"Bei der Vorsorge zählt der Solidaritätsgedanke."

Stephan Wyss ist Gründungspartner der Prevanto AG. Die Entscheidung, das Unternehmen 2015 aus einem Management Buyout zu übernehmen, hat er bis heute nie bereut. Das rund 40-köpfige Team betreut zahlreiche Pensionskassen von Unternehmungen und der öffentlichen Hand. Wir haben mit Stephan Wyss über seine Erfahrungen als Unternehmer und den Bundesratsvorschlag für die Reform der beruflichen Vorsorge gesprochen.

Herr Wyss, Sie verfügen über eine langjährige Erfahrung im Schweizer Vorsorgemarkt. Wie sind Sie in die Vorsorgebranche gekommen?

Ich wollte ursprünglich Finanzchef eines KMU werden. Nach meinem Wirtschaftsstudium war ich zwei Jahre lang für die Kreditvergabe an grosse Schweizer Versicherungen bei einer Grossbank zuständig. Ich stellte fest, dass mir das Wissen der Passivseite für eine ganzheitliche Beratung fehlte. Um diese Lücke zu schliessen, entschloss ich mich, die Ausbildung zum Pensionsversicherungsexperten zu absolvieren. Der Wechsel in die Vorsorgebranche war deshalb ein logischer Schritt.

Und heute betreuen Sie als unabhängiger Unternehmer Vorsorgeeinrichtungen jeder Grösse. Eine grosse Verantwortung, die Sie tragen …

Auch wenn man mir das kaum glaubt: Ich habe persönlich keinen grossen Unterschied gespürt, als ich auf die Arbeitgeberseite wechselte. Klar, die finanzielle Verantwortung ist viel grösser. Aber ob als Angestellter oder als Partner, meine Arbeitsmotivation und mein Verantwortungsbewusstsein waren schon immer sehr hoch. Mit zwölf Jahren habe ich meinen Vater verloren und musste früh lernen, Verantwortung zu übernehmen. So habe ich mit 13 Jahren zum ersten Mal die Steuererklärung für meine Familie ausgefüllt.

Ein solches Erlebnis prägt das ganze Leben. Wie überträgt sich das in Ihren Berufsalltag?

Ich fühle mich in hohem Masse für meine Kunden verantwortlich und ihre Sicherheit liegt mir am Herzen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spass?

Ganz klar: Eine gute und überzeugende Präsentation für Kunden und Partner zu liefern. Im "People’s Business" zählt die Kraft der Argumente. Ebenso erfüllt es mich, meine Kunden bei wichtigen Entscheidungen zu unterstützen und die Umsetzung samt allfälligen Korrekturmassnahmen zu begleiten. Schliesslich bereitet mir der Umgang mit den Mitarbeitenden grosse Freude, denn ich lerne gerne von ihnen.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen an der Unternehmerarbeit weniger gefallen?

Alles, wofür intern niemand explizit zuständig ist, landet heute auf meinem Tisch. Wie zum Beispiel heute, als die Klingel zu unseren Büroräumlichkeiten nicht funktionierte. (lacht) Scherz, das gehört natürlich auch dazu. Was mir eher Sorgen macht, ist einerseits der teilweise künstliche Zeitdruck, die Jahresabschlüsse der Vorsorgeunternehmen immer früher zu erstellen, fast wie bei einem börsenkotierten Unternehmen. Das führt zu einer hohen saisonalen Arbeitsauslastung. Und andererseits der starke Fokus auf die Verwaltungskosten, den ich nicht immer nachvollziehen kann. Schlussendlich zählen geldmässig für eine Vorsorgeeinrichtung die Netto-Performance auf dem Vermögen sowie die richtigen technischen Parameter.

Kommen wir auf die Reform der beruflichen Vorsorge zu sprechen: Hat die Vorlage Chancen durchzukommen?

Nein, meines Erachtens ist sie so, wie sie vorgesehen ist, bereits vom Tisch. Das Parlament wird die Vorlage kritisch beäugen. Es ist wichtig, dass wir nicht wieder von vorne beginnen müssen. Aber eine Umverteilung à la "Junge finanzieren Reich und Alt", das kann nicht sein.

Welche Vorschläge finden Sie besser?

Es gibt realistische Alternativen wie diejenige vom Schweizerischen Pensionskassenverband ASIP oder der "Allianz für eine mehrheitsfähige Rentenreform" – ein Zusammenschluss des schweizerischen Baumeisterverbandes, der Swiss Retail Federation und Arbeitgeber Banken. Die darin vorgestellten Lösungsansätze richten sich nicht an den Staat, sondern sind auf die Pensionskassen ausgerichtet. Das finde ich besser.

Nach Pensionsversicherungsexperte Stephan Wyss sollten die Pensionskassen dezentrale Lösungen finden.

Also lieber keine Reform als dieser Vorschlag?

Vielleicht ist die "Second best"-Lösung – nämlich alles so zu belassen – besser. Ich vertrete die Ansicht, dass die Pensionskassen das Problem dezentral lösen sollen und nicht via zentrales Umlageverfahren. Es kann nicht sein, dass die Versicherten von Pensionskassen, welche die Hausaufgaben gemacht haben, nun für die Versicherten von Pensionskassen bezahlen müssen, welche die Hausaufgaben nicht erledigt haben.

Welche Parameter würden Sie ändern?

Ich finde es richtig, den Umwandlungssatz und den Koordinationsabzug zu reduzieren. Zudem würde ich die Spargutschriften erhöhen. Alle Änderungen würde ich im Wissen vornehmen, dass sie eine Zwischenlösung darstellen. Wichtig sind auch verkraftbare kompensierende Massnahmen für die betroffene Übergangsgeneration, um die Renteneinbussen zu mildern.

Wie sieht für Sie eine Ideallösung der beruflichen Vorsorge aus?

Eine Vorsorge ohne Koordinationsabzug und mit defensiven Parametern, die nicht zu hohe Versprechungen macht, also Generationengerechtigkeit auch in der Regenzeit gewährleisten kann. Der Sparprozess müsste wie in der AHV bereits mit 18 Jahren beginnen. Selbstverständlich müsste auch das Rücktrittsalter an die Lebenserwartung gebunden werden. Generell würde eine Entpolitisierung der beruflichen Vorsorge guttun. Dadurch würde die Eigenverantwortung der Menschen gestärkt. Damit dies gelingen kann, wäre aber unbedingt bereits während der obligatorischen Schulzeit eine Grundausbildung in finanziellen Angelegenheiten einzubauen. Dieses Grundwissen sollte dann während der Berufsausbildung vertieft werden.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?

Ein seit 35 Jahren geltendes durch und durch politisches System kann man nicht so einfach umstellen. Es ist schwierig, vom kritisierten Zustand A zum besseren Zustand B zu kommen, ohne dass wir zu viele Verlierer auf der Leistungs- oder auf der Finanzierungsseite haben. Eine wie oben angetönte Kompromisslösung (Optimierung mehrerer Parameter) kann natürlich von allen Seiten kritisiert werden. Aber nur wenn der Stimmbürger einfach und transparent informiert wird, kann die überfällige Korrektur auch demokratiepolitisch gelingen. Als Optimist glaube ich fest daran, dass eine austarierte Kompromisslösung von einer Mehrheit getragen wird.

Stephan Wyss bespricht mit Sonja Spichtig den Bundesratsvorschlag für die Reform der beruflichen Vorsorge.

