Foto Swisscanto Anlagestiftungen Hypotheken Schweiz Maurizio Pedrini

"Neue Produkte müssen Vorteile bieten"

Die neue Anlagegruppe "AST Hypotheken Schweiz" ist gerade auf den Markt gekommen. Wie diese von den Pensionskassen angenommen wird und worauf man bei der Konzeption eines solch komplexen Produktes achten muss, darüber spricht Maurizio Pedrini im Interview. Als Leiter Credit für die Produktmarke Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank war er massgeblich an der Produkteinführung beteiligt.

Herr Pedrini, mit der Anlagegruppe "AST Hypotheken Schweiz" bringt die Swisscanto Anlagestiftung ein neues Produkt auf den Markt. Warum?

Es gibt einige Gründe, warum Hypotheken für institutionelle Anleger und Pensionskassen interessant sind. Zum einen natürlich wegen der aktuellen Negativzinssituation. Hinzu kommt die – ich nenne es mal – Spezialsituation der zwei Zinswelten. Private Kunden haben in der Schweiz keine negativen Zinsen auf ihren Konten; institutionelle schon. Da Hypotheken von der privaten Kurve her gepreist und daher positiv verzinst werden, kann man sich als institutioneller Anleger via Hypotheken auf der privaten Anlagekurve bewegen.

Wie sieht es mit der Bankenregulierung aus? Hat sie auch einen Einfluss?

Auf jeden Fall. Sie ist ein weiterer Grund, in Hypotheken zu investieren. Banken müssen für Hypotheken mehr Kapital hinterlegen. Das sollte dazu führen, dass auch die Margen mittelfristig höher sein werden. Und schlussendlich spielt auch die Disintermediation eine Rolle. Hypotheken werden auf neuen Wegen vergeben. Da sehe ich durchaus die eine oder andere Chance für ein Produkt, wie wir es jetzt aufgestellt haben.

Das sind eine Menge Gründe. Wie ist denn die Resonanz bisher?

Sehr gut. Unser Ziel war es, für maximal 200 Millionen Schweizer Franken Investorenzusagen einzuholen. Das haben wir geschafft. Doch nicht nur das. Unter diesen Investoren sind sehr renommierte Pensionskassen. Einige haben unser Produkt auch in Begleitung von Consultants analysiert. Wir konnten also überzeugen. Jetzt sind wir gerade dabei, diese Erstzeichnungen zu investieren. Das wird etwa sechs Monate dauern. Im März, April nächsten Jahres können dann voraussichtlich weitere Investoren in das Produkt investieren.

Ist der Immobiliensektor die einzige Anlagemöglichkeit, um noch eine attraktive Rendite zu erzielen?

Sicher nicht. Viele Alternativen sind allerdings mit mehr Risiken verbunden. Das Positive an einer Hypothekenlösung ist, dass sie doch von den Risikoeigenschaften sehr nahe an Schweizer Obligationen liegt.

Pensionskassen wollen ja eher langfristig anlegen. Da spielt eine schnelle Rendite eh eine untergeordnete Rolle, oder?

Genau. Mit schneller Rendite hat das Ganze sicher nichts zu tun. Auch die Mehrrendite ist mit etwa einem halben Prozent gegenüber Obligationenanlagen überschaubar. Und das gilt auch für das Risiko.

Das Risiko hängt ja auch an den Schuldnern. Wer wählt diese aus? Und nach welchen Kriterien?

Die Steuerung der Schuldnerselektion liegt beim Portfolio-Manager. Die Auswahl richtet sich nach detaillierten Qualitätsvorgaben. So bewerten wir unter anderem die Sicherheit der Immobilie, die Belehnungshöhe und die Tragbarkeit der Schuld gemessen am Einkommensstrom.

Die Swisscanto Anlagestiftungen setzen – anders als andere Anbieter – auf mehrere verschiedene Zulieferer. Warum?

