Marktausblick 2020: Kommentare zum Anlagejahr 2019 und Einschätzungen für 2020

Thema Altersvorsorge

Was denken die verschiedenen Generationen über das Thema Altersvorsorge?

Turbulenzen aushalten und Junge mobilisieren: Die Vorsorge muss jetzt alle bewegen.

Bericht zu den Anlegerversammlungen der Swisscanto Anlagestiftungen

Der Versammlungsort hätte kaum passender sein können: Die Terrasse des Zuger Casinos erlaubte den Weitblick über See und Berge, während im Saal des Theater Casinos Tradition und Werte spürbar waren. An der 46. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung und der 13. Anlegerversammlung der Swisscanto Anlagestiftung Avant wurden spannende Fachvorträge sowie eine lebhafte Diskussion geboten – und zur Überraschung sogar Alphornklänge, mit denen sich ein scheidendes Stiftungsratsmitglied verabschiedete.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

Dr. Thomas Vock, Stiftungsratspräsident und Leiter Asset Management Berner Kantonalbank, begrüsst die Gäste.

Stiftungsratspräsident Dr. Thomas Vock hiess die Gäste willkommen und übergab das Wort an Pascal Niquille, CEO der Zuger Kantonalbank, der als Grusswort an die Versammlung einen vielfältigen Einblick in den geografisch zwar kleinen, als Wirtschaftsstandort jedoch bedeutenden Kanton Zug bot.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, vermittelte einen Überblick über das vergangene Geschäftsjahr, das – wie sie sich ausdrückte – "es in sich hatte": Die erste Jahreshälfte sorgte für Turbulenzen, während die zweite wieder Entspannung brachte. Die Swisscanto Anlagestiftungen verwalteten per 30. Juni 2019 ein Anlagevermögen in der Höhe von 17.6 Mrd. CHF und sind mit einem Marktanteil von 13% auf Basis des Nettovermögens die viertgrösste unter den KGAST-Anlagestiftungen.

Sonja Spichtig, Geschäftsführerin der Swisscanto Anlagestiftungen, vermittelte einen Überblick über das vergangene Geschäftsjahr.

Die Traktanden wurden nahezu einstimmig angenommen. Die beiden Stiftungsräte Ueli Manser und Mireille Seidler Rugel traten zurück. Mit Pia Burch, Geschäftsführerin der Pensionskassen Sika und Wohlfahrtsstiftung der Sika, wurde eine ausgewiesene Vorsorgeexpertin neu in den Stiftungsrat gewählt. Nach rund 50 Minuten beendete der Stiftungsratspräsident die beiden Anlegerversammlungen mit einem herzlichen Dank an alle Anwesenden.

Es folgte der Market Outlook, vorgetragen von Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

Stefano Zoffoli, Anlagestratege und Leiter Multi-Asset Portfolio der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank.

"Play it again, Jay" – mit dieser Anlehnung an den Film "Casablanca" erklärte Stefano Zoffoli die gegenwärtigen Anliegen an die Zentralbanken, die "immer das gleiche Lied spielen" sollen. Namentlich Jerome "Jay" Powell der FED solle die Zinskarte ausspielen und so nicht nur, aber insbesondere den globalen Industriesektor stützen, der seit 18 Monaten angeschlagen sei. Der nachgelagerte Dienstleistungssektor ist vorerst noch stark und bedeutend genug, um sich dagegenzustemmen, meinte Stefano Zoffoli. Negative Trends seien aber der international zunehmende Protektionismus, die abnehmende politische Stabilität in bisher als stabil geltenden Ländern wie etwa Deutschland sowie staatliche Massnahmen, die immer populistischer würden. "Die neuen Regierungen werden öfter unkonventionelle wirtschaftspolitische Massnahmen beschliessen – eher Mini-Lösungen für einzelne Teilbereiche." In vielen aktuellen Medienberichten herrscht jedoch zu viel Pessimismus, beruhigte Stefano Zoffoli. Eine Konjunkturabschwächung sei zwar zu erwarten, eine Rezession drohe jedoch nicht.

Nachdrücklich widerlegte der Anlagestratege das hartnäckige Vorurteil, Aktien seien heute zu teuer. Einerseits seien die heutigen Höchstwerte aktuell nur knapp über den Ständen von vor zwei Jahren. Andererseits seien Aktien nicht wesentlich teurer als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre.

Gastreferent Yannick Blättler, der 26-jährige Gründer und Inhaber der Firma NEOVISO GmbH.

"Was bewegt die Generation Z?" Diese Frage wusste Gastreferent Yannick Blättler, der 26-jährige Gründer und Inhaber der Firma NEOVISO GmbH, ebenso faktenreich wie unterhaltsam zu beantworten. Videostatements von 14- bis 24-jährigen Vertretern der Generation Z zeigten eindrücklich: Es ist nicht die Altersvorsorge, die sie bewegt.

Bei vielen jungen Menschen sei die Frage, ob das Geld noch bis zum Wochenende reiche, dringender als Gedanken über die finanzielle Situation im Alter. Umfragen von NEOVISO zeigten allerdings: Einige der Themen, die die Generation Z heute bewegen, weisen durchaus einen weiten, wenn nicht sogar sehr weiten Zeithorizont auf: der Klimawandel etwa oder die Frage nach der eigenen Rolle in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung.

Die Gretchenfrage sei also, wie es gelingen könne, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen für das Thema Altersvorsorge zu gewinnen. "Versteht die Generation Z, was Sie machen?", fragte Yannick Blättler provokativ in den Saal. Es genüge nicht, gedruckte Broschüren abzugeben oder informative Webseiten zu gestalten – damit erreiche niemand mehr die Generation Z. "Sie müssen sie dort abholen, wo sie sich aufhalten: in ihren Kanälen, also YouTube, Instagram, TikTok oder Snapchat."

Yannick Blätter, Sonja Spichtig und Hanspeter Konrad (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion.

Auf dem "heissen Stuhl" zeigten sich die Vertreter der älteren Generation angesichts des jugendlichen Desinteresses an Vorsorgethemen erst einmal ernüchtert. "Wenn man unser 3-Säulen-Prinzip weiterführen will, müssen wir die Jugend dafür sensibilisieren", konstatierte Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbandes ASIP. "Vor allem müssen wir es vor der nächsten Abstimmung besser machen." Sonja Spichtig forderte einmal mehr, Vorsorgethemen in die Schulen zu bringen – ganz nach dem Beispiel des bereits bestehenden Lehr- und Lernangebots "FinanceMission". "Unbedingt in leicht verdaubaren Happen – sogenanntem ‹snackable content› – aus der Perspektive der Jugendlichen und auf Augenhöhe", bestätigte Yannick Blättler. Worauf Sonja Spichtig die Gunst der Stunde nutzte, um Hanspeter Konrad und Yannick Blättler für eine konkrete gemeinsame Aktion zu gewinnen, die dieses Ziel verfolgt: "Helfen wir der Generation Z dabei, Altersvorsorge-Kompetenz zu entwickeln."