Was halten Sie übrigens von der freien Wahl der Pensionskasse?

Das wurde schon oft untersucht und das Fazit war immer wieder, dass es keine gute Lösung ist. Die Arbeitgeber würden das Interesse an einer guten Vorsorge verlieren. Und was noch wichtiger ist: Der grösste Teil des Vorsorgevermögens einer Privatperson wird bei der Pensionskasse angespart. Die Auswahl der falschen Pensionskasse hätte verheerende Konsequenzen für den Einzelnen. Aus meiner Sicht wirken beispielsweise die neuen 1e-Pläne mit den wählbaren Anlagestrategien entsolidarisierend. Überspitzt gesagt verabschiedet sich das Management mit den höheren Löhnen von der "normalen" Pensionskasse und entzieht damit "Haftungssubstrat", das solidarisch wichtig wäre für die Finanzierung der laufenden Rentenverpflichtungen.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft?

Bei der Vorsorge zählt für mich nach wie vor der Solidaritätsgedanke. Man sollte im Kollektiv denken. Ich sehe einen Trend in Richtung Entsolidarisierung und Individualisierung und bin sehr skeptisch, ob dies gut ist. Der Sinn unseres Schweizer Vorsorgesystems besteht in erster Linie darin, eine genügende Rente zu entrichten und dass die Starken solidarisch für die Schwachen da sind.

Eine gute Botschaft. Es ist sehr spannend, mit Ihnen über die Vorsorge zu diskutieren. Engagieren Sie sich auch in Fachgremien?

(lacht) Heute wäre eine Sitzung vom Vorsorgeforum, die ich für dieses Interview abgesagt habe. Ich bin zudem Beirat der Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto und verfasse regelmässig Beiträge für Zeitschriften im Namen der Prevanto AG. Ich wirke in der Prüfungskommission für Pensionsversicherungsexperten und bin Mitglied der Arbeitsgruppe IFRS der Schweizerischen Kammer der PK-Experten, in welcher ich acht Jahre lang im Vorstand tätig war. Als Unternehmer tausche ich mich täglich mit unterschiedlichsten Personen und Stiftungsräten aus und versuche natürlich auch so, etwas zu bewegen.

Stephan Wyss war acht Jahre lang im Vorstand der Arbeitsgruppe IFRS der Schweizerischen Kammer der PK-Experten.

Sie sind eine vielbeschäftigte Person! Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?

In meiner Freizeit geniesse ich die gemeinsamen Momente mit meiner Familie und treibe Sport. Früher bin ich Bergmarathon gelaufen wie z.B. den Jungfrau-Marathon. Letztes Jahr habe ich seit Langem wieder einmal einen Halbmarathon absolviert und merken müssen, dass auch bei mir der Alterungsprozess eingesetzt hat (lacht). Sonst fahre ich gerne Tandem mit meiner Frau und versuche viel Zeit mit unseren zwei Söhnen zu verbringen. Der jüngere Sohn bedarf einer ständigen intensiven Pflege. Zum Glück hat meine Frau unsere Familienagenda hervorragend organisiert. Wann immer es die Zeit erlaubt, üben wir sportliche Aktivitäten gemeinsam aus, wie z.B. Skifahren im Winter, Velofahren und Segeln im Sommer. Daraus schöpfe ich die Energie für meine Arbeit.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Wyss.

Swisscanto Invest verpflichtet sich dem Klima

Swisscanto Invest baut ihre Stellung als Vorreiterin im Bereich Nachhaltigkeit weiter aus. Als erste Fondsanbieterin setzt das Asset Management der Zürcher Kantonalbank das Pariser Klimaziel in der aktiven Produktpalette um. Somit richten sich alle aktiv verwalteten Anlagefonds auf eine Reduktion der CO2-Emissionen von mindestens 4% pro Jahr aus.

Neue Klimastrategie setzt auf Dialog und Kapitalallokation

Als erste Fondsanbieterin setzt Swisscanto Invest bei Investitionsentscheidungen in aktiven Fonds ein jährliches CO2-Reduktionsziel von 4% um. Sie investiert in Firmen und Staaten, die ihre CO2-Emissionen mindestens mit 4% pro Jahr senken. Sie leistet damit als Pionierin der Schweizer Finanzbranche einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Als Aktionärin und Kreditgeberin wirkt Swisscanto Invest über den aktiven Dialog darauf hin, dass die Unternehmen ehrgeizige CO2-Reduktionsziele von mind. 4% pro Jahr formulieren und diese konsequent umsetzen. Über die Kapitalallokation wird sichergestellt, dass alle aktiven, traditionellen Anlagefonds eine sinkende Kohlenstoffintensität aufweisen. Dazu werden CO2-intensive Unternehmen und Staaten reduziert, die über keine Strategie zur Senkung ihrer CO2-Emissionen verfügen. CO2-effiziente Unternehmen und Staaten, die entsprechende Reduktionsziele verfolgen, werden hingegen übergewichtet.

Mit Dialog und Kapitalallokation zum Klimaziel

Pariser Klimaziel soll globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius begrenzen

An der UN-Klimakonferenz in Paris wurde 2015 das Ziel verabschiedet, die menschengemachte globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius, wenn möglich auf unter 1.5 Grad Celsius, zu begrenzen. Dies bedeutet, dass bis ca. Mitte des Jahrhunderts die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas nahezu vollständig substituiert werden müssen und die Netto-CO2-Emissionen auf null sinken. Um das Pariser Klimaziel zu erreichen, müssen die globalen CO2-Emissionen ab 2020 jährlich um mindestens 4% sinken. Die Schweiz hat das Pariser Klimaabkommen 2017 ratifiziert und sich damit u.a. verpflichtet, ihre Kapitalflüsse klimaverträglich auszurichten.

Systematische Integration von ESG-Kriterien in aktiven Anlageentscheidungen

Die systematische Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial-, und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) in den aktiven Anlageprozessen wird weiterentwickelt. Die vertiefte Analyse der einzelnen ESG-Dimensionen liefert den Portfoliomanagern zusätzliche Informationen und lässt bessere Anlageentscheide zu. Unternehmen und Staaten mit den höchsten ESG-Risiken bedürfen einer separaten Begründung und Dokumentation, sollte sie der Portfoliomanager im Fonds behalten wollen. Konsequent verzichtet wird auf Unternehmen, die mehr als 10% ihres Umsatzes mit Kohlenförderung generieren. Die Investitionsrisiken werden damit reduziert.

Nachhaltigkeits-Reporting bietet Transparenz

Mithilfe des detaillierteren Nachhaltigkeits-Reportings können die Kunden regelmässig transparent nachvollziehen, wie sich der Markt und ihre Vermögenswerte in Swisscanto Invest Anlageprodukten hinsichtlich des CO2-Reduktionsziels tatsächlich entwickeln. Die bisherigen Engagement-Bestrebungen werden auf internationale Titel ausgeweitet. Dabei berücksichtigte Nachhaltigkeitskennzahlen bzw. -dimensionen sind zum Beispiel:

  • ESG-Ratings (eigene und dritte)
  • CO2-Intensitäten inklusive 2-Grad-Klimaziel Kompatibilitätsmessung
  • ausgeschlossene Unternehmen

Konkret wird u.a. der Carbon-Footprint pro Sektor und Anlageklasse angegeben und mit dem entsprechenden Benchmark verglichen.