Zum einen geht es um Risikodiversifikation. Jeder Zulieferer hat eine andere Zielgruppe von Schuldnern. Das führt natürlich auch zu einer besseren Verteilung. Und auch regional sind wir in der Lage zu diversifizieren. Dazu kommt, dass wir mit verschiedenen Zulieferern natürlich an Flexibilität gewinnen. So können wir das Portfolio besser steuern. Zu guter Letzt sind viele Zulieferer auch für die Qualität der Hypotheken von Vorteil, weil wir da natürlich mit ganz verschiedenen erfahrenen Partnern zusammenarbeiten.

Sie waren massgeblich an der Konzeption der neuen Anlagegruppe beteiligt. Worauf muss man achten? Was war die grösste Herausforderung?

Man muss zwei Sachen hinkriegen. Zum einen sollte ein neues Produkt Vorteile im Vergleich zu den auf dem Markt bereits etablierten bieten oder zumindest neue Eigenschaften aufweisen, sonst ist es schwierig, Investoren zu begeistern. Zum anderen müssen erfahrene Partner für die Zusammenarbeit gefunden werden. Diese beiden Punkte waren in diesem Fall einfach zu bewerkstelligen. Aufwändiger war naturgemäss das Einbetten der Anlagegruppe in die Gesamtorganisation der Bank. Da sind sehr viele Stellen mit sehr unterschiedlichen Rollen involviert. Geholfen hat dabei, dass Hypotheken bei der Zürcher Kantonalbank generell eine wichtige Rolle spielen und viel Fach-Know-how vorhanden ist.

Gibt es – ähnlich wie im Consumer-Bereich – verschiedene Phasen bei der Produkteinführung? Also: Produktfindung, Auswahlprozess, Entwicklungsphase und Markteinführung?

Ich bin natürlich kein Spezialist für den Consumer-Bereich. Aber im Grundsatz kann man das, denke ich, schon vergleichen. Auch bei uns gab es zuerst die Produktidee. Dann haben wir diese Idee genommen und zu verschiedenen Testkunden getragen, von denen wir dachten, dass sie interessiert sein könnten. Aufgrund deren Feedbacks wurde die Idee verfeinert. Danach haben wir potenzielle Partner und Zulieferer ausgewählt und das Produkt von den Prozessen und den Details her entwickelt. Am Schluss stand dann die Einführung in den Markt. Ein Unterschied zum Consumer-Geschäft ist vielleicht, dass die Phasen nicht schön nacheinander ablaufen. Die Befragungen der Testkunden lief parallel zu der Suche der Investoren und gleichzeitig haben wir die Produktentwicklung weitergetrieben.

Wie lange hat der Prozess von der Idee bis zur Einführung der Anlagegruppe gedauert?

Etwa zehn Monate. Das Kernteam bestand aus fünf bis sechs Leuten. Im weiteren Sinne involviert waren an die 25 Leute, wenn man den Servicer mitzählt, die Zulieferer und die verschiedenen Stellen in der Bank und in der Fondsleitung.

Wenn so viele Menschen bei der Verwaltung der Anlagegruppe beteiligt sind, war es dann nicht schwierig, die Aufgaben genau abzugrenzen?

Abgrenzen musste man natürlich. Das war allerdings nicht das Schwierige. Die Herausforderung war die Koordination aller involvierten Personen. Jeder muss eine Vorstellung davon haben, was eine Hypothek ist, wie so ein Produkt funktioniert und die für seinen Fachbereich relevanten Produktdetails kennen.

Das scheint Ihnen gelungen. Ziehen Sie sich jetzt nach der erfolgreichen Produktentwicklung und -einführung zurück?

Nein. Ich bleibe nah am Produkt. Und zwar als stellvertretender Portfolio-Manager. Das heisst, ich bin beispielsweise beteiligt, wenn es darum geht, weitere Zulieferer auszuwählen.

Dann wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch.

 

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