 

Was daraus wird, werden die Teilnehmenden in einem Jahr erfahren. Die Anlegerversammlungen 2020 finden am 23. Oktober in Zürich statt.

Als Überraschung verabschiedete sich der scheidende Stiftungsrat Ueli Manser mit Alphornklängen während des Apéros.

Die Bilder zum Anlass finden Sie hier.

"Es ist an der Zeit, Platz zu machen."

Sein Alphorn hat Ueli Manser, Direktor der Appenzeller Kantonalbank, immer im Auto dabei. Ein Glück für alle Anwesenden der Anlegerversammlung in Zug. Auf vielfachen Wunsch gab der scheidende Stiftungsrat zwei Stücke zum Besten. Nach elf Jahren legt Manser sein Amt nieder, um Platz zu machen für "frische Gedanken", wie er selbst sagt. Was er seinem Nachfolger rät und woran er sich noch lange erinnern wird, erzählt der Appenzeller im Interview.

Herr Manser, Sie waren elf Jahre als Stiftungsrat für die Swisscanto Anlagestiftungen tätig. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Die elf Jahre als Stiftungsrat waren für mich sehr spannend und intensiv. Als ehemaliger Treuhandexperte bin ich sehr detailorientiert und als CEO einer Bank habe ich stets das grosse Ganze im Blick. Diese beiden Facetten habe ich versucht, in meine Arbeit für die Swisscanto Anlagestiftungen einzubringen.

Was waren Ihre Aufgaben ganz konkret?

Klassische Ressorts gibt es im Stiftungsrat nicht. Trotzdem verfügen natürlich alle Stiftungsräte über Spezialwissen. Ich komme aus dem KMU- und Finanzierungsbereich und habe mich daher bei Investitionsentscheiden besonders eingebracht.

Ueli Manser im Gespräch mit Sonja Spichtig. Als Stiftungsrat konnte er sich in wichtige Einkaufsentscheide im Immobilienbereich einbringen.

Wie?

Mit vielen kritischen Fragen an die Entscheidungsträger und meinen bisherigen Berufserfahrungen. Der wohlwollende Umgang innerhalb des Stiftungsrates liess auch kritische und zugleich offene und konstruktive Diskussionen zu, um gute Lösungen und Entscheide zu erarbeiten.

Was konnten Sie als Stiftungsrat bewegen?

Ich konnte mich in wichtige Einkaufsentscheide im Immobilienbereich einbringen. Ein weiteres zentrales Thema in meiner Amtszeit war der Verkauf von Swisscanto an die Zürcher Kantonalbank vor vier Jahren. Da wurde kontrovers und lösungsorientiert diskutiert: Wie ist das Setup? Wie sind die Verantwortlichkeiten? Was ist der Auftrag? Eine sehr spannende Zeit. Ich bin überzeugt, dass die unabhängigen Swisscanto Anlagestiftungen gut aufgestellt sind und mit ihren vielen verschiedenen Anlagegefässen für die Pensionskassen sehr gute Anlagemöglichkeiten bieten.

Eine Zeit, an die Sie sich wahrscheinlich immer erinnern werden. Was nehmen Sie noch mit?

Ich werde mich an vieles gerne erinnern. Höhepunkte waren die Strategieworkshops. Diese fanden – genau wie die Stiftungsratssitzungen – für gewöhnlich in Zürich statt. Dafür habe ich das kleine Appenzell immer wieder gerne für ein, zwei Tage verlassen. Mein persönliches Highlight war, als ich meine sieben Kolleginnen und Kollegen für eine Sitzung nach Appenzell eingeladen habe. Nach unserer Sitzung gab es einen Zmittag im bekannten Berggasthaus Äscher mit anschliessender Wanderung. Bei dieser Gelegenheit ging es für einmal nicht nur um Anlagestrategien, sondern wir konnten auch über die Familie und Hobbys sprechen und uns so privat ein bisschen besser kennenlernen.

Das klingt nicht so, als wären Sie Ihrer Tätigkeit als Stiftungsrat überdrüssig. Warum hören Sie auf?

Nach elf Jahren habe ich viel gesehen. Das eine oder andere beginnt sich zu wiederholen und dann fragt man sich: Kann ich noch genug neuen Input geben? Oder ist es an der Zeit, Platz zu machen für jemanden, der mit frischen Gedanken an die Sache herangeht? Ich habe die zweite Frage für mich mit Ja beantwortet.

Die elf Jahre als Stiftungsrat waren für Ueli Manser sehr spannend und intensiv.

Was werden Sie vermissen?

Ganz sicher meine Kolleginnen und Kollegen, die ich nun nicht mehr so regelmässig sehen werde. Das sind Menschen, die ich während all dieser Jahre schätzen gelernt habe. Und natürlich die Einblicke in die spannende Anlagewelt mit ihren unterschiedlichen Anlagegefässen.

Wenn Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Aktiv und kontrovers mitdiskutieren. Das spannende Umfeld geniessen und mit Freude an die Sache herangehen.

Wie viel Zeit hat Ihr Amt als Stiftungsrat in Anspruch genommen?

Alles in allem etwa zwei Wochen im Jahr. An acht Tagen haben wir uns zum Strategieworkshop, Stiftungsratssitzungen und der Anlegerversammlung getroffen. Dazu kommen noch drei oder vier Tage Vorbereitung. Doch bevor Sie mich jetzt fragen, was ich mit der neu gewonnenen Zeit anfange: Sie ist bereits mehr als verplant.

Darauf wollte ich tatsächlich hinaus. Wofür nutzen Sie denn die Zeit?

Direkt nachdem ich mich entschieden hatte, mein Amt als Stiftungsrat niederzulegen, wurde ich gefragt, ob ich Mitglied des Verwaltungsrats bei der Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken werden will. Nach kurzem Überlegen habe ich zugesagt. Die Aussicht, auch in diesem Gremium kleinere Kantonalbanken zu vertreten, gefällt mir. Das wird meine neue Aufgabe sein, neben meinem Hauptberuf als Geschäftsführer der Appenzeller Kantonalbank natürlich.

Wie sieht da Ihr Arbeitsalltag aus?