Die menschengemachte globale Erwärmung soll auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden

Blacklist wird auch auf Index-Produkte ausgeweitet

Seit Anfang 2020 wird die Blacklist auf die gesamte Fondspalette angewendet, d.h. auch auf der passiven Produktseite. Ausgeschlossen werden vor allem Hersteller von geächteten Waffen (Antipersonen- und Landminen, Streubomben und Streumunition, biologische und chemische Waffen sowie Kernwaffen). Zur Einschätzung stützt sich Swisscanto Invest primär auf die Schweizer Gesetzgebung sowie auf von der Schweiz ratifizierte und anerkannte internationale Abkommen. Generell deckt sich die Einschätzung mit den Ausschlussempfehlungen von SVVK-ASIR, dem Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen. Sie behält sich aber vor, nach eigenem Ermessen zusätzliche Unternehmen auszuschliessen oder auf einen Ausschluss zu verzichten.

Eine Auswahl wichtiger Partnerschaften von Swisscanto Invest

  • Eurosif (Europäischer Transparenz-Kodex für Nachhaltigkeitsfonds): Mit dem Unterzeichnen des Europäischen Transparenz-Kodex für Nachhaltigkeitsfonds bestätigt Swisscanto Invest als Schweizer Fondsmanagerin ihr Engagement für Transparenz gegenüber dem Anleger. Eurosif ist ein Zusammenschluss der nationalen Fachverbände für nachhaltige Geldanlagen auf europäischer Ebene.
  • PRI (Principles for Responsible Investment): Die sechs Principles for Responsible Investment der Vereinten Nationen sind finanzmarktrelevante Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien. 2009 hat die Zürcher Kantonalbank als eine der ersten Universalbanken in Europa die PRI unterzeichnet.
  • CDP (Carbon Disclosure Project): Seit 2005 ist die Zürcher Kantonalbank Unterzeichnerin des Carbon Disclosure Projects (CDP), eine Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Transparenz hinsichtlich der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen zu schaffen.
  • SSF (Swiss Sustainable Finance): SSF wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, die Schweiz zu einem führenden Zentrum für nachhaltige Finanzen zu machen. Seit 2015 ist die Zürcher Kantonalbank Mitglied von Swiss Sustainable Finance.

Weitere Partnerschaften finden Sie hier.

Eine Auswahl der unterzeichneten Investoren-Initiativen

  • Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD): Entwicklung konsistenter Angaben zu klimabezogenen Finanzrisiken, die von Unternehmen zur Information von Investoren, Kreditgebern, Versicherern und anderen Interessengruppen verwendet werden können.
  • UNEP Finance Initiative (UNEP FI): Mobilisierung von Finanzmitteln des Privatsektors für eine nachhaltige Entwicklung bezüglich Lebensqualität der Menschen.
  • Climate Bonds Initiative: Schaffung eines grossen und liquiden Markts für Grün- und Klimaanleihen.
  • PRI – Investor statement on deforestation and forest fires in the Amazon: Sensibilisierung der Unternehmen für den besorgniserregenden Abholzungstrend des Regenwalds und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und den Klimawandel.
  • UN Women’s Empowerment Principles: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Rolle der Frau in den Unternehmungen.

Der neue Nachhaltigkeitsstandard auf einen Blick

  • Swisscanto Invest verpflichtet sich dem Pariser Klimaziel und richtet die Investitionstätigkeiten in den traditionellen, aktiv verwalteten Anlagefonds auf eine Reduktion der CO2-Emissionen von mindestens 4% pro Jahr aus.
  • Verbindliche ESG-Kriterien finden Anwendung in allen aktiv verwalteten Anlagefonds.
  • Konsequenter Verzicht auf Unternehmen, die mehr als 10% ihres Umsatzes mit Kohleförderung generieren.
  • Es werden für 100% der Aktienbestände die Stimmrechte wahrgenommen und entlang der ESG-Prinzipien ein aktiver Dialog mit den Unternehmen geführt. Das Abstimmungsverhalten wird transparent publiziert.
  • Blacklist auch im Indexgeschäft: Unternehmen, die geächtete Waffen produzieren, werden zu 100% aus dem Vermögen von Swisscanto Invest ausgeschlossen.
  • Nachhaltigkeit braucht Transparenz: Die Kunden erhalten ein regelmässiges Reporting zur CO2-Intensität, zu globalen Risiken und den Ratings ihrer Anlage.

Mit dieser Ausrichtung positioniert sich Swisscanto Invest einmal mehr als Vorreiterin in puncto Nachhaltigkeit. Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre Nachhaltigkeit ist unsere Überzeugung.

Bild Manuel Ferreira

Deflation heute, Inflation morgen – oder übermorgen

Mittelfristig überwiegen deflationäre Tendenzen

Die Massnahmen zur Eindämmung des Wirtschaftseinbruchs infolge der Covid-19-Pandemie liefern zusammen mit den Eigenschaften der gegenwärtigen Rezession den Plot für ein inflationäres Szenario. Notwendige Ingredienzen wie ein Angebotsschock, eine stark expansive Geld- und Fiskalpolitik, eine tiefe Produktivität und Tendenzen in Richtung Wiederaufbau von Handelsbarrieren wären vorhanden. Folgt nun die grosse Trendwende in der Inflationsentwicklung? Viele Marktakteure sehen Parallelen zur Stagflation der 1970er-Jahre, als die Inflation während der Rezession anstieg. Die Voraussetzungen für ein Inflationsszenario wären gegeben, die Produktionslücke hat sich aber in einem Umfeld mit bereits tiefer Inflation geöffnet und wird sich so schnell nicht schliessen. Mittelfristig überwiegen unserer Meinung nach deshalb die deflationären Tendenzen am Güter- und Dienstleistungsmarkt. Und wie Japan zeigt, ist selbst eine Staatsfinanzierung der Notenbank durch die Hintertür mittel- und langfristig nicht zwingend inflationär. Anders sieht es bei der Vermögensinflation aus.

Inflation im Dornröschenschlaf – oder doch tot?

Nachdem die Inflation Ende der 1970er-Jahre auf zweistellige Prozentniveaus angestiegen war, folgte eine Periode mit hohen Zinsen, welche die Inflation wieder unter Kontrolle brachte. Seither zeigen sowohl der Inflations- wie auch der Zinstrend nach unten. Bei jedem Wirtschaftsaufschwung stiegen Inflation und Zinsen zwar an, pendelten sich aber nach jedem Konjunkturzyklus auf einem noch tieferen Niveau ein.

Inflation und Leitzins in den USA
(10-Jahres-Durchschnitt in %)

Seit der Finanzkrise 2008/09 haben Notenbanken die Geldmenge und Regierungen die Staatsverschuldung immer weiter ausgedehnt. In der aktuellen Pandemie haben diese Interventionen ein gewaltiges Ausmass erreicht. Notenbanken stossen in Richtung Monetisierung von Schulden vor, und zeitgeistige Konstrukte wie die "Modern Monetary Theory" sind längst keine Utopie mehr. Und war die Globalisierung der wichtigste deflatorische Treiber der letzten drei Dekaden, so sollten die gegenwärtigen Deglobalisierungstendenzen inflationär sein.

