Von der "Gummi"-Fabrik zur Hightech-Firma – ein Gespräch über Innovation und Tradition

Urs Stadelmann ist Leiter der Pensionskasse der Dätwyler Holding AG. Er verwaltet 450 Millionen Franken. Daneben nimmt er noch weitere Aufgaben im Konzern wahr. Das funktioniert nur, weil er auf ein schlagkräftiges Team zählen kann und nach dem Credo "einfach und pragmatisch" handelt.  

Herr Stadelmann, können Sie in einfachen Worten erklären, was die Dätwyler Gruppe herstellt? 

Unsere Firmenchronik trägt den Titel "Die Kraft der unscheinbaren Dinge". Das finde ich sehr treffend. Denn unzählige, zumeist unscheinbare Produkte von uns finden sich in vielen Bereichen der Gesundheit, Sicherheit, des Konsums und der Mobilität. Zum Beispiel sind in jedem zweiten Auto weltweit Teile von Dätwyler eingebaut. In der Schweiz stellen wir Präzisionsgummiteile für Autos her oder Glasfaserkabel, die für schnelles Internet gebraucht werden. Ausserdem machen wir Nespresso-Kapseln. Anfangs waren wir nur für die Dichtung der Kapseln zuständig: Dazu tragen wir eine dünne Schicht Silikon auf die Kapseln auf. Dann hatten wir die Möglichkeit, einen weiteren Arbeitsschritt zu übernehmen. So stellen wir heute einen grossen Teil der Kapseln her, indem wir das Aluminium tiefziehen. Aber wir müssen immer überlegen, wie wir es noch besser machen und innovativ sein können – sonst werden wir von anderen Anbietern überholt. 

Urs Stadelmann leitet die Pensionskasse der Dätwyler Holding AG.

Sie sprechen von Innovationen – wie muss man sich diese vorstellen? 

Seit Kurzem stellen wir eine neue Art Kaffeekapseln her: Sie sind etwas grösser und haben einen aufgedruckten Barcode. So weiss die Kaffeemaschine genau, welcher Kaffee in der Kapsel steckt und mit welcher Wassertemperatur die Aromen am besten zur Geltung kommen. Es ist ein Produkt im Hochpreissegment, bei dem wir mit unserer hohen Verarbeitungsqualität punkten können.  

Gibt es noch weitere Beispiele? 

Die Dätwyler IT Infra liefert nicht mehr nur die Kabel selbst, sondern die ganze Infrastruktur, die für den Aufbau eines Rechenzentrums benötigt wird. Wir bauen das Zentrum auf und übergeben es dem Kunden schlüsselfertig. 

1915 wurde die Dätwyler als Kabel- und Gummifabrik gegründet. Stellen Sie noch einfache Kabel her? 

Nein. Wir mussten uns Nischen suchen. Mittlerweile gibt es Länder, die gewöhnliche Kabel in gleich guter Qualität herstellen, nur billiger. Wir haben uns auf hochwertige Kabel spezialisiert. So stellen wir hochwertige Datenkabel, Sicherheitskabel und Liftkabel her. Die Anforderungen dafür sind hoch: Die Liftkabel transportieren die ganzen IT-Informationen, etwa wenn jemand einen Knopf im Lift drückt, eine automatische Durchsage kommt oder das Licht angeht. Die Kabel müssen robust sein und dürfen sich im Liftschacht nicht verdrehen, wenn sie zusammen mit dem Lift hoch- und runterfahren – selbst nach tausend und mehr Fahrten. Auch im Gotthardtunnel liegen Dätwyler-Kabel. Sie sind Teil der Tunnel-Infrastruktur und müssen ebenfalls hohen Sicherheitsstandards genügen und beispielsweise feuerfest sein. Zudem durften wir neben dem Bundeshaus auch die Allianz-Arena in München und den Burj Khalifa in Dubai mit unseren Kabeln ausstatten. 

Das heisst, die einstige "Gummi" – wie sie auch heute noch von den Urnern genannt wird – ist inzwischen zu einer Hightech-Firma geworden? 

Ja, definitiv. Von der Produktion von Kupferdrahtkabeln und Fahrradreifen hin zu Dichtungstechnik, Pharmaverpackungen und Glasfaserkabeln. 

Wie kommt das im Bergkanton Uri an? 

Sehr gut! Wir beschäftigen in unseren Werken in Altdorf und Schattdorf rund 900 Mitarbeitende. Damit sind wir der grösste Arbeitgeber im Kanton. Die meisten Mitarbeitenden leben in der Region. Die Dätwyler Gruppe ist seit über hundert Jahren im Kanton verankert. Wir engagieren uns via die Dätwyler Stiftung auch stark bei Sport- und Kulturanlässen im ganzen Kanton. Zudem leistet die Firma auch Frondienste: Einmal im Jahr geht die Belegschaft das "Land scheenä" auf dem Urnerboden, das heisst, sie säubern die Alpweiden von Steinen. 

Sonja Spichtig im Gespräch mit Urs Stadelmann am Dätwyler-Hauptsitz in Altdorf.

Wie finden Sie die nötigen Fachkräfte für die Werke in der Schweiz? 

Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu beitragen. Zum einen sind die Mitarbeitenden sehr treu. Viele bleiben über mehrere Jahrzehnte in der Firma. Ich gratulierte einmal einem Mitarbeiter, der sein 50-jähriges Firmenjubiläum feierte. Er hatte bei seinem Eintritt ein ärztliches Attest gebraucht, das ihm bescheinigte, körperlich fit genug zu sein für die Arbeit. Schliesslich war er damals erst 15. Zum anderen bilden wir selbst Nachwuchs aus, zum Beispiel Polymechaniker. Natürlich sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Fachkräften. Gerade im Bereich Kunststofftechnologie müssen wir oft im Ausland rekrutieren: Es gibt in der Schweiz gar keine solche universitäre Ausbildung.  

Lassen sich diese Fachkräfte einfach überzeugen, in den Kanton Uri zu ziehen? 

Es gibt bei manchen schon eine Hemmung, weil sie glauben, dass wir etwas gar arg in den Bergen leben. Aber das täuscht. In einer halben Stunde ist man in Luzern oder in einer Stunde in Zürich. Manche ziehen es vor zu pendeln. Ausserdem gibt es viele, die es schätzen, die Berge und den See so nahe zu haben. 

Im Dätwyler-Werk in Schattdorf werden Nespresso-Kapseln produziert.

Wie kamen Sie in den letzten Jahren mit der Corona-Situation zurecht? 

Eigentlich ganz gut – zumindest in der Schweiz. Wir mussten die Produktion anpassen, sodass immer fixe Teams zusammenarbeiteten – und die Leute nicht zwischen den Teams rotierten. Wenn eine Person positiv getestet wurde, schickten wir das ganze Team in Quarantäne und ein anderes konnte an seiner Stelle eingesetzt werden. Die Mitarbeitenden mit Bürojobs hatten es einfacher – sie gingen ins Homeoffice.  

Und im Ausland? 

Da spüren wir die Pandemie immer noch. In China zum Beispiel, wo wir auch Werke haben, gelten noch sehr restriktive Einreisebestimmungen. Techniker, die in das Werk möchten, müssten fünf Wochen in Quarantäne. Das ist einfach nicht machbar. Deshalb haben wir flexible Lösungen gesucht. 

Wie sehen solche flexiblen Lösungen aus? 

Wir haben in unserem Werk in Indien zum Beispiel einen Monteur mit einer Bodycam ausgestattet. Unsere Monteure in Europa konnten die Maschinen im dortigen Werk durch seine Kamera sehen und ihm Anweisungen geben, an welcher Schraube er drehen musste. Diese Kontrollen sind sehr wichtig, damit wir unseren Produktionsstandard auch in anderen Ländern halten können.  

Sie verwalten die Pensionskasse der Dätwyler. Wie viele Menschen vertrauen Ihnen ihr Geld an? 

Wir haben über 820 aktive Mitglieder und 580 Rentner. Die Kasse umfasst ein Vermögen von rund 450 Millionen Franken.  

So viel Geld zu verwalten – ist das manchmal auch eine Bürde? 

Ja, klar. Besonders wenn die Aktienmärkte korrigieren wie bei der Finanzkrise 2008/09. Oder kürzlich, als Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Aber wir verfolgen eine langfristige, breit diversifizierte Anlagestrategie und können auf ein solides Anlagereglement zurückgreifen. Ausserdem verfügen wir über Wertschwankungs-Reserven, die uns über solche Phasen hinweghelfen.  

Sie arbeiten in einem 60-Prozent-Pensum als Pensionskassen-Verwalter – wie schaffen Sie das? 

Wir haben die Prozesse so weit wie möglich schlanker gemacht. Als ich vor 20 Jahren anfing, gab es noch vier verschiedene Pensionskassen für die Mitarbeitenden. Heute haben wir eine. Zudem kann ich auf die Unterstützung meines tatkräftigen Teams zählen. Unser Credo lautet "einfach und pragmatisch", wir bieten nur eine Pensionskassen-Lösung an – und nicht verschiedene Varianten. Das reduziert die Komplexität. Ausserdem hat sich der Bestand der Mitarbeitenden durch die Automatisierung reduziert. Ich weiss von meinem Vorgänger, dass die Werke in Uri einst doppelt so viele Mitarbeitende zählten. 

Sonja Spichtig und Urs Stadelmann mit einer Nespresso-Kapsel der neuesten Generation.

Sie sprechen die Vergangenheit an. In Sachen Pensionskasse war die Dätwyler eine Vorreiterin: Bereits 1948 gründeten Dätwylers eine Pensionskasse für ihre Arbeiter – lange bevor es Pflicht wurde.  

Ja, das stimmt. (Urs Stadelmann zeigt uns das originale Pensionskassen-Reglement von 1948.) Der patronale Gedanke war schon früh da: Die Chefs wollten für ihre Belegschaft vorsorgen und kümmerten sich um sie. Sie errichteten Reihenhäuser an der Dätwylerstrasse und bauten im Verwaltungsgebäude ein Schwimmbad für ihre Mitarbeitenden – es hiess, dass damals viele Urner noch nicht schwimmen konnten. In dem Becken sollten sie die Gelegenheit haben, es zu lernen.  

Sie betreuen eine mittelgrosse Pensionskasse. Inwiefern profitieren Sie von der Erfahrung der Swisscanto Anlagestiftungen als Partner? 