Mit 97 Mitarbeitenden sind wir keine ganz kleine, aber sicher auch nicht die grösste Bank. Daher bin ich in alle Bereiche involviert, was meine Arbeit vielseitig und spannend macht. Ich bereite Bankratssitzungen vor, leite die wöchentlichen GL-Sitzungen, plausibilisiere Risikoberichte, führe Gespräche mit Bewerberinnen und Bewerbern, repräsentiere die Appenzeller Kantonalbank an vielen Firmen- sowie Kundenanlässen und bringe meine Ideen in die Marketingplanung ein. Ich lerne immer wieder Neues. Ein Aspekt, der mir auch an meiner Tätigkeit als Stiftungsrat gefallen hat.

Und den Feierabend nutzen Sie zur Entspannung?

Nicht unbedingt. Ich lerne gern und mache Aktiverholung. Deshalb habe ich mich mit 50 Jahren entschieden, Alphorn spielen zu lernen. In meinen Zwanzigern habe ich Trompete gespielt, das bot mir eine gute Grundlage für dieses neue Instrument. Doch das Alphorn ist schon noch mal etwas anderes. Am Wochenende ziehe ich gern mit meinem Alphorn in aller Früh in die Berge. Letztens habe ich am Seealpsee morgens um 7 Uhr drei Stücke gespielt, das war Erholung pur! Ansonsten geniesse ich die Zeit mit meiner Familie. Im Winter geht es statt zum Wandern zum Skifahren, unter anderem im Skigebiet Ebenalp.

Ueli Manser mit seinem Alphorn am Zugersee.

Erlauben Sie uns noch eine Frage zum Schluss: Was müsste aus Ihrer Sicht für eine langfristig stabile Vorsorge getan werden?

Man müsste sich fragen, was beim letzten Paket die nicht mehrheitsfähigen Kriterien waren und diese anpassen, um sie in beiden Kammern und an der Urne durchzubringen. Der Umwandlungssatz im obligatorischen Bereich muss dringend korrigiert werden. Noch einmal Anlauf nehmen, das wäre mein Vorschlag.

Danke für das spannende Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

"Auf einmal war ich selbst auf der anderen Seite als Stiftungsrätin."

Sie wohnt in Coldrerio im Tessin und arbeitet in Basel. Beruflich ist Mireille Seidler Rugel, Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta, viel unterwegs. Ihre letzte Reise als Stiftungsrätin der Swisscanto Anlagestiftungen führt die gebürtige Jurassierin zur Anlegerversammlung nach Zug. Hier erklärt sie, warum sie ihr Amt als Stiftungsrätin niederlegt, worauf sie sich freut und was sie vermissen wird.

Frau Seidler Rugel, Sie waren jetzt vier Jahre als Stiftungsrätin für die Swisscanto Anlagestiftungen tätig. Warum hören Sie auf?

Ich finde, die unabhängigen Stiftungsräte sollten durch aktive Investoren vertreten werden. Denn diese kennen die Bedürfnisse und Wünsche der Anleger, so zum Beispiel das Bedürfnis nach liquiden und risikoarmen Anlagen. Meine Vorsorgeeinrichtung ist aufgrund einer strategischen Neupositionierung seit diesem Jahr nicht mehr Anlegerin der Swisscanto Anlagestiftung; deshalb ziehe ich mich aus dem Stiftungsrat zurück. Wir sind aber weiterhin in Swisscanto Fonds investiert.

Wie haben Sie die Zeit als Stiftungsrätin erlebt?

Ich habe sehr viel erfahren. Was passiert hinter den Kulissen? Wie ist die Anlagestiftung organisiert? Das war spannend. Aber ganz entscheidend für mich war der Perspektivenwechsel. Als Geschäftsführerin einer Pensionskasse berichte ich an Stiftungsräte und stelle Anträge. Auf einmal war ich selbst Stiftungsrätin und hatte die notwendigen Entscheidungen auf der Basis der erstellten Anträge zu treffen. Sind denn dazu alle Informationen vorhanden? Wurde der Antrag genügend erläutert? All diese Fragen gelten auch für meinen eigenen Stiftungsrat.

Mireille Seidler Rugel im Gespräch mit Sonja Spichtig.

Sie konnten sich also durch Ihre Stiftungsratstätigkeit zusätzliches Wissen für Ihre Haupttätigkeit als Geschäftsführerin aneignen?

Bestimmt. Auf der anderen Seite konnte ich als Stiftungsrätin mein Wissen und meine Erfahrungen aus der Praxis in die Swisscanto Anlagestiftungen einbringen. Welches sind die aktuellen Bedürfnisse der Pensionskassen für die Anlage? Was ist ihnen wichtig? Werden die Pensionskassen unsere neuen Produkte auch kaufen? Zentrale Fragen, die beantwortet werden müssen. Hier konnte ich die Interessen der Anleger einbringen.

Sie leiten die Personalstiftung Transporta bereits seit 2003. Wie sehen Sie als Fachfrau die Vorsorgesituation in der Schweiz?

Es muss sichergestellt werden, dass die steigende Lebenserwartung finanziert werden kann. Und das auf sozialverträgliche Art und Weise. Nun hat die berufliche Vorsorge zusammen mit der 1. Säule die Aufgabe, die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die getroffenen Massnahmen für die Finanzierung der Lebenserwartung genügen, aber dadurch das Ziel der 2. Säule nicht mehr erreicht wird. Wir sollten nicht nur die Zahlen, wie zum Beispiel einen Umwandlungssatz, sehen, sondern auch deren Auswirkungen auf die Menschen. Ebenso müssen wir den jungen Versicherten unbedingt die Wichtigkeit der Vorsorge erklären. Mehr Informationen und gezielte Informationen sind meiner Meinung nach absolut zentral.

Die Anlegerversammlungen in Zug werden Ihre letzten sein. Was werden Sie an Ihre Zeit als Stiftungsrätin in Erinnerung behalten?

Es war eine wirklich intensive und spannende Zeit. Mir fallen verschiedene Themen ein, an die ich mich noch lange erinnern werde. Zum Beispiel die Lancierung der Anlagegruppe «AST Hypotheken Schweiz». Vor allem im Gedächtnis bleiben wird mir aber der Austausch mit den anderen Stiftungsräten. Sowie ein ganz spezieller Tag. Da haben wir unsere Stiftungsratssitzung für einmal von Zürich nach Appenzell verlegt. Unser Kollege hat uns auf eine Wanderung in seinen wunderschönen Kanton eingeladen. Diese Wanderung war legendär, denn dabei hat ein Stiftungsrat seine Schuhsohlen verloren.

Hat er den Abstieg trotzdem geschafft?

Ja, ein Kollege hatte eine Schnur dabei und so konnten die Sohlen festgebunden werden. Das war echte Teamarbeit.

Werden Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen vermissen?