Implikationen für Anleger

Auch wenn die Grundzutaten für ein inflationäres Szenario langfristig vorhanden sind, schätzen wir das mittelfristige Potenzial für eine substanziell steigende Inflation als sehr beschränkt ein. Weder gehen wir von Güterknappheit noch von einem überdurchschnittlichen Nachfrageanstieg aus. Zudem dienen die Fiskalpakete lediglich dem Erhalt der Wirtschaftsstrukturen und nicht deren Ausweitung. Weil die Entflechtung der globalen Wertschöpfungsketten mit hohen Kosten und Verzicht verbunden ist, bleibt der aus den Deglobalisierungstendenzen ausgehende Preisdruck überschaubar. Entscheidend ist, dass die Weltwirtschaft mittelfristig eher mit Über- als mit Unterkapazitäten beschäftigt sein wird. Über die nächsten 12 Monate sind Basiseffekte im Preisniveau insbesondere infolge einer Stabilisierung der Ölpreise denkbar. Dies wird aber lediglich zu einer Normalisierung der Inflationserwartungen führen. Da sich die abnehmende Produktivität zu Beginn einer Rezession vorwiegend in den tiefen bis negativen Realrenditen und nicht in steigenden Lohnstückkosten widerspiegelt, wird die Liquiditätsschwemme vor allem die Vermögensinflation vorantreiben.

Vermögensinflation: Aktien entkoppeln sich vom Welt-BIP
(indexiert: 31.12.2008 = 100)

Die Pandemie sorgte zwar für eine Vollbremsung der Wirtschaft mit einem unmittelbaren deflatorischen Effekt auf Aktien. Die in der Folge noch expansivere Geldpolitik hat jedoch die globalen Finanzierungsbedingungen wieder stark vergünstigt und somit die Volatilität an den Finanzmärkten beruhigt. Kurzfristig sind die Märkte noch in der Adjustierungsphase. An der mittel- bis langfristigen relativen Attraktivität von Aktien gegenüber Obligationen hat sich trotz der tieferen Gewinnerwartungen der Unternehmen jedoch nichts geändert. Inflation bleibt vorerst eine latente Gefahr, die sich langfristig entfalten könnte – wie schon in der letzten Dekade.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

frankly – die neue App für deine 3. Säule

Thema Altersvorsorge

Was denken die verschiedenen Generationen über das Thema Altersvorsorge?

Turbulenzen aushalten und Junge mobilisieren: Die Vorsorge muss jetzt alle bewegen.

Bericht zu den Anlegerversammlungen der Swisscanto Anlagestiftungen

Der Versammlungsort hätte kaum passender sein können: Die Terrasse des Zuger Casinos erlaubte den Weitblick über See und Berge, während im Saal des Theater Casinos Tradition und Werte spürbar waren. An der 46. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung und der 13. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung Avant wurden spannende Fachvorträge sowie eine lebhafte Diskussion geboten – und zur Überraschung sogar Alphornklänge, mit denen sich ein scheidendes Stiftungsratsmitglied verabschiedete.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

Dr. Thomas Vock, Stiftungsratspräsident und Leiter Asset Management Berner Kantonalbank, begrüsst die Gäste.

Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Vock hiess die Gäste willkommen und übergab das Wort an Pascal Niquille, CEO der Zuger Kantonalbank, der als Grusswort an die Versammlung einen vielfältigen Einblick in den geografisch zwar kleinen, als Wirtschaftsstandort jedoch bedeutenden Kanton Zug bot.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, vermittelte einen Überblick über das vergangene Geschäftsjahr, das – wie sie sich ausdrückte – "es in sich hatte": Die erste Jahreshälfte sorgte für Turbulenzen, während die zweite wieder Entspannung brachte. Die Swisscanto Anlagestiftungen verwalteten per 30. Juni 2019 ein Anlagevermögen in der Höhe von 17.6 Mrd. CHF und sind mit einem Marktanteil von 13% auf Basis des Nettovermögens die viertgrösste unter den KGAST-Anlagestiftungen.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, vermittelte einen Überblick über das vergangene Geschäftsjahr.

Die Traktanden wurden nahezu einstimmig angenommen. Die beiden Stiftungsräte Ueli Manser und Mireille Seidler Rugel traten zurück. Mit Pia Burch, Geschäftsführerin der Pensionskassen Sika und Wohlfahrtsstiftung der Sika, wurde eine ausgewiesene Vorsorgeexpertin neu in den Stiftungsrat gewählt. Nach rund 50 Minuten beendete der Stiftungsratspräsident die beiden Anlegerversammlungen mit einem herzlichen Dank an alle Anwesenden.

Es folgte der Market Outlook, vorgetragen von Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

"Play it again, Jay" – mit dieser Anlehnung an den Film "Casablanca" erklärte Stefano Zoffoli die gegenwärtigen Anliegen an die Zentralbanken, die "immer das gleiche Lied spielen" sollen. Namentlich Jerome "Jay" Powell der FED solle die Zinskarte ausspielen und so nicht nur, aber insbesondere den globalen Industriesektor stützen, der seit 18 Monaten angeschlagen sei. Der nachgelagerte Dienstleistungssektor ist vorerst noch stark und bedeutend genug, um sich dagegenzustemmen, meinte Stefano Zoffoli. Negative Trends seien aber der international zunehmende Protektionismus, die abnehmende politische Stabilität in bisher als stabil geltenden Ländern wie etwa Deutschland sowie staatliche Massnahmen, die immer populistischer würden. "Die neuen Regierungen werden öfter unkonventionelle wirtschaftspolitische Massnahmen beschliessen – eher Mini-Lösungen für einzelne Teilbereiche." In vielen aktuellen Medienberichten herrscht jedoch zu viel Pessimismus, beruhigte Stefano Zoffoli. Eine Konjunkturabschwächung sei zwar zu erwarten, eine Rezession drohe jedoch nicht.

Nachdrücklich widerlegte der Anlagestratege das hartnäckige Vorurteil, Aktien seien heute zu teuer. Einerseits seien die heutigen Höchstwerte aktuell nur knapp über den Ständen von vor zwei Jahren. Andererseits seien Aktien nicht wesentlich teurer als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre.

Gastreferent Yannick Blättler, der 26-jährige Gründer und Inhaber der Firma NEOVISO GmbH.

"Was bewegt die Generation Z?" Diese Frage wusste Gastreferent Yannick Blättler, der 26-jährige Gründer und Inhaber der Firma NEOVISO GmbH, ebenso faktenreich wie unterhaltsam zu beantworten. Videostatements von 14- bis 24-jährigen Vertretern der Generation Z zeigten eindrücklich: Es ist nicht die Altersvorsorge, die sie bewegt.

Bei vielen jungen Menschen sei die Frage, ob das Geld noch bis zum Wochenende reiche, dringender als Gedanken über die finanzielle Situation im Alter. Umfragen von NEOVISO zeigten allerdings: Einige der Themen, die die Generation Z heute bewegen, weisen durchaus einen weiten, wenn nicht sogar sehr weiten Zeithorizont auf: der Klimawandel etwa oder die Frage nach der eigenen Rolle in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung.

Die Gretchenfrage sei also, wie es gelingen könne, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen für das Thema Altersvorsorge zu gewinnen. "Versteht die Generation Z, was Sie machen?", fragte Yannick Blättler provokativ in den Saal. Es genüge nicht, gedruckte Broschüren abzugeben oder informative Webseiten zu gestalten – damit erreiche niemand mehr die Generation Z. "Sie müssen sie dort abholen, wo sie sich aufhalten: in ihren Kanälen, also YouTube, Instagram, TikTok oder Snapchat."