Die Swisscanto Anlagestiftungen stellen Anlagelösungen zur Verfügung, die für uns passen. Es ist eine Art Selbsthilfe-Organisation: Wir können uns über sie mit anderen Pensionskassen zusammenschliessen und eine grosse Einkaufsgemeinschaft bilden. Wir vergeben keine Vermögensverwaltungsmandate, sondern verwenden einzelne Bausteine. Dabei steht die Rendite der Produkte im Vordergrund, aber wir begrüssen es sehr, dass die Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil von Swisscanto ist. 

Nebst der Pensionskasse haben Sie noch andere Aufgaben in der Firma. Welche sind das? 

Ich unterstütze die Firma bei Akquisitionen. Kürzlich haben wir ein amerikanisches Unternehmen mit über 1’000 Mitarbeitenden gekauft, das Silikondichtungen für Steckverbindungen bei Elektroautos herstellt. Ausserdem bin ich für sämtliche Versicherungen der Gruppe zuständig. Besonders aktuell sind Cyberversicherungen, die uns bei Hackerangriffen schützen. Weiter bin ich für die internationalen Steuern, Transferleistungen und Kostenverrechnungen verantwortlich, da kommt mir meine Erfahrung als Wirtschaftsprüfer zugute. 

Das tönt herausfordernd. Also kein Nine-to-five-Job? 

Nein, definitiv nicht. Ich bin ein Frühaufsteher und meist um 7 Uhr im Büro. Sitzungen mit Fachleuten in China und Indien beginnen um 8 Uhr wegen der Zeitverschiebung. Jene mit den USA finden klassischerweise nach 16 Uhr statt – die Amerikaner stehen dafür um 5 Uhr morgens auf. Abends arbeite ich in der Regel bis 18 Uhr. Aber zugegeben, manchmal nehme ich Unterlagen mit nach Hause. 

Die Nespresso-Kapseln werden im Werk Schattdorf verpackt und zum Transport bereit gemacht.

Und am Wochenende? 

Da habe ich frei. Jedenfalls meistens. Es ist in unserer Firmenkultur verankert, dass man sich am Wochenende eine Pause gönnt. 

Wie erholen Sie sich? 

Ich gehe über Mittag meistens nach Hause zu meiner Familie essen! Es ist ein grosses Privileg für mich, mit meiner Frau und den beiden Kindern Zmittag essen zu können. Am Wochenende bin ich gerne mit meiner Frau zusammen auf dem E-Bike unterwegs, zum Beispiel auf dem Schattdorfer Hausberg, dem Haldi. Ich wandere auch sehr gern. Der Kanton Uri ist ja ein wahres Wanderparadies. Im Winter fahre ich natürlich auch viel Ski. Nur im Urnersee bin ich nicht so oft. Ich bin eher der Bergler. 

Eine letzte Frage: Auf dem Firmenparkplatz habe ich die Autokennzeichen UR 1, UR 2 und UR 3 entdeckt. Kann das Zufall sein? 

Nein (lacht). Die Nummern UR 1, 2, 3 und 7 gehören der Firma und dürfen von den Verwaltungsräten und Konzernleitungsmitgliedern benutzt werden, solange sie ihr Amt ausüben. Diese Konzentration ist in der Schweiz wohl einzigartig. Dies hat mit unserem Firmengründer Adolf Dätwyler zu tun. Er war begeistert von der Technik und hat deshalb schon sehr früh Autos gekauft.  

Urs Stadelmann, herzlichen Dank für das spannende Gespräch! 

 

Neue Anlagemöglichkeit für Schweizer Pensionskassen: Private-Equity-Anlagegruppe zum Thema Dekarbonisierung

Die Swisscanto Anlagestiftung plant eine Private-Equity-Anlagegruppe mit Namen "Swisscanto AST Private Equity World Carbon Solutions I", die sich voll und ganz dem Zukunftsthema Dekarbonisierung widmet. Pensionskassen finden damit eine vielversprechende Anlagelösung, die sowohl im Hinblick auf die angestrebte Rendite als auch bezüglich Diversifikation und Nachhaltigkeit Akzente setzt. Die Zeichnungsphase für das erste Closing ist angelaufen.

Autoren:
Andreas Nicoli und Charlotte Jacobs, Private Equity, Asset Management der Zürcher Kantonalbank als Vermögensverwalterin der Anlagegruppe "Swisscanto AST Private Equity World Carbon Solutions I"

Nicht erst seit den jüngsten Veröffentlichungen des Weltklimarates steht die Dringlichkeit der Dekarbonisierung ausser Frage. Die gute Nachricht: Es gibt Mittel und Wege, die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen zu beschleunigen. Wir erwarten weltweit ein jährliches Investitionsvolumen von schätzungsweise 2’500 Milliarden US-Dollar, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen. Das entspricht rund zwei bis vier Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts.

Der forcierte Einsatz von etablierten emissionsarmen Technologien, namentlich Wind-, Wasser- und Solarkraft, würde Schätzungen zufolge die Emissionen im Energiesektor um 65 Prozent reduzieren. Für die restlichen 35 Prozent braucht es Durchbrüche bei Technologien, die noch in den Kinderschuhen stecken.

Auf der Suche nach Dekarbonisierungs-Perlen

Dekarbonisierungs-Technologien haben über diverse Sektoren betrachtet disruptives Potenzial und stossen Investorinnen und Investoren die Türen zu einem grossen Markt mit attraktiven Renditechancen auf. Deshalb wird die Swisscanto Anlagestiftung eine Private Equity-Anlagegruppe zum Zukunftsthema Dekarbonisierung lancieren. Diese investiert zu 100% in die Swisscanto (CH) Private Equity World Carbon Solutions I KmGK – eine vorgelagerte Investitionsgesellschaft, welche gezielt nach vielversprechenden Start-ups sucht, die innovative CO2-arme Alternativen zu etablierten Produkten und Dienstleistungen herstellen. Der Fokus der Investitionen liegt in den folgenden drei Bereichen:

Energie

  • Energieeffizienz (CO2-armes Bauen, "intelligente Städte")
  • erneuerbare Energien exkl. Infrastruktur (Sonne, Wind, Wasser)
  • Verteilung und Speicherung von Energie (Netzwerke, Batterien)

Mobilität

  • umweltfreundliche Mobilität (öffentlicher Verkehr und Logistik, Individualverkehr)
  • alternative Kraftstoffe und Materialien (synthetische Kraftstoffe, Wasserstoff, leichte Materialien)

Ressourceneffizienz

  • CO2e-arme Industrie (Optimierung der Lieferketten, Kohlenstoffabscheidung und -speicherung)
  • Nahrungsmittelproduktion (pflanzliche Erzeugnisse, vertikale Landwirtschaft)
  • Kreislaufwirtschaft (Abfallmanagement, Recycling, nachhaltige Verpackungen)
  • Landmanagement (präzise Düngungen, intelligente Sensoren)

Zielrendite: 12–14% Netto-Internal-Rate-of-Return (Net IRR)

Eine attraktive Anlagerendite steht im Mittelpunkt jeder unserer Anlageentscheidungen. Das Portfolio soll global diversifiziert werden mit direkten und indirekten Unternehmensbeteiligungen.

Wer kann in die Anlagegruppe investieren?

Die Anlagegruppe "Swisscanto AST Private Equity World Carbon Solutions I" mit Domizil Schweiz steht Schweizer Vorsorgeeinrichtungen offen, die einen global diversifizierten und kostenoptimierten Baustein für die Anlageklasse Private Equity mit Fokus auf Dekarbonisierung suchen. Die minimale Kapitaleinlage liegt bei CHF 500ʼ000.–.

Interview

"Die Gewinner von morgen sind grün"

Die neue Anlagegruppe "Swisscanto AST Private Equity World Carbon Solutions I" ist die neuste Innovation aus der Asset-Management-Küche der Zürcher Kantonalbank. Wie das Portfoliomanagement die "Gewinner von morgen" sucht und findet, erläutert Andreas Nicoli, Leiter Private Equity, Asset Management der Zürcher Kantonalbank.

Interview mit Andreas Nicoli, Leiter Private Equity, Asset Management der Zürcher Kantonalbank

Was hat das Asset Management der Zürcher Kantonalbank motiviert, eine Private-Equity-Anlagelösung mit Fokus auf Investitionen in treibhausgasreduzierende Technologien aufzugleisen?

Wir sind überzeugt: Die Gewinner von morgen sind grün. Dazu zählen Unternehmen mit innovativen und skalierbaren treibhausgasreduzierenden Produkten und Dienstleistungen. Dieses Engagement hilft, die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Wie finden Sie passende Unternehmen, die Ihre Renditeziele Wirklichkeit werden lassen?

Unser breit aufgestelltes Investment-Team durchkämmt den europäischen Markt zusammen mit Expertinnen und Experten renommierter Drittparteien laufend nach passenden Investments. Für Anlagen in Nordamerika und Asien selektionieren wir die besten Asset Manager, erhalten Zugang zu deren Kollektivanlagen und bekommen gleichzeitig die Möglichkeit für Co-Investitionen. Interessiert uns ein Unternehmen, führen wir einen umfangreichen Due-Diligence-Prozess durch und evaluieren die Investitionsopportunitäten nach diversen Faktoren wie Renditeerwartung, Nachhaltigkeit, Management-Team, Marktopportunität oder Marktpositionierung. Zudem finden generell eine Due-Diligence vor Ort, Referenz-Gespräche sowie formelle Finanz-, Rechts- und Patent-Prüfungen statt.

Wie muss man sich die Umsetzung der Nachhaltigkeit im Anlageprozess vorstellen?

In Anlehnung an die bestehende Nachhaltigkeitspolitik für börsenkotierte Anlagen wurde erstmalig eine neuartige und themenfokussierte Umsetzung für nicht kotierte Anlagen etabliert. Diese fusst auf den drei Eckpfeilern Ausschlüsse, CO2e-Reduktion sowie ESG-Integration. Bei potenziellen Direktanlagen wird abgeklärt, ob deren Technologie bzw. Dienstleistung nachweislich CO2e reduziert, vermeidet oder bindet. Dabei können wir auf unser etabliertes ESG-Aktienresearch-Team zurückgreifen. Dieses unterstützt uns primär bei den Industrie-Analysen und organisiert den Zugang zu etablierten Unternehmen im Markt.