Natürlich. Unser Austausch, die Meinungsverschiedenheiten und das grundverschiedene Know-how von jedem werden mir fehlen. In ein solches Gremium bringt jede Person etwas Eigenes ein. Das macht das Ganze einzigartig.

"Meine Arbeit als Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta bereitet mir noch immer viel Freude."

Ihre Nachfolgerin ist Pia Burch, Pensionskassenleiterin der Sika. Welchen Tipp geben Sie ihr mit auf den Weg?

Ich glaube nicht, dass sie mit ihrer langjährigen und breiten Erfahrung fachliche Tipps nötig hat. Aber sie soll neugierig sein, Fragen stellen und Spass haben!

Sie haben jetzt ein wenig mehr Zeit. Wie werden Sie diese nutzen? Worauf freuen Sie sich?

Ich werde ein bisschen weniger nach Zürich reisen. Einerseits schade, andererseits bin ich sehr viel unterwegs zwischen Basel, wo ich arbeite, und dem Tessin, wo ich lebe. Doch die gewonnene Zeit ist schon zu einem Teil verplant: Ich engagiere mich neu in der Qualitätskommission einer Ausbildungsorganisation im Kanton Jura. Ihre Aufgabe ist es, die Qualität des Kursunterrichts und der Prüfungen sicherzustellen.

Wie kam es dazu?

Seit vielen Jahren bin ich als Dozentin in dieser kantonalen Organisation im Jura tätig. Hier gebe ich Unterricht im Fach der beruflichen Vorsorge sowohl für den eidgenössischen Sozialversicherungsfachausweis wie auch für die Grundkenntnisse über die Sozialversicherungen. Deshalb wurde ich für eine Teilnahme in dieser neu gegründeten Kommission angefragt. Das freut mich natürlich sehr.

"Es muss sichergestellt werden, dass die steigende Lebenserwartung finanziert werden kann. Und das auf sozialverträgliche Art und Weise."

Tönt nach einem straffen Programm.

Es macht mein Leben nicht eintönig. Ich mag meinen Beruf und die berufliche Vorsorge generell sehr. Aber ich kann auch entspannen: Ich bin gerne zu Hause, geniesse meinen Garten und koche mit meinem Ehemann für die Familie und unsere Freunde. Es macht uns ausserdem viel Spass, Zeit mit unseren Enkeltöchtern aus Graubünden zu verbringen. Dann reisen wir regelmässig zu unseren Familien im Jura, in Basel und in viele Ecken der Schweiz. Wussten Sie überhaupt, dass der Jura die Perle der Schweiz ist?

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich bin ein sehr zuversichtlicher Mensch. Ich bin offen für das, was auf mich zukommt. Das heisst, ich plane nicht gern weit voraus. Meine Arbeit als Geschäftsführerin der Personalstiftung Transporta bereitet mir noch immer viel Freude. Meine Aufgaben sind sehr vielseitig und reichen von der Entwicklung neuer Vorsorgepläne über die Beratung von Versicherten bis zur Revision der Reglemente, Wahlprozesse von Anlageprodukten und Sanierungen von Liegenschaften. Diesem spannenden Job werde ich bestimmt noch eine Weile treu bleiben.

Danke für das spannende Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Bild Manuel Ferreira

Turbulente Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi geht zu Ende

Die Macht der Worte

Als Mario Draghi im Herbst 2011 die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) übernahm, befand sich die Eurozone mitten in der Schuldenkrise. Für Griechenland, Irland und Portugal waren bereits Rettungspakete in Milliardenhöhe geschnürt worden und gleichzeitig drohte sich die Krise auf Italien und Spanien auszuweiten. Manch ein Anleger befürchtete damals den Kollaps der gesamten europäischen Währungsunion. So war der neue EZB-Präsident vom ersten Tag an stark gefordert. Unter seiner Führung wurden zunächst die beiden Zinserhöhungen seines Vorgängers – die sich im Nachhinein als klarer Fehler erwiesen – rückgängig gemacht. Es folgte ein dreijähriges Kreditprogramm für Geschäftsbanken im Gesamtumfang von über EUR 1000 Mrd. Ende Juli 2012 hielt Mario Draghi eine denkwürdige Rede in London, die seine Amtszeit massgeblich prägte und heute als entscheidender Wendepunkt in der Schuldenkrise angesehen wird. Er sagte wörtlich: "Im Rahmen ihres Mandates ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein." Draghis Rede belegt, dass Geldpolitik oftmals keine exakte Wissenschaft ist und wenige Worte von Zentralbankvertretern viel bewirken können. Zurecht wird Mario Draghi deshalb von seinen Anhängern als Retter des Euro betitelt.

Verpasste Normalisierung und Festhalten am Inflationsziel

Die Eurozone kehrte Mitte 2013 wieder auf den Wachstumspfad zurück und auch die Arbeitslosenrate begann zu sinken.

Wachstum und Arbeitslosigkeit in der Eurozone

Trotzdem dehnte die EZB ihre expansive Geldpolitik weiter aus, um die aus ihrer Sicht zu tiefe Inflation in Richtung der Zielmarke von knapp 2% zu treiben. Unter anderem kündigte sie ein umfangreiches Wertschriftenkaufprogramm an, welches später ausgeweitet und mehrmals verlängert wurde, bevor es im Dezember 2018 endete. Insgesamt kaufte die Zentralbank Wertpapiere im Umfang von rund EUR 2600 Mrd., davon grösstenteils Staatsanleihen. Angesichts der konjunkturellen Eintrübung und der tiefen Inflation kündigte Mario Draghi im September 2019 ein weiteres Massnahmenpaket an – trotz erheblichem Widerstand aus den eigenen Reihen. Dabei wurde der Einlagesatz für Geschäftsbanken gesenkt und das Wertpapierkaufprogramm auf unbestimmte Zeit reaktiviert. Draghi geht damit als erster EZB-Präsident in die Geschichte ein, der die Zinsen während seiner Amtszeit nie erhöht, sondern immer nur gesenkt hat. Er muss sich vorwerfen lassen, den Zeitpunkt zur geldpolitischen Normalisierung verpasst zu haben. Schon fast dogmatisch hält die EZB an ihrem Inflationsziel fest, obschon strukturelle Faktoren wie die Globalisierung, neue Technologien und die Demografie die Inflation weltweit tief halten. Dies zeugt von einem ungebrochenen Glauben daran, dass die Wirtschaft einer Währungsunion mit 19 Mitgliedstaaten feingesteuert werden kann. Dennoch zeigt sich nur eine bescheidene Wirkung der zahlreichen Massnahmen auf Wachstum und Inflation. Die Kerninflation tendiert in der Eurozone nämlich seit Jahren seitwärts.