Yannick Blätter, Sonja Spichtig und Hanspeter Konrad (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion.

Auf dem "heissen Stuhl" zeigten sich die Vertreter der älteren Generation angesichts des jugendlichen Desinteresses an Vorsorgethemen erst einmal ernüchtert. "Wenn man unser 3-Säulen-Prinzip weiterführen will, müssen wir die Jugend dafür sensibilisieren", konstatierte Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbandes ASIP. "Vor allem müssen wir es vor der nächsten Abstimmung besser machen." Sonja Spichtig forderte einmal mehr, Vorsorgethemen in die Schulen zu bringen – ganz nach dem Beispiel des bereits bestehenden Lehr- und Lernangebots "FinanceMission". "Unbedingt in leicht verdaubaren Happen – sogenanntem ‹snackable content› – aus der Perspektive der Jugendlichen und auf Augenhöhe", bestätigte Yannick Blättler. Worauf Sonja Spichtig die Gunst der Stunde nutzte, um Hanspeter Konrad und Yannick Blättler für eine konkrete gemeinsame Aktion zu gewinnen, die dieses Ziel verfolgt: "Helfen wir der Generation Z dabei, Altersvorsorge-Kompetenz zu entwickeln."

 

Was daraus wird, werden die Teilnehmenden in einem Jahr erfahren. Die Anlegerversammlungen 2020 finden am 23. Oktober in Zürich statt.

Als Überraschung verabschiedete sich der scheidende Stiftungsrat Ueli Manser mit Alphornklängen während des Apéros.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

"Es ist an der Zeit, Platz zu machen."

Sein Alphorn hat Ueli Manser, Direktor der Appenzeller Kantonalbank, immer im Auto dabei. Ein Glück für alle Anwesenden der Anlegerversammlung in Zug. Auf vielfachen Wunsch gab der scheidende Stiftungsrat zwei Stücke zum Besten. Nach elf Jahren legt Manser sein Amt nieder, um Platz zu machen für "frische Gedanken", wie er selbst sagt. Was er seinem Nachfolger rät und woran er sich noch lange erinnern wird, erzählt der Appenzeller im Interview.

Herr Manser, Sie waren elf Jahre als Stiftungsrat für die Swisscanto Anlagestiftungen tätig. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Die elf Jahre als Stiftungsrat waren für mich sehr spannend und intensiv. Als ehemaliger Treuhandexperte bin ich sehr detailorientiert und als CEO einer Bank habe ich stets das grosse Ganze im Blick. Diese beiden Facetten habe ich versucht, in meine Arbeit für die Swisscanto Anlagestiftungen einzubringen.

Was waren Ihre Aufgaben ganz konkret?

Klassische Ressorts gibt es im Stiftungsrat nicht. Trotzdem verfügen natürlich alle Stiftungsräte über Spezialwissen. Ich komme aus dem KMU- und Finanzierungsbereich und habe mich daher bei Investitionsentscheiden besonders eingebracht.

Ueli Manser im Gespräch mit Sonja Spichtig. Als Stiftungsrat konnte er sich in wichtige Einkaufsentscheide im Immobilienbereich einbringen.

Wie?

Mit vielen kritischen Fragen an die Entscheidungsträger und meinen bisherigen Berufserfahrungen. Der wohlwollende Umgang innerhalb des Stiftungsrates liess auch kritische und zugleich offene und konstruktive Diskussionen zu, um gute Lösungen und Entscheide zu erarbeiten.

Was konnten Sie als Stiftungsrat bewegen?

Ich konnte mich in wichtige Einkaufsentscheide im Immobilienbereich einbringen. Ein weiteres zentrales Thema in meiner Amtszeit war der Verkauf von Swisscanto an die Zürcher Kantonalbank vor vier Jahren. Da wurde kontrovers und lösungsorientiert diskutiert: Wie ist das Setup? Wie sind die Verantwortlichkeiten? Was ist der Auftrag? Eine sehr spannende Zeit. Ich bin überzeugt, dass die unabhängigen Swisscanto Anlagestiftungen gut aufgestellt sind und mit ihren vielen verschiedenen Anlagegefässen für die Pensionskassen sehr gute Anlagemöglichkeiten bieten.

Eine Zeit, an die Sie sich wahrscheinlich immer erinnern werden. Was nehmen Sie noch mit?

Ich werde mich an vieles gerne erinnern. Höhepunkte waren die Strategieworkshops. Diese fanden – genau wie die Stiftungsratssitzungen – für gewöhnlich in Zürich statt. Dafür habe ich das kleine Appenzell immer wieder gerne für ein, zwei Tage verlassen. Mein persönliches Highlight war, als ich meine sieben Kolleginnen und Kollegen für eine Sitzung nach Appenzell eingeladen habe. Nach unserer Sitzung gab es einen Zmittag im bekannten Berggasthaus Äscher mit anschliessender Wanderung. Bei dieser Gelegenheit ging es für einmal nicht nur um Anlagestrategien, sondern wir konnten auch über die Familie und Hobbys sprechen und uns so privat ein bisschen besser kennenlernen.

Das klingt nicht so, als wären Sie Ihrer Tätigkeit als Stiftungsrat überdrüssig. Warum hören Sie auf?

Nach elf Jahren habe ich viel gesehen. Das eine oder andere beginnt sich zu wiederholen und dann fragt man sich: Kann ich noch genug neuen Input geben? Oder ist es an der Zeit, Platz zu machen für jemanden, der mit frischen Gedanken an die Sache herangeht? Ich habe die zweite Frage für mich mit Ja beantwortet.

Die elf Jahre als Stiftungsrat waren für Ueli Manser sehr spannend und intensiv.

Was werden Sie vermissen?

Ganz sicher meine Kolleginnen und Kollegen, die ich nun nicht mehr so regelmässig sehen werde. Das sind Menschen, die ich während all dieser Jahre schätzen gelernt habe. Und natürlich die Einblicke in die spannende Anlagewelt mit ihren unterschiedlichen Anlagegefässen.

Wenn Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Aktiv und kontrovers mitdiskutieren. Das spannende Umfeld geniessen und mit Freude an die Sache herangehen.

Wie viel Zeit hat Ihr Amt als Stiftungsrat in Anspruch genommen?

Alles in allem etwa zwei Wochen im Jahr. An acht Tagen haben wir uns zum Strategieworkshop, Stiftungsratssitzungen und der Anlegerversammlung getroffen. Dazu kommen noch drei oder vier Tage Vorbereitung. Doch bevor Sie mich jetzt fragen, was ich mit der neu gewonnenen Zeit anfange: Sie ist bereits mehr als verplant.

Darauf wollte ich tatsächlich hinaus. Wofür nutzen Sie denn die Zeit?

Direkt nachdem ich mich entschieden hatte, mein Amt als Stiftungsrat niederzulegen, wurde ich gefragt, ob ich Mitglied des Verwaltungsrats bei der Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken werden will. Nach kurzem Überlegen habe ich zugesagt. Die Aussicht, auch in diesem Gremium kleinere Kantonalbanken zu vertreten, gefällt mir. Das wird meine neue Aufgabe sein, neben meinem Hauptberuf als Geschäftsführer der Appenzeller Kantonalbank natürlich.

Wie sieht da Ihr Arbeitsalltag aus?

