gesellschaft hat sich die Priorität für die Verwendung der Ersparnisse jedoch verschoben. Die Sparneigung steigt – tendenziell aber für die Altersvorsorge.

Sparquote der Haushalte zum BIP

Dort wo die Altersvorsorge vom Staat getragen wird, ist der private Sparzwang zwar kleiner, dafür steigt die Belastung der Staatshaushalte. Wegen der fehlenden Inflation und des tieferen Potenzialwachstums sind die offerierten Zinserträge auf Staatsschulden tief. Der Erwerbsbevölkerung bleibt nichts anderes übrig, als noch mehr zu sparen oder höhere Abgaben zu leisten. In den Industriestaaten wird diese Entwicklung über die nächste Dekade anhalten und stellt die Notenbanken vor ein Dilemma. Bremst die Nullzinspolitik wegen der höheren Spareneigung letztendlich das Produktivitätswachstum? Die Diskussion ist kontrovers, denn die Sparneigung ist nicht nur eine Funktion des Zinsniveaus und auch die Investitionspräferenzen haben sich verändert. In der Zwischenzeit und auch weil die Inflation tief bleibt, schaffen die Kräfte des demografischen Wandels sowie deren Begleiterscheinungen eine neue Normalität mit einem tieferen Zinsniveau.

 

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

Wachstumsverlangsamung stellt Normalisierung der Zinsen in Frage

Am 20. März 2019 lud die Zürcher Kantonalbank, gemeinsam mit den Swisscanto Anlagestiftungen und Prevanto, einmal mehr zum Frühjahres-Breakfast-Meeting in den Berner Kursaal ein. Zum reichhaltigen Frühstück wurden spannende aktuelle Brancheninformationen geboten und Fragen wie "Wohin entwickeln sich die Zinsen?" oder "Wie umgehen mit der zunehmenden Diskrepanz zwischen Realität und Gesetzgebung beim Umwandlungssatz?" thematisiert.

Die Bilder des Anlasses sehen Sie hier.

"Wohin jetzt?" Laut Dr. David Marmet, Chefökonom Schweiz der Zürcher Kantonalbank, sei dies die brennende Frage, die sich Ökonomen wie Anleger gegenwärtig stellten. Trotz dem guten Start ins 2019 sei fraglich, ob die Wachstumsverlangsamung nachhaltig oder ein Ansteigen der Zinsen in Sicht sei. Marmet überraschte mit einem Blick auf die Zinsen der vergangenen 180 Jahre. In diesem Zeitraum – genauer seit 1830 – hatten sich diese auf Spareinlagen lange Zeit eher gemächlich bewegt. Seit 40 Jahren jedoch geht es turbulenter zu und her. Über den gesamten langen Zeitraum hinweg waren die Zinsen 1992 am höchsten, 2018 waren sie am tiefsten. Tiefgreifende historische Ereignisse wie die Gründung des Bundesstaates, der Sonderbundkrieg oder auch zwei Weltkriege hatten nicht zu solchen Verwerfungen geführt. "Darüber werden unsere Kinder einst ihren Enkeln berichten können", prophezeite Marmet.

Dr. David Marmet referiert über die Entwicklung der Zinsen in den vergangenen 180 Jahren.

Der globale Abwärtstrend bestehe jedoch nicht erst seit der Finanzkrise. So sei etwa sichtbar, dass seit 30 Jahren die globale Sparneigung gestiegen sei, die Nachfrage nach Investitionskapital zurückginge, die Inflationsrate weltweit sinke und die Volatilität der Finanzmärkte abnehme. Alles in allem, meinte Marmet, sehe die Welt nicht so schlecht aus, "aber es ist nicht mehr alles so rosig wie Ende 2018 noch erhofft". Die Zürcher Kantonalbank gehe von einer Wachstumsverlangsamung in China aus. Die "Konjunkturlokomotive" USA sei zwar schlecht ins erste Quartal dieses Jahres gestartet – der Shutdown und schlechtes Wetter zeigten Folgen –, sie werde jedoch von einem sehr starken Arbeitsmarkt gestützt. "7,5 Millionen freie Stellen, das sind historische Höchstwerte." Für Europa allerdings bestehe weniger Grund für Zuversicht, trotz ebenfalls solidem Arbeitsmarkt samt kräftigem Lohnwachstum. "Gut für den Binnenhandel, doch der Aussenhandel ist von der Wachstumsverlangsamung stark betroffen." Die Ökonomen der Zürcher Kantonalbank halten einen Zinsschritt in den USA  im Bereich von 2,5 bis 2,75 Prozent in den nächsten zwölf Monaten für möglich – nicht jedoch für Europa oder die mit ihren europäischen Partnern stark verbundene Schweiz. Marmets Fazit: "Es gibt kein Anzeichen für steigende Zinsen im Jahr 2019."