Kerninflation bleibt trotz expansiver Geldpolitik tief

Bittere Medizin mit starken Nebenwirkungen

Sowohl die Renditen auf Staatsanleihen als auch die Zinsen auf Firmenkredite und Hypotheken liegen auf historischen Tiefstständen. Trotzdem kann die Geldpolitik kein nachhaltiges Wachstum generieren. Das Tiefzinsumfeld bringt zudem bedeutende Nebenwirkungen mit sich. Namentlich könnten dies Preisblasen bei den Finanzwerten und eine daraus folgende Einkommens- und Vermögensungleichheit, eine erschwerte Finanzierung der Altersvorsorge, ein erhöhtes Risiko für Fehlinvestitionen oder die Bindung von unproduktivem Kapital bei Firmen sein. Eine unkonventionelle Geldpolitik kann im Krisenfall zwar erforderlich und sinnvoll sein, auf Dauer richtet sie jedoch mehr Schaden an, als sie Nutzen stiftet. Das vorläufige Fazit der Amtszeit von Mario Draghi fällt somit durchzogen aus.

"Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen."

Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das so sehr für die Schweiz steht und einen so guten Ruf innehat wie die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega. Die gemeinnützige, private Stiftung ist damit ein beliebter Arbeitgeber. Roger Mohr ist Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds sowie als Betriebswirtschafter für die Rega tätig. Wir sprechen mit ihm über die Besonderheiten der Rega-Pensionskasse und deren Anlagestrategie sowie über seine private Freizeitgestaltung.

Herr Mohr, sind Sie schon einmal mit zu einem Einsatz geflogen? Oder ziehen Sie als Pensionskassenleiter festen Boden unter den Füssen vor?

Als ich vor zehn Jahren bei der Rega angefangen habe, durfte ich 24 Stunden auf der Rega-Basis in Basel verbringen und drei Einsätze hautnah miterleben. Der eindrücklichste war jener am Titisee, bei dem wir unter schwierigen Wetterverhältnissen fliegen mussten. Besonders fasziniert hat mich die Zusammenarbeit der Crew.

Was haben Sie von diesem Einsatz mit ins Büro genommen?

Dieses Erlebnis hat meine Identifikation mit dem Unternehmen gesteigert und mein Verständnis für die Aufgaben der Crew-Mitglieder erhöht. Das kommt mir in meiner täglichen Arbeit zugute.

Sonja Spichtig im Gespräch mit Roger Mohr. Beim Kauf der neuen Ambulanz-Jets leitete er die Preisverhandlungen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Pensionskasse gegenüber der eines industriellen Unternehmens?

Beispielsweise durch das frühere Rücktrittsalter unserer Crew-Mitglieder: Bei Piloten liegt dieses bei 60 Jahren. Unser Durchschnittsalter im Rentnerbestand ist dadurch mit 68 Jahren relativ niedrig. Teilzeitbeschäftigte sind bei uns voll versichert. Die gute Pensionskasse ist ein wesentlicher Bestandteil des Lohnpakets, denn es gibt keine variablen Vergütungen. Alle haben den gleichen Sparbeitragssatz – über alle Altersgruppen hinweg. Wir sind ein soziales Unternehmen und bieten vorbildliche Sozialleistungen.

Was bedeutet das frühe Rentenalter für die Struktur Ihrer Pensionskasse?

Mit 400 Aktiven zu 105 Rentnern haben wir ein sehr gesundes Verhältnis. Darüber bin ich auch sehr froh.

Wie sind Sie eigentlich zur Rega gekommen?

Das Inserat war im "Alpha"- Stellenanzeiger ausgeschrieben und ich habe mich spontan beworben. Nach meinem Masterstudium in Finance & Accounting habe ich bei der Sparkasse Schwyz als Leiter Marketing und Kommunikation gearbeitet und war für Spezialprojekte zuständig. Unter anderem durfte ich eine unabhängige Vermögensverwaltung akquirieren und integrieren. Dank dieser Erfahrungen konnte ich mich gegen über 200 Bewerber für die Stelle als Geschäftsführer durchsetzen.

Jetzt sind Sie seit zehn Jahren da. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Meine Hauptaufgabe liegt im Investment Controlling der verschiedenen Portfolios sowie in der Erarbeitung und der Überprüfung der Anlagestrategien, abgestimmt auf deren Anlageziel und Verpflichtungen. Das heisst, ich kontrolliere die Börsentransaktionen der Vermögensanlagen, prüfe die Liquidität und analysiere die Marktsituation (taktische Entscheide, Rebalancing). Wir bewirtschaften die Vermögensanlagen aktiv und sind stark in der Auswahl der Produkte im Bereich Immobilien und alternative Anlagen involviert. Dafür stehe ich in regelmässigem Austausch mit unseren Asset-Managern. Ich bringe auch gerne neue Ideen in die Anlagekommission ein. Zudem bin ich durchschnittlich einmal pro Woche an Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen oder besuche Vermögensverwalter.

Analysieren und entscheiden gehören bei der Rega zu den Hauptaufgaben – in der Einsatzzentrale genauso wie beim Führen der Pensionskasse.

Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?

Das breite Aufgabengebiet. So war ich zum Beispiel auch in den Kauf unserer drei neuen Ambulanzjets bei der Rega involviert: Ich habe Preisverhandlungen geführt, Zahlungspläne erstellt und die Fremdwährungsbeschaffung organisiert. Zudem berate ich unsere Mitarbeitenden zu ihren persönlichen Finanz- und Vorsorgethemen. Sie wissen, wenn sie Fragen zu einer Hypothek oder ihrer (Teil-)Pensionierung haben, erhalten sie von mir unabhängigen Rat. Das Soziale ist mir wichtig.

Dann sind Sie bei der Personalvorsorgestiftung der Rega ja genau richtig. Wie wichtig ist es Ihnen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das Gutes tut?

Sehr wichtig. Ich bin stolz, bei der Rega arbeiten zu dürfen. Und das Gefühl teile ich mit vielen Mitarbeitenden hier. Die Piloten, Rettungssanitäter, Flugärzte und das Bodenpersonal leisten gemeinsam einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft. Mein Job ist es, diesen Leuten eine gute Altersvorsorge zu sichern.

Die Swisscanto Anlagestiftungen unterstützen Sie dabei. Seit wann arbeiten Sie zusammen?

Die Partnerschaft besteht seit Jahrzehnten. Wir setzen verschiedene Produkte von Swisscanto ein.

Was hat sich in den letzten Jahren anlagetechnisch bei der Personalvorsorgestiftung der Rega verändert?

