Alles ausser gewöhnlich

Vor dem Eingang zur ersten von vielen grossen Produktionshallen der SFS Group AG am Standort Heerbrugg steht sie, jene Presse, mit der in den 1960er Jahren alles begann. Sie formte aus Draht Schrauben, und ihre Anschaffung war eine Entscheidung aus der Not heraus. Heute unvorstellbar, doch zu dieser Zeit herrschte in der Schweiz akuter Schraubenmangel – die Presse war eine Reaktion darauf.

Ein schönes Ausstellungsstück, Herr Linares! Die erste Presse als Erfolgsgeschichte einer heute sehr renommierten, riesigen Schraubenfabrik und …

Moment. Nennen Sie uns auf keinen Fall Schraubenfabrik – SFS ist ein Technologiekonzern, ein Hersteller von mechanischen Befestigungssystemen und Präzisionsformteilen – extrem innovationsgetrieben!

Doch mit Schrauben hat alles angefangen?

Ja, klar. Und auch heute stellen wir noch viele Präzisionskomponenten her, die technisch gesehen "Schrauben" sind. Doch mit den Schrauben vom Baumarkt hat das nicht viel zu tun.

Wo finden sich Ihre Produkte denn überall?

Sie würden nicht glauben, wie oft Sie pro Tag mit unseren Produkten in Kontakt kommen. Mit dem ersten Griff am Morgen nehmen die meisten Menschen schon ein Produkt von uns in die Hand. Befestigungselemente in vielen Smartphones oder Komponenten einer Harddisk im Computer kommen von uns. Genauso wie die in vielen anderen Geräten oder in Autos, wo sie beispielsweise im Interieur oder in Sicherheitssystemen wie Sitzgurten, Airbags oder Bremsen zu finden sind. Kaum eine anspruchsvolle technische Anwendung, in der wir nicht eine kleine, aber entscheidende Rolle spielen.

Bild Carlos-Linares-Pensionskasse-SFS

Der Firmenrundgang geht weiter. Dicht gedrängt steht Maschine an Maschine, und als Besucher hat man sich auf begrenzten Flächen zu bewegen. Selbstfahrende Transportsysteme, modernste Gabelstapler und Transportbänder. Alles bewegt sich schnell und offensichtlich hocheffizient. Nur Menschen sieht man relativ wenige.

Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie?

Hier an diesem Standort sind es etwa 1300 Personen, gesamthaft in der Schweiz beschäftigt SFS rund 2300 Personen. Weltweit werden an über 70 Vertriebs- und Produktionsorten etwa 9000 Personen beschäftigt.

Sie betreiben hier im Rheintal eine Produktion von Massenteilen, mitten im Hochlohnland Schweiz. Wie rechnet sich das?

Durch Innovation, Automatisierung, Effizienzsteigerung. Die Schweizer Produktionsstandorte werden auf besonders Know-how- und kapitalintensive Produkte und Prozesse ausgerichtet. Diese verfügen über eine hohe Wertschöpfung und einen hohen Automatisierungsgrad. So sind wir absolut wettbewerbsfähig, auch weltweit. Dazu kommt die Nähe zu unseren Kunden – denn unser Ziel ist es, einen Mehrwert für diese zu schaffen.

Die Leitung der Pensionskasse ist eine Ihrer Funktionen bei SFS. Was tun Sie sonst noch?

Ich bin Head of Treasury and Risk Management, kümmere mich mit meinem Team um das Cash Management, die weltweite Finanzierung und die Absicherung von Währungsrisiken. Die Pensionskasse von SFS bezieht ihre Dienstleistungen als Service über meine Abteilung. Das sind etwa zwei Vollzeitäquivalente. Nebenbei bin ich auch noch Präsident unserer patronalen Stiftung.

Bild Carlos-Linares-Pensionskasse-SFS

Wie würden Sie Ihre Pensionskasse charakterisieren? Eine typische Schweizer Industrie-PK?

Eher nicht. Die Firma ist relativ jung in der heutigen Form als Industrieunternehmen. Der Wachstumsschub begann erst in den 1960er Jahren, und auch heute erzielt SFS noch ein solides Wachstum. Wir haben etwas über CHF 500 Millionen Anlagevermögen, 2300 Aktive und 500 Rentner. Der Deckungsgrad ist sehr gut, letztes Jahr war er bei 116,3%, aktuell schon über 120%.

Erfreuliche, solide Zahlen. Vor allem, wenn man die aktuellen Herausforderungen der meisten Pensionskassen der Schweiz kennt.

Herausfordernd ist es auch bei uns! Das Tiefzinsumfeld macht es nicht einfach, unsere zusätzlichen Mittel solide und rentabel anzulegen. Allerdings haben wir einen langfristigeren Anlagehorizont als Kassen mit einem Grossteil an Pensionären. Deshalb können wir uns auch ein höheres Engagement in Aktien erlauben. Dazu kommt die eine oder andere innovative Idee.

Zum Beispiel?

Der Leiter der Technischen Dienste ist Mitglied im Stiftungsrat. Er hatte die Idee, dass die Pensionskasse in eine Fotovoltaikanlage auf den Dächern des Produktionsgebäudes in Heerbrugg investieren könnte.

Eine schöne, nachhaltige Idee. Ist sie auch rentabel?

Dank der Einspeisevergütung ist die Anlage hochrentabel – im zweistelligen Prozentbereich! Zudem produzieren wir in Spitzenzeiten bereits 15% des Stroms für die Produktion selbst. Leider haben wir nicht genug Dachfläche, um all unser Geld so einzusetzen (lacht). Wir prüfen jedoch weitere Investitionen in noch vorhandene Dachflächen auf dem Produktionsgelände in Heerbrugg.

Zurück zu den klassischen Anlagen. Sie arbeiten seit Jahren mit den Swisscanto Anlagestiftungen zusammen. Welche Rolle spielt diese Partnerschaft in Ihrer Strategie?

Swisscanto Anlagestiftungen bieten traditionell Produkte, die langfristig solide sind und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. So haben sie sich einen guten Namen und langjähriges Vertrauen erarbeitet. Swissness im besten Sinn. Das passt zu unserer Firmenkultur.

Apropos Firmenkultur. Uns ist aufgefallen, dass sich bei Ihnen im Betrieb alle duzen. Ist das ebenfalls Kultur?

Ja, schon. Aber eigentlich ist es die Kultur im Rheintal, hier duzt sich quasi jeder. Generell prägt die Rheintaler Kultur die Firma respektive den Konzern: Engagement und Bescheidenheit. Liebe zum Detail und doch eine gewisse Entspanntheit. Lokal verankert und international präsent.

Sie arbeiten sichtlich begeistert bei SFS. Was tun Sie, wenn Sie nicht hier sind?

Dann bin ich ebenso begeisterter Vater von zwei Töchtern. Und im Winter helfe ich in unserem Verein in Wittenbach mit, der einen kostenlosen Skilift für Kinder betreibt. Allerdings auch dort als Schatzmeister, also Kassier (lacht).

Danke für das Gespräch, Herr Linares.

 

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