 

 

Rechtliche Hinweise
Dieses Dokument dient Informations- und Werbezwecken und stellt weder eine Beratung noch eine Empfehlung zum Erwerb, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumen­ten oder zum Bezug von Produkten oder Dienstleistungen dar, noch bildet es eine Grundlage für einen Vertrag oder eine Verpflichtung irgendwelcher Art. Dieses Dokument richtet sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger nach Art. 1 ASV. Das Dokument wurde von der Swisscanto Anlagestiftung mit geschäftsüblicher Sorgfalt erstellt und kann Informationen aus sorgfältig ausgewählten Drittquellen enthalten. Die Swisscanto Anlagestiftung bietet jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der darin enthaltenen Informationen und lehnt jede Haftung für Schäden ab, die sich aus der Verwendung des Dokuments ergeben. Dem Empfänger wird empfohlen, die Informationen allenfalls unter Beizug eines Beraters auf ihre Vereinbarkeit mit seinen persönlichen Verhältnissen sowie auf rechtliche, regulatorische, steuerliche und andere Auswirkungen zu prüfen. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen können von der Swisscanto Anlagestiftung jederzeit ohne vorgängige Ankündigung geändert werden. Es wird darauf hingewiesen, dass allfällige Angaben über die historische Performance keinen Indikator für die laufende oder zukünftige Performance darstellen. Allfällige im Dokument enthaltene Schätzungen bezüglich zukünftiger Renditen und Risiken dienen lediglich Informationszwecken. Die Swisscanto Anlagestiftung übernimmt dafür keine Garantie. Jede Investition ist mit Risiken, insbesondere denjenigen von Wert-, Ertrags- und allenfalls Wechselkursschwankungen, verbunden. Bei dem in diesem Dokument beschriebenen Produkt sind zusätzlich die mit Private-Equity-Anlagen verbundenen besonderen und erhöhten Risken zu beachten (beispielsweise Bewertungs-, Ausfall-, Liquiditätsrisiken etc.). Hinsichtlich der Angaben bezüglich Nachhaltigkeit wird darauf hingewiesen, dass es kein allgemein akzeptiertes Rahmenwerk und keine allgemeingültige Liste von Faktoren gibt, die es zu berücksichtigen gilt, um die Nachhaltigkeit von Anlagen zu gewährleisten. Hierbei handelt es sich nicht um ein unabhängiges Research und unterliegt demnach nicht der von der Schweizerischen Bankiervereinigung herausgegebenen "Richtlinie zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse". Alleinverbindliche Grundlage für die Zeichnung von Anteilen an der in diesem Dokument beschriebenen Anlagegruppe der Swisscanto Anlagestiftung bilden deren Prospekt mit integrierten Anlagerichtlinien sowie deren Zeichnungsschein.

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Pensionskassenstudie 2022: So hohe Renditen wie schon lange nicht mehr

Die Reserven sind geäufnet, die Umwandlungssätze gesenkt: Die Swisscanto Pensionskassenstudie zeigt ein erfreuliches Bild der beruflichen Vorsorge. Fachleute gaben Tipps, wie die Kassen sicher in die Zukunft steuern. 

2021 war für die Pensionskassen ein Jahr zum Einrahmen: Sie erwirtschafteten eine Rendite von durchschnittlich 8,4% – weit über dem 10-Jahres-Schnitt von 5,4%. Das war eine von vielen erfreulichen Neuigkeiten, die Dr. Stephanino Isele, Mitglied der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank, den rund 300 anwesenden Fachleuten mitteilte. Er referierte am 8. Juni im Messezentrum Zürich über die Resultate der neuesten Swisscanto Pensionskassenstudie, an der 475 Vorsorgeeinrichtungen teilgenommen hatten. Diese repräsentieren rund zwei Drittel der Versicherten in der Schweiz. 

Dr. Stephanino Isele, Mitglied der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank, zeigte sich erfreut über die Resultate der Pensionskassenstudie.

Kassen haben sich fit gemacht
Eine so erfreuliche Performance sei nicht selbstverständlich in einem Nullzins-Umfeld und bei steigender Lebenserwartung, sagte Dr. Stephanino Isele. Er wand den Pensionskassen ein Kränzlein. Sie hätten die komfortable Situation genutzt: "Durch die hohen Renditen konnten sich die Kassen fit machen für die Zukunft." Dies taten sie im Wesentlichen, indem sie an fünf Schrauben drehten: Sie passten die Verzinsung der Altersguthaben an, äufneten ihre Wertschwankungsreserven, verfeinerten ihre Prognosen für die zugrundeliegende Lebenserwartung sowie den Umwandlungssatz und passten die Sätze zur Verzinsung der Rentnerkapitalien an.  

Der Leiter Key Account Management der Zürcher Kantonalbank, Heini Dändliker, betonte, dass die Umverteilung von aktiven Zahlern zu Rentnern gestoppt werden konnte.

Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern gestoppt
Die hohen Renditen liessen auch das Polster der Kassen wachsen, auf einen Deckungsgrad von durchschnittlich 122,1%. Die Reserven verschafften mehr Handlungsspielraum bei der Verzinsung der Altersguthaben der aktiv Versicherten. "Das sind gute Nachrichten", sagte Heini Dändliker, Leiter Key Account Management bei der Zürcher Kantonalbank. Er erklärte: "So konnte die Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern gestoppt werden." 

Trend weg von Obligationen
Moderator Martin Spieler sprach rückblickend von einem Traumjahr für die Pensionskassen. Dagegen wirke die aktuelle Situation wie ein Albtraum. "Wie wirken sich die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Krisen auf die Pensionskassen aus?", wollte er wissen. Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank, beruhigte: "Die Pensionskassen sind gewappnet für Situationen, wie wir sie jetzt erleben." Sie hätten aus der Vergangenheit gelernt und ihren Anteil an Obligationen zurückgefahren. Dementsprechend hoch war der Anteil der Aktien in den Portfolios: Er erreichte rekordhohe 33,7%.  

Knackpunkt Anlagemix
So gut die Gesamtperformance der Kassen war: Die Unterschiede sind gross. Die Pensionskasse mit der niedrigsten Rendite verzeichnete gerade mal 1,3% Ertrag, bei der erfolgreichsten Kasse waren es 16% – über zehn Mal mehr. Iwan Deplazes erklärte: "Tendenziell performten grössere Kassen besser als kleine." Doch auch die Branche und die Vermögensallokation beeinflussten den Erfolg. "Ich staune, wie wenig in Bundesbern über die Anlagerendite geredet wird", sagte Iwan Deplazes. Die Rendite, der "dritter Beitragszahler", sei das Lebenselixier der Kassen.  

Iwan Deplazes, Leiter Asset Management der Zürcher Kantonalbank, unterstrich, wie wichtig eine gute Vermögensallokation für die Kassen ist.

BVG-Reform: bei vielen Kassen schon Realität
Überraschendes förderte die Studie zum Thema Koordinationsabzug zutage: Dieser ist derzeit auf CHF 25’095.festgelegt. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer nur denjenigen Lohnanteil bei der Pensionskasse versichern können, der sich aus dem Bruttojahreslohn abzüglich des Koordinationsabzugs ergibt. Das benachteiligt Geringverdiener und Teilzeitarbeitende – oft Frauen. Die Studie zeigt: 86% der befragten Einrichtungen sind heute bereits flexibler als vorgeschrieben: Sie gewichten den Koordinationsabzug nach Arbeitspensum, bieten einen variablen lohnabhängigen Abzug an oder verzichten ganz darauf. "Die meisten Pensionskassen sind der Politik weit voraus", fasste Heini Dändliker von der Zürcher Kantonalbank zusammen. Auch bei der Eintrittsschwelle sind die Kassen flexibler als das Gesetz dies vorschreibt. Derzeit liegt die Schwelle bei CHF 21’510.. Wer weniger verdient, muss damit rechnen, dass ihn eine Pensionskasse nicht versichert. Doch auch hier gewährt ein Viertel der Kassen bereits Arbeitnehmern mit tieferen Löhnen Zugang zur beruflichen Vorsorge. 

Doris Bianchi (Publica), Sergio Bortolin (Asga Pensionskasse), Diskussionsleiter Martin Spieler und Iwan Deplazes von der Zürcher Kantonalbank (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion.

Versicherte sollen von Gewinn profitieren
Bei der folgenden Podiumsdiskussion wollte Martin Spieler wissen, ob die guten Renditen denn nun zu steigenden Renten führen. Doris Bianchi von der bundeseigenen Pensionskasse Publica dämpfte die Erwartungen: "Erhöhungen laufender Renten sind momentan kein Thema." Die Publica versuche aber, an der Verzinsungsfront "einen Schritt vorwärtszumachen" und den aktiv Versicherten höhere Verzinsungen anzubieten. Sergio Bortolin vertrat die Asga Pensionskasse, eine Gemeinschafts-Vorsorgeeinrichtung für KMU. Er sprach sich ebenfalls gegen eine Erhöhung der Renten aus. Er sieht eine andere Möglichkeit, Gewinne der Aktienmärkte weiterzugeben, etwa mit einer 13. Rente. Schliesslich fragte Martin Spieler, wie sich die Pensionskassen vor einer Inflation schützen können. Iwan Deplazes redete Klartext: "Sie müssen ihre Anlagestrategien überprüfen." Konkret sollen sie ihr Anlagewissen ausbauen und die Anlagen diversifizieren. Deplazes appellierte an die Kassen, Polster und Risikofähigkeit gezielt auszunutzen. Denn: "Ein nicht eingegangenes Risiko ist auch ein Risiko." 

Zur Medienmitteilung

Zu den Studienresultaten und einzelnen Statements

Zu den Bildern der Ergebnispräsentation der Pensionskassenstudie in Zürich

 

SNB wagt sich aus der Deckung

Schweizerische Nationalbank erhöht den Leitzins

Nachdem die US-Notenbank (Fed) bei ihrer Sitzung vom 15. Juni den Leitzins um 0.75% angehoben hat und die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte bereits vorher auf baldige Zinsschritte vorbereitet hatte, wagte sich nun auc​​h die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus der Deckung. Sie erhöhte per 17. Juni überraschend den SNB-Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben um einen halben Prozentpunkt auf -0.25%. Die steigende Inflation bereitet der SNB Sorgen. Zwar sind die Preissteigerungen in der Schweiz im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ausgefallen, dennoch sah sich die SNB gezwungen, bereits zeitlich vor der EZB zu handeln, denn das Mandat der Preisstabilität hat oberste Priorität. Die SNB behält sich zwar vor, weiterhin am Devisenmarkt aktiv zu bleiben, der Schweizer Franken wird nun hingegen nicht mehr als hoch bewertet taxiert.