Mit 97 Mitarbeitenden sind wir keine ganz kleine, aber sicher auch nicht die grösste Bank. Daher bin ich in alle Bereiche involviert, was meine Arbeit vielseitig und spannend macht. Ich bereite Bankratssitzungen vor, leite die wöchentlichen GL-Sitzungen, plausibilisiere Risikoberichte, führe Gespräche mit Bewerberinnen und Bewerbern, repräsentiere die Appenzeller Kantonalbank an vielen Firmen- sowie Kundenanlässen und bringe meine Ideen in die Marketingplanung ein. Ich lerne immer wieder Neues. Ein Aspekt, der mir auch an meiner Tätigkeit als Stiftungsrat gefallen hat.

Und den Feierabend nutzen Sie zur Entspannung?

Nicht unbedingt. Ich lerne gern und mache Aktiverholung. Deshalb habe ich mich mit 50 Jahren entschieden, Alphorn spielen zu lernen. In meinen Zwanzigern habe ich Trompete gespielt, das bot mir eine gute Grundlage für dieses neue Instrument. Doch das Alphorn ist schon noch mal etwas anderes. Am Wochenende ziehe ich gern mit meinem Alphorn in aller Früh in die Berge. Letztens habe ich am Seealpsee morgens um 7 Uhr drei Stücke gespielt, das war Erholung pur! Ansonsten geniesse ich die Zeit mit meiner Familie. Im Winter geht es statt zum Wandern zum Skifahren, unter anderem im Skigebiet Ebenalp.

Ueli Manser mit seinem Alphorn am Zugersee.

Erlauben Sie uns noch eine Frage zum Schluss: Was müsste aus Ihrer Sicht für eine langfristig stabile Vorsorge getan werden?

Man müsste sich fragen, was beim letzten Paket die nicht mehrheitsfähigen Kriterien waren und diese anpassen, um sie in beiden Kammern und an der Urne durchzubringen. Der Umwandlungssatz im obligatorischen Bereich muss dringend korrigiert werden. Noch einmal Anlauf nehmen, das wäre mein Vorschlag.

Danke für das spannende Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

"Auf einmal war ich selbst auf der anderen Seite als Stiftungsrätin."

Sie wohnt in Coldrerio im Tessin und arbeitet in Basel. Beruflich ist Mireille Seidler Rugel, Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta, viel unterwegs. Ihre letzte Reise als Stiftungsrätin der Swisscanto Anlagestiftungen führt die gebürtige Jurassierin zur Anlegerversammlung nach Zug. Hier erklärt sie, warum sie ihr Amt als Stiftungsrätin niederlegt, worauf sie sich freut und was sie vermissen wird.

Frau Seidler Rugel, Sie waren jetzt vier Jahre als Stiftungsrätin für die Swisscanto Anlagestiftungen tätig. Warum hören Sie auf?

Ich finde, die unabhängigen Stiftungsräte sollten durch aktive Investoren vertreten werden. Denn diese kennen die Bedürfnisse und Wünsche der Anleger, so zum Beispiel das Bedürfnis nach liquiden und risikoarmen Anlagen. Meine Vorsorgeeinrichtung ist aufgrund einer strategischen Neupositionierung seit diesem Jahr nicht mehr Anlegerin der Swisscanto Anlagestiftung; deshalb ziehe ich mich aus dem Stiftungsrat zurück. Wir sind aber weiterhin in Swisscanto Fonds investiert.

Wie haben Sie die Zeit als Stiftungsrätin erlebt?

Ich habe sehr viel erfahren. Was passiert hinter den Kulissen? Wie ist die Anlagestiftung organisiert? Das war spannend. Aber ganz entscheidend für mich war der Perspektivenwechsel. Als Geschäftsführerin einer Pensionskasse berichte ich an Stiftungsräte und stelle Anträge. Auf einmal war ich selbst Stiftungsrätin und hatte die notwendigen Entscheidungen auf der Basis der erstellten Anträge zu treffen. Sind denn dazu alle Informationen vorhanden? Wurde der Antrag genügend erläutert? All diese Fragen gelten auch für meinen eigenen Stiftungsrat.

Mireille Seidler Rugel im Gespräch mit Sonja Spichtig.

Sie konnten sich also durch Ihre Stiftungsratstätigkeit zusätzliches Wissen für Ihre Haupttätigkeit als Geschäftsführerin aneignen?

Bestimmt. Auf der anderen Seite konnte ich als Stiftungsrätin mein Wissen und meine Erfahrungen aus der Praxis in die Swisscanto Anlagestiftungen einbringen. Welches sind die aktuellen Bedürfnisse der Pensionskassen für die Anlage? Was ist ihnen wichtig? Werden die Pensionskassen unsere neuen Produkte auch kaufen? Zentrale Fragen, die beantwortet werden müssen. Hier konnte ich die Interessen der Anleger einbringen.

Sie leiten die Personalstiftung Transporta bereits seit 2003. Wie sehen Sie als Fachfrau die Vorsorgesituation in der Schweiz?

Es muss sichergestellt werden, dass die steigende Lebenserwartung finanziert werden kann. Und das auf sozialverträgliche Art und Weise. Nun hat die berufliche Vorsorge zusammen mit der 1. Säule die Aufgabe, die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die getroffenen Massnahmen für die Finanzierung der Lebenserwartung genügen, aber dadurch das Ziel der 2. Säule nicht mehr erreicht wird. Wir sollten nicht nur die Zahlen, wie zum Beispiel einen Umwandlungssatz, sehen, sondern auch deren Auswirkungen auf die Menschen. Ebenso müssen wir den jungen Versicherten unbedingt die Wichtigkeit der Vorsorge erklären. Mehr Informationen und gezielte Informationen sind meiner Meinung nach absolut zentral.

Die Anlegerversammlungen in Zug werden Ihre letzten sein. Was werden Sie an Ihre Zeit als Stiftungsrätin in Erinnerung behalten?

Es war eine wirklich intensive und spannende Zeit. Mir fallen verschiedene Themen ein, an die ich mich noch lange erinnern werde. Zum Beispiel die Lancierung der Anlagegruppe «AST Hypotheken Schweiz». Vor allem im Gedächtnis bleiben wird mir aber der Austausch mit den anderen Stiftungsräten. Sowie ein ganz spezieller Tag. Da haben wir unsere Stiftungsratssitzung für einmal von Zürich nach Appenzell verlegt. Unser Kollege hat uns auf eine Wanderung in seinen wunderschönen Kanton eingeladen. Diese Wanderung war legendär, denn dabei hat ein Stiftungsrat seine Schuhsohlen verloren.

Hat er den Abstieg trotzdem geschafft?

Ja, ein Kollege hatte eine Schnur dabei und so konnten die Sohlen festgebunden werden. Das war echte Teamarbeit.

Werden Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen vermissen?

Natürlich. Unser Austausch, die Meinungsverschiedenheiten und das grundverschiedene Know-how von jedem werden mir fehlen. In ein solches Gremium bringt jede Person etwas Eigenes ein. Das macht das Ganze einzigartig.

"Meine Arbeit als Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta bereitet mir noch immer viel Freude."

Ihre Nachfolgerin ist Pia Burch, Pensionskassenleiterin der Sika. Welchen Tipp geben Sie ihr mit auf den Weg?

Ich glaube nicht, dass sie mit ihrer langjährigen und breiten Erfahrung fachliche Tipps nötig hat. Aber sie soll neugierig sein, Fragen stellen und Spass haben!

Sie haben jetzt ein wenig mehr Zeit. Wie werden Sie diese nutzen? Worauf freuen Sie sich?