Wir haben in den letzten Jahren deutliche Verschiebungen vorgenommen und unsere Anlagestrategie aufgrund des sich verändernden Zinsumfeldes frühzeitig und laufend angepasst. Unter anderem haben wir unsere CHF-Obligationen-Quote auf unter 10 Prozent gesetzt und die alternativen Anlagen auf 20 Prozent erhöht. Alle Veränderungen müssen zum Gesamtkonzept passen und auf die Renditeerwartungen abgestimmt sein. Das ist ein wichtiges Anliegen des Stiftungsrates.

Wie setzt sich der Stiftungsrat der Personalvorsorgestiftung zusammen?

Paritätisch aus vier Personen: zwei Arbeitnehmer- und zwei Arbeitgebervertretern. Die Arbeitnehmer sind mit je einem Vertreter des Bodenpersonals und des fliegenden Personals vertreten. Die Stiftungsräte werden alternierend für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt.

Roger Mohr, Geschäftsführer der Personalvorsorgestiftung und des Wohlfahrtsfonds der Rega.

Wohin bewegt sich die Rega-Pensionskasse in den nächsten Jahren?

Das Ziel ist es, wenig zwischen Aktiven und Rentnern umzuverteilen. Aus unserer finanziellen Stärke heraus war das bisher auch nicht nötig. Zurzeit prüfen wir, ob wir von Perioden- auf Generationen­tafeln wechseln, um unsere Kasse auf die Langlebigkeit einzustellen und den technischen Zinssatz bei 2 Prozent beibehalten zu können. Die grössten Herausforderungen liegen in den rekordtiefen Aussichten hinsichtlich der künftigen Renditeerwartungen und darin, den Deckungsgrad langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von 120 Prozent halten zu können.

Gestatten Sie uns zum Schluss eine private Frage: Was tun Sie, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?

Ich treffe Freunde und koche gern für sie und meine Familie. Dabei achte ich auf eine gesunde Ernährung und kaufe regionale Bio-Produkte. Ausserdem bin ich oft in der Natur unterwegs, am Biken, Joggen und im Winter beim Langlauf und Skifahren.

Beim Skifahren? Ist Ihnen das nicht zu gefährlich, nach allem, was Sie hier mitbekommen?

Ich fahre bewusster als früher. Da hat mich meine Tätigkeit bei der Rega schon sensibilisiert. Gerade an Winterwochenenden, an denen die Pisten (über)voll sind, bleibe ich lieber im Tal. Oder ich gehe Langlaufen.

Sicher ein guter Entscheid. Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Mohr.

Hypotheken als attraktive Alternative zu Obligationen

Hypothekarforderungen entwickeln sich in der Schweiz zu einer immer populäreren Anlagekategorie unter den institutionellen Investoren. Nicht zuletzt da diverse Trends die Investition in Hypothekarforderungen begünstigen. Mit der "Swisscanto AST Hypotheken Schweiz" bieten wir institutionellen Anlegern eine Alternative mit attraktiven Renditechancen gegenüber klassischen Obligationen.

Das anhaltende Tiefzinsumfeld am Schweizer Kapitalmarkt zwingt institutionelle Anleger weiterhin zu Alternativen für Schweizerfrankenanleihen. Eine sich seit mehreren Jahren immer mehr etablierende Alternative sind inländische Hypothekarforderungen. Diese Anlagekategorie erfreut sich zunehmender Popularität. Zurückzuführen ist dieser Umstand auf im Wesentlichen vier Trends, die seit Jahren zu beobachten sind und die auch heute noch aktuell sind.

  • Tiefe Renditeaussichten für Schweizerfrankenanleihen: Im Vergleich zum Ertrag klassischer Obligationen bieten Hypothekarforderungen eine vielversprechende Anlagealternative mit positiver Rendite bei vergleichsweise konservativem Risikoprofil.
  • Mehrrendite für Hypothekarforderungen Dank zwei Zinswelten: Die Hypotheken werden heutzutage nicht mehr mit einem Aufschlag zu den Swap-Sätzen vergeben ("Institutionelle" Kurve), da die Swap-Sätze in den meisten Laufzeiten negative Renditen aufweisen. Denn Hypotheken werden auf der Basis der "privaten" Zinskurve berechnet, welche mit einem minimalen Referenzsatz von 0% startet (vgl. Abbildung 1).
  • Bankenregulierung: Viele Finanzinstitute vergeben zwar Hypotheken, können oder wollen diese aber nicht vollumfänglich in den eigenen Büchern halten. Zudem bewirkt die regulatorisch vorgeschriebene Eigenmittelunterlegung eine Verteuerung der Kosten für die Banken.
  • Disintermediation: Zunehmend werden Hypotheken ausserhalb des Bankensektors vergeben. Diese Nicht-Banken-Anbieter benötigen Investoren, welche die Hypotheken übernehmen.

Abbildung 1: "Private" und "institutionelle" Zinswelten erstmals getrennt

Effiziente Anlagegefässe nötig

Direktanlagen in Hypothekarforderungen sind mit einem erheblichen operationellen Aufwand verbunden. Gefragt sind daher Anlagegefässe, welche ein effizientes indirektes Engagement in diese Anlagekategorie ermöglichen. Die Kollektivanlage bietet gegenüber einer Direktanlage in Hypotheken den Vorteil einer optimalen Diversifikation (bezüglich Regionen, Nutzungsarten, Einzelschuldnern usw.), einer verbesserten Liquidität, eines deutlich tieferen Minimalanlagebetrags und eines minimierten administrativem Aufwands. Im Vergleich zu Kollektivanlagegefässen für Aktien oder Obligationen gibt es für Investitionen in Schweizer Hypothekarforderungen bisher nur wenige etablierte Anlagelösungen.

Swisscanto AST Hypotheken Schweiz

Die Anlagegruppe Swisscanto AST Hypotheken Schweiz investiert in Schweizer Hypotheken, die durch Liegenschaften in der Schweiz besichert sind. Die Hypotheken werden durch die Anlagestiftung selbst oder indirekt durch Dritte (z.B. Banken, Broker, Versicherungen) vergeben. Dabei kann die Anlagestiftung sowohl neu vergebene Hypotheken übernehmen als auch bestehende Hypotheken erwerben. Die Verwaltung der Hypotheken ("Servicing") erfolgt durch erfahrene und spezialisierte externe Partner.

Strenge Anlagekriterien (z.B. eine durchschnittliche Belehnung von max. 67%) sorgen dafür, dass nur Hypotheken mit hoher Qualität in das Portfolio aufgenommen werden. Ausserdem wird eine ausreichende Verteilung bezüglich Marktregionen und Nutzungsarten angestrebt, wobei der Wohnanteil des Gesamtportfolios mindestens 50% betragen muss (vgl. Abbildung 2). Im Rahmen des Risikomanagements wird eine laufende Qualitätssicherung des Portfolios sichergestellt. Die flexible Architektur des Anlagekonzeptes ermöglicht die Nutzung verschiedener Hypothekenzulieferer, was die Wachstums-, Rendite- und Diversifikationschancen erhöhen kann.