Diesjährige Inflation in der Schweiz klar über dem Zielband

In ihrer neuen bedingten Inflationsprognose geht die SNB davon aus, dass die Inflation in der Schweiz in diesem Jahr mit 2.8% klar über dem Notenbankziel von 0 bis 2% zu liegen kommt. Für nächstes Jahr rechnet sie dank der aktuellen Zinsanhebung mit einer Inflationsrate innerhalb des Zielbandes, namentlich mit 1.9%. Wie die SNB schreibt, ist es nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden. Unserer Ansicht nach ist es sehr wahrscheinlich, dass die SNB die Inflation aggressiver bekämpfen wird und bereits bei ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung den Leitzins nochmals um 0.5% anhebt. Damit könnte die Negativzinspolitik im September dieses Jahres beendet werden. Den Referenzsatz der SNB sehen wir neu per Ende 2022 bei 0.5%.

Neubewertungen an den Obligationen- und Aktienmärkten

Die Schweizer Zinsen haben bereits im Nachgang der letzten EZB-Sitzungen über sämtliche Laufzeiten deutlich angezogen. Innerhalb einer Woche sind die Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen markant angestiegen. In Anbetracht der anhaltenden Inflationsüberraschungen agieren die bedeutenden Notenbanken deutlich restriktiver und die Finanzmärkte wie auch wir rechnen nun mit höheren Leitzinsniveaus in Europa. Das hat wiederum zu Neubewertungen an den Obligationenmärkten geführt und rechtfertigt am langen Ende der Zinskurve höhere Realrenditen. Die Markterwartungen an eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken sind nun in den Obligationenkursen reflektiert, weshalb wir beim Renditeanstieg mit einer zwischenzeitlichen Verschnaufpause rechnen. Als initiale Reaktion auf die SNB-Kommunikation hat auch der Schweizer Franken an Stärke gewonnen. Da sich die Zinsdifferenz zu anderen Währungsregionen nicht einengen wird, rechnen wir nicht mit einer nachhaltigen Aufwertung des Schweizer Frankens. Als Reaktion auf die Zinsentscheidung der SNB baute der Schweizer Aktienmarkt seine Verluste weiter aus. Dabei verloren die zinssensitiven Finanzdienstleister sowie die zyklischen Sektoren überdurchschnittlich, während sich die defensiven Branchen etwas besser entwickelten, aber ebenfalls weit im Minus lagen.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

 

Im schwierigen Umfeld Wachstum erzielen und Hochleistungsteams führen

Bericht über die Anlegerversammlungen der Swisscanto Anlagestiftungen

Unter dem imposanten Dach des KKL, mit Blick auf See und Stadt, fanden in Luzern die 48. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung und die 15. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung Avant statt. Sie boten spannende Fachvorträge und einen Blick hinter die Kulissen des Spitzenfussballs, mit überraschenden Parallelen zur Wirtschaftswelt.

Stiftungsratspräsident Davide Pezzetta begrüsst die Gäste im KKL Luzern.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

Stiftungsratspräsident Davide Pezzetta hiess die Gäste willkommen und übergab das Wort an Leo Grüter, Mitglied der Geschäftsleitung der Luzerner Kantonalbank, der den Anwesenden den Kanton Luzern jenseits von Touristenattraktionen näherbrachte. "Ein Wirtschaftszentrum geprägt von vielen gesunden KMUs." Der gebürtige Willisauer erklärte zur Erheiterung der Anwesenden auch die richtige Technik beim Verzehr der berühmten Willisauer-Ringli: "Falsch, wenn es knirscht."

Leo Grüter, Mitglied der Geschäftsleitung der Luzerner Kantonalbank, erklärt zur Erheiterung der Anwesenden die richtige Technik beim Verzehr der berühmten Willisauer-Ringli.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, berichtete über das von der Corona-Pandemie geprägte Geschäftsjahr, in dem sich die Finanzmärkte deutlich dynamischer als die Realwirtschaft entwickelten. Die Swisscanto Anlagestiftungen verwalteten per 30. Juni 2021 ein Anlagevermögen in der Höhe von 19.6 Mrd. CHF und konnten damit selbst im schwierigen Umfeld wiederum zulegen.

Alle Traktanden der Anlegerversammlungen wurden nahezu einstimmig angenommen. Die drei bisherigen Stiftungsräte Davide Pezzetta, Dr. Stephanino Isele und Thomas Keller wurden für weitere vier Amtsjahre wiedergewählt, ebenso wie die Revisionsstelle KPMG. Es folgte der traditionelle Market Outlook, vorgetragen von Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

"Every spread you’ll take, I’ll be watching you!" Mit diesem abgeänderten Zitat eines bekannten Popsongs fasste Zoffoli treffend zusammen, was die Arbeit am Anlegermarkt gegenwärtig ausmache: "Feinarbeit mit der Lupe, um Renditen zu finden." Der Höhepunkt der Wirtschaftserholung sei erreicht und mit einer Verlangsamung der Konjunktur zu rechnen. Zoffoli zeigte unter anderem auf, dass der US-Arbeitsmarkt vor Covid noch 150 Millionen Arbeitnehmer gezählt hatte und jetzt bei 140 Millionen liege. "Es wären Wachstumszahlen von 1 Million pro Monat nötig, um innerhalb eines Jahres ungefähr den Stand vor der Pandemie zu erreichen – ein sehr ehrgeiziges Ziel. "Während Optimisten zwar eine Welle des Aufschwungs erwarteten – teils begründet aus Investitionen in die Infrastruktur, teils wegen Massnahmen für den Klimaschutz –, führten Realisten die abnehmende Globalisierung und die Position Chinas ins Feld, die sich nicht mehr zur Konjunkturlokomotive eigne. "Weiter im Schneckentempo", befürchtet Zoffoli, "immerhin mit moderatem Wachstum." Die Inflation mache vor allem im angelsächsischen Raum und in der Eurozone Sorgen, jedoch kaum in der Schweiz oder in Japan. Überhaupt zeige sich Japan bei Staatsanleihen wieder einmal als "Fels in der Brandung, da sich dort generell wenig bewegt, weder nach oben noch nach unten." China ebenso wie die Emerging Markets betrachtet Zoffoli dagegen mit Vorsicht. Seine Empfehlung: "Bei Staatsanleihen inflationsgeschützte Produkte kaufen und auf lange Laufzeiten achten", da zu erwarten sei, dass die grosszügige Geldpolitik im angelsächsischen Raum langsam abgebaut werde. Dies würde kurzfristig zwar negative, langfristig aber positive Auswirkungen haben. Er und sein Team seien generell "bis Ende Jahr defensiv positioniert."

Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank gibt Einblicke in seinen Market Outlook.

"Wie führen wir Hochleistungsteams?" Für die Beantwortung dieser Frage führte Dr. Bernhard Heusler, ehemaliger Wirtschaftsanwalt, Ehrenpräsident FC Basel und seit 2018 Partner der Beratungsagentur HEUSLER WERTHMÜLLER HEITZ, Basel, die Anwesenden im zweiten Teil des Anlasses hinter die Kulissen des Spitzenfussballs. Dort deckte er ebenso eindrückliche wie unterhaltsame Parallelen zur Wirtschaftswelt auf: "Die Fussballwelt als Teil des globalen Entertainment-Business ist wenig romantisch", erklärte er. "Letztlich geht es auch hier darum, mit und aus den vorhandenen Ressourcen das Maximum herauszuholen." Packende Videos und Bilder begleiteten Heuslers 10 Learnings, die dem Motto folgten: "In der Führung geht es nicht darum, der Beste zu sein. In der Führung geht es darum, gemeinsam besser zu werden."

"Am Fussball lieben wir das Unberechenbare und Unkontrollierbare des Spiels und im Unternehmen hassen wir es", fasste Heusler die Ambivalenz zusammen, die aus der Kombination aus Spiel und Gewinnverpflichtung entstehen. Wie sind Teams in einem Umfeld zu führen, in dem "Hysterie der Normalfall" ist? An einheitliche, immer geltende Führungstheorien glaubt Heusler nicht. Führung sei auch weder Privileg noch Verdienst, sondern "eine tägliche, persönliche Aufgabe und Herausforderung. Das ist der Preis der Rolle, die man gewählt hat." Mit zu dieser Rolle gehöre es allerdings auch, diejenigen zu ertragen, die keine Verantwortung tragen. Oftmals gefielen diese sich in der Rolle der "Experten danach", die aus bequemer Position alles beobachteten, beurteilten und verurteilten. Gerade diesen "Helden der dritten Halbzeit" hätte Heusler sich manchmal gerne entzogen, bekannte er, doch: "Wer Macht hat, hat automatisch Rechenschaftspflicht und wird gerade dafür letztlich auch entsprechend honoriert."

Dr. Bernhard Heusler, ehemaliger Wirtschaftsanwalt, Ehrenpräsident FC Basel und seit 2018 Partner der Beratungsagentur HEUSLER WERTHMÜLLER HEITZ in Basel, führt die Gäste hinter die Kulissen des Spitzenfussballs.

Seine oft kritisierte Stärke sei seine Dialogbereitschaft gewesen, erklärte Heusler. "Sich aktiv mit Andersdenkenden auseinandersetzen muss jedoch nicht heissen, die Front zu wechseln. Im Dialog können Chancen wahrgenommen werden, beispielsweise, Einzelereignisse mit hohem Potenzial zu Imageschaden zu antizipieren oder sogar zu verhindern." Zuckerbrot und Peitsche – aus dem Helikopter verabreicht – funktioniere in einem Hochleistungsumfeld nicht, war der ehemalige Clubpräsident überzeugt, sondern Nähe und Kontinuität. "Grundvertrauen ins Team ist das Fundament der individuellen und kollektiven Leistungsoptimierung." Dafür genüge es nicht, Anfang Jahr den Termin fürs Weihnachtsessen festzusetzen und sich bis dahin tunlichst aus dem Weg zu gehen. Besser sei es, sich gemeinsam über jedes Tor zu freuen – etwa bei einem Feierabendbier. Es sei richtig, dass die Spieler auf dem Platz schon das erste Goal in der fünften Minute ausgelassen feierten, obwohl sie noch nicht wüssten, wie das weitere Spiel verlaufen werde. Denn: "Was ist eigentlich der Sinn des Fussballs? Titel, Erfolge, Geld?", fragte Heusler in die Runde, um die Frage dann selbst zu beantworten: "Freude!"