Ich werde ein bisschen weniger nach Zürich reisen. Einerseits schade, andererseits bin ich sehr viel unterwegs zwischen Basel, wo ich arbeite, und dem Tessin, wo ich lebe. Doch die gewonnene Zeit ist schon zu einem Teil verplant: Ich engagiere mich neu in der Qualitätskommission einer Ausbildungsorganisation im Kanton Jura. Ihre Aufgabe ist es, die Qualität des Kursunterrichts und der Prüfungen sicherzustellen.

Wie kam es dazu?

Seit vielen Jahren bin ich als Dozentin in dieser kantonalen Organisation im Jura tätig. Hier gebe ich Unterricht im Fach der beruflichen Vorsorge sowohl für den eidgenössischen Sozialversicherungsfachausweis wie auch für die Grundkenntnisse über die Sozialversicherungen. Deshalb wurde ich für eine Teilnahme in dieser neu gegründeten Kommission angefragt. Das freut mich natürlich sehr.

"Es muss sichergestellt werden, dass die steigende Lebenserwartung finanziert werden kann. Und das auf sozialverträgliche Art und Weise."

Tönt nach einem straffen Programm.

Es macht mein Leben nicht eintönig. Ich mag meinen Beruf und die berufliche Vorsorge generell sehr. Aber ich kann auch entspannen: Ich bin gerne zu Hause, geniesse meinen Garten und koche mit meinem Ehemann für die Familie und unsere Freunde. Es macht uns ausserdem viel Spass, Zeit mit unseren Enkeltöchtern aus Graubünden zu verbringen. Dann reisen wir regelmässig zu unseren Familien im Jura, in Basel und in viele Ecken der Schweiz. Wussten Sie überhaupt, dass der Jura die Perle der Schweiz ist?

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich bin ein sehr zuversichtlicher Mensch. Ich bin offen für das, was auf mich zukommt. Das heisst, ich plane nicht gern weit voraus. Meine Arbeit als Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta bereitet mir noch immer viel Freude. Meine Aufgaben sind sehr vielseitig und reichen von der Entwicklung neuer Vorsorgepläne über die Beratung von Versicherten bis zur Revision der Reglemente, Wahlprozesse von Anlageprodukten und Sanierungen von Liegenschaften. Diesem spannenden Job werde ich bestimmt noch eine Weile treu bleiben.

Danke für das spannende Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Bild Manuel Ferreira

Turbulente Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi geht zu Ende

Die Macht der Worte

Als Mario Draghi im Herbst 2011 die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) übernahm, befand sich die Eurozone mitten in der Schuldenkrise. Für Griechenland, Irland und Portugal waren bereits Rettungspakete in Milliardenhöhe geschnürt worden und gleichzeitig drohte sich die Krise auf Italien und Spanien auszuweiten. Manch ein Anleger befürchtete damals den Kollaps der gesamten europäischen Währungsunion. So war der neue EZB-Präsident vom ersten Tag an stark gefordert. Unter seiner Führung wurden zunächst die beiden Zinserhöhungen seines Vorgängers – die sich im Nachhinein als klarer Fehler erwiesen – rückgängig gemacht. Es folgte ein dreijähriges Kreditprogramm für Geschäftsbanken im Gesamtumfang von über EUR 1000 Mrd. Ende Juli 2012 hielt Mario Draghi eine denkwürdige Rede in London, die seine Amtszeit massgeblich prägte und heute als entscheidender Wendepunkt in der Schuldenkrise angesehen wird. Er sagte wörtlich: "Im Rahmen ihres Mandates ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein." Draghis Rede belegt, dass Geldpolitik oftmals keine exakte Wissenschaft ist und wenige Worte von Zentralbankvertretern viel bewirken können. Zurecht wird Mario Draghi deshalb von seinen Anhängern als Retter des Euro betitelt.

Verpasste Normalisierung und Festhalten am Inflationsziel

Die Eurozone kehrte Mitte 2013 wieder auf den Wachstumspfad zurück und auch die Arbeitslosenrate begann zu sinken.

Wachstum und Arbeitslosigkeit in der Eurozone

Trotzdem dehnte die EZB ihre expansive Geldpolitik weiter aus, um die aus ihrer Sicht zu tiefe Inflation in Richtung der Zielmarke von knapp 2% zu treiben. Unter anderem kündigte sie ein umfangreiches Wertschriftenkaufprogramm an, welches später ausgeweitet und mehrmals verlängert wurde, bevor es im Dezember 2018 endete. Insgesamt kaufte die Zentralbank Wertpapiere im Umfang von rund EUR 2600 Mrd., davon grösstenteils Staatsanleihen. Angesichts der konjunkturellen Eintrübung und der tiefen Inflation kündigte Mario Draghi im September 2019 ein weiteres Massnahmenpaket an – trotz erheblichem Widerstand aus den eigenen Reihen. Dabei wurde der Einlagesatz für Geschäftsbanken gesenkt und das Wertpapierkaufprogramm auf unbestimmte Zeit reaktiviert. Draghi geht damit als erster EZB-Präsident in die Geschichte ein, der die Zinsen während seiner Amtszeit nie erhöht, sondern immer nur gesenkt hat. Er muss sich vorwerfen lassen, den Zeitpunkt zur geldpolitischen Normalisierung verpasst zu haben. Schon fast dogmatisch hält die EZB an ihrem Inflationsziel fest, obschon strukturelle Faktoren wie die Globalisierung, neue Technologien und die Demografie die Inflation weltweit tief halten. Dies zeugt von einem ungebrochenen Glauben daran, dass die Wirtschaft einer Währungsunion mit 19 Mitgliedstaaten feingesteuert werden kann. Dennoch zeigt sich nur eine bescheidene Wirkung der zahlreichen Massnahmen auf Wachstum und Inflation. Die Kerninflation tendiert in der Eurozone nämlich seit Jahren seitwärts.

Kerninflation bleibt trotz expansiver Geldpolitik tief

Bittere Medizin mit starken Nebenwirkungen

Sowohl die Renditen auf Staatsanleihen als auch die Zinsen auf Firmenkredite und Hypotheken liegen auf historischen Tiefstständen. Trotzdem kann die Geldpolitik kein nachhaltiges Wachstum generieren. Das Tiefzinsumfeld bringt zudem bedeutende Nebenwirkungen mit sich. Namentlich könnten dies Preisblasen bei den Finanzwerten und eine daraus folgende Einkommens- und Vermögensungleichheit, eine erschwerte Finanzierung der Altersvorsorge, ein erhöhtes Risiko für Fehlinvestitionen oder die Bindung von unproduktivem Kapital bei Firmen sein. Eine unkonventionelle Geldpolitik kann im Krisenfall zwar erforderlich und sinnvoll sein, auf Dauer richtet sie jedoch mehr Schaden an, als sie Nutzen stiftet. Das vorläufige Fazit der Amtszeit von Mario Draghi fällt somit durchzogen aus.

"Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen."

Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das so sehr für die Schweiz steht und einen so guten Ruf innehat wie die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega. Die gemeinnützige, private Stiftung ist damit ein beliebter Arbeitgeber. Roger Mohr ist Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds sowie als Betriebswirtschafter für die Rega tätig. Wir sprechen mit ihm über die Besonderheiten der Rega-Pensionskasse und deren Anlagestrategie sowie über seine private Freizeitgestaltung.