Abbildung 2: Hypothekenportfolio nach Regionen

Tiefe Belehnung und Wohnliegenschaften im Fokus

Bezüglich der Nutzungsarten standen seit Lancierung insbesondere die selbstgenutzten Wohnliegenschaften im Zentrum. Der bisher aufgebaute Bestand an Hypotheken bildet eine solide Portfoliobasis mit durchschnittlich tiefer Objektbelehnung. In Ergänzung dazu wurden selektiv Transaktionen im Bereich Geschäftsliegenschaften getätigt (vgl. Abbildung 3). Ziel dieser Geschäftsfälle ist eine verbesserte Diversifikation und Renditeoptimierung über das Gesamtportfolio. Bezüglich der regionalen Verteilung weist das Hypothekenportfolio per Ende August 2019 eine Diversifikation im Rahmen der Zielparameter auf, wobei der Wirtschaftsraum Zürich die grösste Region darstellt.

Abbildung 3: Hypothekenportfolio nach Nutzungsarten

Vielversprechende Rendite des Hypothekenportfolios

Per Ende August 2019 liegt die Rendite des Hypothekenportfolios bei 0.65% und somit 117 Basispunkten über dem Vergleichsindex (SBI Swiss Bond Index). Damit bietet diese attraktive Anlagegruppe vielversprechende Renditechancen für institutionelle Anleger.

Erfolgsrezept Multichannel Sourcing

Die Hypotheken werden aktuell via HypothekenZentrum, Vaudoise, MoneyPark, HypoPlus, UBS Atrium, Avobis Credit Services und einige kleinere spezialisierte Vermittler bezogen, wodurch ein gut diversifiziertes Volumen an Hypothekentransaktionen generiert wird. Diese flexible Architektur bezüglich Hypotheken-Sourcing von diversen Quellen (statt von der Bilanz einer einzelnen Bank) hat sich sehr bewährt und trägt wesentlich zur Renditeoptimierung und zur Diversifikation des Portfolios bei. Zudem wird die Abhängigkeit vom einzelnen Kanal reduziert. In den kommenden 12 Monaten ist eine Anbindung zusätzlicher Partner geplant.

Abbildung 4: Hypothekenportfolio nach Laufzeitenstruktur

Konzept zur Verbesserung der Liquidität

Um der vergleichsweise geringen Liquidität der einzelnen Hypotheken Rechnung zu tragen, musste ein passender Zeichnungs- und insbesondere Rücknahmeprozess definiert werden. Zeichnungen können monatlich ohne Ausgabekommissionen zum NAV getätigt werden. Bei Überzeichnungen erfolgt eine proportionale Kürzung aller Zeichnungsaufträge. Rücknahmen können quartalsweise mit zwei Monaten Voranmeldung angemeldet werden. Die eingegangenen Rücknahmen werden nach dem Best-Effort-Prinzip bedient. Bei der Bereitstellung von Liquidität wird darauf geachtet, dass keine nachteiligen Auswirkungen auf die Struktur und/oder die Performance des Anlageportfolios erfolgen.

Marktumfeld weiterhin günstig

Die vier Trends, welche die neue Anlagegruppe fundamental unterstützen, sind weiterhin intakt. Seit der Lancierung Ende September 2016 ist die Anlagegruppe auf knapp CHF 800 Mio. angewachsen. Zeichnungen können laufend entgegengenommen werden (monatliche Abrechnung).

Eckdaten Swisscanto AST Hypotheken

Valor: 33752692
Währung: CHF
Referenzindex: Swiss Bond Index
Thesaurierend: ja
Zeichnungen: monatlich
Rücknahmen: vierteljährlich mit zweimonatiger Voranmeldung zum Quartalsende
Portfoliomanager: ZKB Asset Management

Vorteile

  • Attraktive Rendite im Vergleich zu CHF-Anleihen
  • Erschliessung einer Zusatzrendite durch Schweizer Hypotheken mit hoher Qualität
  • Gute Diversifikation über kommerzielle und private Nutzung mit mindestens 50% Wohnanteil
  • Professionelles, aktives Portfoliomanagement und starke Partner – alle mit grosser Erfahrung und hoher Expertise

Risiken

  • Sehr stark rückläufiger Immobilienmarkt und schwieriges Konjunkturumfeld könnten Ausfälle ansteigen lassen
  • Massiver Zinsanstieg würde deutliches Absinken der Bewertung der Hypothekarforderungen bewirken
  • Eingeschränkte Liquidität: Gleichzeitiger Ausstiegswunsch vieler Investoren könnte nicht unmittelbar bedient werden
Bild Manuel Ferreira

Demografie: Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Wachstum abhängig von demografischem Wandel

Ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft, wie sich die Altersstruktur verändert, wie hoch das Bildungsniveau ist – all das bestimmt den Wohlstand eines Landes. Obwohl der demografische Wandel ein sehr langsamer Prozess ist, lässt sich diese Entwicklung nicht mit einer Momentaufnahme analysieren. Langfristig dominiert die Demografie das wirtschaftliche Wachstum eines Landes, kurzfristig ist ihre Wirkung jedoch kaum messbar. Gemäss der UNO wird die Weltbevölkerung von derzeit 7.7 Mrd. bis 2050 auf 9.7 Mrd. Menschen anwachsen.

Während sich in den afrikanischen Ländern die Bevölkerung verdoppeln wird, wird sie in vielen Industrieländern schrumpfen. Die Geburtenrate insgesamt bleibt rückläufig und das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt rasant an. Für die Schweiz rechnet das Bundesamt für Statistik mit einem Anstieg der Wohnbevölkerung auf 10.2 Mio. Personen im Jahr 2045. Die Geburtenhäufigkeit wird auf tiefem Niveau stagnieren, während sich die Lebenserwartung laufend erhöht.

Lebenszyklushypothese kurz erklärt

Ein Ansatz, der sich zur Analyse der Alterungseffekte grosser Beliebtheit erfreut, basiert auf der sogenannte Lebenszyklushypothese.

Im Zuge eines Menschenlebens ergeben sich unterschiedliche Phasen des Sparverhaltens. In jungen Jahren ist das Einkommen meistens gering und der Mensch ist gewöhnlich auf Zuwendungen der Eltern angewiesen. Im Laufe des Lebens steigt das Einkommen stetig und erreicht zwischen 45 und 55 Jahren ein Maximum. Die Sparquote steigt ebenfalls an und erreicht noch vor 60 Jahren ihren Höchstwert. Mit dem Rentenalter fällt das Einkommen und es findet ein Entsparen statt. Die Hypothese unterstreicht zudem, dass die Konsumausgaben während des gesamten Lebens relativ konstant bleiben.