Sichtlich heiter gestimmt und inspiriert begab sich das Publikum zum Mittagessen, um die Gelegenheit zu nutzen, sich "endlich wieder persönlich auszutauschen", wie Sonja Spichtig am Anfang der Veranstaltung schon erfreut konstatiert hatte.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

Ein langer Atem und eine funktionierende Familiengemeinschaft prägen das 200-jährige Traditionshaus

Lucas Locher, Vertreter der sechsten Generation, hat die Geschäftsleitung des Familienunternehmens Leder Locher AG im vergangenen Jahr abgegeben. Heute konzentriert er sich auf das Amt des Pensionskassenleiters. Mit Sonja Spichtig spricht er über die bewegten Zeiten des Traditionshauses am Zürcher Münsterhof, das seit bald zwei Jahrhunderten stilvoll Reisende mit qualitativ hochwertigen Accessoires verwöhnt.

Herr Locher, wie ist es, zu einer Unternehmerfamilie zu gehören, deren Geschäft Zürcherinnen und Zürchern geradezu als Institution für stilvolle Accessoires gilt?

Es bedeutet auf jeden Fall nicht, ins gemachte Nest geboren zu werden! Ich habe erst einmal eine Lehre zum Metallbauschlosser absolviert, aber schon während der Lehre am Wochenende in der Gastronomie gejobbt, um Geld zu verdienen. Damit finanzierte ich mir Reisen nach Ecuador, um eine junge Dame zu besuchen, die als Austauschschülerin in Zürich mein Herz erobert hatte. Fernbeziehungen gab es damals schon – wobei sie unendlich viel komplizierter waren. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie ein Briefwechsel aussieht, bei dem die Botschaften jeweils fünf Wochen lang unterwegs sind. Wir haben das fünf Jahre lang durchgehalten – und sind heute noch verheiratet.

Sonja Spichtig im Gespräch mit Lucas Locher, Leiter der Personal-Stiftung der Leder Locher AG

Sie waren von 2000 bis 2020 in der Geschäftsleitung und ab 2010 Geschäftsführer der Leder Locher AG. Wann und warum sind Sie in die Fussstapfen Ihres Vaters und all der anderen Vorväter getreten?

Das hing mit einer Diagnose zusammen, die ich vor rund dreissig Jahren erhielt: Multiple Sklerose. Vorher hatte ich jahrelang einen Gastrobetrieb geleitet, später bei SR Technics gearbeitet, doch dann war klar, dass ich eine körperlich weniger belastende Arbeit brauchte. Auswandern nach Ecuador oder eintreten ins Familiengeschäft – das waren die für mich denkbaren Optionen. Inzwischen hatte ich auf dem zweiten Bildungsweg das KV und eine Managementausbildung nachgeholt und konnte die Stelle des Buchhalters übernehmen, der gerade in dieser Zeit in Pension ging.

Hat sich damals Ihr Blick auf die Familiengeschichte verändert?

Bei der Durchsicht der Firmenchroniken haben mich die Berichte aus den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren ganz besonders beeindruckt. Damals musste das Geschäft ähnlich schwierige Zeiten überstehen wie wir heute. Unsere letzten eineinhalb Jahre waren leider überschattet von Filialschliessungen. Der Detailhandel hat vor Corona schon stark gelitten, doch die Pandemie hat alles noch schwieriger gemacht. In den Chroniken entdeckte ich: In den Kriegsjahren waren meine Vorfahren unglaublich erfinderisch – lange bevor Innovation ein Begriff war. Damals wurde im Nachbarhaus ein Engrosmarkt für Lederwaren eingerichtet und man entwickelte neu auch Produkte für Tiere, Hundehalsbänder und -leinen etwa oder Halfter für Kühe und Pferde. Die Parallele zur neu erwachten Tierliebe der Schweizer während der Pandemie fasziniert mich. Ist es nicht interessant, dass sich die Menschen in Krisenzeiten damals schon – und heute wieder – vermehrt Tieren zuwenden?

Was denken Sie, woran liegt das?

Vielleicht spenden Tiere ihnen Trost oder ein bisschen Sicherheit. Wegen der notwendigen Isolation möchten einige Menschen vielleicht mehr Nähe spüren oder auch einfach wieder in Bewegung kommen.

Es ist ja höchst erfreulich, dass wir wieder schöne Geschäfte besuchen dürfen wie dieses hier am Münsterhof! Gehört das Haus der Familie?

Ja, die Hausnummern 18 und 19 – wir nennen sie "das gelbe und das graue Haus" – sind immer noch im Besitz der Familie respektive der "Gemeinderschaft". Diese Sonderform der Erbengemeinschaft wurde einst gewählt, um den Besitz nach dem Tod des Gründers nicht aufzuteilen, sondern gemeinsam weiterzuführen. Die rund 200 Mitglieder der Familie Locher – übrigens teilweise weit über den Erdball verstreut – bilden eine der letzten noch funktionierenden Gemeinderschaften in der Schweiz.

Lucas Locher, Vertreter der sechsten Generation, wünscht sich: ‘Leder Locher’ soll nicht nur der Grossmutter ein Begriff sein, sondern auch ihrer Enkelin.

Mit ihrem Neffen Valentino Velasquez führt jetzt ein Vertreter der siebten Generation das Geschäft.

Richtig! Es braucht junge Leute, die die heutigen Trends verstehen und ein jüngeres Publikum ansprechen. ‘Leder Locher’ soll ja nicht nur der Grossmutter ein Begriff sein, sondern auch ihrer Enkelin! Wir kämpfen leidenschaftlich um die junge, qualitäts- und umweltbewusste Kundschaft. Unsere Produktion haben wir vor Jahren aufgegeben, die Zusammenarbeit mit innovativen Designern und Ateliers jedoch verstärkt. Sie finden bei uns Taschen aus "veganen" Textilien – was früher übrigens einfach Kunstleder hiess – sowie Produkte aus neuartigen Materialien wie Apfelschalen, Bambus oder sogar gebrauchten Zementsäcken aus Kambodscha.

Nach Ihrem Rückzug aus dem operativen Geschäft bleiben Sie Leiter der Personal-Stiftung der Leder Locher AG. Was reizte Sie an diesem Amt?

Wir sollten eher von "Kässeli" sprechen, das Anlagevermögen der Kasse ist überschaubar. Ich bin nach und nach ins Thema hineingewachsen, geleitet von meinen welt- und sozialpolitischen Interessen. Die Kombination aus Finanz- und Realwirtschaft ist spannend, und noch mehr sind es deren Wechselwirkungen. Was am Finanzmarkt passiert, kommt früher oder später auch in der Realwirtschaft an.

Es ist ungewöhnlich, dass ein so kleines KMU eine unabhängige Kasse führt.

Natürlich muss die Frage gestellt werden – und wir stellen sie uns regelmässig – ,ob wir uns nicht besser einer Sammelstiftung anschliessen. Bisher haben wir davon abgesehen, weil uns die Nähe zu den Mitarbeitenden wichtig ist. Sie sind froh, sich mit ihren Fragen an jemanden wenden zu können, den sie kennen. Je älter sie sind, desto öfter kommen sie mit Fragen zu mir. Mein Grossvater, dem das Wohl der Arbeitnehmenden sehr am Herzen lag, hat jeweils gesagt: "Wir können keine hohen Löhne bezahlen – also versuchen wir bei den Lohnnebenkosten so viel wie möglich für unsere Mitarbeitenden herauszuholen." Der Arbeitgeberbeitrag lag bei uns früher bei 80 und heute bei immer noch grosszügigen 60 Prozent.

Das Traditionshaus am Zürcher Münsterhof verwöhnt seit bald zwei Jahrhunderten stilvoll Reisende mit qualitativ hochwertigen Accessoires.

Auf der Firmenwebsite ist zu lesen, "The Locher Way" zeichne sich unter anderem aus durch eine ordentliche Prise Humor. Ist das auch Ihr Motto?

Ich bin auf jeden Fall ein positiv denkender Mensch. Negativ zu denken führt zu nichts. Vielleicht ist dies einfach mein Naturell, vielleicht wurde mir durch meine Geburt in Peru etwas von der südamerikanischen Lebensfreude eingeimpft. Als ungeduldiger Mensch stolpere ich manchmal, weil ich meine Behinderung vergesse und nicht genügend langsam gehe – für meine jeweilige Begleitung kann dies unangenehm sein, doch ich lache darüber. Ein guter Freund, ein Judoka, hat mir gezeigt, wie ich leichter falle. Ich verletze mich höchstens an den Händen, nie am Kopf.

Mir scheint, diese Kraft, einen Fall zu überstehen und rasch wieder aufzustehen, zieht sich auch durch die Firmengeschichte der Leder Locher AG. Was wünschen Sie dem Unternehmen zum 200-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr?

Sie haben recht: unsere Geschichte war alles andere als ein ruhiger Fluss. Heute befinden wir uns wieder in turbulenten Gewässern. Ich wünsche uns allen, dass wir nächstes Jahr miteinander feiern und an die guten alten Zeiten anknüpfen können – mit guten neuen Zeiten.

Danke, Herr Locher, für das Gespräch und den Wunsch – dem wir uns natürlich sehr gerne anschliessen.

Inflation oder Reflation?

Sind die Inflationssorgen unbegründet?

Die Teuerung steigt an – das lässt sich nicht verleugnen. Dennoch herrscht in Fachkreisen Einigkeit darüber, dass die aktuelle Inflationsentwicklung nur temporärer Natur ist und die Notenbanken die Situation im Griff haben. Die Angst vor einer unkontrollierten Geldentwertung ist somit überzogen. Doch wie gelangen Experten zu dieser Einschätzung? Inflation ist keine Frage von Schwarz und Weiss. Sie muss im zeitlichen Kontext und unter Berücksichtigung zukünftiger Herausforderungen bewertet werden. Die 1970er-Jahre haben gezeigt, dass ein Inflationsanstieg auch bei einer schrumpfenden Wirtschaft mit hoher Arbeitslosigkeit (Stagflation) möglich ist, und die letzten 20 Jahre gelten als Evidenz dafür, dass eine Ausweitung der Geldmenge nicht automatisch eine Erhöhung des Preisniveaus nach sich zieht.

Entwicklung Geldmenge USA und Inflation G7

In den letzten Dekaden führte der globale Handel zusammen mit dem technologischen Fortschritt dazu, dass Waren immer schneller und günstiger beim Endkonsumenten ankamen. Die Pandemie hat dieses Handelsnetzwerk auf den Ebenen Produktion und Logistik empfindlich gestört. Gleichzeitig verhinderten Notenbanken und Regierungen den Konsumeinbruch. Das Angebot hinkt der Nachfrage hinterher und es braucht Geduld, bis sich das Gleichgewicht wieder einpendelt.