Martin Siegrist bringt das brennende Thema "Umwandlungssatz" auf den Tisch.

"Warum schon wieder Umwandlungssatz?" Diese Frage mögen sich die Eingeladenen mit Blick ins Programm insgeheim gestellt haben, vermutete Prevanto-Vorsorge-Experte Martin Siegrist und versicherte, es lohne sich, das Thema noch einmal auf den Tisch zu bringen. Über die besorgniserregenden Entwicklungen werde zu wenig gesprochen. Das heutige Umfeld – mit Zinsstagnation und gesetzlich festgeschriebenem Vorsorgeniveau – habe Auswirkungen auf die Pensionskassen. Im Markt sehe man heute puncto Umwandlungssatz eine enorme Bandbreite zwischen 4,1 und 7 Prozent – und "wer ausserhalb des Vorsorgebereichs könnte für die nächsten 26 Jahre überhaupt eine Zinsgarantie geben, geschweige denn eine von 4,8 Prozent?"

Aufgrund der Macht des Zinseszinses und der Tatsache, dass rund 50 Prozent des Kapitals der Pensionskassen im überobligatorischen Bereich liegen, ergeben sich für die Kassen zwar noch gewisse Gestaltungsspielräume, doch auch hier führe die Kluft zwischen Realität und Gesetzgebung zunehmend zu falschen Anreizen. "Das Nutzen von Schlupflöchern ist aus der Sicht der Einzelperson nachvollziehbar, aus gesamtpolitischer Sicht aber zu verhindern", betonte Siegrist. Jetzt sei die Politik dringend gefordert.

Die Präsentationen können über anlagestiftung@swisscanto.ch angefragt werden.

Bilder vom Breakfast Meeting in Bern finden Sie hier.
Bilder vom Lunch Meeting in Lausanne finden Sie hier.

"Ich bin der Hüter des Grals!"

Für Marcel Rumo, Geschäftsführer der Vorsorgestiftung Sparen 3 und der Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank, ist Vorsorge ein Kernthema. So will er junge Schweizer für das Thema interessieren und politische Veränderungen anstossen. Ausserdem reden wir über kreative Bezugsgründe, Wein aus dem Aargau und die korrekte Aussprache seines Nachnamens.

Herr Rumo, sind die Schweizer gute Vorsorger?

Die Schweiz hat heute eines der besten Vorsorgesysteme weltweit. Schaut man sich aber die Sparquote der Schweizer an, dann liegt diese im Schnitt bei 10%. Es gibt also durchaus noch Potenzial nach oben.

Woran liegt das?

Das hat unterschiedliche Gründe. Aber eine Erklärung ist sicher, dass Erwerbstätige in der Tendenz erst dann anfangen in die 3. Säule einzuzahlen, wenn sie gut verdienen und nachdem sie sich die ersten persönlichen Wünsche erfüllt haben. Und das beginnt meist erst mit Mitte 30. Die Lücke aus den beruflichen Anfangsjahren, bei Teilzeitarbeit oder Familienzeit lässt sich nur schwer schliessen.

Mit den beiden Stiftungen, die Sie führen, sind Sie auch im Verein Vorsorge Schweiz vertreten. Was sind Ihre Anliegen?