Herr Mohr, sind Sie schon einmal mit zu einem Einsatz geflogen? Oder ziehen Sie als Pensionskassenleiter festen Boden unter den Füssen vor?

Als ich vor zehn Jahren bei der Rega angefangen habe, durfte ich 24 Stunden auf der Rega-Basis in Basel verbringen und drei Einsätze hautnah miterleben. Der eindrücklichste war jener am Titisee, bei dem wir unter schwierigen Wetterverhältnissen fliegen mussten. Besonders fasziniert hat mich die Zusammenarbeit der Crew.

Was haben Sie von diesem Einsatz mit ins Büro genommen?

Dieses Erlebnis hat meine Identifikation mit dem Unternehmen gesteigert und mein Verständnis für die Aufgaben der Crew-Mitglieder erhöht. Das kommt mir in meiner täglichen Arbeit zugute.

Sonja Spichtig im Gespräch mit Roger Mohr. Beim Kauf der neuen Ambulanz-Jets leitete er die Preisverhandlungen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Pensionskasse gegenüber der eines industriellen Unternehmens?

Beispielsweise durch das frühere Rücktrittsalter unserer Crew-Mitglieder: Bei Piloten liegt dieses bei 60 Jahren. Unser Durchschnittsalter im Rentnerbestand ist dadurch mit 68 Jahren relativ niedrig. Teilzeitbeschäftigte sind bei uns voll versichert. Die gute Pensionskasse ist ein wesentlicher Bestandteil des Lohnpakets, denn es gibt keine variablen Vergütungen. Alle haben den gleichen Sparbeitragssatz – über alle Altersgruppen hinweg. Wir sind ein soziales Unternehmen und bieten vorbildliche Sozialleistungen.

Was bedeutet das frühe Rentenalter für die Struktur Ihrer Pensionskasse?

Mit 400 Aktiven zu 105 Rentnern haben wir ein sehr gesundes Verhältnis. Darüber bin ich auch sehr froh.

Wie sind Sie eigentlich zur Rega gekommen?

Das Inserat war im "Alpha"- Stellenanzeiger ausgeschrieben und ich habe mich spontan beworben. Nach meinem Masterstudium in Finance & Accounting habe ich bei der Sparkasse Schwyz als Leiter Marketing und Kommunikation gearbeitet und war für Spezialprojekte zuständig. Unter anderem durfte ich eine unabhängige Vermögensverwaltung akquirieren und integrieren. Dank dieser Erfahrungen konnte ich mich gegen über 200 Bewerber für die Stelle als Geschäftsführer durchsetzen.

Jetzt sind Sie seit zehn Jahren da. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Meine Hauptaufgabe liegt im Investment Controlling der verschiedenen Portfolios sowie in der Erarbeitung und der Überprüfung der Anlagestrategien, abgestimmt auf deren Anlageziel und Verpflichtungen. Das heisst, ich kontrolliere die Börsentransaktionen der Vermögensanlagen, prüfe die Liquidität und analysiere die Marktsituation (taktische Entscheide, Rebalancing). Wir bewirtschaften die Vermögensanlagen aktiv und sind stark in der Auswahl der Produkte im Bereich Immobilien und alternative Anlagen involviert. Dafür stehe ich in regelmässigem Austausch mit unseren Asset-Managern. Ich bringe auch gerne neue Ideen in die Anlagekommission ein. Zudem bin ich durchschnittlich einmal pro Woche an Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen oder besuche Vermögensverwalter.

Analysieren und entscheiden gehören bei der Rega zu den Hauptaufgaben – in der Einsatzzentrale genauso wie beim Führen der Pensionskasse.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?

Das breite Aufgabengebiet. So war ich zum Beispiel auch in den Kauf unserer drei neuen Ambulanzjets bei der Rega involviert: Ich habe Preisverhandlungen geführt, Zahlungspläne erstellt und die Fremdwährungsbeschaffung organisiert. Zudem berate ich unsere Mitarbeitenden zu ihren persönlichen Finanz- und Vorsorgethemen. Sie wissen, wenn sie Fragen zu einer Hypothek oder ihrer (Teil-)Pensionierung haben, erhalten sie von mir unabhängigen Rat. Das Soziale ist mir wichtig.

Dann sind Sie bei der Personalvorsorgestiftung der Rega ja genau richtig. Wie wichtig ist es Ihnen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das Gutes tut?

Sehr wichtig. Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen. Und das Gefühl teile ich mit vielen Mitarbeitenden hier. Die Piloten, Rettungssanitäter, Flugärzte und das Bodenpersonal leisten gemeinsam einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft. Mein Job ist es, diesen Leuten eine gute Altersvorsorge zu sichern.

Die Swisscanto Anlagestiftungen unterstützen Sie dabei. Seit wann arbeiten Sie zusammen?

Die Partnerschaft besteht seit Jahrzehnten. Wir setzen verschiedene Produkte von Swisscanto ein.

Was hat sich in den letzten Jahren anlagetechnisch bei der Personalvorsorgestiftung der Rega verändert?

Wir haben in den letzten Jahren deutliche Verschiebungen vorgenommen und unsere Anlagestrategie aufgrund des sich verändernden Zinsumfeldes frühzeitig und laufend angepasst. Unter anderem haben wir unsere CHF-Obligationen-Quote auf unter 10 Prozent gesetzt und die alternativen Anlagen auf 20 Prozent erhöht. Alle Veränderungen müssen zum Gesamtkonzept passen und auf die Renditeerwartungen abgestimmt sein. Das ist ein wichtiges Anliegen des Stiftungsrates.

Wie setzt sich der Stiftungsrat der Personalvorsorgestiftung zusammen?

Paritätisch aus vier Personen: zwei Arbeitnehmer- und zwei Arbeitgebervertretern. Die Arbeitnehmer sind mit je einem Vertreter des Bodenpersonals und des fliegenden Personals vertreten. Die Stiftungsräte werden alternierend für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt.

Roger Mohr, Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds der Rega.

Wohin bewegt sich die Rega-Pensionskasse in den nächsten Jahren?

Das Ziel ist es, wenig zwischen Aktiven und Rentnern umzuverteilen. Aus unserer finanziellen Stärke heraus war das bisher auch nicht nötig. Zurzeit prüfen wir, ob wir von Perioden- auf Generationen­tafeln wechseln, um unsere Kasse auf die Langlebigkeit einzustellen und den technischen Zinssatz bei 2 Prozent beibehalten zu können. Die grössten Herausforderungen liegen in den rekordtiefen Aussichten hinsichtlich der künftigen Renditeerwartungen und darin, den Deckungsgrad langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von 120 Prozent halten zu können.

Gestatten Sie uns zum Schluss eine private Frage: Was tun Sie, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?

Ich treffe Freunde und koche gern für sie und meine Familie. Dabei achte ich auf eine gesunde Ernährung und kaufe regionale Bio-Produkte. Ausserdem bin ich oft in der Natur unterwegs, am Biken, Joggen und im Winter beim Langlauf und Skifahren.

Beim Skifahren? Ist Ihnen das nicht zu gefährlich, nach allem, was Sie hier mitbekommen?

Ich fahre bewusster als früher. Da hat mich meine Tätigkeit bei der Rega schon sensibilisiert. Gerade an Winterwochenenden, an denen die Pisten (über)voll sind, bleibe ich lieber im Tal. Oder ich gehe Langlaufen.

Sicher ein guter Entscheid. Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Mohr.