Eine griffige Reflationierung in der Praxis

Unter Reflationierung versteht man eine von der Geld- und Fiskalpolitik unterstützte Konjunkturerholung nach einer Rezession. Während dieser Phase sind eine erhöhte Inflation und Kapazitätsengpässe nicht aussergewöhnlich. Zudem sorgt das tiefe Preisniveau in der vorangehenden Rezession für eine niedrige Vergleichsbasis, sodass die zukünftigen Preisveränderungsraten im Rahmen einer Normalisierung nach oben schnellen – der sogenannte Basiseffekt. Energie- und Rohstoffpreise reagieren am schnellsten und haben auch aktuell den grössten Anteil am Basiseffekt.

Aktuelle Inflationstreiber in %

Im Gegensatz zu früheren Rezessionen hat das hohe Tempo, mit der die Regierungen und Notenbanken auf die Krise reagiert haben, den Schock auf die Bilanzen des Privatsektors (Haushalte und Unternehmen) absorbiert und die Einkommenserwartungen stabilisiert. In Kombination mit dem Onlinehandel hat das den für eine Rezession üblichen Konsumeinbruch verhindert. Das sorgt zusammen mit dem pandemiebedingten schwachen Angebot und den Engpässen in der Energieversorgung für einen ausgeprägten, aber vorübergehenden Preisdruck.

In den USA ist Inflationsdynamik ausgeprägter

Anders als in Europa waren Instrumente wie die Kurzarbeit in den USA nicht etabliert, sodass die US-Regierung ungefiltert immense Mengen an Geld an die Haushalte verteilen musste. Dies hat das Einkommen vieler Haushalte in den USA nicht nur stabilisiert, sondern gar verbessert. Helikoptergeld, wie viele behaupten. Das in Krisenzeiten sonst gedämpfte Konsumverhalten der US-Haushalte wurde dadurch nicht nur gestützt, sondern sogar angekurbelt. Kurzfristig erhöht das zwar die inflationäre Dynamik, mittelfristig kommt es aber auf die Einkommenserwartungen an. Wenn die Haushalte glauben, dass sie zukünftig mehr Einkommen zur Verfügung haben werden, dann werden sie munter Geld ausgeben und die Teuerung anheizen. Wenn aber feststeht, dass die bedingungslose Geldzuwendung einmalig war und der Staat das zusätzliche Einkommen später mittels Steuererhöhungen wieder eintreibt, legt sich der Privatsektor einen Teil des Geldes zum Sparen auf die hohe Kante. So ist es wohl kein Zufall, dass genau jetzt in den USA die politische Debatte über Steuererhöhungen beginnt.

Produktivität als zukünftiger Inflationshemmer

Die enorm expansive Geld- und Fiskalpolitik und die Lieferengpässe sprechen für ein inflationäres Umfeld. Insbesondere wenn unvermeidbare strukturelle Effekte wie der Energiewandel, die abnehmende Erwerbsbevölkerung und die Bemühungen, die Importabhängigkeit wichtiger Güter zu reduzieren, hinzukommen. Gegen den inflationären Druck aus der Tendenz zur Deglobalisierung gibt es indes ein Gegenmittel: die Produktivitätssteigerung. Die Pandemie hat gezeigt, dass wenn weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die Wirtschaft in der Lage ist, innovative Methoden zu entwickeln, um die Arbeit mit weniger Arbeitskräften oder durch Maschinen verrichten zu lassen. Voraussetzung dafür ist, dass entweder das höhere Lohnniveau durch einen höheren Output kompensiert wird oder die Produktionskosten bei gleichbleibendem Output sinken. Ein Beispiel sind Investitionen in Klimaschutz und Energiewende – sie haben zwar ihren Preis, fördern aber Innovationen und steigern die Wertschöpfung knapper Ressourcen. Auch das ist eine Form der Produktivitätssteigerung und somit inflationshemmend. In der Zwischenzeit ist die erhöhte Inflation der Knappheit einzelner Güter und Arbeitskräfte und somit der Pandemie zuzuschreiben. Diese ist hartnäckig, aber temporär. Ohne unvorhersehbare Schocks deutet alles auf eine Reflationierungsphase mit einem vorübergehenden Preisniveauanstieg hin.

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

Zwei Grenzgänger mit Leidenschaft für die Vorsorge

In einer bewegten Zeit treten zwei neue Stiftungsräte ihre Aufgaben an. Die Anlageexpertin Dr. Martina Müller-Kamp verbrachte die meiste Zeit ihres Berufslebens im Finanzbereich. Heute ist sie Leiterin der Geschäftseinheit Marktleistungen und Geschäftsleitungsmitglied der Graubündner Kantonalbank. Der Jurist Daniel Stürzinger ist eidg. dipl. Pensionskassenleiter und Direktionsmitglied der Ausgleichskasse 66.1 der Waadtländer Baumeister. Er leitet die Pensionskasse des Waadtländer Baumeisterverbandes. Sonja Spichtig hat mit den neuen Stiftungsräten gesprochen, um mehr über die Personen hinter den Experten zu erfahren.

Martina Müller-Kamp, Sie stammen ursprünglich aus Bonn, haben in Düsseldorf und Vaduz gearbeitet und sind seit 2019 Geschäftsleitungsmitglied der Graubündner Kantonalbank in Chur. Alle Ihre beruflichen Stationen lagen bisher am Rhein. Absicht oder Zufall?

Martina Müller-Kamp: Kompletter Zufall. Natürlich ist das meiner Familie auch aufgefallen. Spasseshalber fragen wir uns manchmal, wie lange eine Flaschenpost von Chur ins 675 Kilometer entfernte Bonn wohl unterwegs wäre. Einmal habe ich mich weiter vom Rhein entfernt und in Helsinki gelebt. Es ist sehr spannend, seinen Heimatort zu verlassen, selbst wenn man in Europa bleibt. Zwar sind wir alle Europäer, doch Menschen und Kulturen sind überall anders. Das lehrte mich Demut. Als ich vor 13 Jahren zur Graubündner Kantonalbank kam, hiess es, Mitarbeitende müssen zum Unternehmen passen – also am liebsten Bündner sein. Doch inzwischen ist klar: Gemeinsame Werte sind noch wichtiger. Als konsensorientierte Deutsche scheine ich da ganz gut zu passen. Heute sind meine Söhne und ich Schweizer und hier sehr zuhause.

Sonja Spichtig mit den beiden neuen Stiftungsräten Martina Müller-Kamp und Daniel Stürzinger.

Daniel Stürzinger, auch Sie sind ein Grenzgänger. Ursprünglich stammen Sie aus Luzern, haben in Lausanne studiert und leben heute auch dort. Wie ist es dazu gekommen?

Daniel Stürzinger: Stimmt, von Luzern nach Lausanne – das liegt nicht so auf der Hand. Bei mir waren es zwei Beweggründe: In Luzern gab es früher keine Uni, wer studieren wollte, musste also weggehen. Da ich Sprachen liebe – ursprünglich wollte ich sogar Dolmetscher werden –, schwankte ich zwischen Lausanne, Genf und Neuenburg. Als ich die Uni in Lausanne sah, war es um mich geschehen. Diese wunderschönen Gebäude direkt am See, unschlagbar. Den Röstigraben überquere ich als engagierter Fasnächtler auf jeden Fall für die Fasnacht. Seit 1990 bin ich mit den "Spöitzchnöbus" unterwegs, der einzigen "Guggemusig" mit Blockflöten. Wenn wir auf der Kapellbrücke spielen, halten die Leute jeweils an und staunen!

Eine Anlageexpertin und ein Jurist – wie sind Sie beide im Vorsorgebereich gelandet?

Beide (lachend): Purer Zufall!

Daniel Stürzinger: Ganz ehrlich? Als junger Mensch interessierte mich die berufliche Vorsorge nicht im Geringsten. In der Ausbildung gab es dazu so gut wie keine Informationen. Nachdem ich anfänglich in der AHV und im Haftpflichtbereich tätig war, unternahm ich eine längere Reise und brauchte nach meiner Rückkehr möglichst schnell eine Stelle. So landete ich im Rechtsdienst Vorsorge eines Rückversicherers. Als ich einmal in der Vorsorge drin war, merkte ich, wie spannend dieses Gebiet ist. Wahrscheinlich ist dies immer so: mit dem Wissen wächst das Interesse.

Martina Müller-Kamp: Mir macht die Thematik ganz grundsätzlich Freude. Auch wenn vieles daran heute reformbedürftig ist, finde ich das Schweizer System sehr gut. Was nicht heisst, dass es nicht auch mit schwer lösbaren Problemen konfrontiert wäre! Mit Sorge erfüllt mich die Tatsache, dass diejenige Gruppe, die von Fehlentwicklungen am meisten betroffen ist, keine Stimme hat – oder vielleicht eher: bisher darauf verzichtet, eine Stimme zu haben. Den jungen Leuten fehlen Finanzwissen und Bewusstsein dafür, was auf sie zukommt.

Sonja Spichtig spricht mit den neuen Stiftungsräten über ihre bisherigen Erfahrungen, die Herausforderungen in der Vorsorge und was die Pandemie alles verändert hat.

Was wünschen Sie der Schweiz in Bezug auf Vorsorge und Pensionskassen?

Daniel Stürzinger: Ganz klar eine Reform, die angenommen wird. Schweizerinnen und Schweizer müssen sich der Wichtigkeit des Themas bewusst werden und sich mehr damit beschäftigen. Wer weiss schon, wie viel Geld ihm im Alter bleibt – oder wie wenig? Damit sollten sie sich auseinandersetzen, aber besser nicht erst mit 50 oder 60.

Martina Müller-Kamp: Grösseres Interesse, mehr Wissen und mehr Bildung im Bereich der Vorsorge für die jungen Leute – das wünsche ich der Schweiz. Denn wie soll man sich für etwas einsetzen, was man nicht kennt. Meine Söhne – 16 und 20 Jahre alt – haben bisher relativ wenig mitbekommen in der Schule. Wir Älteren und die Institutionen müssen ebenfalls mehr Verantwortung übernehmen und uns energischer für den Erhalt eines langfristig tragbaren Vorsorgesystems einsetzen.

Welche Expertise bringen Sie in den Stiftungsrat ein? Was würden Sie gerne konkret mitgestalten?

Martina Müller-Kamp: Mein Steckenpferd ist natürlich der Anlagebereich, aber ich bringe auch im Geschäft mit Pensionskassen viel Erfahrung mit. Je länger ich in diesem Job bin, desto stärker beschäftigt mich nicht nur die Anlageseite mit ihren diesbezüglichen fachlichen Entscheidungen, sondern auch die Frage, wie wir uns bedürfnisorientiert strategisch aufstellen müssen, um langfristig Erfolg zu haben.