Der Verein gibt den Stiftungen der Säule 3a und der Freizügigkeit, welche inzwischen über CHF 130 Mrd. Kapital vereinen, eine eigene Stimme. Eines unserer Ziele ist es, bei Behördenvertretern und in der Politik Verständnis für Nachzahlungsmöglichkeiten zu schaffen, damit Arbeitnehmende ihre Vorsorgesituation nachträglich verbessern können. Der Verein pflegt auch den fachlichen Austausch mit anderen Vorsorgeverbänden, der Wirtschaft und den Medien.

Marcel Rumo im Gespräch mit Sonja Spichtig.

Wie arbeiten Sie und Ihre Stiftungen mit den Swisscanto Anlagestiftungen zusammen?

Die Swisscanto Anlagestiftung ist für uns ein wichtiger Partner für Anlageprodukte. Der ausgewiesene langjährige Erfolg der verschiedenen Anlagegruppen schafft Vertrauen und ist letztlich die Grundlage für eine positive Vermögensentwicklung unserer Kundinnen und Kunden, besonders im heutigen Umfeld, wo die Zinsen sehr tief sind. Gerade in der Vorsorge darf der dritte Beitragszahler, der Finanzmarkt, nicht unterschätzt werden. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, nicht nur privat die Vorsorge zu stärken, sondern auch die bis zur Pensionierung gebundenen Vermögen in Wertschriften zu investieren.

Mit Ihren Stiftungen sind Sie nah beim Kunden. Was bieten diese genau?

Mit der Vorsorgestiftung Sparen 3 können erwerbstätige Personen ab 18 Jahren steuerbegünstigt sparen. Die Freizügigkeitsstiftung ist ein Auffanggefäss für Personen, die für eine gewisse Zeit aus dem Berufsleben aussteigen. Für beide Stiftungen arbeite ich seit zehn Jahren. Die ersten sechs war ich Stiftungsrat. Seit 2015 bin ich deren Geschäftsführer.

Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin der Hüter des Grals! (lacht) Nein, im Ernst, meine Hauptaufgabe ist die Verwaltung der beiden Stiftungen. Das mag vielleicht etwas langweilig tönen, ist aber äusserst vielseitig. So kümmere ich mich nicht nur um die fachlichen Vorgaben und das Reporting, sondern pflege den Kontakt mit verschiedenen Anspruchsgruppen, bin strategisch wie operativ tätig und führe zwei Teams.

Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Einen typischen Tag gibt es nicht. Zum Glück. Ich folge auch keinem festen Plan, sondern gestalte jeden Tag neu. Mein erster Gang führt mich jedoch fast immer zu meinen Mitarbeitenden. Wir sind ein gutes Team und es macht Spass, mit motivierten Menschen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Oft gibt es den einen oder anderen Spezialfall zu besprechen. Dann tausche ich mich mit dem Vertrieb aus. Hin und wieder kommt es auch vor, dass ein Kundenbetreuer vom Schalter direkt zu mir durchgestellt wird, wenn alle anderen Leitungen besetzt sind. Dann beantworte ich seine Frage sehr gern. Ich habe also durchaus noch einen Draht zum Kunden. Und das finde ich sehr bereichernd.

Ist es diese Vielseitigkeit, die Ihren Beruf so spannend macht?

Auf jeden Fall. Auch die Spezialfälle reizen mich. So müssen wir oft von Fall zu Fall entscheiden, ob ein Unternehmer Geld aus seinem Freizügigkeitsvermögen für eine betriebliche Investition beziehen kann. Seit das Bundesgericht ein Raufuttersilo für einen Bauern als Bezugsgrund genehmigt hat, existiert ein Graubereich. Einige Kunden haben seither das Gefühl, sie könnten schnell und einfach Geld aus ihrer Vorsorge für Investitionen beziehen.

Welche "Bezugsgründe" sind Ihnen da schon so untergekommen?

Auf diese Frage kann ich Ihnen aus Vertraulichkeit keine konkrete Antwort geben. Aber so viel möchte ich verraten: Die Fantasie darf hier in allen Farben blühen, wie ein bunter Frühlingsstrauss. Letztendlich muss die Investition buchhalterisch zum Anlagevermögen zählen. Dann gehen wir in den meisten Fällen mit.