Tieferes Wachstum, höhere Inflation

Das Trendwachstum einer Volkswirtschaft leidet unter der schrumpfenden Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Berechnungen für die Schweiz zeigen, dass das BIP-Trendwachstum aufgrund der Alterung heute um knapp 0.8 Prozentpunkte niedriger liegt als noch vor einem Jahrzehnt. Vermag die Zuwanderung diesen Rückgang nicht auszugleichen, werden die Fachkräfte rarer. Bei Unternehmen fallen somit höhere Kosten an, um eine freie Stelle zu besetzen. Die Löhne steigen dadurch, was sich positiv in der Inflationsrate niederschlägt. Eine sinkende Produktion bei gleichbleibendem Konsum spricht ebenfalls für steigende Inflationsraten. Jedoch sind nicht alle Branchen gleich von der alternden Gesellschaft betroffen. So dürften bei Rentnern die Ausgaben für Gesundheitspflege, Tourismus und Freizeit zunehmen, die Nachfrage nach Verkehr, Kommunikation und Bildung hingegen eher schrumpfen.

Auswirkungen auf Sparen und Zinsen

Der Anteil des Dienstleistungssektors an der gesamten Wirtschaftsaktivität nimmt stetig zu, was zu weniger Kapitalbedarf und somit zu rückläufigen Investitionen führt. Das hohe Angebot an Geld in Form von Sparguthaben trifft so auf eine niedrigere Geldnachfrage – der Preis für Kapital, sprich der Zins, sinkt folglich. Vor allem deshalb haben sich die Realzinsen in den letzten Jahrzehnten nur nach unten bewegt. Es ist anzunehmen, dass in den Wachstumsländern mit noch hohem Bevölkerungswachstum die erwerbstätige Mittelschicht in nächster Zeit einen deutlichen Sparüberhang generieren wird. Dieser dürfte vorerst den Entsparungsprozess in den Industrieländern bremsen. Auch der Trend hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft wird wohl anhalten. Es spricht folglich wenig für höhere Realzinsen, denn erst bei einer stagnierenden Weltbevölkerung dürften diese wieder merklich ansteigen. Natürlich ist aber ein Inflationsanstieg in den nächsten Jahren denkbar – das nominale Zinsniveau würde sich dann vom realen unterscheiden.

 

Manuel Ferreira, Chefökonom und Chefstratege der Zürcher Kantonalbank

ASV-Teilrevision

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 21. Juni 2019 das Vernehmlassungsergebnis zur Revision der Verordnung über die Anlagestiftung (ASV) zur Kenntnis genommen und beschlossen, die Änderungen auf den 1. August 2019 in Kraft zu setzen.

Welche Auswirkungen haben diese Änderungen auf die Anlagestiftungen?

Die Verordnungsänderung stärkt die Anlegerversammlung als oberstes Organ der Anlagestiftung, welche neu allein für die Wahl des Stiftungsrates zuständig ist. Die Stifterin hat nur noch ein Vorschlagsrecht, kein Ernennungsrecht mehr. Die Einflussmöglichkeiten der Stifter werden sogar noch weiter beschränkt: Neu darf nur noch maximal ein Drittel der Mitglieder des Stiftungsrats auf Personen entfallen, welche die Stifter vertreten oder wirtschaftlich mit einem Stifter verbunden sind. Der Stiftungsrat ist nun als reines Aufsichtsgremium ausgestaltet.

Die weiteren wesentlichen Anpassungen sind die Folgenden:

  1. Ermöglichung und Regelung von nicht kotierten Sacheinlagen.
    Es wird dem Bedürfnis entsprochen, auch nicht kotierte Anlagen einzubringen. Für die Bewertung des fairen Werts von Sacheinlagen gilt neu die gleiche Regelung von Swiss GAAP FER 26 betreffend Bewertung von Aktiven. Ferner muss eine Verifizierung durch mindestens einen unabhängigen und qualifizierten Schätzer vorgenommen werden.
  2. Neuregelung der Diversifikation und Gewährleistung einer entsprechenden Transparenz der Anlagen. Das Gegenparteirisiko wird auf 20% erhöht. Das zentrale Prinzip der Diversifikation bleibt jedoch bestehen. Die Fokussierung muss für den Anleger klar ersichtlich sein. Diese Erweiterung ermöglicht den Anlagestiftungen, vermehrt fokussierte Strategien anzubieten, wie es die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) bereits heute für übrige Fonds für traditionelle Anlagen für qualifizierte Anleger (institutionelle Fonds) bewilligt.
  3. Die bisherige Kompetenz der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV), Vorgaben betreffend Art. 26a Abs. 3 ASV zu machen, entfällt. Neu umschreibt das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) die Anforderungen näher zu den Bedingungen für die Überschreitung der Begrenzungen einzelner Schuldner und einzelner Gesellschaftsbeteiligungen bei Anlagegruppen. Dazu hat das EDI eine Verordnung erlassen.
  4. Gemischte Anlagegruppen mit einem höheren Anteil an Aktien und alternativen Anlagen sind neu erlaubt, sofern explizit im Namen der Anlagegruppe darauf hingewiesen wird. Dies erlaubt es den Anlagestiftungen, gemischte Anlagegruppen anzubieten, welche die klassischen Kategorienbegrenzungen von Art. 55 BVV 2 überschreiten. Dies ist im aktuellen Tiefzinsumfeld, insbesondere im Bereich des Wertschriftensparens der Säule 3a und der Freizügigkeitsstiftungen, von Relevanz.
  5. Investitionen in Infrastruktur und in "alternative Forderungen" gemäss Art. 53 Abs. 3 BVV 2 (z.B. Senior Secured Loans oder verbriefte Forderungen wie Asset-Backed Securities) müssen nicht mehr zwingend mittels Kollektivanlagen erfolgen.
  6. Der Anteil einer ausländischen kollektiven Anlage kann neu mehr als 20% des Vermögens der Anlagegruppe betragen, unter der Bedingung, dass diese Anlage bei einer ausländischen Aufsichtsbehörde zugelassen ist. Diese ausländische Aufsichtsbehörde muss wiederum eine Vereinbarung nach Art. 120 Abs. 2 Bst. e des Kollektivanlagesetzes abgeschlossen haben.

Die neuen Artikel gelten ab 1. August 2019. Bestehende Anlagestiftungen müssen ihre Stiftungssatzungen innerhalb von zwei Jahren ab Inkrafttreten, d.h. bis 1. August 2021, anpassen.