Daniel Stürzinger: Mit meinem Hintergrund werde ich nicht nur die Westschweiz im Stiftungsrat vertreten, sondern sicherlich auch juristische Fragen anpacken – Reglementanpassungen beispielsweise – und analysieren, was in diesem Bereich allenfalls verbessert werden könnte. Seit ich die Pensionskasse des Waadtländer Baumeisterverbandes leite, bekomme ich auch immer mehr Einblick in den Immobilienbereich, der sich hierzulande ja äusserst spannend entwickelt.

Martina Müller-Kamp, Daniel Stürzinger und Sonja Spichtig setzen sich gemeinsam dafür ein, dass das Thema Vorsorge und Pensionskasse bereits bei jungen Leuten thematisiert wird.

Welche Lebensträume möchten Sie noch verwirklichen?

Daniel Stürzinger: Es gibt noch viele Orte auf der Welt, die ich sehen möchte. Momentan hält mich das Familienleben etwas zurück, doch der Wunsch, den Rucksack zu packen und als Backpacker unterwegs zu sein, wächst spürbar. Es gibt so viel zu entdecken, zu erleben, so viele Berge zu erklettern …

Martina Müller-Kamp: Meine Wunschliste ist deutlich weniger spektakulär. Wenn ich dann einmal mehr Zeit habe – also nach der Pensionierung –, möchte ich mich gerne ehrenamtlich einbringen. Das muss nichts Grosses sein. In der Dorfbibliothek helfen oder im Sportverein die Finanzen regeln – das stelle ich mir sehr bereichernd vor.

Können Sie der Pandemie-Zeit – neben all dem Schwierigen – auch Positives abgewinnen?

Martina Müller-Kamp: Obwohl uns die Homeoffice-Situation derzeit so auf die Nerven geht, glaube ich, dass die Pandemie hier Gutes gebracht hat. Erinnern Sie sich, welch konservative Einstellung – gerade auch in den Kantonalbanken – gegenüber dem Homeoffice früher herrschte? Wenn wir jetzt sehen, wie viel Effizienz von zu Hause aus erreicht wird – da können wir wirklich von einem Digitalisierungsschub sprechen. Das wird uns in Zukunft bestimmt nützen.

Daniel Stürzinger: Ein Grossteil unserer Akten wird jetzt endlich digitalisiert. Zudem haben viele in der Pandemie Werte wiederentdeckt, die sie auch in Zukunft pflegen wollen. Heute freuen sich unsere Kunden, wenn sie uns persönlich aufsuchen dürfen. Ich kann mir vorstellen, dass wir den persönlichen Austausch in Zukunft mehr schätzen werden – er ist so abrupt abgerissen und wir vermissen ihn jetzt sehr.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrer Arbeit im Stiftungsrat.

Weitere Stabilitätspfeiler im Portfolio: Zwei wegweisende Neubauten in Zürich

Welche Überlegungen stehen hinter der Steuerung und Optimierung eines Immobilienportfolios über Jahre und sogar Jahrzehnte? Sonja Spichtig hat sich mit dem Leiter Portfolio Management Immobilien, Andreas Meier, und Portfolio Manager Rafik Awad über zwei Neubauten im Besitz der Swisscanto Anlagestiftung unterhalten. Diese zeigen exemplarisch, wie durch innovative und nachhaltige Überlegungen Mehrwert geschaffen werden kann – für die Anleger, für zukünftige Mieter und für die Öffentlichkeit.

Rafik Awad, das Manufakt8048 wird demnächst in das von Ihnen mitbetreute Portfolio übertragen. Sie waren bei der Akquisition von Manufakt8048 beteiligt. Was für ein Gebäude ist das und was begeistert Sie daran?

Rafik Awad: Vom Charakter her positioniert sich Manufakt8048 zwischen einer klassischen Büro- und einer typischen Gewerbeliegenschaft. Die Oberflächen beispielsweise sind anders als in einem Bürogebäude, und der Innenhof bringt Licht und Leben in den Bau. Als Zielgruppe sind Firmen angedacht, die zwar in der Produktion tätig sind, jedoch eine hohe Wertschöpfung aufweisen. Beispielhaft sind Mieter, die im Bereich von High-Tech Industries tätig sind und durch innovative Produkte im Herstellungsprozess von Chiptechnologien vom ETH Spin-off zu einer bedeutenden Firma gewachsen sind. Das Architektenteam rund um Theo Hotz hat auf der Fläche von rund 14‘500 m2 ein spannendes Konzept entwickelt. Grossen Wert haben wir daraufgelegt, dass es absolut flexibel nutzbar ist. Zwar wird vieles nach den Bedürfnissen des Hauptmieters gestaltet, doch sollte der einmal ausziehen, ist es mit geringem Aufwand möglich, die Räumlichkeiten anderen Bedürfnissen anzupassen. Ich freue mich jetzt schon darauf, das Gebäude zu erleben, wenn es mit den Mietern zu leben beginnt.

Gutes Stichwort – wie zuversichtlich sind Sie, dass es vollständig vermietet werden kann? Es gibt ja nicht wenig leeren Büroraum im Limmattal.

Rafik Awad: Wir haben guten Grund, sehr zuversichtlich zu sein. 70% der Flächen sind bereits vermietet. Überdies ist die Lagequalität sehr hoch durch die direkte S-Bahn-Erschliessung. Die Stadt Zürich hat rund um den Bahnhof Altstetten Bauland zur Verfügung gestellt, das die gewerbemässige Nutzung erlaubt – ein mutiger und kluger Entscheid, der es jungen und wachsenden Firmen ermöglicht hat, sich hier anzusiedeln. Die Entwicklung dieser Region ist sehr vielversprechend.

Sonja Spichtig, Andreas Meier und Rafik Awad lassen sich von Mischa Schedler, Projektleiter der Steiner AG, den Innenhof der "Manufakt8048" zeigen.

Andreas Meier, wie sehen Sie das als Leiter Portfolio Management Immobilien? Weshalb ist dieses doch eher atypische Projekt für die Anlagestiftung attraktiv?

Andreas Meier: In der Tat, zurzeit gibt es noch kaum Vergleichbares im Portfolio der Swisscanto Anlagestiftung – das notabene rund 250 Liegenschaften und 8 Mrd. CHF Anlagevolumen umfasst! Ohnehin sind Gewerbegebäude eher untergewichtet. Das Ziel ist es aber, Ausgewogenheit sicherzustellen zwischen Wohnen und Kommerz. Und dafür stellt das Manufakt eine ideale Gelegenheit dar. An bester Lage in ein mehrheitlich vermietetes, neuwertiges Kommerzobjekt dieser Art zu investieren, stärkt die Qualität des Portfolios. Nicht zuletzt, weil sich mit diesem Objekt im Vergleich zu Wohnliegenschaften bei adäquatem Risiko eine Mehrrendite generieren lässt.

Wie werden die Entscheidungen für solche Projekte eigentlich getroffen?

Andreas Meier: Das ist ein mehrstufiger Prozess. In einem ersten Schritt entscheiden wir, welche Anlageopportunitäten verfolgt werden oder nicht. Die engere Auswahl wird dann im Detail analysiert und geprüft und schlussendlich bei den Anlagegremien beantragt. Da ist einerseits die unabhängige Anlagekommission Immobilien, bestehend aus externen Experten aus Fachbereichen wie Bau, Entwicklungen und Finanzen, die sämtliche Anträge gründlich "röntgen" und beurteilen. Bei grösseren Investitionen prüft zudem das interne Investment Committee die Investition. Die Beurteilungen erfolgen aufgrund eines breit abgestützten Antrages, der insbesondere die Elemente Risk/Return, Marktfähigkeit, Lagebeurteilung und Bauqualität beschreibt. Damit ist sichergestellt, dass sämtliche wesentlichen Aspekte von unterschiedlichsten Seiten beurteilt werden und in den Entscheid einfliessen, so dass wir für unsere Anleger eine nachhaltige und stabile Investitionspolitik umsetzen können.

Mieterbedürfnisse spielen auch beim zweiten Projekt eine grosse Rolle. Die Wohnsiedlung Trichtenhausenstrasse in Zürich-Witikon erfüllt die Anforderungen des Minergie-P-Eco-Standards. Inwiefern ist dieses Projekt besonders?

Rafik Awad: Wir achten grundsätzlich auf einen sehr hohen Standard bei unseren Neubauten. Eher besonders war der Entscheid – oder vielmehr: die Möglichkeit – eine so grosse Landparzelle in Zürich zu kaufen, wo Baulandreserven ja äusserst knapp sind. Dank der guten Vernetzung und Beharrlichkeit unseres Transaktionsteams ist uns das aber vor langer Zeit, im Jahr 2015, gelungen. Witikon ist sehr attraktiv: die Nähe zur Stadt, die attraktive Lage, die Gemeinde mit ihrer stark wachsenden Bevölkerungsstruktur. Zusammen mit der grösseren Parzelle entlang der Katzenschwanzstrasse, auch in Witikon, wollen wir unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und dabei keine Luxuswohnungen, sondern für den Mittelstand bezahlbaren, familienfreundlichen Wohnraum bieten.

Andreas Meier, Rafik Awad und Sonja Spichtig.

Gegenwärtig sind viele Schweizerinnen und Schweizer im Homeoffice. Leere Büros hier, überfüllte Wohnungen da. Spüren Sie eine Veränderung in der Nachfrage – beispielsweise bei der Vermietung von Manufakt8048?

Rafik Awad: Die Vermietung von kommerziellen Liegenschaften ist momentan generell eine Herausforderung. Unsere Vermietungskurve im Manufakt ist aber äusserst positiv. Stand heute sind bereits 70% vermietet. Für den Rest haben wir eine Mietzinsgarantie des Entwicklers für fünf Jahre. Die Wirtschaftlichkeit ist also von Beginn an gegeben. Klar, Corona fordert natürlich auch uns, insgesamt, nicht nur mit Manufakt. Gewisse Mietinteressenten warten mit ihrem Entscheid, bis sie die neuen Bedürfnisse besser erkennen. Vieles wird gegenwärtig überdacht. Für manche kann diese Zeit aber auch die Chance bieten zu reduzieren. Dann spielen Kriterien wie Anbindung, Standort oder Raumqualität das Zünglein an der Waage, um zu sagen: "Wir ziehen um!". Vielleicht sogar ins Manufakt.