Eine grosse Kunst in der Vorsorge besteht darin, junge Menschen für das Thema zu gewinnen.

Wie sind Sie eigentlich zur Zürcher Kantonalbank gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde (lacht). Ich stamme aus der Region Baden. Da war ABB der grösste Arbeitgeber. Jeder, der dort arbeiten durfte, tat es mit Stolz. Eine Ausbildung zum Elektromechaniker lag also nahe. In dieser Zeit habe ich sogar an der Lokomotive der Bahn 2000 eigenhändig mitgeschraubt. Danach war eigentlich der Bachelor in Ingenieurswesen geplant. Ich habe mich aber umentschieden und Wirtschaft an der damaligen HWV studiert. Meine Diplomarbeit schrieb ich dann bei der Zürcher Kantonalbank.

Und da sind Sie noch heute!

Genau. Ich mag die Art der Projektarbeit bei der Zürcher Kantonalbank. Damals habe ich im Accounting angefangen und daran mitgewirkt, ein System aus den 70er Jahren abzulösen und in eine moderne IT-Plattform für die Kundenkontoführung zu überführen. Ich habe zehn Jahre an diesem Projekt mitgearbeitet, 2007 habe ich in diesem Zusammenhang eine operative Bereichsleitung übernommen.

Seit vier Jahren sind Sie Geschäftsführer der Vorsorgestiftung Sparen 3 und der Freizügigkeitsstiftung der Zürcher Kantonalbank. Was wollen Sie in den nächsten vier Jahren erreichen?

Ich will die Vorsorge zum Kernthema machen. Denn letztendlich ist alles Vorsorge. Ausserdem will ich vor allem junge Menschen dazu bewegen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und in die 3. Säule einzuzahlen. Den Dialog haben wir gestartet. Mit einer persönlichen Beratung durch junge Berater, die die Zielgruppe in ihrer Sprache und mit den richtigen Argumenten ansprechen. Der Erfolg ist überdurchschnittlich hoch. Das stimmt mich optimistisch.

"Letztendlich ist alles Vorsorge", meint Marcel Rumo. Er möchte das Thema noch zentraler positionieren.

Und privat?

Auch da habe ich viele Pläne und möchte etwas bewegen. Ich bin zum Beispiel Stiftungsrat in einem Kinderheim und im Vorstand einer Musikschule. Da gibt es immer viel zu tun. Und ein grosses privates Ziel ist ein erster Auslandsflug als Privatpilot. Die Lizenz hätte ich, aber im Ausland ist das Fliegen wegen des Funkverkehrs und der Navigation anspruchsvoller, daher habe ich es mir bislang noch nicht zugetraut.

Nach Frankreich zu fliegen wäre ja ein Anfang.

Ja, Frankreich wäre naheliegend. Nicht nur geografisch, auch persönlich. Mein Vater stammt aus Fribourg. Deshalb spreche ich meinen Nachnamen auch französisch aus. Meine Eltern haben darauf immer sehr viel Wert gelegt, obwohl ich deutschsprachig aufgewachsen bin. Ich liebe die französische Sprache, auch wenn ich sie gern noch besser beherrschen würde.

Dann sind Sie sicher auch ein Weinliebhaber?

Genau. Ich trinke aber nicht nur gern Wein, sondern stelle ihn auch selbst her. Meine Familie besitzt einen Rebberg mit 450 Stöcken. Allerdings nicht in Frankreich, sondern im Aargau. Hier verbringen wir viel Zeit im Frühjahr und im Herbst.

Das tönt auch nach viel Arbeit.

Durchaus, aber es ist eine sehr schöne Arbeit, die ich mir mit meiner Familie teile, und ein toller Ausgleich zum Alltag im Büro. Im Winter trifft man mich dann beim Ski- und Snowboardfahren. Sie sehen, ich mag die Abwechslung – im Job genauso wie in meiner Freizeit.

Das perfekte Fazit für dieses interessante Gespräch. Vielen Dank dafür.