Wohin gehen denn die Überlegungen in Bezug auf neue Bedürfnisse im Wohnbereich?

Rafik Awad: Hier gibt es unterschiedliche Meinungen – was die Sache natürlich spannend macht! Brauchen wir ein Zimmer mehr pro Wohnung, fürs Homeoffice? Oder sollten wir das im Gebäude selbst kombinieren mit Co-Working-Spaces? An der Badenerstrasse in Zürich gestalten wir gerade so ein Projekt mit kompakten Kleinstwohnungen und geteilten Arbeitsräumen. So oder so: Ich bin sicher, das Thema Corona wird uns noch beschäftigen.

Andreas Meier: Da stimme ich zu. Die Auswirkungen von Corona aufs Wohnverhalten verfolgen wir sehr eng und berücksichtigen diese bei den bevorstehenden Planungen. Aber wir können noch nicht sagen: "Wir bauen in Zukunft grundsätzlich grössere Wohnungen." Seien wir ehrlich: Im Moment können wir die Entwicklungen lediglich verfolgen – und bei der Planung müssen wir dann kluge, informierte Entscheidungen treffen.

Rafik Awad, als Portfolio Manager legen Sie die Grundlage für die Steuerung und Optimierung des Liegenschaftenbestandes. Wie tun Sie das konkret, wie gehen Sie vor?

Rafik Awad: Nun, eine zentrale Herausforderung ist natürlich, wie man bei mehreren Hundert Liegenschaften erkennt, ob das jeweilige Einzelobjekt noch in die Strategie passt oder nicht. Respektive zu beurteilen, was für die einzelne Liegenschaft in ihrem ganzen Lebenszyklus die beste Objektstrategie ist. Denn Meinungen sind immer subjektiv, sie führen aber letztlich zu einem sehr interessanten Austausch. Bei einem so grossen Portfolio wie dem unseren ist es nützlich, den Entscheidungen auch handfeste Daten zu unterlegen. Dies tun wir, basierend auf unseren Tools. Das erlaubt uns, in unserer Strategie zwei, drei Jahre vorauszudenken und proaktiv die richtigen Entscheide zu fällen.

Sonja Spichtig, Andreas Meier, Rafik Awad, Thomas Gianora (Swisscanto Invest) und Markus Ott (Swisscanto Invest) bei der Grundsteinlegung an der Trichtenhausenstrasse.

Sie sind neu im Team Portfolio. Welcher Weg hat Sie hierhergeführt?

Rafik Awad: Ich bin gerne ein Generalist, der sich für viele Themen interessiert – der Bereich Portfolio bietet mir genau das. In Kairo geboren, begann ich mit 18 in Deutschland Bauingenieurwesen zu studieren. Später habe ich in Nahost im Bereich der Projektplanung und -steuerung gearbeitet und die Finanzkrise in Dubai miterlebt. Dort sah ich: Projektplanung ist gut, aber dahinter steckt eine eigene, immense Wirtschaft. Als in der Krise alles komplett stillstand, begann ich mich dafür zu interessieren und absolvierte ein MBA im Bereich Immobilien. Ich wollte verstehen, wie die verschiedenen Aspekte der Immobilienwirtschaft zusammenhängen. In die Schweiz kam ich durch puren Zufall. Implenia suchte jemanden mit Nahost-Erfahrung. Ich startete als Projektleiter und wechselte dann in die Projektentwicklung, später auch in die Investorenberatung. In den sieben Jahren bei Implenia durfte ich auch Swisscanto beraten, zu der ich schliesslich wechselte. Zuerst im Bereich Immobilientransaktionen und jetzt im Portfolio Management. So habe ich in der Schweiz mein Glück gefunden, meine Frau kennengelernt und eine Familie gegründet.

Was würden Sie gerne selbst einmal bauen?

Rafik Awad: Eine modulare Wohnüberbauung mit Einheiten, die sich den Bedürfnissen ihrer Mieter maximal anpassen – über deren ganzes Leben hinweg. Wie könnten Räume bei Bedarf zu einer Einheit hinzugenommen oder wieder abgegeben werden? Solche Überlegungen finde ich spannend. Ich denke, modulares Bauen ist ein kommendes Thema. Wir brauchen mehr Flexibilität. Die Nutzungen müssen flexibler werden. Flexibilität ist möglicherweise die Lösung für viele Probleme – und als Investoren müssen wir solche Entwicklungen nachvollziehen.

Wäre eine solche Überbauung zukünftig allenfalls ein weiterer Stabilitätspfeiler für das Immobilienportfolio der Swisscanto Anlagestiftung?

Andreas Meier: Durchaus vorstellbar. Sofern auch die anderen Aspekte wie bei den zwei vorgestellten Projekten im gleichen Masse stimmig sind und wenn insbesondere die Lagequalität so gut wäre, liesse sich damit bestimmt ein stabilisierender Mehrwert schaffen. Und wenn sich mit der erhöhten Flexibilität und der modularen Bauweise eine marktkonforme Profitabilität erzielen liesse, wäre das sicherlich prüfenswert.

Andreas Meier, Rafik Awad – herzlichen Dank für das Gespräch.

Normalisierung erhöht Nervosität bei Anlegern

Inflationsanstieg sorgt für Nervosität

Wie die US-Notenbank erachten auch wir die höheren Inflationsraten aufgrund des starken Basiseffekts als temporär. Dennoch sind die Anleger unruhiger geworden. Dies, weil sich die Inflation als persistenter erweisen und die US-Notenbank die Geldpolitik früher als erwartet straffen könnte. Auch wenn die Inflationsraten noch einige Monate hoch bleiben, gehen wir nicht von einer schädlichen Inflationsentwicklung aus. Die US-Wirtschaft wird zwar in der zweiten Jahreshälfte langsamer wachsen, das Wachstumsniveau bleibt aber hoch. Solange der Inflation ein hohes Wachstumsniveau gegenübersteht, solange bleiben auch die Ertragsaussichten für Unternehmen intakt. Wegen der steigenden Zinserwartungen werden deren Bewertungen jedoch kritischer beäugt. Langfristig betrachtet, ist die gegenwärtige Entwicklung gar die Chance auf das Ende des jahrzehntelangen Desinflationstrends und auf eine Normalisierung des Zinsumfelds.

Normalisierung auf Angebotsseite, robuste Nachfrage nötig

Ganz unbegründet sind die Inflationsängste angesichts der enormen Unterstützung aus der Geld- und Fiskalpolitik sowie der starken Wachstumsbeschleunigung nicht. Der Basiseffekt trägt zwar einen grossen Teil zum Anstieg der US-Inflationsrate auf 4.2% bei (grün Grafik 1), dennoch sind die Inflationssorgen eher auf die Lieferengpässe und den steigenden Personalbedarf zurückzuführen. Der Unterbruch der Lieferketten hat bei gleichzeitig kräftiger Konjunkturerholung die Input- und insbesondere die Rohstoffpreise stark steigen lassen und die Inflation über den Trend gehievt (rot Grafik 1). Diese Inflationstreiber werden im Rahmen der wirtschaftlichen Öffnung und der sukzessiven Eingliederung der verfügbaren Kapazitäten wieder abnehmen. Inflation ist ein nachgelagerter Effekt und mit der steigenden Kapazitätsauslastung wird der Preisdruck sinken. Unklar bleibt indes, wie nachhaltig sich die kräftige Nachfrage präsentiert und ob die Löhne tatsächlich steigen werden. Mithilfe staatlicher Unterstützungen und weil teilweise sogar Ausgaben, zum  Beispiel für Ferien, ausfielen, hat sich die Sparquote der Haushalte erhöht. Wie viel davon ausgegeben wird, wird sich erst mit der Erholung am Arbeitsmarkt zeigen. Wir rechnen mit einer unterstützenden Nachfrage. Die braucht es auch, damit sich das erwartete Wirtschaftswachstum materialisiert und die Erholung am Arbeitsmarkt stattfindet. Insofern sehen wir die aktuelle Inflationsentwicklung nach wie vor als positive Begleiterscheinung innerhalb der Erholungsphase.

Grafik 1: Basiseffekt ist der Haupttreiber

US-Konsumentenpreisindex (CPI)

Geldpolitik wird datenabhängiger

Notenbanken wie die Bank of Canada oder England haben bereits ihre Wertpapierkäufe gedrosselt. Deshalb und weil nun die Renditen auch ausserhalb der USA steigen, verringert sich der Druck auf das Fed, die Füsse still zu halten. Wie in der Vergangenheit wird sich die US-Notenbank mit der ersten Zinserhöhung jedoch Zeit lassen. Eine Inflation von über 2% während zwölf Monaten und mehr gilt für das Fed immer noch als transitorisch. Zudem steht für das Fed die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Vordergrund. Auch wenn viele Betriebe in den USA momentan Mühe bekunden, offene Stellen zu besetzen, so bedeutet dies nicht, dass es an Arbeitskräften mangelt und die Löhne unmittelbar steigen werden. Viele Arbeitnehmer können wegen der Pandemie noch nicht arbeiten. Andere warten ab, ob die Arbeitslosenunterstützung verlängert wird. Das Fed wird daher die Forward Guidance reduzieren und seine Geldpolitik stärker nach den Daten ausrichten. Auch wenn die Inflation ausserhalb der USA kaum alarmierend ist, für Anleger bedeutet das allgemein weniger geldpolitische Sicherheit und mehr Volatilität in Richtung Normalisierung.

Negative Realrenditen helfen beim Schuldenabbau

Bei Leitzinsen unter oder nahe bei null und steigenden Inflationssorgen sind die globalen Zinsrisiken eindeutig erhöht. Da die Marktdaten die Inflationserwartungen bereits gut reflektieren und das globale Wachstumsniveau hoch bleibt, werden zukünftige Renditeanstiege über die Realrenditen erfolgen. Der Weg aus dem negativen Bereich ist allerdings lang und steinig (Grafik 2). Die Geldpolitik bleibt trotz punktueller Drosselung der Wertpapierkäufe immer noch sehr expansiv und die Konjunkturpakete unterstützen das hohe Niveau bei den Inflationserwartungen. Die Notenbanken werden äusserst behutsam vorgehen und eher zögerlich als forsch reagieren. Denn das aktuelle Umfeld unterstützt den Prozess des Schuldenabbaus, und diese Konstellation will keine Notenbank aufs Spiel setzen. Es könnte gar eine einmalige Gelegenheit sein, mindestens einen Teil der Schulden "wegzuinflationieren".

Grafik 2: Realrenditen noch immer negativ

Realrenditen ausgewählter Staatsanleihen

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank